Autor Thema: Geseite  (Gelesen 3179 mal)

Berthold

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Geseite
« am: 2014-12-04, 12:28:35 »
Eben schrieb ich an eine Freundin - Nicht: Könntest Du so nett sei, mir ein paar Notenblätter dieser Messe zu schicken!-?
Sondern: Wie sieht's denn mit ein bisserl einem Notengeseite ... aus?

So was wie beim Gestreite, Geseires oder Getöse ist doch sicher ausbaufähig. Erwierte mir hier allerhand Getäste. Auf daß die nötige Geschreibseligkeit entstehen täterte.
Das Gehünde, (Wild-)Gekätz (von Dr. Walter Anton Prodinger), Genäse, Gemünde oder Gehälse. Das ginge doch alles, oder nicht?
« Letzte Änderung: 2014-12-04, 12:36:01 von Berthold »

Homer

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Re: Geseite
« Antwort #1 am: 2014-12-04, 14:42:53 »
Beim Floristen: "Ich hätte gern ein Geblüm." – "Was darf's denn sein? Ein Geröse, ein Getülpe oder ein Genilk?"

Homer

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Re: Geseite
« Antwort #2 am: 2014-12-04, 15:03:39 »
Am Gefinster des Hauses vorbei flog ein Geilster in Richtung des Agehörns, durch dessen Gestämm ein Rinngesäl floss, an dem sich schon ein Bachgestilz niedergelassen hatte.

Berthold

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Re: Geseite
« Antwort #3 am: 2014-12-04, 15:15:07 »
Complural oder auch nur Paucativ

Nun ja, da Du ja eh sowas Pluräliges anklingen läßt - m. b. Erachtens eine Art Complural oder auch nur Paucativ -, also zumindest ein paar Fenster, Elstern oder Ahorne (nicht eben viele also), gefällt mir das.
Ein Lehrkörper wäre dann ein Gelihrer, eine Stammkundschaft ein Kündgeschäfte, eine Handvoll Geldes ein Gegilde. So hätte das halt ich - in gebotener Bescheidenheit - gnumien/aufgefießen. Rieche vom Minigèister im Parlament bis zum Gehüre an den Straßen. Nachtlur weiß ich nicht, was das werte Mitgegliede darüber denkt. Wir sind ja kein Gepätschächter, sondern die GSV.
« Letzte Änderung: 2014-12-04, 15:25:19 von Berthold »

Homer

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Re: Geseite
« Antwort #4 am: 2014-12-04, 15:21:08 »
Ich hatte durchaus an Kollektiva gedacht: ein Fensterwerk, einen Ahornwald, einen Elsternschwarm.

Interessant wird es bei Komposita: ein Hubschraubergeschwader wäre wohl ein "Hubgeschräuber", aber wie geht das mit "Helikopter"? Die Kompositionsfuge geböte wohl "Helikogeptir".

Berthold

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Re: Geseite
« Antwort #5 am: 2014-12-04, 15:28:15 »
Ich hatte durchaus an Kollektiva gedacht: ein Fensterwerk, einen Ahornwald, einen Elsternschwarm.

(...), aber wie geht das mit "Helikopter"? Die Kompositionsfuge geböte wohl "Helikogeptir".

Na schön, gefühlsmäßig wäre ich da zu "das Heligeköpter" gnalang. So eine Staffel halt. Ein Gefräue (Gewiebe) deuchen mich/mir auch weniger Frauen zu sein als "die Frauen". Kekünne bisweilen auch etwas ein bisserl Pejoratives bedeuten - zumindest ein Malativchen (falls der nicht noch abwertender empfunden werden täterte).
« Letzte Änderung: 2014-12-04, 15:37:35 von Berthold »

Wortklauber

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Re: Geseite
« Antwort #6 am: 2014-12-04, 16:35:26 »
Dieses Gepöst hier gefällt mir wohl. Sollte das -ge- bei endbetonten Wörtern grundsaltz vor der betonten Silbe stehen?
Das Regeptil im Herbarium, das Pagepier in der Amtsstube und das ganze Adgevent dieser Tage?

Wortklauber

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Re: Geseite
« Antwort #7 am: 2014-12-04, 17:32:28 »
Ach so, Adgevint natulr.

Kilian

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Re: Geseite
« Antwort #8 am: 2014-12-08, 23:34:04 »
Eben schrieb ich an eine Freundin - Nicht: Könntest Du so nett sei, mir ein paar Notenblätter dieser Messe zu schicken!-?
Sondern: Wie sieht's denn mit ein bisserl einem Notengeseite ... aus?

