Gesellschaft zur Stärkung der Verben

Öffentliche Bretter => Omnia licent => Thema gestartet von: Berthold am 2016-05-04, 14:27:33

Titel: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-05-04, 14:27:33
Ich werde meinen ersten Erzählungsband einen Tag vor dem Sechziger herausbringen. Andere sind halt um Jahrzehnte eher dran.   
Hier die kleine Notiz. Falls irgend jemand von Euch Zeit hätte, wär's mir eine riiiesengroooße Freude! Die allermeisten Illus sind ebenfalls vom Berti. Ein "Clavoir" stünde (& steht) bereit. Hervorragende Pianofortistin: Nina Attorf. - Eine "Glans" irgendwo in Dschöameni wäre auch nicht schlecht ...:

Berthold Janecek
Der Sonne eine Gasse
Erzählungen eines Insektenforschers

Ca. 185 Seiten, € 15.-;
bei der Präsentation: € 10.- .
Dienstag, 24. Mai 2016, 19 Uhr
(mit Speis & Trank und  – hoffentlich? – Überraschungen!)

Im WERKL
Wien 1220, Schüttaustraße 1

Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-05-19, 11:57:02
http://www.werkl.org
Siehe Dienstag, 24. Mai.
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Kilian am 2016-05-19, 15:24:59
Physisch anwesend zu sein habe ich leider keine Zeit. Aber sag, wo wird man das Buch kaufen können? Die Leseprobe ist zum Anbeißen…
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Homer am 2016-05-25, 19:54:28
Ich werde meinen ersten Erzählungsband einen Tag vor dem Sechziger herausbringen. …
Dienstag, 24. Mai 2016

Moment mal, 24+1 =  ???  –– aber das heißt doch  :o –– vielfachen Glückwunsch, lieber Berthold!
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: ku am 2016-05-25, 20:54:03
Ich schließe mich in voller Länge und Breite herzlichst an die vielfachen Glückwünsche an. 
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-05-26, 09:57:04
... dann mögen meine glückwünsche in höhe und tiefe die vorangegangenen auf's trefflichste ergänzen! ...



... den buchtitel finde ich sehr schön, indes: wo ist er her? ... netzens findet sich folgendes gedicht, das ihn enthält:

Liebe aus dem Grab

Neigt euch, Sonnenblumen,
lasst der Sonne eine Gasse,
dass ihr Blick mich nochmal fasse,
meines Lebens letzte Krumen.


... allerdings erwahn bertl hier im forum einst:

"Der Sonne eine Gasse / oder / Sokrates und Lăo Zi" (nach einer Postkartengeschichte, von B. J., 10. - 11. 2. 2004)

... ältere belege für den titel habe ich netzens auf die schnelle nicht finden können, aber sicher kann bertl erklären, woher er stammt ... würde mich nur mal so interessieren ...

... und wo gibt's denn eine leseprobe für das bertlsche werk? ... ich habe keine gefunden ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: amarillo am 2016-05-26, 17:30:52
Bin schon wieder etwas verspätet, doch nicht von minderer Herzlike sollen Dich meine Glück- und Segenswünsche erreichen! Bekommen wir einen Abriss des Vorstellungsabend gelorfen?
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-05-26, 19:52:51
(...)

... den buchtitel finde ich sehr schön, indes: wo ist er her? ... netzens findet sich folgendes gedicht, das ihn enthält:


Der Buchtitel (Z.T. Titel einer Erzählung) ist eine Variante von "Der Freiheit eine Gasse". Das Buch so zu nennen war eine Idee - ich finde eine gute Idee - des Verlegers (Gerald Grassl).
Ich muß noch taigetzen & überlegen, wie's am geschicktesten ist, Bücher nach Deutschland zu schicken.
Herzlichen Dank für Eure Glückwünsche!
Die Präsentation war recht schön - auch mit Schubertliedern. Die Pianistin ist hervorragend (probt offenbar meistens mit OpernsängerINNEN); sie spol alles vom Blatt.
Als Bericht/Abriss, den der liebe amarilllo anrag - schreib ich Euch hier das her, was ich auch der lieben Melitta guschrimp habe.
Diese Frau (Botanikerin & Biochemikerin; sie hat aber auch ein Buch geschrieben.) hat nicht nur innere Größe, sondern ist 187 cm hoch gewachsen. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in der Schweiz - bei Basel:
"Gestern war's ganz wunderbar. Es waren 40 oder mehr [chwomolg ca. 50] Gästinnen & Gäste im "Werkl". Auch, z.B., der Alois Frank, bekannt etwa also Tatort-"Kommischjoner". Sogar eine Pianistin fand sich noch (aus Ungarn, Budapest), die offensichtlich mit OpernsängerINNEN arbeitet und so gut wie "alles" einfach vom Blatt spielen kann - angeblich selbst in Transpositionen. Ich konnte daher mehrere Schubert-Lieder vortragen. Bei "Die Krähe" ward sogar ein Chorus getextet - mir zu Ehren. Rührung ... Meiner miesen Finanzlage entsprechend, bekam ich auch einiges an Geld. Der Franz Novak hat die Veranstaltung aufgenommen, so dass Text und Gesang gehört werden können. [...]
Bei den Geschichten habe ich meist in einem besonders spannenden Moment aufgehört, um das Lesen anzuregen. Gestern blieb, glaub ich, gar kein Buch mehr übrig, außer die paar, die ich selber bekommen habe. [Derzeit habe ich selber nur noch ein Exemplar.]"
 
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-05-27, 13:13:07
Der Buchtitel (Z.T. Titel einer Erzählung) ist eine Variante von "Der Freiheit eine Gasse".

... ja, DAS ist mir freichl schon klar! ...

Das Buch so zu nennen war eine Idee - ich finde eine gute Idee - des Verlegers (Gerald Grassl).

... mag sein, aber mich öre interess, woher der gute sie hat ... drum mein verweis auf nalmes gedicht und deine bereits erwahnene erzuhl ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-05-28, 20:55:28
Hier die "Manuskriptwöaschn" dieser Geschichte - ohne die abschließenden Korrekturen (z.B. bei den chinesischen Eigennamen):

"Der Sonne eine Gasse oder Sokrates und Lao³Zi
(nach einer Postkartengeschichte, 10. - 11. 2. 2004)
Aus "Berthold Janecek (24. 5. 2016) - Der Sonne eine Gasse - Erzählungen eines Insektenforschers - Werkkreis Literatur der Arbeitswelt - Redaktion: Gerald Grassl; 181 pp.; S. 56 - 62. Wien 2016.)

