Gesellschaft zur Stärkung der Verben

Öffentliche Bretter => Neue Ideen => Thema gestartet von: edragedlih am 2004-03-25, 20:43:22

Titel: Leihwörter
Beitrag von: edragedlih am 2004-03-25, 20:43:22
Bitte, schützen Sie Ihre Sprache insgesamt,
wehren Sie alle Leihwörter und erfinde einen schönen deutschen Ersatz!!
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-04-04, 18:28:57
I wo, Leihwörter sind doch nicht grundsätzlich etwas Schlimmes. Im Gegenteil, sie sind durchaus cool und haben genug raison d'être, solange auf die semantische Akkuratesse geachtet wird... Handy (Mobiltelefon) ist ein böses Wort, "Gesichtserker" (Nase) aber auch...

Schöne deutsche Ersätze, wenn man sie denn findet, können ja durchaus mit den Leihwörtern koexistieren. So finde ich zum Beispiel "Klapprechner" (statt Laptop) oder "Wandelwart" (statt Ambivalenz) sehr schön... des Weiteren sollte auch die Kunst des Eindeutschens nicht verloren gehen - so kann man zum Beispiel das bildschöne französische Wort magnetophone nehmen und nicht groß verändern, nur den deutschen Schreib- und Aussprachegewohnheiten anpassen und erhält "Magnetofon" - ein Wort, das sich hinter "Kassettendeck" durchaus nicht verstecken muss. Das hat gegenüber bloßen Übernahmen von Worten anderer Sprachen (wie auch z.B. bei Computer) den Vorteil, dass man beim Sprechen nicht ständig zwischen zwei Aussprachesystemen hin- und her switchen muss, somit weniger phonetische Unfälle entstehen.

Alle Möglichkeiten der wechselseitigen Befruchtung von Sprachen halten jedenfalls den Geist geschmeidig. Es soll nur unverkrampft, ästhetisch, semantisch bewusst und behutsam geschehen.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: MrMagoo am 2004-04-06, 15:17:23
--- "Handy (Mobiltelefon) ist ein böses Wort, "Gesichtserker" (Nase) aber auch..."


Findest Du?
Also dem "Gesichtserker" kann ich (vom Morphologischen her) nichts "böses" ansehen - ein einfaches Synonym zur Nase, und durchaus kein Leihwort, denn es ist ja nicht aus einer anderen Sprache übernommen. Sclimmer fänd ich's, wenn man statt Gesichtserker so etwas wie "Face Gazebo" süge - in diesem Fall wäre der Ausdruck genauso böse wie "Handy" für Mobiltelefon, wobei ich Mobiltelefon bereits ebenso als Lehnwort betrachte, wie Handy und der Meinung bin, man könne es doch sehr viel besser durch "tragbarer Fernsprecher" oder einfach "tTragfernsprecher" ersetzen.


Bei Deinen weiteren Anführungen muß ich Dir größtenteils rechtgeben, auch wenn dort noch deutlich die Lehnwörter durchschimmern und man selbst diese noch durch einige bessere deutsche Begriffe ersetzen könnte...
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-04-06, 20:08:31
ZitatAlso dem "Gesichtserker" kann ich (vom Morphologischen her) nichts "böses" ansehen - ein einfaches Synonym zur Nase, und durchaus kein Leihwort, denn es ist ja nicht aus einer anderen Sprache übernommen.

Nein, nichts Böses vom Morphologischen her. Ich habe "Gesichtserker" auch nicht als Beispiel für ein Leihwort angeführt, sondern im Gegenteil ("Gesichtserker aber auch") als typisches, allgemein bekanntes Beispiel krampfhafter Ersetzung verbreiteter (bzw. verbrittener :)) Leihwörter durch deutsche Neologismen, resultierend aus der Auffassung, Leihwörter seien grundsätzlich etwas Unerwünschtes. Letztere Auffassung teile ich nicht.

Meine Hauptkritik am Wort "Handy" zielt auf die Tatsache, dass das Wort im Englischen in der Bedeutung gar nicht existiert und mir die Benutzung des Wortes daher ziemlich unreflektiert erscheint.

