Vorstull, Lobhudel, und Bewurb um Aufnahme in oyre oyßerst erlauchene Gesellscht

Begonnen von Sven, 2026-01-05, 15:38:02

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Sven

Sehr geohrene PerVerse,
liebe Sprachverbesser:innen und :außen,

Nachdem eine Bekanntin mich freulnderweise auf eure Zwischennetzseite gemorken hat, bin ich tief im Haßloch (Labenz für das verneutschte "rabbit hole") verschwunden. Ich bin nicht erinnerlnd — abgesehen vielleicht von jenen Zeiten, in denen ich Robert lurn Gern zu hardten oder Maxens Goldt schorf — jemals in meinem Laben träniger gelachen zu haben, denn in den vergangenen, intensiv beneutschten Tägen! Dafür und naturl für Eure akriborene und allerdetailverlobenste Arbeit bin ich Euch von allergänzestem Herzen zu tiefstmolgem Dank verpflochten. Ergo: meistmäls Dankeschön!
 
Eure äußerst ergötzlichen Ergüsse lesend, begonn ich selbst, vom Neutschen geprogene Ideeën kre zu ieren. Meine neugewonnenen Ein- bis Zweisichten mönk ich gernstens mit euch teilen:

Zuerst das Wichtigste: ich kann nicht umhin, euch zwei Verben vorschla zu gen, die — so mein Vorschlag den Zuschlag bekömme — unterschielde Intensitäten (Konjunktiv Plural von "Intensitun") des Neutsch-Sprechens beschräben:

1. "neutscheln (neultscht — noltsch — nöltsche — genoltschen)" bezönche den Akt des Nittelhochmeutsch-Sprechens. Analog zum Verb ,,sächseln" miene es die Einfarb des Hochdeutschen mit Elementen des Neutschen.

2. "neutschen (neutscht — nautsch — näutsche — genautschen)" bezönche den Akt des Deuhochneutsch-Sprechens. Durch größtmolge Annähur an den mmU eisen sich Hochdeutschende hierbei als Ausgeweihte erw.

Reziprok hierzu schlügev ich auch ,,sachsen (sächst — suchs — süchse — gesachsen)" or mit folgenden 2 Bedauten, die sich ledilg im Partizip klar unterscheiden lößen:
- ,,ich habe gesachsen": ich habe sächsisch gesprochen
- ,,ich bin gesachsen": ich bin Sachse gewesen
In den anderen Formen äbe sich der Bedaut kontextuös erg.

Beispiel:
,,Nachdem ich die ersten fuchzehn Jahre meines Lebens gesachsen war und die nächsten ülf gehessen bin, bayre ich seit nunmehr drölf Jahren. Das Bayern leichtfällt mir noch stets nicht und ahln wie früher, als ich haugf beim Hessen gesolchen habe, hessle ich oft noch beim Bayern. Hinter denke ich trotzdem her, ich hätte gebäyern.
Im Hochdeutschen allerdings sälche, hessle und bayerl ich immer wieder unwillkürl je nach Gelag."

Und hiermit sind wir bereits in medias geresen: Mein zweiter Vorschlag bertröffe die Einfuhr der verstockenen Verben (haugf, aber nicht immer, Geographika). Es hälndt sich hierbei um Infinitive neutscher Verben, die sich in deutschen Substantiven oder Adjektiven verst ecken:

  • sachsen (sächst — suchs — süchse — gesachsen) -> wie "wachsen". 2 Bedauten wie oben beschroben.
  • hessen (hisst — haß — häße — gehessen) -> wie "essen". Dieselben 2 Bedauten bezogen auf ein anderes Bundesland.
  • bayern (bayrt — bier — boyche — gebäyern) -> oyserßt unregelmagß, aber sinnverdeulnd. Bedaut analog zu den zwei vorangegangenen.
  • hameln (halmt — hilm — hälme —geholmen) -> Labenz: "Ratten fangen".
  • bremen (briemt — brahm — brähme — gebremen) -> Labenz: "Ein Konzert geben, bei dem die Musiker aufeinander stehen (wörtlich!)". Beispiel: "Johannes brahm für sein Leben garn. Am liebsten hätte er einmal auf Ludwig gebremen, aber der war schon jahrelängst tot."
  • draußen (drießt — dross — dröße — gedrossen) -> ,,sich im Freien aufhalten".
  • gladiolen (diölt gla, dial glu, diöle glä, gla gediolen; alternative Schreibeweise "gladijohlen") -> "schadenfroh grölen". Ursprung: des römischen Pöbels hässlich Gejohle bei Gladiatorenkämpfen

Manche Verben sind noch besser verstocken, so zum Beispiel das zusammengesotzene ,,niedersachsen (sächst nieder — suchs nieder — süchse nieder — niedergesochsen)" -> jemanden auf Sächsisch niederbrüllen.
Beispiel:
,,Es ist kein schöner Anschall (akustisches Pendent zum optischen ,,Anblick"), wenn AfD-Anhänger aus dem Dresdener Umland und städtische Linkspartei-Abgeordnete einander niedersachsen."