Erzählen möchte ich zunächst von einem Bündnis zwischen Herrn Rainer S., beschäftigt an irgendeiner Uni, und Frau Bái Lán (= Weiße Orchidee, auch Gardenie), der ältesten Tochter von Herrn Wáng (= König). Herr Wáng ist Beiselier an einem Platz in der Wiener Vorstadt. Rainer S., der nirgendwo sonst Held wäre, darf es in einer meiner Postkartengeschichten sein.    
   Postkartengeschichten haben wenige, aber doch ein paar Prämissen: Du nimmst eine Ansichtskarte (z. B. kannst du dir in Kaffeehäusern kostenlos einen ganzen Packen holen), schreibst die Adresse einer lieben Person drauf und beginnst, nach einem Einleitungsg´sätz´l über einen verhexten schwarzen Kugelschreiber, der dich zwänge, immer weiter zu schreiben, oder Ähnliches, eine Geschichte in einem Zug herunterzuschreiben; verfertigst (ganz wichtig) auch Illustrationen dazu. Kommst du ans Ende der Karte, setzt du die Geschichte auf einer weiteren Karte fort, bis dann, nach ca. 8 Karten... Alles zusammen oder auch nacheinander zur Post zu bringen. Das hat einen tüchtigen Stich Freigiebiges, sich-selbst-Verschleuderndes, ganz wie´s sein soll.
   Doch zurück zu Rainer S. Bestimmt ist der auch selbstverliebt, verspielt und verantwortungslos, vor allem aber ist er feige, grunderzzapfenfeige. Statt ernsthafter politischer Diskussionen grinst er sich eins, wenn er in Fredi Ouřatniks Lokal „Galgenvögel“ (ein Name ohne Geheimnis) ins Gästebuch einträgt:

      „Ich gebe schon zu, unterm Fliegen-Schwarz-Blau
      sind die Zukunftsaspekte offenbar flau;
      und - gegen Künstler- und Ausländlerhatz -
      überbrüllst du, voll Ohnmacht, den Ballhausplatz.
      Doch: Über manchem Fronleichnamsgebimmel
      paaren sich Mücken am Junihimmel.“

   Steigt er dann in die Straßenbahn, wird er immer wieder vom Lachen geschüttelt, so dass er vielleicht nicht gleich merkt, wenn er im 44er und nicht im 43er sitzt. - 
   Leichthin hat ihm die Regierung das Tor geöffnet, dem „Herr Professor Gernot Geißmelker (kurz „Ge-Ge“) Test für die Beherrschung der deutschen Sprache“ “for EC-countries with a German majority“. Dazu zählen die knallhart auch Österreich; “German speaking“ heißt es in der directive eben nicht. Klarerweise geht´s bei den Getesteten um Ausländer, etwa um eine junge Chinesin, die halt vielleicht ein bisserl was anderes machen möchte als Kellnerei. Bleiben wir noch ganz kurz beim Test. Die Fragen darin sind schwer. Heißt der Komparativ „reicherblütig“ oder „reichblütiger“? Schreibt man das jetzt nicht überhaupt getrennt, und falls, hätte das eine Auswirkung auf die Steigerung? Heißt es: „Von Montag, dem 17., bis Mittwoch, dem 19. ...? Oder „...bis Mittwoch, den 19. ...“. Überhaupt,  mir erschiene es unheimlich, eine gewaltige Sprache beherrschen zu wollen. Beherrschen! Phonetik, Wörter und Grammatikregeln wie Untertanen, Sklaven. „Der Diener am Wort“, nannte sich just Karl Kraus.
   Ich habe es schon angedeutet: Auch Bái Lán musste für den Test büffeln. Wäre das nicht so, Rainer S. bräuchte sie nicht zu trainieren. Tat er aber. Täte er das nicht, Bái Lán bräuchte wiederum ihm nicht... Doch dann kam es für Rainer S. zu einer grausigen Koinzidenz: Er hatte ein Skriptum von 360 Seiten für einen C.-Kurs in Graz 25 mal zu kopieren - wobei vorher noch ein paar Seiten zu ändern waren; ein paar Dutzend Seiten. In gewohnter Weise („So eine Arbeit muss leben!“) hatte sich Rainer S. diese Tätigkeit für den Abend vor dem Kurs aufgehoben. Doch der Arbeitsplan wurde vom Schicksal durchkreuzt. In die Alte Donau, mit deren Untersuchung Rainer S., in untergeordneter Stelle, verknüpft war, war die Mörderblutalge (Vampyrorubella bramstokeri) eingedrungen und hatte begonnen, die Wälder an Tausendblättern (Myriophyllum spicatum und verticillatum), die eben austrieben - oder ausgetrieben hätten -, in grauen Schleim zu verwandeln. Außerdem führten/führen Giftstoffe der Alge an den Kiemenblättchen von Laube (Alburnus alburnus) und Zander (zumindest hieß der Stizostedion lucioperca) zur tödlichen Branchitis cystolytica.
   Es war das zeitige Frühjahr; wichtigere ForscherInnen und ProfessorInnen bräunten sich zumeist, in Aspen etwa oder in Chamonix, angelten vielleicht auch Welse (Silurus glanis), irgendwo am Po.
   Ein schwerer Brocken Arbeit war an Rainer S. hängen geblieben: Die Erstellung eines Blitzgutachtens mit einem Katalog wirklich praktikabler Notmaßnahmen: womit etwa die Populationsentfaltung des wichtigsten Fraßfeindes der Alge, des Wasserflohs Dinobosmina caroli-istrarboris, voranzutreiben sei - und solcherlei. (Übrigens soll mit dem umständlichen Artnamen des genannten Planktontierchens der Hydrobiologe Charly D. geehrt werden.)
   Nun, selbst ein Blitzgutachten kann man ein paar Tage aufschieben, vor allem in der Hoffnung, dass doch noch jemand anderes... So fiel dann alles zusammen - und war in einer Nacht für einen allein nicht mehr zu bewältigen. Hätte sich nicht Bái Lán an den Kopierer gestellt, die ätzende Ozonluft eingeatmet, dem gegen Morgen immer lauter werdenden Kreischen der Maschine getrotzt (es ging um Tausende Seiten), ihren „Tonerhunger“ gestillt, die zerknitterten Blätter bei den immer häufiger auftretenden „Paperjams“ rasch entfernt, dann... Immer mehr Kannen teerschwarzen Young Master Grey und Assam Royal Flush Triple Broken Tees, endlich auch Kaffees, gewöhnlichen Kaffees, wurden geleert. Massagen an Schulter und Hals gab es, auch Umhalsungen - die späteren bereits unter Tränen. Endlich, gegen halb fünf Uhr morgens, war der Maßnamenkatalog gediehen. Aber weil er sein Arbeitstempo zwanzig Stunden lang überschritten hatte, fielen sie über Rainer S. her, Bilder des Krieges; nicht er, es phantasierte: Panzer fuhren durch den Sand einer Wüste auf der Halbinsel Sinai, Schweizer Landsknechte harrten in hellebardenstarrenden Karrees der schweren französischen Kavallerie von König Franz; als der Forscher überlegte, woher das Kraftfutter zum Aufpäppeln der Wasserflöhe kommen sollte, rieben die Mongolen bei Muhi das Heer König Béla IV. auf. Da hatte Bái Lán 27 Skripten fertig gebunden. Rainer S. versuchte, die Bilder in seinem Schädel zu verscheuchen, schüttelte diesen, trommelte und klatschte sich gegen die Stirn. Allein Rührung über das Werk seiner Freundin wollte er fühlen, Rührung und Dankbarkeit. Da sprach Bái Lán:
   „Hiel ich haben eine B(e)latt(e) Zettel...“ „Du brauchst vor Zettel kein Zählwort zu setzen, liebe Bái Lán.“ „Ja!“ - Doch sie lächelte nicht. „Hiel haben Zettel, was nicht haben kopielen.“
   Die Kimbern zogen hinab in die heiße Poebene. Trotzdem besah Rainer sich den seltsamen Zettel, der irgendwie zwischen die Kopien gelangt war. Er wurde allmählich neugierig. Das war kein Kopierpapier, es sah aus wie Reispapier eines Kalligraphen. Und es war ja auch eine Kalligraphie drauf!
   Bái Lán las vor: „Dang1 qí wú you3 shì zhi1 yòng.“
   „Ja - und was heißt denn das?“ Die wenigen chinesischen Zeichen, die Rainer S. sich gemerkt hatte, konnten höchstens ein paar späte Kaffeehausgäste beeindrucken.
   „Heißt(e) zilka: Dolt wo leer, Zimmer Nut(e)zen hat.“
   „Das ist doch von Lao3Zi“, schreit er.
   „Ist Lao3Zi.“
   „Warte, Bái Lán, da hab ich die alte Reclamübersetzung, von diesem - Ernst Schwarz (glaub ich), damals - Philipp Reclam jun. in Leipzig - als es die gute alte DDR noch gegeben hat.“
   Er öffnet die Schiebetür des Bürokastens nordwestlich seines Binokulars, schleudert Bücher und Papiere einfach auf die drei, vier Quadratmeter freien Bodens, die es in seinem Kämmerchen noch gibt. Endlich taucht der Lao3Zi auf. Das Büchlein von 1970 ist stark vergilbt. Bald ist der Vers gefunden. Er gehört zum 11. Spruch, dessen erste drei Strophen Ernst Schwarz so übersetzt:

