Gesellschaft zur Stärkung der Verben

Öffentliche Bretter => Neue Ideen => Thema gestartet von: Agricola am 2006-05-28, 14:19:28

Titel: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-05-28, 14:19:28
Ein starkes Steiger ist im Deutschen selten. Aber manche Adjekte lassen sich kreat arbebeiten:

philanthrop, mehranthrop, meistanthrop
gütig, besserig, bestich
gutsituiert, bessersituiert, bestsituiert
hochgestochen, höhergestochen, höchstgestochen
kleinkariert, kleinerkariert, kleinstkariert
großkotzig, größerkotzig, größtkotzig
gutgläubig, bessergläubig, bestgläubig
imposant, imhinternsteine, imarschfelsen
multilateral, plurilateral, plurimilateral
erreichbar, erreicherbar, erreichstbar
argumentativ, ärgerumentativ, ärgstumentativ
ich bin es leid, ich bin es leider, ich bin es am leidsten
ich stelle es fest, fester, am festesten
Ihrem Konto gutgeschrieben, bessergeschrieben, bestgeschrieben
frühgeboren, ehergeboren, erstgeboren
ehelich, eherlich, erstlich
verspätet, verspätert, verletzt
komfortabel, komweiterfortabel, komganznachfornetabel
vergütet, verbessert, verbestet
vermaledeit, verpejifeit, verpestet
positivistisch, komparatistisch, superlatistisch

Bei manchen Wörtern ist auch nur eine Form erzugänzen:

vielfach, mehrfach, meistfach
vieldeutig, mehrdeutig, meistdeutig
vielgeliebt, mehrgeliebt, meistgeliebt

Auch sind einige Positive aus Komparativen und Superlativen zurückzubilden:

bierern, biererner, bierernst
geivoll, geiervoll, geistvoll
weitmachen, weitermachen, weitestmachen
wenigens, wenigerns, wenigstens
vergroßt, vergrößert, vergrößt
gutmöglich, bessermöglich, bestmöglich
ich will lieb, ich will lieber, ich will am liebsten
fürdhin, fürderhin, fürdesthin
vielerhaft, mehrererhaft, meisterhaft
gutanden, besseranden, bestanden
lasthaft, lasterhaft, lastesthaft
ferkeler, schweiner, sauer

Titel: Re:Steiger
Beitrag von: AmelieZapf am 2006-05-28, 15:12:43
Hallo Agricola,

Ein starkes Steiger ist im Deutschen selten. Aber manche Adjekte lassen sich kreat arbebeiten:

Für das Substantiv zu "steigern" hat sich hier die Sturg bereits durchgesotzen. Die ist auch viel stärker.

Durchaus schön, einige Deiner Sturg-Storke! Ein paar davon passen m.A.n. sehr schön in GSV-lichen Wortschatz.

Gruß,

Amy
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: amarillo am 2006-05-28, 15:52:33
Durchaus schön, einige Deiner Sturg-Storke! Ein paar davon passen m.A.n. sehr schön in GSV-lichen Wortschatz.


Wieso nur ein paar, und welche fänden Deine Zustimmung?

@ Agricolam

Müßte es bei 'philanthrop' nicht eher heißen 'lieberanthrop' und 'liebstanthrop'?
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-05-28, 15:55:28
Für das Substantiv zu "steigern" hat sich hier die Sturg bereits durchgesotzen. Die ist auch viel stärker.

Das Wort "Substantiv" schwichelt allerdings weiter vor sich hin?
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-05-28, 15:58:22
Durchaus schön, einige Deiner Sturg-Storke! Ein paar davon passen m.A.n. sehr schön in GSV-lichen Wortschatz.


Wieso nur ein paar, und welche fänden Deine Zustimmung?

@ Agricolam

Müßte es bei 'philanthrop' nicht eher heißen 'lieberanthrop' und 'liebstanthrop'?

Si ita dicis potius "philoteranthrop" et "philotatatanthrop" mihi dicendum videtur.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: amarillo am 2006-05-28, 16:02:50
Können wir es bei deutsch belassen? Ich verstünde Dich dann besser. :D
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-05-28, 16:05:57
Können wir es bei deutsch belassen? Ich verstünde Dich dann besser. :D
Ich war's ja nicht, der "@ Agricolam" schrieb.
Also noch einmal auf Deutsch:
Wenn schon "lieberanthrop" dann besser gleich "philoteranthrop" und "philotatanthrop" (von den griechischen Sturgformen korrekt abgelitten)
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: amarillo am 2006-05-28, 16:09:32
Das wäre doch mal eine hübsche Maßnahme. Leite doch.
War auch nur ein Vorschlag, die Homophonie ist mir dann später auch aufgefallen.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: caru am 2006-05-28, 21:09:40
Das Wort "Substantiv" schwichelt allerdings weiter vor sich hin?

es erliegt langsam aber gewiß dem wort Sachwort. ein Sachwort, mehrere Sächwörte.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Kilian am 2006-05-28, 21:37:15
Auf einer Kartoffelpackung fand ich heute den Superlativ schmorfest zu schmorf, schmorfer.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Stollentroll am 2006-05-28, 22:12:26
Da bekommt das Wort spülmaschinenfest eine föllich neue Dimension  ;D

Und auch ich mache mein Auto in jedem Herbst winterfest
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: caru am 2006-05-28, 22:36:59
da gibts auch adverbien zu solchen superlativen.

laßt uns frühlingsfeste feiern!
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: AmelieZapf am 2006-05-29, 00:11:32
Hallo Amarillo, Agricola,

Wieso nur ein paar, und welche fänden Deine Zustimmung?

Eben diejenigen, die wirlk Sturgen sind. Wenn der Superlativ als Positiv Präexist iert, frage ich mich, was der neugeschaffene Positiv und Komparativ aussagen sollen.

Gruß,

Amelie
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-05-29, 02:58:28
Hallo Amarillo, Agricola,

Wieso nur ein paar, und welche fänden Deine Zustimmung?

Eben diejenigen, die wirlk Sturgen sind. Wenn der Superlativ als Positiv Präexist iert, frage ich mich, was der neugeschaffene Positiv und Komparativ aussagen sollen.

Gruß,

Amelie
Mindestens einige der Superlative wie bierernst, geistvoll, bestmöglich, ich will am liebsten, meisterhaft bedeuten ja bereits extreme Ausprägungen einer Eigenschaft, so dass sich die Bedeutungen der Positive und Komparative leicht erschließen. Bei "vergroßen" usw. wird die ursprüngliche Wortbedeutung etwas eingeschränkt. Wenn man etwas größer macht, sollte man von vergroßen, wenn man etwas anderes noch größer macht, von vergrößern, und bei der stärksten Vergroßung von vergrößtern sprechen.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: amarillo am 2006-05-29, 09:17:50
Tee - Teer - Test

Vielleicht ist "Peer" auch nur eine Vorstufe zur Pest? "Pee" hingegen müche - zumindest im Deutschen - keinen erkennbaren Sinn.

Bei Fee - Feer - Fest kann ich den Komparativ (noch) nicht semantisieren.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: amarillo am 2006-05-29, 11:00:15
Ich hatte soeben ein Gespräch mit einem britischen Kollegen, der fand diese Steigerung passend und erheiternd:

pee - peer -pest
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-05-29, 23:00:07
Hallo Amarillo, Agricola,

Wieso nur ein paar, und welche fänden Deine Zustimmung?