Die Wertung der Benutzung von Leih- und Lehnwörtern ist stufenlos, letztlich ästhetisch und damit subjektiv.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2004-05-10, 14:53:34
"gesichtserker" tät ich nicht unbedingt als beispiel benutzen.

warum nicht? weil es niemals im ernst als ersatz für "nase" gedacht war, sondern nur von böswilligen spöttern herrn philipp von zesen in den mund gelegt wurde, als hätte er's wirklich vorgeschlagen.

sein wirklicher vorschlag war "schnauber"! ;D
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-05-10, 18:37:34
Dieser historische Hintergrund war mir gar nicht geläufig. Von dem losgelöst, bleibt das Beispiel ja geeignet.

Ich muss aber zugeben, dass der "Gesichtserker" auch heute noch meist den Spöttern und Gegnern der Sprachschützer als Keulenargument gegen z. B. die Vermeidung überflüssiger Anglizismen dient.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2004-05-10, 21:40:20
seltsam, daß sich gerade dieser dumme witz halten konnte. zesens eigene ideen, um selbst gut eingebürgerte meist lateinische lehnwörter zu ersetzen, waren nämlich kaum weniger lustig:

jungfernzwinger (nonnenkloster) ;D
obererzvater (papst)
dachschnauber (schornstein)
tageleuchter (fenster)
zeugemutter (natur)
pflanzherr (vater) ;)
meuchelpuffer (pistole) :P
hauptstürze (hut)

böswillig zugeschrieben wurden ihm außer dem gesichtserker auch "windfang" (mantel) und "pelzene mausefalle" (maus!).

eingebürgert haben sich hingegen seine neuworte

verfasser (autor),
augenblick (moment)

sowie "vertrag", "abhang" und "umgang" (kann momentan nicht feststellen, welche fremdwörter dadurch ersetzt wurden.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-05-12, 18:24:22
Hier, das ist sehr interessant:

http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_von_Zesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_von_Zesen)
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: MrMagoo am 2004-05-13, 22:09:59
Das ist ja echt interessant - vielen Dank für den Link!!
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-05-14, 20:28:16
Ich war auch vollkommen verbloffen, dass so viele von Kindesbeinen an ganz selbstverständlich vertraute Wörter absichtliche Neuschöpfungen als Ersatz für Fremdwörter waren. Und ich muss sagen, Philipp von Zesen verstand sein Handwerk gut; die Wörter sind schön und treffen, sonst wären sie wohl auch nicht so erfolgreich geworden. Zudem sind die Wörter "Menschenschlachter" und "Meuchelpuffer" wohl unzweideutiger Ausdruck einer recht abnickbaren Gesinnung. :)

Von den bisher erfolglosen Eindeutschungen werde ich mich bemühen, Dörrleiche, Gottestum, Leuthold, Schalksernst und Scheidekunst ein wenig in meinen aktiven Wortschatz einfließen zu lassen. :)
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: MrMagoo am 2004-05-14, 22:06:59
Das wäre auf jeden Fall mal eine Maßnahme.

Ich will mal nachsehen, wie viele und wenn, welche dieser Wörter, die nicht unbedingt in den aktiven Wortschatz eingedrungen sind, dennoch in den Wörterbüchern verzeichnet sind, die ich besitze... und ob es dazu besondere Anmerkungen gibt.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-05-16, 12:13:50
Da bin ich dann auch mal gespannt. :)
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2004-05-16, 16:37:00
"scheidekunst" scheint vor ca. 100 jahren durchaus im gebrauch gewesen zu sein. kann mich an eine stelle bei karl may erinnern. (allerdings hieß es da, glaube ich "die chemie oder scheidekunst", er truh also seinen lesern nicht zu, daß sie es ohne weiters verstünden.)
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-05-16, 17:42:35
Heute stieß ich beim Blättern im Wahrig rein zufällig auf das Wort "Wundarzt", das man anstelle von "Chirurg" wiederbeleben könnte.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Das H am 2004-08-04, 14:38:35
als erstes wollte ich anmerken das es sich bei dem "bösen" Wort Händy auch nicht um ein Leihwort aus dem Englischen handelt, sondern es seinen Ursprung eher in der Region Österreich und Umgebung hat.
Dort soll es sich nämlich zugetragen haben, das als einer der Ureinwohner dieses Völkchens das erste Mal ein solches Wunderwerk der Technik erblickte, er den Ausruf tat...
"Hän die kei Schnua?!"
Aber das auch nur als humoristische Anmerkung am Rande.