Und noch verstockener sind Formen wie ,,beim Sachsen anhalten" -> jemand Sachsenden bitten, hoch zu deutschen.
Beispiel:
,,Wenn ich dich beim Sachsen anhalt' — deutschst du dann hoch oder sälchst du noch?"

Die seltenste Form allerdings sind die verstockenen Doppelverben — mir persoln ist nur ein Exemplar bekannen. Aber ich hieg die Hoffnung, dass jemand der anwesenden Expert:innen noch andere auftribbt:

baden-baden (bädt-bädt — bud-bud — büde-büde — gebaden-gebaden)
-> Mischformen ermolgen sehr differenzorene Beschrüben:
  • bädt-büde -> unklar ob er:sie bädt oder nicht, wahrscheiln aber schon
  • büde-bädt -> unklar ob er:sie bädt oder nicht; wahrscheiln eher nicht.
  • bädt-bud -> entweder bädt er:sie noch immer, oder aber schon nicht mehr.
  • usw.

Molgerweise in Erwug zu ziehen wäre es auch, gewohlne Verben in Doppelverben ver zu wandeln ("badenser-badenser Verbduplizur"), um solcherlei Feinheiten aus kekönnen zu drücken.

Soviel zu den verstockenen Verben.
Der weiter oben beschrobene Unterschud zwischen "neutschen" und "neutscheln" (Deuhochneutsch sprechen vs. Nittelhochmeutsch sprechen) ist im übrigen wunderbar auf viele andere Verben über zu tragen. Hier einige Beispiele:

  • arbeiteln — "ich habe mal wieder ar gebolten" -> ich habe während der Arbeitszeit zielm viel prokrastin georen.
  • heiräteln — "wir haben hei gerält" -> wir haben uns das Vielleicht-Wort gegeben.
  • umbringeln — "Der Auftragsmörder brolch ihn ledilg um, was dessen Auftrag nicht erfoll" -> der Mordanschlag missglock.

Auch umgekehrt lassen sich die schwächelnden Verben auf -eln durch Struch des "l" in vollwergt schwachsinge Formen wand verden ("verwanden" = vollwergt schwachsinge Form des schwächelnden "verwandeln").

Beispiele:

  • hameln ("Ratten fangen") -> hamen ("Ratten töten")
  • kränkeln ("Krankheitssymptome zeigen") -> kranken ("krank sein"). Im Hochdeutschen kann man lediglich "an etwas kranken", im Neutschen geht es auch ohne Bezug: "Ich kranke gar arg. Ach! mich dünkt, ich stürbe!"
  • aufrappeln ("dem Tod von der Schippe springen") -> aufrappen ("nach schwerer Krankheit gesünder sein als je zuvor")

Diese Dreispiele sesullen genügen, um das Prinzip verdaut zu lichen.
Ein besonders hübsches — wenn auch unregelmagßs Verbpaar mit und ohne schwächelndem "l" (geradezu ein Paar excellence oder ex-"l"-once!) ist jenes:

  • quacksalben — als Arzt fragwürgd praktiz und noch fragwürdeloser theoretisieren.
  • quacksabbern — als Arscht so hanebüchernd theoretisieren, dass das Praktizieren seiner Praktikabilität vollstängd verlustig geht. (Oder memüsse es heissen "...lustig vergeht"?)
Die hochdeutsche Form "Quacksalbern" ist übrigens ein unentschuldbarer Fopa des Weltgeists, der ihm unter "ferner liefen" unterlief!


Desweiteren giere ich hiermit noch drei neue, listengeeignene Kategorien propa:

1. Konjunktivorener Bedautverschub (hochdeutsch: konjunktivierte Bedeutungsverschiebung)

Das Konzept ist weniger kompliz georen als man denken sesöll: Beim Konjunktivorenen Bedautverschub hälndt es sich um alternative Bedauten von bestehenden Wörtern, die diese haben kekünnen, wenn sie nicht schon etwas anderes bedäuten.