„dreißig speichen umringen die nabe/ wo nichts ist / liegt der nutzen des rads

aus ton formt der töpfer den topf/ wo er hohl ist / liegt der nutzen des topfs

tür und fenster höhlen die wände/ wo es leer bleibt/ liegt der nutzen des hauses“

   „Was fällt dir zu dem letzten Vers ein?“, fragt er Bái Lán. Nur zögernd antwortet sie, nachdem sie ein Wort in ihrem kleinen Taschenwörterbuch nachgeschlagen hat:
„Chinesische Dào-Zaubelel haben blauchen, dass Sch(i)tein, dass dà lóu, gloße, gloße Haus(e), kaputt(e)gehen.“

   Da bricht das Bild in Rainer S. ein, rasierklingenscharf. Diese Schachpartie ist es, die ihm damals, zwanghaft, wieder und wieder durch den Kopf ging, als sie ihm den Cocktail eintropften, aus - den Medikamentennamen tun ein paar ppm Poesie not - heptazyklischem Anaphrenon, Hilarit, Voluptal forte, Vidalumpén... Jetzt gibt´s sicher bessere Antidepressiva, happiness might be back soon... Es ist die Partie Michail Botwinnik gegen Bobby Fischer, auf der 15. Olympiade, 1962 in Warna. Nach dem 51. Zug von Schwarz, dem Bauernzug b6-b5, muss es wohl remis ausgehen - und so ging es auch aus. Jetzt aber sieht er die Stellung vor diesem Zug.
   Der weiße Turm ähnelt dem Kapitell einer korinthischen Säule, doch statt der Akanthusblätter hat es Schierlingsblätter. Die weißen Bauern sind Klötzchen - wohl aus Elfenbein -, in die Schierlingspflanzen, wie aus einem alten Creytterbuch, eingraviert sind. Der weiße König ist dann natürlich Sokrates, den Mund geöffnet bei seiner Veteidigungsrede..
   Der Schwarze Turm, in der linken unteren Ecke, ist eine dreistöckige Pagode. Die schwarzen Bauern sind (gewiß) Jadeklötzchen, in die man Blüten irgendeiner - wohl chinesischen - Frauenschuh-Art eingraviert hat. Der schwarze König kann nur noch einer sein: Lao3Zi.
   Doch - statt Botwinniks und Fishers - SIE selbst sitzen als Spieler am Brett, die Meister! -: Sokrates, mopsköpfig, ein Satyr; - ein Gegner im Dialog, im Streitgespräch, verglich ihn mit einem Stechrochen.
   (Ich füge ein Zitat ein: (Menon sagt): "Denn auch dieser (der Stech-, Krampfrochen) macht jeden, der ihm nahekommt und ihn berührt, erstarren. Und so dünkt mich, hast auch du mir jetzt angetan, dass ich erstarre. Denn in der Tat, an Seele und Leib bin ich erstarrt und weiß dir nichts zu antworten, wiewohl ich schon tausendmal über die Tugend gar vielerlei Reden gehalten habe vor vielen und sehr gut, wie mich dünkt. Jetzt aber weiß ich überall nicht einmal, was sie ist, zu sagen" (Menon. 80a - b).)
   Sokrates gegenüber sitzt Lao3Zi. Rainer S. sieht die hohe Stirn, die buschigen Brauen, die langen Ohren (Lao3Dan1 (= altes Langohr) nennt in Meister Zhuang1). Über seine Wirkung auf Gesprächspartner wurde Ähnliches geschrieben wie bei Sokrates:
   („Laudse beweist Konfuzius die Nichtigkeit seiner Begriffswelt, und Konfuzius, zutiefst erschüttert, ,schwieg drei Tage lang...´ Von seinen Schülern wegen seines beharrlichen Schweigens befragt, erwidert Konfuzius: ,Nun habe ich hier einen Drachen erblickt ... den Mund sperrte ich weit auf vor Verblüffung und konnte ihn nicht wieder schließen...´“)