Eben diejenigen, die wirlk Sturgen sind. Wenn der Superlativ als Positiv Präexist iert, frage ich mich, was der neugeschaffene Positiv und Komparativ aussagen sollen.

Gruß,

Amelie
Mindestens einige der Superlative wie bierernst, geistvoll, bestmöglich, ich will am liebsten, meisterhaft bedeuten ja bereits extreme Ausprägungen einer Eigenschaft, so dass sich die Bedeutungen der Positive und Komparative leicht erschließen. Bei "vergroßen" usw. wird die ursprüngliche Wortbedeutung etwas eingeschränkt. Wenn man etwas größer macht, sollte man von vergroßen, wenn man etwas anderes noch größer macht, von vergrößern, und bei der stärksten Vergroßung von vergrößtern sprechen.
Dazu mehr mir eben noch ein: "verschönen" und "verschönern" gibt es schon (lässt sich bei google leicht überprüfen). Dazu könnte man folgende Pressemittiel verfassen:
"Im letzten Jahr wurde die Fußgängerzone in einer Großaktion verschönt. In diesem Jahr wurde sie durch Blumenkästen verschönert. Im kommenden Jahr soll nun ein Wettbewerb der Hausrenovierung statt finden. Wer seine Hausfassade nach dem Urteil des Stattrates verschönstet hat, bekommt den Schönstheitspreis der Stadt."
Ebenfalls in Positiv und Komparativ existieren bereits verjüngen/verjüngern, verlängen (noch sehr selten)/verlängern, verkürzen/verkürzern (sehr selten) usw.
Nur in Positiven existieren bisher verstärken, verklären, nur im Komparativ vermehren.
Habe jetzt in google gesehen, dass es "vergroßen" und "vergrößen" auch schon gibt, beides etwa gleich häufig. Was ist eigentlich besser?
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Kilian am 2006-06-01, 21:52:30
vergroßen find ich besser, da steckt mehr Unterschied zum Komparativ drin.

In Steinhausen (Westfalen) wird, wie ich gestern erfuhr, alljährlich ein Fest mit dem Namen Sömmer wird's nicht gefirren.

Ich sympathisiere damit, auch Partizipien zu steigern, bei denen das aufgrund ihrer Adjektivform besonders einfach geht:

- Es wäre dann zwar nicht strafbarer, aber es würde dir von den Leuten vorgeworfener.
- Wohnte ich nicht in Berlin-Mitte, würde ich noch viel kritisierter.
- Er hat sich umso bemühter, je positiver die Rückmeldungen waren.
- Das Rot unserer Quadrate ist etwas gedockener worden.
- Ich hätte dieses Kapitel strukturierter.
- Das hat ihn getroffener, als er sich zuerst eingestehen wollte.
- Wir erheben nur auf die Espressotassen Pfand, denn die werden geklauter als die Kaffeebecher.
- Google-Nutzer werden seit März 2012 noch durchleuchteter.
- Marilyn Monroe war die fotografierteste Frau der Welt.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: amarillo am 2006-06-01, 22:01:25
Von ihr wurde sogar am geträumtesten.
Sollten wir dann nicht auch konsekwenterwiese die gestorkenen Partizipien verwenden?
Somit wäre Marilyn Monroe gar die fotograforenste, wenn nicht sogar die fotograpsorenste Frau der Welt.

Oft habe ich mein Herz verloren, aber am verlorensten habe ich es in Heidelberg.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-06-25, 08:02:15
Ich hatte in meinem ersten Beitrag, der diesen Faden eröffnete, u.a. vorgeschlagen
"ich bin es leid, ich bin es leider, ich bin es am leidsten".

Nun finde ich in Grimms Märchen:
"Der konnte nicht satt werden, sie zu hören und mit ihnen zu sprechen, und nichts tat ihm leider, als daß sie jeden Abend schon so früh aufbrachen."
(in: "Die drei Jungfern aus dem See")

Es scheint schwierig zu sein, sich etwas wirklich Neues auszudenken ...
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-09-30, 10:40:51
Gerade fand ich bei Goethe folgende interessante Steigerungsform:

Du bist mein; und nun ist das Meine meiner als jemals.

Fundort: Ein titelloses Gedicht mit dem Anfang
Hermann:
Desto fester sei ...

In: Der ewige Brunnen, S. 495
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: VerbOrg am 2006-09-30, 10:58:39
Meinst Du das (http://gutenberg.spiegel.de/goethe/hermann/hermann9.htm)?

In meinem ewigen Brunnen ward ich nicht fündig. Ist allerdinx auch der Jubileums-Brunnen aus dem Jahr 2005, welcher mir von meinen Eltern geschacht ward. Und da ward ja vieles geornden.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-09-30, 11:04:15
Ah, das haben die also aus dem Zusammenhang gerissen. Ja, das habe ich gemeint. Vielleicht gibt es abweichende Auflagen von dem Ewigen Brunnen. Schliesslich ist, wie schon ein weiser Grieche einst sagte, ein Fluss nie derselbe, und das muss fuer ewige Quellen ja ebenso gelten. Ich besitze eine "illustrierte Sonderausgabe auf der Grundlage der zweiten, durchgearbeiteten und erweiterten Auflage von 1959, gedruckt 1982.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-09-30, 11:06:23
Im uebrigen ist in meiner Ausgabe die erste Zeile verdruckt, sie endet naemlich mit "Erschuetterung" statt "Erschuettrung", obwohl dies jedem fuer Versmass empfindlichen Menschen ein fast unueberwindlicher Steindesanstosses sein muss.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: VerbOrg am 2006-09-30, 11:18:45
Vielleicht gibt es abweichende Auflagen von dem Ewigen Brunnen.
Nicht nur vielleicht, lieber Agricola, die neue Ausgabe ist gaaanz anders als die alte. Da wurde einiges Alte rausgenommen, dafür kamen dann zeitgenössischere Gedichte dazu. Außerdem ward die Auftiel in die diversen Bücher geornden etßetera, etßetera.
In deiner Ausgabe gips weibielsspeise bestimmt nix von Herrn Gernhard, gelle? (Na ja, von Paule vielleicht, aber den mein ich nicht.)

Nach 50 Jahren dacht man sich, es sollten eventüll andere Sachen für die Ewigkeit festgehalten werden als die, die man dessen noch 1955 für wert erocht...
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2006-10-01, 13:52:32
Manche Auflage ist sicher illustrierter, durchgearbeiteter und erweiterter als manche anderer. Welcher Brunnen sich aber wohl schließlich als der ewigste erweisen wird?
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: VerbOrg am 2006-10-01, 13:58:42
Ich glaub, zwischen 1959 und 2004 gab's da keine inhaltlichen, sondern eher gestalterische Arnde.
Aus welchem Brunnen man ewiger schöpfen kann, weiß ich nicht. Genug Schöpfstoff wird man wohl in allen finden. Oder?

Wie ist eigentlich der ewigste aller Brünnen gekennzinchen? Bisher hab ich keinste Hinweise auf die Dauer der Ewigkeit meines Brunnens gefunden.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-10-01, 14:28:08
Die Ewigkeit eines Brunnens drückt sich darin aus, dass immer Neues aus ihm quillt. Daher ist wohl derjenige Brunnen der ewigste, der öfter mit Änderungen wiederaufgelegt wird. Nach dem Motto aber "wer früher stirbt ist länger tot" dürfte auch mein Brunnen schon ewiger sein als Deiner!
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: VerbOrg am 2006-10-01, 14:43:31
Na ja, bis zum heutigen Zeitpunkt ist Dein Brunnen wahrscheinlich schon ewiger, das mag sein.
Aber wenn mein Brunnen vielleicht in der Zukunft nach Ableben Deines Brunnens noch ewiger andauert als Deiner bis zum Erscheinen des meinigen bereits angedauert hat...?