Mmmh , ansonsten läßt sich über die Vor und Nachteile von Leihwörtern viel diskutieren aber wenig sagen, denn was des einen Leid, da er die Verschandelung der deutschen Sprache fürchtet ist des anderen Freud, da er vom Kaffekocher der Chefs zum Chief Service Manager im Executed Office wird, was sich bei weitem besser anhört, gell ?
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2004-08-05, 20:18:44
ich protestiere in meiner eigenschaft als österreicher.

"hän die koi schnua?" sagt man nicht in österreich, sondern in schwaben. und das ist ganz, ganz woanders.

käme der begriff etwa aus der steiermark, hieße das mobiltelefon wohl "haumdej", wegen "haum dej koa koubl?"
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-08-12, 23:02:32
@Das H: Ja, da freut sich der Kaffeekocher. :)
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Das H am 2004-08-23, 14:26:08
Ich entschuldige mich für meine Unwissenheit im östereichschem Wortgebrauch... dann halt die Schwaben...
Nunja , DAS hätten se sich dann ja auch sparen können *insfäustleinkicher

Und nun noch einige Vorschläge meinerseits zur Ausmerzung diverser englischer Leihwörter:

Chat ... Texttelefonat
SupportCenter ... mögliche Lösungsanlaufstelle
Hotline ... Klärungsleitung
FastForward ... Verhederungstaste
Multitasking ... Paralleldenken
Leasing ... Fastkauf
FileSharing ... Dateneintopf

das gute alte
Handy ... mobiler Kurzwellenfunkfernsprecher auch MKWFFS genannt *gruns
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-08-24, 23:02:48
Noch was zu Karl May: Vielleicht hatte er von dem Wort Scheidekunst gehört und wollte auf diese Weise den Wortschatz seiner Leser damit befruchten.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Feldmarschall am 2004-08-26, 12:59:57
Also zunächst einmal zu P. v. Zesen:

Er lebte - das kann man auf der gelinkten (= ausgewiesenen??) Seite ja nachlesen - im 17. Jahrhundert. Daher ist es nicht allzu erstaunlich, daß von ihm geschaffene Wörter im heutigen Sprachgebrauch selbstverständlich sind, ohne daß sie als Neuschöpfungen auffallen, und daß andere heute fremdartig erscheinen.
Andererseits fiel mir auf, daß einige seiner Verdeutschungen, welche sich nicht eingebürgert haben, inkonsequent (=nicht durchgehend verwirklicht???) waren - wenn Vater Pflanzherr heißen sollte, warum dann Papst Obererzvater und nicht Obererzpflanzherr??? -
andere dagegen waren überflüssig,  weil man schon andere Begriffe verwenden kann: Soldat - Krieger (anstatt Menschenschlachter), Pistole - Faustrohr, Schornstein - Rauchgang/Rauchfang/ .
Nebenbei bemerkt wäre ich dankbar, wenn einer von euch mir erklären könnte, welchen Ursprung das Wort Schornstein, von dem ich nicht wußte, daß es sich offenbar um ein Fremdwort handelt, hat.

Was den Gesichtserker anstelle von Nase betrifft: Ich habe einmal gelesen, daß es der germanische Ausdruck für die Nase gewesen sein soll. Vielleicht wird es daher fälschlich auch als Vorschlag v.Zesens betrachtet.
Von Gegnern des Schützens der deutschen Sprache vor Fremdwörtern wird meines Wissens aber meistens der "Viertopf-Zerknalltreibling" angeführt.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-08-26, 15:24:56
Ein Brief, den ich unpassenderweise in einer Stilblütensammlung fand:

ZitatMeine Trautholde!