   Rainer meint zu wissen, was das Remis dieser Partie für ihn bedeutet: Wie ein gehorsamer Schüler des Sokrates wird er dann den Kerker nie mehr verlassen, sich nicht durch Flucht entziehen, bis zum Tod die Gesetze (Athens) achten, vielleicht selbst einen Schierlingsbecher leeren. Die beiden Meister spielen um sein Schicksal, seine Zukunft, vielleicht um sein Leben. Wann kommt endlich der erwartete, protokollierte Zug?
   Doch was geschieht hier? - Lao3Zi schiebt - nicht den b-Bauern ein Feld vor! König d4 ist sein Zug! Halt, denkt Rainer, als ihm der Frost der Freiheit über den Rücken hinabwandert. Auch das muss remis werden. Kremenetzkij hat es in einer Analyse bewiesen. Einen noch schöneren Weg zum Remis in der Stellung nach dem 65. Zug fand der, damals dreizehnjährige, spätere Weltmeister Garry Kasparov. - Welchen Zug wird nun Sokrates machen? - - Welchen? - - - Der aber - - gemächlich erhebt er sich, verbeugt sich vor Lao3Zi, lächelt - wohl wie damals, als Diotima IHN belehrte - und geht davon. Teerschwarz ergießt es sich über das Bild. -
   Bái Lán schüttelt Rainer, und er fährt empor. Kalt und kraftlos sind seine Hände, sein Bauch ist ein schlaffer Sack. Voll Angst ist er. Die richtigen Worte freilich, die meint er nun zu wissen. Aber, halt, nicht seine Freundin... Er flüstert, unterstützt die Rede durch Gebärden: „Bái Lán, wenn ich dich bitte, dann rennst du die Stiegen hinab, rennst beim Gartentor hinaus, rennst hinunter zu eurem Fàn Diàn (Beisel), verstehst du mich? Rennen! Du drehst dich nicht um, was immer (so muss es an dieser Stelle heißen) du hinter dir hörst.“

*
 
 Da stehen wir am Morgen, die Vertreter der heiteren Welt, eng gedrängt, im Schutt des zerstörten Labors: Duczinsky vom Innenministerium, Kommissar Felix Klee, Udo Pumhösl (der Sprengstoffexperte) und endlich ich, Munibert „Onkel Berti“ Vaneček, Kriminaljournalist, Freiberufler, doch meist - des schönen, für chinesische Kalligraphie geeigneten, Papiers wegen - beim Standard dienstbar. Wissen Sie, wie verschmorte PCs oder verbrannte Sammlungen irgendwelcher Insekten aussehen und riechen? Der Aschenmasse nach muss es in dem sehr engen Kämmerchen Tausende Bücher und Zeitschriften gegeben haben. Nach dem Feuer hat das Wasser hier gewütet. Vor ein paar Minuten erst hat sich die Feuerwehrkommandantin verabschiedet. Frau Dr. R. dagegen, die Tiefenpsychologin, ist seltsamerweise immer noch da. Hat sie gehofft, hier einen schäumenden Psychopathen anzutreffen? Auch ohne diesen entfaltet sie die Schmetterlingsflügel ihrer Theorien. Ich höre von „Ingestion multipler Torturrituale, bis der Durst nach Katharsis Geburtstrauma-analog zwinge, auf Kerkermauern projizierte Innenwelt-Rupturen mit den zwei funda-mentalen Körperöffnungen zur Kloake zusammenzufügen und diese zu penetrieren.“ Eine solche Deutung erscheint mir ein Alzerl übernachtig und weniger interessant als die Tatsache, dass nirgends auch nur die Spur eines Sprengstoffes gefunden worden war. Verdattert stehen wir herum. Klee hat immerhin eine Flasche Hebriden-Whiskey und einen Satz geschliffener Gläser mitgebracht.
   Unvorhergesehen ergießen sich durch den klaffenden, geschwärzten Mauerspalt Sonnenstrahlen. Schlanke Zweige von Parkbäumen, noch ohne Laub, erglänzen. Den gleichen Gedanken haben wir offenbar, alle fünf, vielleicht auch das gleiche jähe Gefühl von Freiheit. Wir schleudern unsere Gläser dem Licht entgegen. Der Sonne eine Gasse!
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-06-03, 15:04:14
Ich künde ("kündige" wage ich gar nicht herzuschreiben) auch hier Folgendes an:

Hochedle Freundin! Hochedler Freund!

"Der Sonne eine Gasse" - Erzählungen eines Insektenforschers (Berthold Janecek)
(eine Präsentation seines neuen Büch'ls; besondere Widmungen - etwa kurze, chinesische Sprüche - möglich)
Der Herr Verleger ist Gerald Grassl.

Im Kulturbeis'l "U.S.W", Laudongassse 10, Wien VIII: Donnerstag, 9. 6. 2016; Beginn: 20 Uhr.
http://www.uswbeisl.com

Es liest und singt: der Autor selber. [Das sesülle Euch aber nicht abhalten.]