Und wer sagt uns, dass Dein Brunnen noch mal mit Änderungen wieder aufgelegt wird? Vielleicht legt man ja meinen Brunnen neuer auf?

Wahrscheinlich werden beide Brunnen allerdings ewiger sein als wir, so dass es für uns nichtiger als nicht nachprüfbar ist, welche Ewigkeit ewiger ist...
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-10-01, 14:48:34
Da Dein Brunnen eine Neuauflage meines Brunnens ist, ist eine Neuauflage Deines Brunnens dann auch wieder eine Neuauflage meines Brunnens. So wie Du niemals mehr oder auch nur gleich viele Nachfahren haben kannst als Deine Mutter, so kann auch Dein Brunnen niemals mehr Neuauflagen haben als meiner.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2006-10-16, 23:54:37
Mit dem fortschreitenden Verfall des Stammwerkes wurde die Produktion immer zerstreuter.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-10-17, 00:14:10
Mit dem fortschreitenden Verfall des Stammwerkes wurde die Produktion immer zerstreuter.
Was ist denn daran besonderes? Ist es nicht normal, dass man adjektivisch verwendete Partizipien steigern kann? Wenn es ziemlich gewagte Formulierungen gibt, warum dann nicht eine gewagter als die andere? Ebenso können Personen sehr zerstreut sein wie der sprichwörtliche Professor, oder nur etwas zerstreut wie jemand, der sich gerade einmal nicht recht konzentriert hat, also ist doch der Professor zerstreuter als letzterer. Das scheint mir ganz gewöhnliches Standarddeutsch zu sein, oder ist es es nicht?
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2006-10-17, 10:23:33
Beim Professor ist es klar, da ist das Partizip eindeutig zu einem Adjektiv geronnen (lexikalisoren). In der Bedeutung kleinteilig verteilt ist für mich jedoch noch der Verb-Charakter vorherrschend, in diesem Sinne liegt das Augenmerk nicht auf einem Zustand, sondern auf einem Prozess, der immer weiter fortschreitet, was das gestirgene Partizip im Neutschen bedeutungsmäßig aufnimmt.

Der Wahrig schlägt sich da auf meine Seite und kennt zerstreut als Adjektiv nur in der Bedeutung:

Zitat
zer'streut <Adj.; -er, am -esten; fig.> unaufmerksam, abgelenkt, in Gedanken mit anderen Dingen als den im Augenblick notwendigen beschäftigt, häufig irgendetwas vergessend; er ist ein ~er Professor <umg.; scherzh.> er vergisst ständig irgendetwas; er ist sehr ~
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-10-17, 13:00:21
Meinem Sprachgefühl nach ist die zerstreute Produktion genauso adjektivisch wie der zerstreute Professor (oder jedenfalls so zerstreut wie dessen Gedanken). Beides kann man, tut man aber selten, verben: Die vielen Termine zerstreuten den Professor. / Die unentschlossene Betriebsführung zerstreute die Produktion.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Berthold am 2006-10-17, 13:20:11
Die vielen Termine zerstreuten den Professor.

Da höre ich aber eher heraus: Die vielen Termine unterhielten den Professor, sie lonken ihn ab - weil sie ihn von irgendeiner faden Routine'hack'n(g)' befrieen (Da gehört auch etwas gemochen!) oder aus sonst einem Grund. 
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2006-11-07, 19:45:24
Unter kommerziellen Anbietern herrscht ein erbitterter Kampf darüber, wer bei Google am gefundensten wird.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-11-08, 02:00:44
Unter kommerziellen Anbietern herrscht ein erbitterter Kampf darüber, wer bei Google am gefundensten wird.
Dieses Beispiel eröffnet interessante Perspektiven. Und zwar deshalb, weil es mir zeigt, dass es eben einen Unterschied zwischen "suchen" und "finden" nicht nur auf der Oberfläche der beschriebenen Handlung, sondern in der Bedeutungsstruktur gibt. Die bei Google gefundensten Sachen würde ich eher als die meistgefundenen beschreiben, ebenso wie es meistgesuchte Sachen gibt. Die meistgesuchten Sachen sind aber nicht immer die gesuchtesten. Das "Gesuchteste" ist das mit der größten Intensität oder Ausdauer Gesuchte (so z.B. manches neu geschneiderte Beinkleid) und in jedem Fall schwer zu Findende, während das "Meistgesuchte" (z.B. der Begriff "Sex" im Internet) meist leicht zu finden ist und lediglich häufig gesucht wird. Ob in diesem Sinne von "Gefundenstem" überhaupt geredet werden kann, ist mir nicht ganz deutlich. Vielleicht kann man Dinge finden, die von vielen schön oder hässlich gefunden werden und andere, die ob ihrer Unauffälligkeit überhaupt nicht oder nur selten irgendwie gefunden werden; dann müsste es auch eine Intensität des schön oder hässlich Findens geben, und die Dinge, die sich der ästhetischen Empfindung am intensivsten aufdrängen, wären dann wirklich die Gefundensten. Sobald man die Empfindung jedoch auf eine Richtung (z.B. nur das Schönfinden) beschränkt, würde man wohl eher von "am schönsten gefundenen" Dingen sprechen, obwohl der für sprachliche Nuancen Empfindliche zwischen "am schönsten gefundenen" und "schön gefundensten" Dingen im obigen Sinne doch auch unterscheiden könnte.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2006-11-08, 16:29:26
Da könnte eine Suchmaschine ihre ästhetisch ansprechende Oberfläche mit dem Spruch "finde ich am schönsten" bewerben, optimal wäre dafür ein Name wie "Bei Jeff".
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2006-11-16, 17:04:46
BTW: Es gibt Adjektive, die sind unsteigerbarer als andere.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Berthold am 2006-11-16, 17:28:02
BTW: Es gibt Adjektive, die sind unsteigerbarer als andere.
Mir schoß nur so eine Idee durch den Kopf - und ich schreib sie her, noch bevor etwas in mir ernsthaft zu arbeiten beginnt (oder auch nicht):
Immer und immer wieder Adjektive nur steigern und wieder steigern? Das ist einsoygt. Es kekünne doch auch eine Sonk, eine Schwach von Adjektiven geben. Etwa, von böse ausgehend, etwas das wagner böse wäre: 'Er war schon ein bäsiles Kind.' 'Franz war, meine ich, büsulär als Karl.' - oder irgendwas in der Racht.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2006-11-17, 04:29:30
MIAL zeilt heute folgenden Schlag:

Amerikas mutmaßlichster Doppelmörder (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,448998,00.html)

In welcher Richtung wird denn nun "mutmaßlich" gesteigert? Ist ein Doppelmörder "mutmaßlicher", wenn die Leute mehr Mut zum Maßen haben? Oder bezeichnet "mutmaßlich" den Abstand von der sicheren Erkenntnis, so dass ein "mutmaßlicherer Mörder" einer ist, auf den die Mutmaßungen mit geringerer Wahrscheinlichkeit zutreffen?