Wir wäre es mit einem Zerknalltreiblingszweiradausflug am Sonntag, dem 28. Lenzing 1938? Hoffentlich gibt Dich Dein Pflanzherr frei und hält Dich wegen Sippenthings anläßlich des Wiegenfestes Deiner Urpflanzmutter nicht daheim fest. Es gibt keinen schöneren Genuß mit Dir, Kraftradhintersassin, als jetzt im Lenz. Bitte, bringe Du Deine Strahlenfalle mit, dann besorge ich eine Kofferkrachwortmühle, damit wir bei der Freiluftmahlzeit die große Furtwänglertönerei und die Wiedergabe von dem Faustkämpferwettstreit hören können. Und ziehe bitte Deine zweigeteilte Lenztracht an, in der Dein Hüftengpaß  so gut zum Ausdruck kommt. Vergiß auch nicht, am Zeitungsheim den Fußballspielerergebniswettrateschein zu holen. Und, bitte, rauche bis zum Sonntag nicht mehr so viele Langstäbchen und trinke keine so starke Schwarzbrühe, sonst bist Du wieder so wirrsalig. Auf bald!

Dein Trautholdester!

Hat der Verfasser hier Fremdwörter gemieden, oder war er nur um durchgängige Verwendung ausgefallener Synonyme bemüht? Ich tippe auf Letzteres, da ich hinter der Strahlenfalle einen Sonnenschirm vermute - und das Wort ist ja völlig deutsch.

Ein grundsätzliches Statement: Die Eindämmung von Leihwörtern aus dem Englischen etc. hat mehr Berechtigung als die Eindämmung und Ersetzung von Lehnwörtern mit griechischer, lateinischer etc. Herkunft. Denn die letzteren fügen sich prima in die deutsche Aussprache ein und sind dem Schatz der deutschen Sprache wohl auch im engereren Sinne zuzurechnen, während man bei den Ersteren immer zwischen unterschiedlichen Aussprachesystemen hin- und herswitchen muss und es der Zunge ergehen kann wie einer mechanischen Schreibmaschine mit Dvorak-Keyboard. Gekonnt und mit dem rechten Maß eingesetzt, sind beide eine Bereicherung. Das kreative Ausdenken wurzeldeutscher Synonyme aber auch.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Feldmarschall am 2004-08-26, 19:45:39
Der zitierte Text liest sich so, als sollte damit wieder die Haltung, Fremdwörter zu vermeiden, ins Lächerliche gezogen werden. Darauf läßt die Tatsache schließen, daß die unsinnigen Verdeutschungen entweder unnötig übertrieben oder andere, selbst erdachte eingefügt wurden. Und zwar wurde Wert darauf gelegt, daß es sich um besonders umständliche Wörter handelt, die jedem offensichtlich auffallen und auf Ablehnung stoßen.
Was zum Beispiel soll eine (Ur-) Pflanzmutter sein? Entweder man sagt Pflanzherrin entsprechend zu Pflanzherr oder es macht keinen Sinn.
Geburtstag wurde durch Wiegenfest ersetzt, weil dies heute ungewohnter klingt, dabei ist Geburtstag kein Fremdwort.
Die Krachwortmühle ist wohl das Radio; dieses kann man auch als Rundfunkempfänger bezeichnen, und schon ist es ein geläufiger Ausdruck.
Zeitungsheim = Kiosk? Warum wird es nicht einfach als Zeitungsstand bezeichnet?
Auch das Datum scheint nicht umsonst gewählt worden zu sein; es sollte offenbar der Bezug zum 3. Reich hergestellt werden.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-08-26, 20:58:45
Der Brief ist in dem Buch Es fängt damit an, daß am Ende der Punkt fehlt, abgebildet, das zumindest vorgibt, nur authentische Dokumente zu enthalten. Es enthält eine Vielzahl unterschiedlichster privater und amtlicher Schreiben, die meisten davon wegen witziger Stilblüten ausgewählt. Der ältere der beiden Herausgeber, Emil Waas, wurde 1919 geboren, das Buch 1973 veröffentlicht. Das Datum ist also sicher nicht extra gewählt, um einen Bezug zum Dritten Reich herzustellen, und die Intention des Textes ist wahrscheinlich eher Spaß unter Verliebten als Fremdwörtervermeidungsverarschung. :-)
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2004-08-26, 21:45:41
@ das H:


soll vielleicht "texttelefonat" ein deutsches wort sein? ???