Am Klavier wirkt die unvergleichliche Frau Dr. Margit Sautner.

Hochachtungsvoll!
B. J. 
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-06-14, 12:13:05
Da kekünne das Gereimsel ausufern. Daher nur "ein paar" Beispiele:

Im Pokerblatt vier Asse -
Die Bache minnt der Basse. -
Dem Kriegsschiff die Barkasse -
Dem Schwarzen eine Blasse -
Zum Schwenk der Rah' die Brasse -
Ein Karpfenfisch: die Brasse -
Ein Tritt dem Bramarbasse -
Ein Urlaub im Elsasse -
Der Wein im Riesenfasse -
Sie hockt dort im Gelasse. -
Voll Jähzorn die Grimasse -
Ein Liebeswort dem Hasse -
Der Räuberin die Kasse -
(Ich bin ganz schlecht bei Kasse. -)
Der Schulwart schimpft die Klasse. -
Ist's Norden am Kompasse?
Schau, Ponostarletts! Krasse!
Ein Reiter im Kürasse -
Mensch - du verkrampfst! - Ich lasse. -
Er blieb ganz träge Masse. -
Ich lecke die Melasse. -
Las ich schon Herrn Menasse? -
Es war ein Griff ins Nasse. -
Ich träume vom Parnasse. -
Der Zöllner schrieb im Passe. -
Zweitbeiboot? - Die Pinasse -
Schau, Hunderter! - Ich prasse. -
Rassistenschwerpunkt? - Rasse -
Dem Hasen eine Sasse -
Dem Teetrinker die Tasse -
Der Bergbahn eine Trasse -
Da gäb's noch mehr. - Ich passe. -

Der Sonne eine Gasse


Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-06-14, 14:38:02
der reim kommt mir zupasse!

terrazzo liegt auf der terrasse -
zerfahr'n ist die karkasse -
im knast sitzt der insasse -
im tal liegt die molasse -
parfüme gibt's in grasse
français parliert der monegasse -
(dito der madegasse) -
der kürbis wird zur kalebasse -
glauben fehlt (dem) thomasse -
drei masten hat die galeasse -
(manchmal auch vier) - na, lass' se!

doch schluss mit reimen ohne klasse!

dem bertl seine eig'ne gasse!
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-06-14, 14:52:47
Ich ohn es. Echt viele Reime. Darunter allerhand Seefahrerisches.
Soll keine Familien-Angeberay sei, sondern sich auf Deine Schlußwendung beziehen: Nach meinem Vater (auch einem Bertl) gibt's zu Wiener Neustadt echt eine Gasse - sogar mit einem "Weihnachtswunder":
http://www.unser-stadtplan.at/Stadtplan/Wiener-Neustadt/str/Albert-Janetschek-Gasse.map
http://www.meinbezirk.at/wiener-neustadt/lokales/weihnachtswunder-in-der-albert-janetschek-gasse-d1194128.html
Wie's ausschaut werdet Ihr diese Gegend froychl nie kennenlernen. Denk(t) nun ja kein rohes "Na und!"
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-06-14, 14:55:09
Soll keine Familien-Angeberay sei, sondern sich auf Deine Schlußwendung beziehen: Nach meinem Vater (auch einem Bertl) gibt's zu Wiener Neustadt echt eine Gasse - sogar mit einem "Weihnachtswunder":
http://www.unser-stadtplan.at/Stadtplan/Wiener-Neustadt/str/Albert-Janetschek-Gasse.map
http://www.meinbezirk.at/wiener-neustadt/lokales/weihnachtswunder-in-der-albert-janetschek-gasse-d1194128.html

... du tatest diesem erfeulichen umstande bereits vor geraumer zeit erwahn hier im forum ... dies wohl im hinterkopfe habend, furd ich indes auch für dich eine gasse!
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-06-14, 15:09:34
Soll keine Familien-Angeberay sei, sondern sich auf Deine Schlußwendung beziehen: Nach meinem Vater (auch einem Bertl) gibt's zu Wiener Neustadt echt eine Gasse - sogar mit einem "Weihnachtswunder":
http://www.unser-stadtplan.at/Stadtplan/Wiener-Neustadt/str/Albert-Janetschek-Gasse.map
http://www.meinbezirk.at/wiener-neustadt/lokales/weihnachtswunder-in-der-albert-janetschek-gasse-d1194128.html

... du tatest diesem erfeulichen umstande bereits vor geraumer zeit erwahn hier im forum ... dies wohl im hinterkopfe habend, furd ich indes auch für dich eine gasse!

Bitte nicht! Denn so lange eins lebt, gibt's nicht einmmal ein Sackgässlein. Genügt also, "Der Sonne eine Gasse" zu verlangen.
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-06-14, 15:14:16
Bitte nicht! Denn so lange eins lebt, gibt's nicht einmmal ein Sackgässlein.

... wie passend zu den obigen reimen, dass sackgasse auf französisch "impasse" heißt :D ...

... aber bertlsgasse klänge schon nicht schlecht ... wäre mal was anderes als allüberall die langweiligen kilianstraßen ;D
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-06-14, 15:19:58
... jetzt fällt mir grad was auf! :o ...

... dein buchtitel ist schlichtweg eine huldigung des geliebten sprachführers, der ja seit kurzem den titel sonne der GSV trägt! ;D ...

... ob kilian allerdings eine gasse reicht? ... hahummmm ... das licht, das den duden überstrahlt, ist doch mittlerweile statuengesäumte prunkalleen gewohnen ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Wortklaux am 2016-06-14, 15:31:55
Die Wers, die Wanns, die Wasse
Die Ders, die Danns, die Dasse
Die kommen dem zu Passe
Der Reime schreibt in Masse.
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-06-15, 10:48:20
Na komm, lieber Wortklaux. Ich säh's ja ein, wenn Du den lieben Herrn Anton "Tonio" Yme der Massengfarntig ziehest. Aber just wieder mich ...

Du schiebst wohl oft ein Masse
-l, kennst wohl gut die Asse
-l, jenes Krebstier, Kasse
-ler Rippchen und die Dasse
-lfliege, das Geprasse
-l, Flammenzungen, Rasse
-ln schwerer Ketten, Trasse
-l: Wirrwarr, schwedisch; Blasse
-l: eine Weißfleck-Rasse.
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-06-15, 11:17:30
kilian (...) ist doch mittlerweile statu[t?]engesäumte prunkalleen [v. m. hervorgehomp] gewohnen ...