Falls das erste gemeint ist, sollte man eher so steigern:

mut[ig]maßlich, mutigermaßlich, mutigstmaßlich
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2006-11-17, 12:58:22
Der Spiegel bezeichnet ihn auch als den "freigesprochensten" Doppelmörder Amerikas - müsste das nicht freistgesprochen heißen? Und was mag es bedeuten?
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2007-03-21, 13:41:08
Auch wenn die Analogiebildung hier in letzter Zeit in Verruf zu geraten im Begriff sich aufhält, scheint es mir doch angebracht, die Steigerungsformen - da wir sehr viele bisher noch nicht zustande gebracht haben - durch Analogien zu bereichern.

Z.B.
nah, näher, der nächste und hoch (der hohe), höher, der höchste
analog:
roh, röher, der röchste (mit langem ö zu sprechen)
froh, fröher, der fröchste
wach (der wahe), wäher, der wächste
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2007-10-11, 20:14:40
Gerade fällt mir auf: Die äußere Stadtmauer - eindeutig ein Komparativ von der außen Stadtmauer. Und wenn es drei auße Stadtmauern gibt, ist die, die noch äußer als die äußere ist, die äußeste.

Das Wort lässt sich auch auf Veranstaltungen beziehen, die aus sind:

Das Halbfinale besteht aus dem außen Spiel zwischen England und Frankreich und dem noch laufenden zwischen Deutschland und Italien. An die äußeren Spiele des Viertelfinales erinnern sich manche noch, aber die äußesten Achtelfinalspiele haben die meisten schon vergessen.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Kilian am 2008-09-06, 22:56:17
Ich sympathisiere damit, auch Partizipien zu steigern, bei denen das aufgrund ihrer Adjektivform besonders einfach geht:

- Es wäre dann zwar nicht strafbarer, aber es würde dir von den Leuten vorgeworfener.
- Wohnte ich nicht in Berlin-Mitte, würde ich noch viel kritisierter.
- Er hat sich umso bemühter, je positiver die Rückmeldungen waren.
- Marilyn Monroe war die fotografierteste Frau der Welt.
- Das Rot unserer Quadrate ist etwas gedockener worden.

Leider scheint das Deutsche auf dem Weg zu sein, genau das Gegenteil zu machen:

Zitat
Wenn es sich bestätigt, könnte dieser Effekt darauf zurückzuführen sein, dass Sprecher Sätze wie (2a) analog zu Sätzen verwenden, in denen statt des deverbalen Adjektivs tatsächlich ein Verb steht, also z.B. (5a):

(5a) Ich weiß nicht, wen die Diskussion mehr erschöpft hat…

http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2008/09/04/grammatik-ist-mehr-faszinierend-als-alles-andere/
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Amanda am 2008-09-06, 23:59:38
Ach, wissen Sie, ob Ihr Fach-Akademiker am oberen Ende der linguistischen Nahrungskette steht... nu ja , muß wohl noch bewiesen werden. Mich machen Sie jedenfalls eher schwindlig als gesponnen.  :-\
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2008-12-03, 21:58:23
China ist der USA Gläubigster.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2009-01-11, 15:04:29
Ach, wissen Sie, ob Ihr Fach-Akademiker am oberen Ende der linguistischen Nahrungskette steht... nu ja , muß wohl noch bewiesen werden. Mich machen Sie jedenfalls eher schwindlig als gesponnen.  :-\

Was ist das eigentlich, eine linguistische Nahrungskette?
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Übertreiber am 2009-01-12, 08:49:10
Welcher Einfluss auf die Sprache im Laufe der Zeit von Vergessenheit verschluckter wird, steht in der linguistischen Nahrungskette untener. Luther steht recht weit oben, ebenso Palmorden und Duden, zu dritt werden sie naturl um Längen von der "breiten Masse", der Menge aller 08/15-Sprecher, geschlagen und Linguisten stehen, da sie sich der Normation verwehren und auf Deskription beschränken, zielm untenst.

Ist zumendist meine Interpretur.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2009-01-12, 12:57:49
Hehe, dann bin ich gleich zwei Glieder in dieser Kette. Eins unten, Gewürm, dass sich mit der Verwertung des Vorhandenen zufrieden gibt. Und ein aufstrebendes, dass Neutsch verbreiten will. Letzteretwegen mein "leider" in voriger Seite letztem Beitrag. Und ersteretwegen das Interesse an Anatol Stefanowitschs Beobachtung.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Übertreiber am 2009-01-12, 13:46:41
Und ersteretwegen das Interesse an Anatol Stefanowitschs Beobachtung.
Hab auf der Seite etwas vor und zurück geblortten und finde es immer interessanter, dass es mitterweile auch Anti-Sprachnörgler gibt: Zu den bekannten Sprachnörglern, denen sprachliche Wandlungen zuwider gehen, auch noch solche Antiwesen, die im Gegenteile gegen jede Form von Sprachpflege hetzen. Macht mir das Leben nicht unbedungen leichter.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2009-01-12, 17:19:18
jede Form von Sprachpflege

Das bestreite ich. Hast du die schon mal gegen uns hetzen sehen oder zum Beispiel gegen den Stilstand (http://www.stilstand.de/), der ja selber bei den Anti-Anglizismennörglern ganz vorn dabei ist? Neinnein, es trifft doch in erster Linie die mit auskennerischer Gebärde Daherkommenden, die nicht wissen, wovon sie reden, und das auch gar nicht wollen. Die unsäglichen so genannten Jugendsprache-Wörterbücher zum Beispiel...
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Übertreiber am 2009-01-13, 10:55:38
Hmm, da hast du wohl recht. Vielleicht liegt es daran, dass mein Eindruck subjektiv geforben ist, aber zumindest den Artikel gegen die Aktion Lebendiges Deutsch empfand ich schon als übertrieben aggressiv und als unrechtgefortegen. Weder sehe ich in diesen Leuten nalm solche, welche anderen vorschreiben, was sie zu sagen haben1, noch meine ich, dass ihre Vorschläge realitätsfern sind - sie sind mitunter, wohl aber nicht immer, weselnt näher am bezinchenen Begriffe als der dazugehörende Amerikanismus2.

1 Zitat von der ALD-Seite: "Wir sind keine Puristen, keine Fremdwort-Jäger, keine Bilderstürmer. Wir bejahen die Bereicherung des Deutschen durch fremde Sprachen, und manche Importe gerade aus dem Englischen begrüßen wir. Unsere Initiative richtet sich allein gegen die schiere Anglomanie, gegen das Übermaß."
2z.B. "Bänker" statt "Banker", "Berater" statt "Consultant", "Schalter" statt "Counter" oder "Termin" statt "Deadline".
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2009-01-13, 14:28:38
Hmm, da hast du wohl recht. Vielleicht liegt es daran, dass mein Eindruck subjektiv geforben ist, aber zumindest den Artikel gegen die Aktion Lebendiges Deutsch empfand ich schon als übertrieben aggressiv und als unrechtgefortegen.[/url]

Puh, welchen von denen (http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/?s=lebendiges&searchsubmit=Finden)?

Zitat
noch meine ich, dass ihre Vorschläge realitätsfern sind - sie sind mitunter, wohl aber nicht immer, weselnt näher am bezinchenen Begriffe als der dazugehörende Amerikanismus2.