ebenso wie "parallel" und "daten"?


also wenn schon, dann "schriftferngespräch" (oder "tippferngespräch"), "nebeneinander-" oder "zugleichdenken", und für filesharing "gegebenheiteneintopf" ;D
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2004-11-10, 21:17:35
Noch etwas sehr Schönes für die Sprache der Physik:
Zusammendrückbarkeit für Kompressibilität
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: mal sehen am 2004-11-11, 12:05:24
Zitat von: Das H am 2004-08-23, 14:26:08
Ich entschuldige mich für meine Unwissenheit im östereichschem Wortgebrauch... dann halt die Schwaben...
Nunja , DAS hätten se sich dann ja auch sparen können *insfäustleinkicher

Und nun noch einige Vorschläge meinerseits zur Ausmerzung diverser englischer Leihwörter:

Chat ... Texttelefonat
SupportCenter ... mögliche Lösungsanlaufstelle
Hotline ... Klärungsleitung
FastForward ... Verhederungstaste
Multitasking ... Paralleldenken
Leasing ... Fastkauf
FileSharing ... Dateneintopf

das gute alte
Handy ... mobiler Kurzwellenfunkfernsprecher auch MKWFFS genannt *gruns


Also ...

IMHO ist eine "hotline" eher eine "Warteleitung"
Geklort wurde bei meinen Anrufen niemals etwas.

avete!
mal sehen
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Arnymenos am 2005-02-25, 19:22:23
Meine kleine Liste aus dem Bereich des Weltnetzes:

Computer - Rechner (kürzer, klarer, deutscher)
Laptop - Klapprechner (übernehme ich gerne, siehe oben)
Monitor - Bildschirm (damit hat niemand Probleme, oder? Ist auch kürzer)
Internet - (Welt-)Netz
Intranet - Heimnetz
webpage - (Netz-)seite
homepage - Heimseite
Thread - Faden
Posting - Beitrag
Link - Verweis (Link wäre aber phonetisch deutsch genug)
Tab - Reiter (hieß mal so, geriet aus der Mode, wurde für EDV neu erfunden, und urplötzlich konnte sich keiner mehr an das deutsche Wort erinnern)



Wörter, die ich nicht übersetze, sondern eindeustche:
Mail (Das "ey" als Diphthong hat ja seinen Platz gefunden, es ist aussprechbar, und damit ist Mail eingedeutscht; unterscheidet sich vom papiernen Brief)
Daten (klingt deutsch genug)
Forum
Programm


Die Liste wird fortgesetzt.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2005-02-27, 18:45:45
Für mich ist der Monitor das ganze Gerät, der Bildschirm (engl. screen) hingegen die sichtbare Vorderseite der Bildröhre: "Du darfst den Monitor berühren, aber nicht den Bildschirm!"
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-03-01, 08:58:26
Inzwischen sind die Bildschirme ja so Flach, dass ein Unterschied nicht mehr auszumachen ist.;-)
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-03-01, 15:16:51
In einem anderen Faden wurde


webmaster    -->  Netzmeister

ubersetzt


Ich finde Netzwart klingt auch sehr huebsch deutsch. (wie Hauswart und Blockwart, und ist ein Astronom eigentlich ein Sternwart?). Er meistert ja nicht nur das Netz, er wartet es ja auch.

Und wir alle sind Bahnwarte, denn wir alle warten ihrer.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2005-03-01, 18:32:22
Deshalb bist Du ja ein Sternwartenwart. Du wartest doch nicht die Sterne- oder? ;D (Paul, gib' mir mal 'n Lappen, Aldebaran ist heute wieder so blaß).