Na, na, na! Als Schmuck doch allenfalls Prun(k)kameen. Doch was sesülle dortselbst eingravuren sein?
Der liebe Kilian hat ugbrens auch Schüttelvers-Freunde, etwa:
https://id-id.facebook.com/ili.khan.35
Auch Anagramme - die ja, im Reimfalle, Sonderformen von Schüttelversen darstellen - gibt's im Netz, z.B.:
http://www.meaningofname.org/whatmeans.php/Berthold
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Wortklaux am 2016-06-16, 02:46:57
Na komm, lieber Wortklaux. Ich säh's ja ein, wenn Du den lieben Herrn Anton "Tonio" Yme der Massengfarntig ziehest. Aber just wieder mich ...

Du schiebst wohl oft ein Masse
-l, kennst wohl gut die Asse
-l, jenes Krebstier, Kasse
-ler Rippchen und die Dasse
-lfliege, das Geprasse
-l, Flammenzungen, Rasse
-ln schwerer Ketten, Trasse
-l: Wirrwarr, schwedisch; Blasse
-l: eine Weißfleck-Rasse.

Weiß nicht mehr, was ich quasse
-l, mir fehlt im Schrank 'ne Tasse...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-06-16, 09:59:55
kilian (...) ist doch mittlerweile statu[t?]engesäumte prunkalleen [v. m. hervorgehomp] gewohnen ...

Na, na, na! Als Schmuck doch allenfalls Prun(k)kameen. Doch was sesülle dortselbst eingravuren sein?

... na was wohl? ::) ... das bildnis des gelubenen sprachführers selbstverstalnd! ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-06-28, 14:18:49
Eine Rezension

"BIBLIOTICK
Ghuiddua und Zuckmücken
(Jenny Legenstein - im "Augustin" Nr. 416 / 22.6. - 5.7. 2016; S. 29
http://www.augustin.or.at/ueber-uns/team/jenny-liegenstein.html)

Franz klebt ein Plakat an das Schaufenster einer Bestattungsfirma, als er im Inneren
des Geschäfts eine junge Frau wahrnimmt, sie schlägt mit den Händen ans Glas
… Ein Alptraum, aus dem der wissenschaftliche Mitarbeiter Franz Kunec erwacht. Drei
Männer – Baulichkeitskurator, Portier und Laborant – dringen in den Raum ein, den
Kunec in Ermangelung einer eigenen Wohnung als Schlafzimmer nutzt, sie wollen den
Ertappten aufgrund seines Missbrauchs der universitären Räumlichkeit an höherer Stelle
melden. Kunec aber ist wiederum die literarische Schöpfung Franz Jastrebs, mit dem er
die Gemeinsamkeit teilt, im Büro zu nächtigen. Im Fall Jastrebs allerdings nicht aus Not,
er «dächte wahrscheinlich, er benötige eine Zeitlang die schwebende Lage, um – als Ergänzung
zur Arbeitsroutine – schöpferisch werden zu können». Eine Haltung, die umgehend
hinterfragt wird: «Aber ist es nicht ein überholter (romantisch-bürgerlicher) Denkansatz,
Zusammenhänge zwischen Bedrücktheit und Hinwendung zu künstlerischer Betätigung
zu suchen?» Die Erzählung «Der Amtsschläfer und die Winterreise» in Berthold
Janeceks Belletristikdebüt «Der Sonne eine Gasse» weist jede Menge typischer Merkmale
Janecek´scher Schreibkunst auf, wie: die fein ziselierte Sprache, eigenwillige Charaktere,
ein Hang zum Unheimlichen, ein heiterer, eigentlich satirischer Grundton, herrliche
Dialoge in Alltagssprache – vorzugsweise im Wiener Dialekt. Die Transkriptionen dialektaler
Wörter und Sätze zu entschlüsseln bereitet großes Vergnügen («Kultur sprich wienerisch:
Ghuiddua.»). Nicht nur was den Umgang mit dem Wienerischen betrifft, erinnern die Texte
an H. C. Artmann, der sich in seinen hochsprachlichen Texten oft an vergangenen Literaturperioden
orientierte. Die «Erzählungen eines Insektenforschers» weisen Züge der Romantik
à la E. T. A. Hoffmann auf, u. a. Fragmentarisierung, Selbstironie oder Märchenhaftigkeit.
Wobei Janeceks Texte keineswegs nostalgisch oder rückwärtsgewandt wirken
(auch wenn einige Begebenheiten in ferner Vergangenheit spielen), die Thematiken der
vielschichtigen Geschichten umfassen (eigentlich alles, aber im Speziellen) z. B. Ökologie,
akademische Lebenswelten, natürlich die Liebe, tote und lebende Sprachen, die bereits
genannte Ghuiddua und den Lebenszyklus der Zuckmücken. Letztere sind das
wissenschaftliche Spezialgebiet des Autors, der an der Abteilung für Hydrobiologie der Boku arbeitet.
JL
Berthold Janecek: Der Sonne eine Gasse – Erzählungen eines Insektenforschers
edition tarantel 2016
tarantel-wien@gmx.at
180 Seiten 15 Euro"
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-06-28, 14:57:16
... herchlzsten glühstrumpf, bertl! ... eine rezension, die direkt lust auf das erwahnene "büacherl" macht ... kommst nach wetzlar, bringst a paar mit? ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-06-28, 15:39:16
Nun ja. Dabei hab ich die Jenny namentlich vorher gar nicht gekannt; hab sie also auch nicht um die Kritik gebeten.
Froychl war ich - bis zur Pause - bei der "Augustin"-Feier im "Werkl".
   
Blamier ich mich jetzt mit der Frage: W'n'st'n (= Wann ist denn) Wetzlar? Ein Packerl Büachln mitzunehmen - wäre ja theoretisch kein schlechter Gedanke. Für die Uni-Bibliothek in Heidelberg u. a. feine Platz'ln ...

Aber vielleicht ließe sich in Deutschland ja doch noch ein Libraio finden, der mein Büachl feilböte. Köln, Aachen oder so ...