Da verstehe ich deine Belege zum größten Teil nicht:

Zitat
"Bänker" statt "Banker"

Inwiefern näher, da unterscheidet sich doch nur die Schreibung? Gut, Bänker kann man von Bank ableiten, es ist also "deutscher" - aber nicht näher am Bezinchenen.

Zitat
"Berater" statt "Consultant"

Fragt sich, ob beraten die Tätigkeit eines Consultant treffend beschreibt.

Zitat
"Schalter" statt "Counter"

Wiederum deutscher, aber wieso näher?

Zitat
"Termin" statt "Deadline"

Wenn man Latein kann, sieht Termin zwar passend aus, aber das Wort hat hierzulande heutzutage numma einen anderen Bedaut. Statt Deadline süge ich wohl in den meisten Abgabefrist, Frist oder so etwas.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Übertreiber am 2009-01-16, 18:00:03
"Ahnungslos lahme Denglischjäger"; ich will meinen Eindruck vom Bremer Sprachblog relativieren und die Bezinch "Anti-Sprachnörgler" zurückziehen. Wie es mein Glück will, habe ich gleich als erstes den mit Abstand am schärfsten formulorenen Artikel gelesen und bin davon ausgegangen, dass die anderen ähnlich seien, was sich jedoch als Trugschluss erwiesen hat, da andere Artikel die Aktion weselnt sachlicher behandeln. Dennoch stimme ich dem Autor nicht zu und halte die ALD durchaus für nützlich.

Da verstehe ich deine Belege zum größten Teil nicht
Boing und wieder einmal zeigt sich meine großartige Fähigkeit, mich ungenau und unverstalnd auszudrücken. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen; ich versuche, mich genauer zu erklären. :)

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"Bänker" statt "Banker"
Inwiefern näher, da unterscheidet sich doch nur die Schreibung? Gut, Bänker kann man von Bank ableiten, es ist also "deutscher" - aber nicht näher am Bezinchenen.
Du triffst es auf dem Punkte, ich wahl ein falsches Beispiel; ich ziehe "Bänker" bevor, weil es sich aufgrund konformen Schriebs bedeutend besser ins Deutsche einfeugt als die Alternativen "Banker" und "Bankiers" - wobei ich ehrlich gesagen zuvor zu keinem Zeitpunkt nie nicht auf den Gedanken gekommen enbin, dass es eigelnt "Banker" heißt.

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"Berater" statt "Consultant"

Fragt sich, ob beraten die Tätigkeit eines Consultant treffend beschreibt.
Dies entspricht meiner Theorie der pejorativen Anglizismen: Leute, die tatsalch beraten, nenne ich "Berater" und solche Scheinberater "Consultants". (Ich will das Wort "Schmarotzer" umgehen, hoppala, schon zu spät!) Von einem Bäckersladen oder einer Bäckerei erwarte ich Qualität, in einem "Back Shop" dagegen einen Ofen, welcher tiefgefrorene Fertigbrötchen auftäut.
(Anmurk: Gibt es schon Ideen für Meliorativ- oder Pejorativanwüchse im Neutschen, ahln dem lateinischen "-aster"?)

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"Schalter" statt "Counter"

Wiederum deutscher, aber wieso näher?
Ich gewinne langsam den Eindruck, dass unser Umfeld zu verschieden ist um des jeweils anderen Auffassung ohnweiteres zu verstehen, aber von jeher kenne ich diese Verkaufs...schalter der Bahn beispielsweise nur als Schalter und ich kenne niemanden, der solches "Counter" nennt oder auch nur auf die Idee kommt, solches zu tun, daher kommt mir der Gedanke, so etwas "Counter" zu nennen, auch so überaus skurril vor, fast noch skurriler als "Backshops".

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"Termin" statt "Deadline"
Wenn man Latein kann, sieht Termin zwar passend aus, aber das Wort hat hierzulande heutzutage numma einen anderen Bedaut. Statt Deadline süge ich wohl in den meisten Abgabefrist, Frist oder so etwas.
Hmm, recht hast du - ich werde aufhören, mich unter Zeitdrucke auf argumentatives Glatteis zu begeben. Du hast selbstredend Recht, "Frist" ist in weselnt mehr Fällen passend als "Termin". Dies ändert jedoch nichts daran, dass "Deadline" - meiner Meinung nach! - höchstens als Jux-und-Tollerei-Modeanglizismus taugt, da es zu sehr an einen Boss erinnert, welcher seinen trödelnden Angestellten mit einem plötzlichen und qualvollen Tode droht.

Ich hoffe, dass ich diesesmal alnd das gesagen habe, was ich dachte. :)
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: AmelieZapf am 2009-01-16, 20:45:28
Hallo Übertreiber,

(Anmurk: Gibt es schon Ideen für Meliorativ- oder Pejorativanwüchse im Neutschen, ahln dem lateinischen "-aster"?)

daraus werde ich nicht schlau (die Aussage schläut mich nicht...). Inwiefern ist -aster ein lateinische Pejorativanwuchs? Gib mal Belege an.

Grüße,

Amy
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2009-01-16, 21:37:00
Von einem Bäckersladen oder einer Bäckerei erwarte ich Qualität, in einem "Back Shop" dagegen einen Ofen, welcher tiefgefrorene Fertigbrötchen auftäut.

Das ist auch kein Zufall, denn Läden, die nicht selber backen, dürfen sich nicht Bäckerei nennen. Glaubich.

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(Anmurk: Gibt es schon Ideen für Meliorativ- oder Pejorativanwüchse im Neutschen, ahln dem lateinischen "-aster"?)

Wir haben diesen Strand schon einmal zaghaft beschritten, aber er birgt noch manche ungeknockene Muschel: http://verben.texttheater.de/Stichwortverzeichnis#P (Pejorativsuffixe).

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Ich gewinne langsam den Eindruck, dass unser Umfeld zu verschieden ist um des jeweils anderen Auffassung ohnweiteres zu verstehen, aber von jeher kenne ich diese Verkaufs...schalter der Bahn beispielsweise nur als Schalter und ich kenne niemanden, der solches "Counter" nennt oder auch nur auf die Idee kommt, solches zu tun

Meine Zustimmung könnte nicht größer sein - die ALD kämpft hier gegen Potemkin'sche Windmühlen.

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Dies ändert jedoch nichts daran, dass "Deadline" - meiner Meinung nach! - höchstens als Jux-und-Tollerei-Modeanglizismus taugt, da es zu sehr an einen Boss erinnert, welcher seinen trödelnden Angestellten mit einem plötzlichen und qualvollen Tode droht.

Meinsch? Im Englischen hat die morbide Etymologie das Wort nicht daran gehindert, sich allgemein zu verbreiten.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Übertreiber am 2009-01-16, 21:53:36
An Amy: Wie ulb hab ich Belege nicht zur Hand, doch entsinne ich mich, dass das Bertelsmann-Fremdwörterlexikon die Begriffe "Philosophaster" (Scheinphilosoph) und "Kritikaster" (unkundiger Kritiker, Nörgler) aufführt und meint, dass beide auf eine lateinische Pejorativendung "-aster" zurückgehan - wobei "Kritikaster" angelb ein Analogiebuld zu "Philosophaster" sei, doch da hören meine Erinnerungen auf. Die Wikipädie bestätigt mich dabei: http://de.wikipedia.org/wiki/Pejorativsuffix (http://de.wikipedia.org/wiki/Pejorativsuffix)

An Kilian:
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Meine Zustimmung könnte nicht größer sein - die ALD kämpft hier gegen Potemkin'sche Windmühlen.
Wie man's nimmt - ich persoln meine, dass der Durchschnittsmensch durchaus in der Lage ist, zu den meisten Modeanglizismen Verdeutschungen zu finden - doch ist die Medienpräsenz derer, welche mit Fremdwörtern Wichtung vorzutäuschen suchen, weselnt größer. Mir stinken die Menschen der Öffentlichkeit, welche durch Wortverdrah die Wahrheit mitzuverbiegen. Bestes Beispiel: "Consultants", welche sich durch diese Bezinch mehr Seriosité erhoffen und die "Counter", mit denen die Bahn Internationalité zu erzeugen sucht.