So was wie beim Gestreite, Geseires oder Getöse ist doch sicher ausbaufähig. Erwierte mir hier allerhand Getäste. Auf daß die nötige Geschreibseligkeit entstehen täterte.
Das Gehünde, (Wild-)Gekätz (von Dr. Walter Anton Prodinger), Genäse, Gemünde oder Gehälse. Das ginge doch alles, oder nicht?

Ei, spannend! Die Wissensgrube Canoo nennt dies die kombinierte Derivation. Es gibt sie in zwei Ausprägungen, und für beide nennst du Beigespiel: die kombinierte Derivation von Nomen und die von Verben. Letztere drückt häufig wiederholte oder andauernde Handlungen aus, bietet eine imperfektive Betrachtungsweise. Ich unterstelle dir mal, dass du (möglicherweise unterbewusst) mit deinem Notengeseite genau diesen Effekt erreichen wolltest: nicht auf ein durchgefohrenes und erfolgreiches Notenschicken abzuheben (obwohl genau das vermutlich dein Begehr war), sondern auf ein unverbindliches Damit-Beginnen, das nicht dem Druck ausgesetzt ist, zum accomplishment zu werden. Und warum extra linguistische Umwege nehmen, um die Betrachtungsweise wegzuverschieben von dem, worum es eigentlich geht? Aus Höflichkeit natürlich, aus Sanftheit, um gesichtswahrende Optionen offenzuhalten, das angediutene accomplishment oder achievement nicht zu erreichen. Also das, was die Chinesen machen, wenn sie, wie so oft, z.B. 看 zu 看看 oder 看一下 imperfektivieren.

Zurück zu dem Unterschied zwischen kombinierter Derivation von Nomen und von Verben: der könnte möglicherweise hilfreich bei etwelchem Antgeworte auf die Frage sein, wo bei solchen Ableitungen von zusammengesotzenen Wörtern das -ge- hingehöre. Immerhin haben wir bei Verben schon recht umfangreiche Erfahrungen und theoretische Ausarbitte zum Hinein- und Herausgeheimnissen von Einwüchsen und Pseudo-Einwüchsen bei Verben. Es kekünne also helfen, zunächst mal zu entscheiden, ob für eine solche Ableitung als Zwischenschritt ein Verb gebolden werden muss oder ob sie direkt vom Nomen aus erfolgt. Eine allgemeine Regel wewülle ich da hier und heute allerdings nicht formulieren, schließlich sind wir hier bei der GSV. Ich weiß nur, dass mir Helikogeptir sehr zusagt.

Außerdem frage ich mich, 1) warum Canoo bei den Verben unerwåhnen lässt, dass Verbpartikeln stets vor dem -ge- stehen (Rumgegurke, Abgedrehe), hält man das für so selbstverstalnd? 2) was eigentlich mit Präfixverben ist – auch sie werden von Canoo hier totgeschwiegen und werden MUSEN im Deutschen nie der kombinorenen Derivation unterzogen. Diesem Beschrank sollte sich das Neutsche nicht unterwerfen. Aber wie soll es heißen, z.B. im Fall von bestellen: das Gebestelle? Das Begestelle? Oder doch einfach das Bestelle (im Partizip Perfekt verweigern sich die Präfixverben ja auch dem -ge-)?
« Letzte Änderung: 2014-12-08, 23:38:00 von Kilian »

Berthold

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Re: Geseite
« Antwort #9 am: 2014-12-09, 09:35:52 »
Ich finde ja auch, daß die von Verben abgelittenen Ge- Wörter (obiger "Kilian-Unterschied" fiel mir, abends oder morgens im Bett, auch ein) oft so etwas Pejoratives, "Gemeinmachendes" besitzen: das Gebalze, Gebrumm, Geklage, Gesinge oder Gestöhne. Jenes ewige Gejeiere. Du mit deinem dauernden Gejammere!
Da ließen sich noch Verkeinerungen zufügen: das Geliebel, Gebrümmel, Geklägel - oder, da noi, auch Gebrümmerl, Gesingerl. - Vielleicht sogar Gebälzchen oder "dauerndes Gestöhnerle". Liebe Leut', hab ich da Euer Gefällerchen? 