Vielleicht sesülle ich gar den früheren Verlag für einige der Bücher meines Vaters in Rothenburg ob der Tauber fragen: wegen "Max und Moritz in Schüttelversen".
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-06-28, 15:47:19
Blamier ich mich jetzt mit der Frage: W'n'st'n (= Wann ist denn) Wetzlar?

... a weng scho! ... die nächste perVers wird vom 23. bis 25. september in wetzlar stattfinden - zu ehren unseres geliebten sprachführers, zum ruhme der gsv und zum gedenken an güga ... bislang zugesugen und geboochen haben kilian, amarillo, ku und ich, homer und karsten waren interessiert ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-06-29, 10:08:07
Blamier ich mich jetzt mit der Frage: W'n'st'n (= Wann ist denn) Wetzlar?

... a weng scho! ... die nächste perVers wird vom 23. bis 25. september in wetzlar stattfinden - zu ehren unseres geliebten sprachführers, zum ruhme der gsv und zum gedenken an güga ... bislang zugesugen und geboochen haben kilian, amarillo, ku und ich, homer und karsten waren interessiert ...

Bin bereits geriefen genug (hoffentlich), um leichte Blamaschen auszuhalten. Also in der "Stadt des reibenden Gibbons" (Wetzelar wäre wohl noch schöner.)
 
Zeitlich müßte ich ja dort auch schon meines Vaters gedenken (-> geboren am 27. 9. 1925).
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-06-29, 11:52:36
... na dann: auf nach wetzlar, bertl! ... logoren wird dieses mal offensilcht geschlossen im hotel "euler haus" ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-07-13, 16:02:25
Noch eine Rezension zu meinem Buch gibt es - welchselbige ich einstweilen gleich in dieses ehrenwerte Forum stelle.
Die Melitta (Dr. M. Spiess-Dihanich) ist Botanikerin, Cytologin und Biochemikerin (wie's so schön heißt: mit Amerika (USA)-Erfahrung) und lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in der Schweiz. Ich dachte an sie als Naturwissenschaaftlerin, doch hat sie auch bereits einen Roman veröffentlicht.

Rezension (Melitta Spiess-Dihanich)

“Der Sonne eine Gasse” ist eine Sammlung individueller Erzählungen, Anekdoten und wissenschaftlicher Berichte des Autors Berthold Janecek, der im wirklichen Leben ein leidenschaftlicher Biologe (Zuckmücken Forscher), Sänger (Bariton) und Vielsprachler (von weanerisch über slowakisch bis chinesisch) ist. In seinem ureigenen, halb wissenschaftlichen, halb skurrilen Stil beschreibt er Schlüsselereignisse seines Lebens aus früher Jugend bis in die Gegenwart und verbindet sie mit philosophischen Zitaten (Sokrates und Lao Zi), musikalischen Einwürfen (Schubert) und biologischen Erklärungen (Botanik, Gewässerbiologie, berühmte Limnologen, und als Höhepunkt das Lieblingsthema des Autors: Moosthierchen und Zuckmücken). Auch die Mystik kommt nicht zu kurz, und manches freizügige Liebesdrama findet man zwischen Orchideen.

Doch Achtung: diese Lektüre ist nur für fortgeschrittene Leser, die des Genetivs mächtig sind! Auch einige Grundkenntnisse des Wiener Dialekts (“weanerisch”) sind zwingend notwendig, da sonst die bildschöne Lautschrift desselben in einigen Kapiteln nicht zu verstehen wäre. Wie sollte man andernfalls erkennen, dass Ötan für Eltern steht, Beasonaüobtölung für Personalabteilung und Ghuiddua für Kultur? Die Zitate in anderen Sprachen - z.B. Chinesisch - werden zum Glück übersetzt, nur das lateinische Summarium auf der letzten Seite wird dem Leser wie ein gehobenes Rätsel präsentiert.

Das letzte Kapitel dieses episch-komisch-mystischen Werkes endet nach einer wissenschaftlichen Diskussion dann sehr besinnlich, fast philosophisch und regt zum Nachdenken an. Keine leichte Lektüre, aber sehr lehrreich und lesenswert. Wir warten schon gespannt auf die vom Autor gelesene Audio-Version!
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Beck Messer am 2016-07-13, 16:07:39
Achtung! Rezensionen sollte nur von fortgeschrittenen Autoren, die der Rechtschreibung mächtig sind, geschrieben werden! ::)

Doch Achtung: diese Lektüre ist nur für fortgeschrittene Leser, die des Genetivs mächtig sind!
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-07-13, 16:16:43
Achtung! Rezensionen sollte nur von fortgeschrittenen Autoren, die der Rechtschreibung mächtig sind, geschrieben werden! ::)

Doch Achtung: diese Lektüre ist nur für fortgeschrittene Leser, die des Genetivs mächtig sind!

Nun spiel Dich nicht als Karl Kraus oder Karl Krausianer auf! Genetiv (des Genetivs) ist sozusagen eine ältere und seltenere Form. Außerdem weißt Du überhaupt nicht, ob "des Genetivs" in der Schweiz nicht üblicher ist. Habe ich recht? Aber vielleicht verbirgt sich hinter Beck Messer sowieso ein nettes Schäuferl Selbstkritik.

 BECKMESSER
(rafft sich verzweiflungsvoll
und ingrimmig auf)

"Heimlich mir graut,
weil es hier munter will hergehn:
an meiner Leiter
stand ein Weib;
sie schämt' und wollt'
mich nicht besehn;
bleich wie ein Kraut
umfasert mir Hanf meinen Leib;
mit Augen zwinkend,
der Hund blies winkend,
was ich vor langem verzehrt,
wie Frucht so Holz und Pferd
vom Leberbaum."

Dies ist möglicherweise einer der poetischsten Texte Dick Wagners.
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Beck Messer am 2016-07-13, 16:20:49
... ein nettes Schäuferl Selbstkritik.