Zitat
Meinsch? Im Englischen hat die morbide Etymologie das Wort nicht daran gehindert, sich allgemein zu verbreiten.
Das ist richtig, und das ist ein linguistisches Problem: Wörter sind immer bestimmten Assoziationen verbunden und daher sind die Begriffe für ein und dasselbe Ding in verschiedenen Sprachen mit anderen Dingen verbunden. Wenn Briten sich freuen, pinseln sie erst mal die Stadt rot an, während wir Fässer öffnen. Zwar handelt es sich hierbei genau genommen um Redewendungen, doch ist es bei Wörtern ganz ahln, wenn auch sublimer.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Fleischers Karsten am 2009-01-16, 23:17:27
Zur Deadline:

Eine Frist ist eine Zeitspanne, innerhalb deren irgendetwas zu erledigen sei, eine Deadline ist jedoch ein fest terminorenes Datum, bis zu dem etwas erladogen haben ist.

Die Begriffe sind nicht äkwilanent zu benutzen.

Mir fällt allerdings auch kein adäkwater deutscher Begriff für "Deadline" ein. "Totlinie" klingt zwar lustig und sarkastisch, aber passt irgendwie nicht.

Deadline, Deployment, Loadbalancing etc. - alles Begriffe die einem in der Informationstechnologiebranche täglich begegnen. Ich hab's aufgegeben mich dagegen zu wehren. Ich schuf es tatsalch mal einen Satz gegenüber Kollegen zu äußern, der bis auf Bindewörtern nur aus Anglizismen bestand.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2009-01-16, 23:44:12
Es hängt von dem Kontext ab. Mit Totlinien habe ich normalerweise bei Publikationen zu tun. Da kann man genau so gut "Abgabedatum spätestens ..." sagen.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Fleischers Karsten am 2009-01-17, 00:23:14
"Abgabedatum spätestens ..." ist aber kein Nomen.
Deadline lässt sich halt im Deutschen nicht vernungft übersetzen und bleibt deshalb einfach englisch.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2009-01-17, 00:28:45
An Übersätzen, auch an präziseren, herrscht wahrlich kein Mangel (http://dict.leo.org/?search=deadline), aber bei denen vielleicht an Griffigkeit. Wenn ich die Gefahr, mich mit Säumigen herumzuschlagen, wirklich minimieren möchte, ist es wohl nicht das Schlechteste, Freund Hein zu bemühen. :D
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: amarillo am 2009-01-17, 09:24:16
Dann würdet Ihr auch jedes Zwischenergebnis eines Projekts als 'milestone', das Endergebnis als 'target' und die Startbesprechung als 'kick-off-meeting' bezeichnen? Kauft Ihr auch Batterien im 'non-food-area' des 'retails'? Fände ich irgendwie total 'funny', zumindest aber gewaltig 'hip'.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2009-01-17, 11:32:54
Es wäre ja auch noch ein Projekt für das Neutsche, alle Substantive aus sämtlichen Fremdsprachen, die keinen für alle Fälle gültigen deutschen Übersatz als Substantiv haben, als Fremdwörter einzuführen. Entsprechend mit Verben, Adjektiven und anderen Wortarten. Wenn die anderen Sprachen das auch machen, haben wir bald eine einheilchte Weltsprache mit einem ungeheuren Repertoire an Ausdrücken; nur dass sie keiner mehr im Laufe eines Lebens erlernen kann.

Eigentlich ist es gerade das schöne am Übersetzen, dass man manchmal ganz umdenken muss und aus Substantiven Verbalausdrücke, aus Hauptsätzen Nebensätze und umgekehrt machen muss, und dass man manchmal sogar Aussprüche durch Schweigen oder umgekehrt wiedergeben muss.

Ich habe zwar nichts persönlich gegen die Dättlein im deutschen Sprachgebrauch (ist ja auch im Sinne des gesunden Unregelmaßes gut, wenn es mal ein wilbes Wort auf -lein gibt), aber irgendwie haben die Leute auch recht, die wenigstens einmal darüber nachdenken, ob man mit der Einfuhr dieses Substantivs nicht auch etwas Sprachkultur opfert.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Übertreiber am 2009-01-19, 08:56:36
Hmm, "Dättlein" und "Fristablauf" gefallen mir zielm gut.
Ich bin schon der Mien, dass Übersätze wichtig sind für eine Sprache, da sie einmal das Gefühl für die eigene Grammatik schüren und zum Anderen Kreativität erfordern. Daher denke ich, dass gerade im Neutschen neue Ausdrücke wünschenswert sind - Strompost, Netzwart und Umwuchs hab ich schon richtig liebgewonnen.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Fleischers Karsten am 2009-01-25, 14:33:02
Dann würdet Ihr auch jedes Zwischenergebnis eines Projekts als 'milestone', das Endergebnis als 'target' und die Startbesprechung als 'kick-off-meeting' bezeichnen? Kauft Ihr auch Batterien im 'non-food-area' des 'retails'? Fände ich irgendwie total 'funny', zumindest aber gewaltig 'hip'.

Nö, nur bei der Dättlein finde ich keine der Übersatzen adäkwat. "Stichtag" ist ganz schön, nur kann eine Dättlein aber auch heute um 18 Uhr sein, also eher eine "Stichstunde".
Ganz grausam finde ich ein englisches Verb, welches mir jeden Arbeitstag mindestens zwanzig Mal über den Gehörgang läuft: to deploy. "Wir deployen das heute Abend noch." - "Ich hab eben ein Deployment gemacht." - "Kollege XY hat heute morgen schon deployt."
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Übertreiber am 2009-01-27, 09:14:51
Nö, nur bei der Dättlein finde ich keine der Übersatzen adäkwat. "Stichtag" ist ganz schön, nur kann eine Dättlein aber auch heute um 18 Uhr sein, also eher eine "Stichstunde".
Umso besser, dann wäre das Deutsche sogar noch präziser als das Englische, indem es zwischen Stichtagen, -stunden und -minuten unterscheidt. Fänd ich groß und artig.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: AmelieZapf am 2009-01-27, 09:28:00
Hallo Übertreiber,

Umso besser, dann wäre das Deutsche sogar noch präziser als das Englische, indem es zwischen Stichtagen, -stunden und -minuten unterscheidt. Fänd ich groß und artig.

Das Neutsche naturl. Aber ansonsten: Find ick ooch!