Kilian

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Re: Geseite
« Antwort #10 am: 2014-12-09, 09:51:09 »
Ich finde ja auch, daß die von Verben abgelittenen Ge- Wörter (obiger "Kilian-Unterschied" fiel mir, abends oder morgens im Bett, auch ein) oft so etwas Pejoratives, "Gemeinmachendes" besitzen: das Gebalze, Gebrumm, Geklage, Gesinge oder Gestöhne. Jenes ewige Gejeiere. Du mit deinem dauernden Gejammere!

Sehr wahr. Einige Wörter gibt es freilich, die der Form nach demselben Schema folgen, aber eine feste, lexikalisorene, oft nicht pejorative Bedeutung haben, wie etwa Gebläse, Gehör, Gewebe.

Zitat
Da ließen sich noch Verkeinerungen zufügen: das Geliebel, Gebrümmel, Geklägel - oder, da noi, auch Gebrümmerl, Gesingerl. - Vielleicht sogar Gebälzchen oder "dauerndes Gestöhnerle". Liebe Leut', hab ich da Euer Gefällerchen?

Nicht nur das, sondern auch mein Gefallatze (hatten wir es nicht mal von Einwüchsen wie -atz- zum Intensivieren, Vergrößern? Wo noch gleich?).

Berthold

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Re: Geseite
« Antwort #11 am: 2014-12-09, 10:35:09 »
Ich schrieb ja auch "oft" - obwohl mir jene Beispiele zumindest nicht gleich eingefallen wären.
Trotzdem sind die Wörter irgendwie ihren Stammverben entzogen:
Es ließe sich namchl wohl ein Gebläse (Luft für einen Saal oder solcherlei) von einem Gebläse in jefräundes Ohren unterscheiden - bei dem etwa Verleumdungen eingeblasen werden täterten. Oder: "Ich hab mich eh bemiahen, piano zu musizieren; aber mit deinem dauernden Gehör(e) und Gelausche nimmst du mir viel Freude an der Kunst." Oder: "Genossinnen und Genossen! Liebe Weber! Dauerndes braves Weitergewebe hilft uns nicht, von unserem Hungerlohn wegzukommen." 

"Gefallatze" ist nachtlur urleinwaundich. Es erinnert an eine italienische Endung - irgendwie "dispregiativo".
« Letzte Änderung: 2014-12-09, 14:36:19 von Berthold »

Wortklauber

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Re: Geseite
« Antwort #12 am: 2014-12-09, 10:45:39 »
Bezüglich der Verben mit unbetonten Vorsilben plädöre ich für eine Fusion der Vorsilbe mit ge-:
Als langjährigem Versicherungsvertreter hängt mir dieses ganze Güberrede wirklich zum Hals heraus.
In den Stuhlkreisen der Psychiater kann einem das ganze Gverstehe ebenso auf die Nerven gehen.

Berthold

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Re: Geseite
« Antwort #13 am: 2014-12-09, 11:39:41 »
Na ja, vor allem bei faukehlig anhebenden Verben ("Güberrede")
Die andere Kchtmogl (eher mein Plägedierl) wären nachtlur Übergerede* und Vergestehe. "Bei euch Fährleuten hätte ich schon ein Vergestehe erwarten, wie die Personen und Lasten auf dem Schiffe zu verteilen wären."

*Froychl erinnert das an den Gauner und Ex-Speerwerfer Eduard Kraxenbichler - eben den
"Überger-Ede".
« Letzte Änderung: 2014-12-09, 12:31:37 von Berthold »

Kilian

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Re: Geseite
« Antwort #14 am: 2014-12-09, 13:39:12 »
Ich schrieb ja auch "oft"

Ich schrieb ja auch "Sehr wahr."

Zitat
Trotzdem sind die Wörter irgendwie ihren Stammverben entzogen:
Es ließe sich namchl wohl ein Gebläse (Luft für einen Saal oder solcherlei) von einem Gebläse in jefräundes Ohren unterscheiden - bei dem etwa Verleumdungen eingeblasen werden täterten.Oder: "Ich hab mich eh bemiahen, piano zu musizieren; aber mit deinem dauernden Gehör und Gelausche nimmst du mir viel Freude an der Kunst." Oder: "Genossinnen und Genossen! Liebe Weber! Dauerndes braves Weitergewebe hilft uns nicht, von unserem Hungerlohn wegzukommen."

D'accord. Wer auf Eindaut abfährt, kann ja postulieren, dass zur Unterscheidung von vorhandenen Wörtern mit speziellem Bedaute ein Um- oder Ablaut hinzu- oder hinwegtritt, z.B. Geblase, Gehor oder Gewab.