In meinem Haikou "Schlange, widrige" docht ich wie folgt:
Zölsch' nicht die Natter
im Busch, ich flöh' ihrer nicht,
sie vergäft' mein Blut.
Nun frug mich unser Großer Administrator, ob fliehen + Genitiv denn so klar ginge. Zunächst bejoh ich im Brustton der Überzeugung, schie den Fall aber vorsichtshalber bei Grimms nach. Ergebnis: fliehen + Genitiv ist nicht angezogen. Akkusativ und Dativ gagegen: null problemo.
Natürlich kann ich mich auf künstlerische Freiheit berufen, wäre aber nur ein Freispruch zweiter Klasse. "Ich flöhe sie / ihr nicht" wären ja auch kein Beinbruch, aber irgendwo schwirrt zwischen meinen Ohren dieses "einer Sache oder einer Person fliehen".
Wer kann helfen, oder bin ich bereits ein Fall für die Couch?
Danke, bin selbst noch fündig geworden:
Hildebrandslied
...ich heiße Hadubrand. Ostwärts fuhr er einst / floh des Otaker Grimm Weg mit Dietrich und vielen seiner Degen.
Jetzt gälte es nur noch zu klären, ob das Original an eben jener Stelle (11. Vers) auch einen Genitiv aufweist. MrMagoo, wenn Ihr so freundlich wäret...
Nicht fliehen steht hier mit Genitiv, sondern des Otaker ist Genitiv-Attribut zu Grimm. Und der steht hier im Akkusativ oder Dativ.
also: floh den/dem Grimm des Otaker...? Klar, jetzt sehe ich's auch.
Peinlich, peinlich :-[
original ebenso:
forn her ostar giueit floh her otachres nid
hina miti theotrihhe ...
(nur der vollstände halber.)
Im Original hätte ich es ohnehin nicht erkonnen.
Ist schon peinlich, daß ich selbst die Übersetzung nicht durchschauen habe. Aber, wie sagt der Fußballehrer:
"Läbbe geht waidä"
Und die Suche! ;)
Dein Sprachgefuehl hat dich nicht betrogen. Voila:
Wehe mir doch! wofern ich hinweg vor dem starken Achilleus
Fliehe des Wegs, wo die andern in scheuem Gewirr sich ergossen;
Ilias nach Voss
Danke der Bemühungen, ich habe ein vergleichbares Zitat von Luther:
"...und er floh des Weges zum blachen Felde."
bin mir allerdings nicht sicher, ober der Weg hier ein astreines Genitivobjekt ist.
Ich habe Bedenken, daß es sich um eine verkürzte Version von "entlang des Weges" handelt, denn seien wir ehrlich: hier wird ja nicht vor dem Weg geflohen.
in der ilias-stelle heißts doch, daß derjenige "hinweg vor dem starken Achilleus" flieht. der ist das objekt - und steht stiefmütterliglich nicht mal im akkusativ, sondern mit "vor".
Ich glaube, ich weiß jetzt woher meine Macke rührt. Es muß mit dem Demonstrativpronomen oder dem Possessivbegleiter zusammenhängen, welche, wenn weiblichen Bezuges, ja im Dativ und Genitiv des Singulars gleich klingen.
Ich fliehe dieser Welt
Sie floh ihrer Verpflichtung
sind natürlich Dative.
Offenbar hat mich etwas glauben gemiechen, es handele sich hier um Genitive. Ist aber auch zu verführerisch!
Großer Administrator, bitte ändert mein Haikou richtung Akkusativs, der Dativ ist schön, bedarf aber in dieser Situation keiner Stärkung - er hat mich sehr ent-/getoschen, nun bin ich seiner gram. ;D
ZitatFliehe des Wegs, wo die andern in scheuem Gewirr sich ergossen;
und er floh des Weges zum blachen Felde.
Hier hat
fliehen anscheinend durchaus ein Genitiv-Objekt. Es sagt nur nicht, wie zuerst vermutet,
wovor, sondern
wo entlang man flieht. Das ist genau wie bei "seines Weges gehen". Also doch ein Fall für die Genitiv-Liste. Frage: Müsste man dann nicht alle Verben der Fortbewegung aufnehmen? Antwort: Jeweils bei Literaturbelegseintrudelung.
*schreibt sich Aufnahme von
fliehen und Haikouänderung auf die To-do-Liste fürs nächste Update*
Zitatwenn weiblichen Bezuges, ja im Dativ und Genitiv des Singulars gleich klingen.
Dieses Phänomen ist ja als Quelle falscher Dative berüchtigt: "Wegen der Überbevölkerung...". So wurde es endlich auch einmal in unserem Sinne tätig! ;)