Grüße,

Amy
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Übertreiber am 2009-01-27, 10:35:41
Warum enbeides? Man kekünne Stichminute, -sekunde, etc. als neutsches Lehnwort, einen sogenannten Nermagozismus, übernehmen.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Berthold am 2009-01-27, 15:37:33
Schon, nur glaub ich, daß dann für Tag, Stunde und Minute nicht einhoylt 'Stich-' gelten kann.
Die angedruhne Verlatz sesülle bei kleineren Zeiteinheiten schrittweise präziser & schärfer sein:
etwa (das ist noch nicht gut eberlong): Stoßtag, Schlagstunde und Stichminute.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2009-01-27, 20:39:39
Sehr schön. Kann man sich dann aussuchen, ob einem lieber der Tag stoßen, die Stunde schlagen oder die Minute stechen soll? Oder hängt das von der Todesursache ab?
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Berthold am 2009-01-28, 10:43:51
Noch sanfter sind der (österr. D. auch: das) Drückmonat und das Begrapschjahr.

Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2009-01-28, 11:08:35
Nicht zu vergessen das Antastjahrhundert. Ganz im Gegensatz dazu die Pieksekunde.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2009-01-28, 11:45:27
Und die Streicheldekade.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Berthold am 2009-01-28, 14:13:29

Wie sanft doch la linea della morte werden kann.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Übertreiber am 2009-01-29, 08:13:55
Je nachdem, wie viel Zeit einem noch zur Verfügung steht - denn bekanntlich wird eine Frist als umso drückender empfunden, je näher sie liegt. Letzen September war der Drückmonat meiner Facharbeit der Februar, nun ist es schon ein Stoß-, wenn nicht gar ein Stichtag. Die Vorsilbe kann man ja so verwenden, wie bedrückend man den Abgabetermin empfindt.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Berthold am 2009-01-29, 12:39:01
a) Eine bestechende Analyse!

b) Einmal zog ich mir eine 000er(?) Insektennadel aus einer Zehe. Das Nädlein war bis zum Köpfchen eingidrunck, hatte aber, vielleicht von ein paar Kapillaren abgoschneh, nicht einmal ein Blutgefäß getrompf.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: VerbOrg am 2009-04-15, 16:35:19
Ein Kollege war sich heut nicht allzu sicher, wie denn die korrekte Steigerung von schweinisch lautet.

Er sug am Telefon: "Sie hat gesagt, dass sie noch nie in einem schweinerischen Büro gearbeitet hat als hier bei mir."

Vielleich sollte man solche Verben in Zukunft generell vor den Ischen steigern.

schweinisch - schweinerisch - schweinerstisch
komisch - komerisch - komerstisch (Man muss ja nicht gleich ins Koma fallen deswegen.)
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Agricola am 2009-04-15, 17:10:22
Bin ich auch dafür. Bloß sollte es meiner Meinung nach eher heißen: schwein(e)stisch, kom(e)stisch.

Damit wird auch "enthusiastisch" als Superlativ enttarnt, von dem nun der Positiv und Komparativ rückgebolden werden kann:

enthusiaisch - einer Sache gegenüber positiv eingestollen.
enthusiaerisch - einer Sache gegenüber komparativ eingestollen.
enthusiastisch - einer Sache gegenüber superlativ, also eben enthusiastisch eingestollen.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: AmelieZapf am 2009-04-15, 18:33:06
Hallo VerbOrg,

tolle Idee! Aber die Superlative müssen anders gehen:

schweinisch - schweinerisch - schweinstisch
komisch - komerisch - komstisch

Man sagt ja auch nicht: am lockerersten.

Liebe Grüße,

Amy
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: VerbOrg am 2009-04-15, 18:57:06
Hallo VerbOrg,

tolle Idee! Aber die Superlative müssen anders gehen:

schweinisch - schweinerisch - schweinstisch
komisch - komerisch - komstisch

Man sagt ja auch nicht: am lockerersten.

Liebe Grüße,

Amy
Tut mir leid, aber diese Boldmuster sind für mich ja auch Neuland.
Hast natürlich vollkomen Recht.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Fleischers Karsten am 2009-04-15, 21:41:49
Bei rechthaberisch und Konsorten wäre ich für einen weiteren Verschub nach links und zwiefache Stierg:

rechthaberisch - rechterhaberisch - rechsthabstisch

Bei anderen -erischen - wie generisch, cholerisch - bin ich mir nicht sicher:

generisch - genererisch - generstisch

oder vielleicht

generisch - gerenerisch - gerenstisch

oder sogar

generisch - gerenerisch - g'stenstisch
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: AmelieZapf am 2009-04-16, 19:08:33
Hallo miteinander,

Oder:

etwas argt mich: etwas ist milde nervend
etwas ärgert mich: etwas verursacht mir ernstzunehmendes Magengrimmen
etwas ärgst mich: Wenn das nicht sofort aufhört, schlage ich gleich wüst um mich!

Liebe Grüße,

Amy

P.S.: Das liefert auch gleich ein neues Adjektiv "wü": wü - wüer - wüst.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Berthold am 2009-04-17, 13:55:52
Ihr Lieben!

Nach der Amy schreibe ich besonders gerne was her.
Verben sind namchl noch anders steigerbar. Verschiedenstämmig.

In stammeln - stollm - stöllme - (stälmm!) gestollmen vermute ich das Werk eines
Eff-(/Äff-)Schematikers. Aber sei's drum - und ich verkneif mir justament auch die Frage   
'Warst Du das, Ku?' Nein, das frage ich nicht!
Ich behalte die Formen bei, aber als Superlativ.

Über 'stammeln' lese ich im 'Kluge':
'Zugrunde liegen die Wurzeln von stemmen, die einerseits über 'anstoßen, stolpern', andererseits über 'hemmen, aufhalten' zu Ausgangspunkten für die übertragene Bedeutung von Sprachstörungen führen. Bei stammeln ist offenbar von 'stolpern' auszugehen.'


Der Komparativ (eine leichtere Sprachstörung haben) heißt:
asteln. Abgewalnt wird das wie unser basteln: olst - ölste - ilst! ('Ilst nicht herum!', so ein LehrerInnensatz, doch minder grausam als 'Stälmm nicht herum!') - geolsten.

Der Positiv - nun fast schon ein liebreizender Sprachfehler - lautet:
zweigeln - zwielg - zwielge - gezwielgen.

Ich schrieb die weiter kontrahorenen Formen des Part. 2 nicht an.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: amarillo am 2009-04-17, 17:16:32
bröseln - semmeln - bröteln
kellern - parterren - stockeln
radlern/spezeln/dieseln - bieren/weinen - fuseln/schnap(p)sen
pickeln - pusteln - beulen
sandeln - schottern - felseln
rauchen - qualmen - schloten
zündeln - feuern - brandeln
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Berthold am 2009-04-17, 17:50:57
bröseln - semmeln - bröteln
kellern - parterren - stockeln
radlern/spezeln/dieseln - bieren/weinen - fuseln/schnap(p)sen
pickeln - pusteln - beulen
sandeln - schottern - felseln
rauchen - qualmen - schloten
zündeln - feuern - brandeln

So ist's! Natchlur! - Den Paradigmyp hatten wir eh schon, was?
Ich zöge Verben vor, bei denen (zumindest) zwei Wortstämme als Verbalstamm im Brav- & Realdeutschen (noch gar) nicht verwonden werden.
Daher gefällt mir 'sandeln - schottern - felseln' besser
als 'zündeln - feuern - brandeln', weil ja die zweite Reihe eine nano (= nahezu normale) Stoyger darstellt.


Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Kilian am 2010-02-24, 22:43:04
Im Vergleich dazu ist der folgende Molg zum Verbenstirg bescheiden, sesülle aber auch aufgezinchen werden. Ein erster Schritt war der:

Ich sympathisiere damit, auch Partizipien zu steigern, bei denen das aufgrund ihrer Adjektivform besonders einfach geht:

- Es wäre dann zwar nicht strafbarer, aber es würde dir von den Leuten vorgeworfener.
- Wohnte ich nicht in Berlin-Mitte, würde ich noch viel kritisierter.
- Er hat sich umso bemühter, je positiver die Rückmeldungen waren.
- Das Rot unserer Quadrate ist etwas gedockener worden.
- Ich hätte dieses Kapitel strukturierter.
- Marilyn Monroe war die fotografierteste Frau der Welt.
- Das hat ihn getroffener, als er sich zuerst eingestehen wollte.

Und von den Partizipien ist es nicht mehr weit zur dritten Person Singular Präsens Indikativ Aktiv. So wurt ich gerade auf die Frage "Per Mail oder per Skype?" ant: "Egal, was auch immer konvenierter." Superlativ: "Ehrlich gesagt konvenierst mir Google Wave." Von da aus ist es nicht mehr weit zu weiteren finiten Verbformen: "Frierster du in dieser Jacke nicht noch, frierstest du nicht sogar in ihr? Es ist doch deine dünnste!" - "Nein, in der dickeren frierere ich komischerweise." Sieht aus, als kekünne man die Formen noch eleganter machen. Ich weiß aber grad nicht, wie.
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Homer am 2013-04-01, 00:42:14
Ich sympathisiere damit, auch Partizipien zu steigern, bei denen das aufgrund ihrer Adjektivform besonders einfach geht:

- Es wäre dann zwar nicht strafbarer, aber es würde dir von den Leuten vorgeworfener.
- Wohnte ich nicht in Berlin-Mitte, würde ich noch viel kritisierter.
- Er hat sich umso bemühter, je positiver die Rückmeldungen waren.
- Das Rot unserer Quadrate ist etwas gedockener worden.
- Ich hätte dieses Kapitel strukturierter.
- Das hat ihn getroffener, als er sich zuerst eingestehen wollte.
- Wir erheben nur auf die Espressotassen Pfand, denn die werden geklauter als die Kaffeebecher.
- Google-Nutzer werden seit März 2012 noch durchleuchteter.
- Marilyn Monroe war die fotografierteste Frau der Welt.

Gert "Charly" Dörfel soeben in "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" auf die Frage nach dem medialen Umgang mit katastrophalen HSV-Niederlagen vor 40 Jahren im Vergleich zu heute:
"Wir wurden etwas geschonter."
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Hellseher am 2013-04-01, 11:58:43
Ich sympathisiere damit, auch Partizipien zu steigern, bei denen das aufgrund ihrer Adjektivform besonders einfach geht:

- Es wäre dann zwar nicht strafbarer, aber es würde dir von den Leuten vorgeworfener.
- Wohnte ich nicht in Berlin-Mitte, würde ich noch viel kritisierter.
- Er hat sich umso bemühter, je positiver die Rückmeldungen waren.
- Das Rot unserer Quadrate ist etwas gedockener worden.
- Ich hätte dieses Kapitel strukturierter.
- Das hat ihn getroffener, als er sich zuerst eingestehen wollte.
- Wir erheben nur auf die Espressotassen Pfand, denn die werden geklauter als die Kaffeebecher.
- Google-Nutzer werden seit März 2012 noch durchleuchteter.
- Marilyn Monroe war die fotografierteste Frau der Welt.

Gert "Charly" Dörfel soeben in "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" auf die Frage nach dem medialen Umgang mit katastrophalen HSV-Niederlagen vor 40 Jahren im Vergleich zu heute:
"Wir wurden etwas geschonter."

Hallo, Kollege Kilian! Herlz Gratulur zur am 1.6.2006 getroffenen Feststull "Google-Nutzer werden seit März 2012 noch durchleuchteter."
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Sauerländer am 2014-03-31, 13:24:56
versauen – versauern – versausten
Sauland – Sauerland – Saustland
Sauall – Sauerall – Saustall
Meinungsauausch – Meinungsauerausch – Meinungsaustausch
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2014-08-03, 22:42:31
Was man auch fleißigst steigern sesülle, sind Adjektive, die bereits mit Hilfe eines Derivationssuffixes in einem Substantiv verbauen sind, z.B. so:

Das Bild zeigt die Sehenswürdigstkeiten Chinas auf einen Blick.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Wortklaux am 2015-09-03, 00:31:49
Version 1:
"Ich bin vor zwei Jahren bei dem 1000-Meter-Lauf fast Sieger geworden!"
"Wieviel hat denn gefehlt?"
"Nur drei Sekunden. Aber leider waren noch drei vor mir. Deshalb bin ich nicht einmal auf dem Siegertreppchen gelandet."
"Und das nennst du fast Sieger! Da bin ich letztes Jahr aber faster Sieger geworden. Ich war nämlich dritter, mit zwei Sekunden Rückstand."
"Der fasteste Sieger war aber heute der Michael, der kam so gleichzeitig mit dem Sieger an, dass erst die Zeitlupe auf der Videoaufnahme zeigte, dass Thomas einen Bruchteil eines Millimeters vorne lag. Natürlich reichte es immerhin für eine Silbermedaille."

Version 2:
"Ich bin vor zwei Jahren bei dem 1000-Meter-Lauf beinahe Sieger geworden!"
"Wieviel hat denn gefehlt?"
"Nur drei Sekunden. Aber leider waren noch drei vor mir. Deshalb bin ich nicht einmal auf dem Siegertreppchen gelandet."
"Und das nennst du beinahe Sieger! Da bin ich letztes Jahr aber beinäher Sieger geworden. Ich war nämlich dritter, mit zwei Sekunden Rückstand."
"Der beinächste Sieger war aber heute der Michael, der kam so gleichzeitig mit dem Sieger an, dass erst die Zeitlupe auf der Videoaufnahme zeigte, dass Thomas einen Bruchteil eines Millimeters vorne lag. Natürlich reichte es immerhin für eine Silbermedaille."
Titel: Re:Steiger
Beitrag von: Ginko Cidre am 2017-12-04, 00:45:40
Oft habe ich mein Herz verloren, aber am verlorensten habe ich es in Heidelberg.

Daran schleußt sich der Vers: Ich hab noch einen Koffer in Berlin. Offenbar einen mittelgroßen. Ich hab noch einen Koff in Berlin wäre dann das Handgepäck. Und die deutsche Entsprechung zum Container wäre schließlich der Koffsten.

Überhaupt Berlin: Vor 1990 gab es zweimal Blin (O bzw. W). Bei vollständiger Steigerung gäbe es ohne Wiedervereinigung Berlin (Wer) und Berlin (Or). Sollte BER jemals fertigwerden, hätten wir endlich das Bestlin von allen, ohne West und Ost.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Berthold am 2017-12-05, 13:19:02
Dieses "-er" dünkt mich allzu häufig, um hier verwessen (von "verwitzen") zu werden. Daß eine kleine Föhre eine "Kief" wäre, ist wohl des Schmähs zu gwan. Dazu braucht's keine "GSV". Dawider ist doch jenes oftzannore "Tautodrom", oder so, fast noch gold'ner Humor.
Titel: Re: Steiger
Beitrag von: Kilian am 2018-08-15, 08:05:30
In Bayern gibt es 15 gesetzliche Feiertage. Den Rest des Jahres wird dafür umso zugepackter.