Du hast ja so recht! :'(

Aber wenn schon, dann bitteschön Selbstkretik! ;D
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-07-13, 16:36:00
Nun sei kein Thersites! Über das altgriechische E(:)ta im Vergleich zum neugriechischen Ita möchte ich mich hier nicht mehr ergehen.
Du mußt mir also glauben, daß meine Griechischkenntnisse für dieses Thema ausreichend sind. Sonst schreib ich('s) meinem alten Griechischprofessor, dem Winfrid Koppensteiner. Oder gleich dem lieben Homer.
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Wortklaux am 2016-07-13, 16:46:41
Achtung! Rezensionen sollte nur von fortgeschrittenen Autoren, die der Rechtschreibung mächtig sind, geschrieben werden! ::)

Doch Achtung: diese Lektüre ist nur für fortgeschrittene Leser, die des Genetivs mächtig sind!
Achtung! Kritiken von Rezensionen sollten nur von von der Au fortgeschrittenen Toren geschrieben werden, die der deutschen Grammatik mächtig sind.

(„Genetiv“ (lat. genetivus) ist im übrigen die etymologisch korrekte Form des Worts, während „Genitiv“ wohl eher eine mittellateinische Form ist. Auch wenn sich letztere in der deutschen Grammatik eingebürgert hat, ist im anspielungsreichen Kontext der Bertlschen Auto-Rennerei „Genetiv“ ganz sicher kein Rechtschreibefehler.)
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Kilian am 2016-07-13, 17:12:19
Ich muß noch taigetzen & überlegen, wie's am geschicktesten ist, Bücher nach Deutschland zu schicken.

Ist da nicht der Verleger für zuständig? Ich gäbe meinen Bestoll gerne schriftlich oder fernmündlich bei ihm auf. Brööche nur Anschrift oder die Nummer seines Fernsprechapparats…
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-07-13, 17:35:05
Lieber Kilian!

ich habe Dir eine persönliche Mitteilung guschrimp.
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Kilian am 2016-07-13, 18:27:19
Klasse, danke!
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Beck Messer am 2016-07-14, 12:22:11
Achtung! Kritiken von Rezensionen sollten nur von von der Au fortgeschrittenen Toren geschrieben werden, die der deutschen Grammatik mächtig sind.

Jetzt versucht doch der Wortklaux, noch messer zu beckern ... becker zu messern ... ähhh, neee ... besser zu meckern als ich! ::)
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Wortklaux am 2016-07-14, 12:37:28
das Wortklaux
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-07-14, 16:20:04
Ich muß noch taigetzen & überlegen, wie's am geschicktesten ist, Bücher nach Deutschland zu schicken.

Ist da nicht der Verleger für zuständig? Ich gäbe meinen Bestoll gerne schriftlich oder fernmündlich bei ihm auf. Brööche nur Anschrift oder die Nummer seines Fernsprechapparats…

... ich dachte eigelnt, dass uns bertl bei der nächsten perVers beöhre, persoln aus seinem werk vorläse, dies für uns signöre und für fragen zur verfug stünde :( ... wenn jetzt aber der geliebte sprachführer schon im vorfeld ein exemplar erwürbe, kekünne er doch den literarischen teil der perVers übernehmen und eine kleine lesung aus "dem bertl der sonne eine gasse" ansetzen ... mir täterte das gefallen ... ich sehe jetzt schon die schlagzeile in der "wetzlarer neuen zeitung": der sprachführer liest! ;D ...

... ok, spaß auf die seite: fände ich wirlchk gut, wenn kilian bertls buch mitbrächte und etwas daraus zum besten gäbe ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Kilian am 2016-07-14, 16:28:29
Hach ja, auf Theaterfreizeit als Pennäler habe ich immer vor andächtig versolmmenen Freund/inn/en aus Max-Goldt-Büchern vorgelesen. *blush*

Ich hoffe ja, dass der Bertl in Wetzlar auch dabei sein wird. Dann wäre natürlich eine Lesung des Autors selbst famos. Ansonsten kekünne man das mit dem Vorlesen durch mich in Erwägung zerren. ;D
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-07-14, 17:34:26
Ich hoffe ja, das der Bertl in Wetzlar auch dabei sein wird. Dann wäre natürlich eine Lesung des Autors selbst famos. Ansonsten kekünne man das mit dem Vorlesen durch mich in Erwägung zerren. ;D

... zumindest ich fröe mich wie narrisch - über den einen wie auch den anderen umstand :D
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-07-14, 17:36:46
@ bertl: sag, war der namensgeber der perchtoldsdorfer dr.-ottokar-janetschek-gasse ein weiterer schriftstellernder vertreter deiner familie? ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Berthold am 2016-07-15, 11:15:59
@ bertl: sag, war der namensgeber der perchtoldsdorfer dr.-ottokar-janetschek-gasse ein weiterer schriftstellernder vertreter deiner familie? ...

Nun, vom Ottokar Janetschek (bekanntestes Buch ist wohl "Der Raxkönig"*) hab ich ein paar Romane gelesen. Mein Vater ist ihm zwar begegnet, aber verwandt dürften sie nicht (gewesen) sein.
Aber, was weiß ich. Vielleicht stommen seine Leut' auch aus Javornice.
Interessant finde ich, daß sein Todestag der 27. September ist. Das ist der Geburtstag meines Vaters.   

*Den gibts auch nachgedriunck:  http://www.kral-verlag.at/kralverlag/index.php?option=com_content&view=article&id=140&Itemid=4
Für Öko-"Paxe" sind die dauernden Rodungen der Raxwälder ein bisserl schwer auszuhalten ...
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Kilian am 2016-07-31, 11:47:50
w00t! l00t! Sonntagmorgenbettlektüre.
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: katakura am 2016-08-01, 15:50:00
... ja, und? ... wie liest sich's? ... ebenso schillernd und farbig, wie es das cover verheißt? ... ich hoffe, du wählst für deine wetzlarer lesung die pretiösesten pretiosen aus bertls erstling aus!
Titel: Re: Ein klein gwan Gwarmb in eigener Sache
Beitrag von: Kilian am 2016-08-01, 16:35:03
Ja, definitiv so schillernd und farbig! Eine wahre Preziose voller Preziosen. Unverwechselbar Bertl’sch und von vielen roten Fäden durchzuckt, durchzüngelt, durchtiercht, durchpinselt, Motiven, die in neuen Gestalten immer wieder auftauchen. Ich genieße die Lektüre sehr. Und ja, mein Bleistift hat schon einige bestummene Geschichten als Vorlesekandidaten markoren.