Und Bahnwarte sind wir - leider - auch nicht, wir warten ja nur auf dieselbe, warten sie aber nicht.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2005-03-01, 22:38:39
Stimmt, Netzwart passt besser - schließlich paart sich Wartungstätigkeit gerade im Netz nicht immer mit Meisterschaft, wie viele Beispiele (http://www.muellseite.de) belegen. :)
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-03-02, 09:24:06
Zitat von: Kilian am 2004-05-16, 17:42:35
Heute stieß ich beim Blättern im Wahrig rein zufällig auf das Wort "Wundarzt", das man anstelle von "Chirurg" wiederbeleben könnte.
Als ich so ungefaehr 12 war habe ich jede Menge Romane vom Schlage der Schatzinsel verschlungen, in denen auch Wundaerzte vorkamen. Ich habe immer "Wunderarzt" gelesen.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2005-03-02, 09:48:50
Feldscher, nicht mit dem Fälscher zu verwechseln.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2005-03-02, 18:13:52
und weil das so leicht verfeldschbar ist, macht man dann draus "feldscherer" - als wär's einer, der das feld schiert.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2005-03-02, 18:16:30
Den "Feldscherer" kenne ich nicht, gibt's den wirklich?

Sehe schon, gibt es; war mir bislang nur nicht geläufig.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-03-25, 08:36:50
Link koennte man treffend auch mit Umlenkung uebersetzen, ein treffendes Kuerzel dafuer waere ein Lenk. Das klaenge ahnlich wie das gelaufige Wort und waere sinnbehaftet.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: VerbOrg am 2005-04-04, 21:44:26
Warum einigen wir uns bei Link nicht einfach auf Verknüpfung oder Verbindung, auch wenn das unselige "-ungen" sind?
Hinreichend verständlich sind die Begriffe jedenfalls.

Und statt E-Mails schreibt beispielsweise Bodo Wartke Elektrobriefe - wobei man da eventuell noch das "Elektro-" ausmerzen könnte.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2005-04-04, 22:01:28
"Strompost" finde ich schön. Das ganze "elektro..." klingt mir schon fast zu gefährlich.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: VerbOrg am 2005-04-04, 22:11:29
Strompost an sich ist ja gut uns schön, aber da könnte dann auch jemand auf die Idee kommen, einen Zettel in einer Flasche zu verkorken und das Ganze dann in einen Strom zu werfen.
Quasi als Fluss-Flaschenpost.

Immerhin bekommt man davon nicht so schnell einen Schlag, allerdings ist fraglich, ob diese Strompost dann auch tatsächlich irgendeinen Absender erreicht - geschweige denn den richtigen.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2005-04-04, 22:31:12
Sieh an, die VerbOrg kennt (und schätzt, vermute ich) Bodo Wartke! Da haben wir ja was gemeinsam. :D

Elektropost finde ich gut, Strompost ist aber auch nicht zu verachten. Die Verwechslungsgefahr ist minimal, schließlich spricht man in Zamonien (http://www.nachtschueler.de) seit Jahren nur von Flaschenpost, wenn man von E-Mails redet.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: VerbOrg am 2005-04-05, 06:33:40
Das mit der Flaschenpost mag zwar in den Stollen Zamoniens funktionieren, allerdings ist es meiner Meinung nach etwas bedenklich, sofern man an Elbe, Rhein oder Donau wohnt.
Da könnte es leicht zu Verwechslungen kommen.

Auf der anderen Seite: Die Normalsprachlichen treiben sich ja nicht in hiesigen Netz-Strömen herum, so dass die Gefahr dadurch schon wieder vermindert wird.

Habt mich überzeugt. Strompost ist akzeptiert. Schon allein der sprachlichen Vielfalt wegen.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2005-04-05, 11:31:22
Und "link" ist für mich von nun an ein "Knupf" (um Verknüpfungs -ung zu vermeiden). Iert es akzept oder nicht. ;D
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-04-05, 12:01:05
Knupf ist gut. Verknuefen laesst sich schon fast auf triviale
Weise staerken  verknuepft, verknopf, verknopfen, verknoepfe.

Strompost ist irrefuehrend. Bei einem drahtlosen Netz zB fliesst eigentlich kein Strom (also Elektronen) sondern es wird ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Nun weiss ich nicht wie man Elektromagnetisches Feld ins Deutsche uebersetzen soll. Ich
oere deshalb weiterhin plaed fuer "Netzpost".