Beispiele:

  • Kombination — miene ein Land, dessen Gesetzgub ausschlielß lange Autos mit geräugmen Kofferräumen zuließe (und diese Kofferräume ggf. aufließe)
  • Binnengewässer — miene eine Wasseransalm innerhalb geschlossener Räume
  • Raumschiff — miene ein Wassergefährt, dass sich auf ->Binnengewässern fortbewöge
  • krepieren — bezönche den Akt des Französische-Pfannkuchen-Ausbäckens
  • Rote (Ge)beete — bezönche kommunistische Agitationslyrik
  • Zehbra — miene einen bei Fußfetischisten beloben wärenden Reizwasch
  • Automat — lüte der verschrockene Ausruf eines brutal mit Tomaten beworfenen Politikers

Die süben gevorangangenen Beispiele sind regelmagßer Natur. Das bedeutt wie gesagen, dass des bedautverschiebenden Konjuktivs Bedung ledilg ,,wenn dies Wort nicht schon etwas anderes bedaüte" läutt.

Beim unregelmagß konjunktivorenen Bedautverschub hingegen kömmt eine individuelle Bedung zum Tragen.
Beispiel:
Onomatopoesie — beschrübe Yoko Ono Lennons lyrisches Werk, wenn sie an John Lennons Statt Tom Mato geehelichen hehätte.


2. Geredewandte Gluchen (Hochdeutsch: Redegewendete Gleichungen):

Konzept: Eine Redewund wird mit einem zweiten Satz multipliz georen. Daraus tiert eine neue, klügere Redewund resul.

Beispiele:

,,Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" x ,,Wir müssen die Gräben in der Gesellschaft schließen!"
= ,,Wer andern einen Graben schließt, der schafft gesell." (Das Verb ,,gesellschaffen" beschribbt gemeinnügtze Tätigkeiten)

,,Der Geist war willig, aber das Fleisch war schwach" x ,,Dies Abenteuer ist mir recht und billig"
= ,,Das Recht war billig, aber der Abend teuer."


3. Semantischer Überlupp (hochdeutsch: Semantische Überlappung)

Eine Kruz aus zwei Wörtern, bei der der letze Teil des ersten zugleich des zweiten Anfang dar stillt.

Beispiele:

  • Kompromissgeburt — Kompromiss, der für alle Seiten das Schlechteste herausholt. Anglizistischer Fachbegriff: "Lose-lose-Situation".
  • Almanachtisch — Süßspeise, die im jährlichen Turnus als Druckerzeun•g herausge wird geben.
  • Genussknacker — in die:den Jahre:n gekommener Schwerenöter.
  • Proteinshakespeare — eiweißhaltiger Dichter
  • Eiweißhaltiger — proteinreiche Großkatze
  • Großkotze — angeberisches Raubtier (unregelmagß)
  • Experimentierarzt — quacksalbender Veterinär. Ggf. sogar quacksabbernd (siehe oben).
  • Impraktikabel — funktionsloses Stück Kupferdraht mit beidseigt unpassenden Anschlüssen
  • Gastronaut — als Gast getarnener Restaurantkritiker, der (unterwegs im gastronomischen Universum) nach den Sternen grieft, um sie an Dritte verl zu eihen.
  • Unfugenmörtel — Quatsch, der mit Soße zu einer trägen Masse arb verbeiten wird, um dann Fliesen beim Fallen unter zu stützen.


Mit diesen bescheudenen Vorschlägern hoffe ich, mich der erhebenden Aufnahme in oyre oyßerst erhabene Gesellscht als würg wiesen zu erhaben. Über Reaktionen aller Arten — vor allem aber alberner, artiger oder abartiger Art — fröhe ich mich ungemein (und gemein)!

Mit den allerwertesten und ertänigsten Grüßen!

Höchstächtungsrandvoll (Superlativus triplexxx)
Sven Heinze (erste Person Singular des kennjokisch verstockenen Verbs "heinzen" = Heinz Erhardts wortwitzelnde Tradition (schwächelndes Verb hierfür: "heinzeln") in vollwergt schwachsinger Form wortwitzend fortführeln)


PS: Und als betthupferlndes Schmankerl hier noch ein am 24.12. verfassener Heiko:

Heiko über das heilige Verb ,,aben"
Äbe das Heute weniger heilig,
und der Kerzen brönnen nicht vieler als drei —
es eilig habende Menschen freilich
wönschen heiliger abende Tage herbei.



So — Ich leg mich mal kurz lang. ("kurz lang" = Antonymus paradoxalis)

Vorbeischauer

Zitat von: Sven in 2026-01-05, 15:38:02
  • umbringeln — "Der Auftragsmörder brolch ihn ledilg um, was dessen Auftrag nicht erfoll" -> der Mordanschlag missglock.

Diese Verwandt der eln-Ablitt als Konativ (also als Ausdruck des Versuches) mölgt noch mehr er, besonders im Verbunde mit dem frequentativen, also verhäufigenden ,,-ern" (wie in klappern = mehrmals klappen), welches Kontexts ein Ausdruck des häufigen, aber erfolg- oder abschlusslosen Versuchs entstünde:

,,Am Stuttgarter Bahnhof burlggen sie schon vor Jahren, und sie baggerln dort immer noch."