PS: Ich habe die "Deutsche Physik" von Philip Lenard, unsel. vor mir, selbst dieser "Deutsche Physiker" hat nicht versucht die Elektrizitaet einzudeustchen.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2005-04-05, 14:26:32
Bei mir iert noch alles per Kabel funktion, deshalb bleibe ich auch bei der Strompost. Gefällt mir auch klanglich besser, Netz klingt so spitz. Und ob im Eventualfall ein elektromagnetisches Feld vorliegt, oder ein fließender Strom, iert mich - mit Verlaub - auch nicht peripher tang.

Ich wußte bislang nicht einmal, daß wir es mit diversen nationalen Physiken (Pluralliste!) zu tun haben, womöglich habe ich auch hier bis zum Abitur durchgeponnen.

Ich erinnere mich aber noch, daß Arbeit = Weg x Kraft (zumindest grob) galt; wie ist das eigentlich in Lappland, wo doch der Weg bis zu acht Monate des Jahres spiegelglatt gefroren ist? Und wo liegen die geographischen Grenzen für egleichemzehquadrat ?
;D
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: VerbOrg am 2005-04-05, 17:34:02
Netzpost find' ich auch nicht so toll. Da stelle ich mir einen Briefträger vor, der die Briefe in einer Art Einkaufsnetz zu den Leuten bringt.
Eine andere mögliche Assoziation wäre noch, dass jemand die Briefe alle an Schnüre bindet und diese dann zu Netzen zusammenbindet. Ziemlicher Hedderkram, das.

Knupf klingt knuffig.
Die ganzen -ungen haben irgendwie immer den Beigeschmack einer Tätigkeit, die gerade ausgefuhren wird.
Wenn man allerdings nicht auf den Knupf klickt (gibt es da ein besseres Wort?), dann macht der Knupf ja nix. Er ist einfach da.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2005-04-05, 22:26:40
Zitat von: gehabt gehabt am 2005-04-05, 12:01:05Strompost ist irrefuehrend. Bei einem drahtlosen Netz zB fliesst eigentlich kein Strom (also Elektronen) sondern es wird ein elektromagnetisches Feld erzeugt.

I wo. Warum heißt es E-Mail? Weil es eine Sorte von Post ist, die wesentlich mit Geräten betrieben wird, die mit elektrischem Strom funktionieren. Die Details der verschiedenen Übertragungsarten spielen keine Rolle. Dito für Strompost.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2005-04-05, 23:07:05
ich benutze ja schon lange die eingedeutschte schreibung ih-mehl.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: VerbOrg am 2005-04-06, 06:36:19
Warum so unpersönlich?
Wenn man schon vor einer Kiste hockt, mit der keine persönliche Kommunikation möglich ist, dass wäre es doch nett, sich wenigstens hin und wieder der Illusion hingeben zu können, man hätte eine direkte Bezugsperson.
Bei mir ist das Emil. (weiblich, also eigentlich eine Emilia, aber es gibt ja auch andere Namen, die beiderlei Geschlechts sind, z. B. Ger(r)it, Andrea)
Analog dazu sind wir in der Firma bereits dazu übergegangen, die Meldung "Es besteht keine Verbindung zum Host" mit "Ich hab' kein' Horst" zu kommentieren.
Beruhte zwar ursprünglich nur auf einem Missverständnis, hat sich aber durchgesetzt.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Arnymenos am 2005-04-06, 17:07:26
Ich schak also den Emil vom Horst über den Emil-Severin zum Empfänger?

"klicken" muss man nicht eindeutschen, das ist lautmalerisch.


Nun "Knupf" oder "Verweis"? Oder könnten wir hier sogar einen Unterschied machen? Der Knupf ist der Hyperlink, der Verweis ist der Teil der Seite (....html#hier)?
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: VerbOrg am 2005-04-06, 18:55:19
Ich hoffe mal, Emil-Severin ist auch zuverlässig... Klingt aber klasse.

Aber nochmal zur Problematik Knupf/Verweis:
Ich finde, Knupf ist deutlich besser, da es eine gewisse sprachliche Nähe zum "Knopf" aufweist, mit dem man ja an allen möglichen Geräten etwas auslöst. Mit dem Knupf kommt man dann eben auf eine andere Seite...
Verweis finde ich ein bisschen bedenklich, da der Begriff auch im negativen Sinn oft gebrocht wird, wenn man jemanden des Raumes verweist oder einen Tadel ausspricht.

Und das mit dem "klicken" - Na ja, lautmalerisch ist es schon, aber das Betätigen eines Knupfes macht ja nicht immer ein klickendes Geräusch. (Wenn man mal vom Klappern der Mouse-Taste absieht).
Ich hatte ja schon über "(an-)wählen" nachgedacht, aber das iert ja impliz, dass man mehrere Möglichkeiten - evtl. mehrere Knüpfe - hat. Man hat allerdings immer die Wahl, ob man den Knupf betätigt oder nicht.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2005-04-06, 22:06:24
Ich finde Knupf auch ideal, weil das Wort sowohl mit dem Objekt (eine Art Knopf, der aus Buchstaben oder einem Bild besteht) als auch mit seiner Funktion (mit einer anderen Seite verknüpfen) zu tun hat.

Zitat[Oder könnten wir hier sogar einen Unterschied machen? Der Knupf ist der Hyperlink, der Verweis ist der Teil der Seite (....html#hier)?

Ob der Knupf nun nur auf eine Seite oder zusätzlich innerhalb der Seite auf eine bestimmte Textmarke verweist - das ist m.E. kein so großer Unterschied, dass eine unterschiedliche Benennung sinnvoll wäre.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Ly am 2005-04-07, 06:40:09
Ich möchte mal zum Besten geben, dass zwanghaftes Weglassen von Anglizismen nicht gut ist... da müssten wir beim Sonntag anfangen, denn ich meine, mal irgendwo gelesen zu haben, dass der von angelsächsisch Sunnandæg abgeleitet ist *g*

Also, hat jemand ein schönes neues Wort für "Sonntag"?
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-04-07, 10:55:50
Ich bin damit einverstanden, dass an Anglizismen weder zwanghaft weglassen noch benutzen sollte wie auch Woerter aus dem lateinischen, Griechischen etc. Sonntag ist doch wohl eins der schoensten Woerter und sollte bleiben.

Der Wahrig sagt dazu: Lehnübersetzung <lat. solis u. grch. hemera Helion ,,Tag der Sonne"]

Und der Grimm macht klar, dass das Wort in vielen germanischen Sprachen sehr frueh auftaucht:

SONNTAG [Lfg. 16,10],  m. der erste tag der woche.  
I.   herkunft und form.
1)   die benennung der wochentage nach den planeten ist wahrscheinlich babylonischen ursprungs und hat sich durch die astrologen nach dem abendlande verbreitet, während der orient (nach jüdischem vorgange) meist einfache zählung verwendet. auf griech. boden nur in beschränktem umfange und vorübergehend angewendet, ist sie in der römischen kultursphäre früh herrschend geworden. vgl. zeitschr. f. d. wortforschung 1, 150 ff. im griech. ist ¼me&#769;ra  &#788;Hl×ou mit sicherheit erst im 2. jahrh. nach Chr. nachzuweisen (a. a. o. 169–171), lat. dies Solis schon im 1. jahrh. (s. 181. 184); aus ihm stammen die albanes. (s. 174) und kelt. - britannischen formen: kymr. dyw (dydd) Sul, corn. de sul, de zil, breton. diçcul, disul (s. 186 f.). die gewöhnliche bezeichnung im griech. ist dagegen die specifisch christliche kuriakÀ (s. 167 f.); seit dem 4. jahrh. wird das entsprechende dominicus (dies), dominica auch im lat. herrschend (s. 180 f. 184 f.); aus ihm stammen die roman. und inselkeltischen benennungen: ital. domenica, span. port. domingo, prov. dimenge, dimergue, franz. dimanche (DIEZ4 122); altir. domnach, neuir. dia domhnaigh, gäl. di-dómhnaich, manx jy-doonee (zeitschr. f. d. wortf. 1, 189). innerhalb des germ. entspricht ihr altn. Dróttinsdagr (ahd. frôntag nur als übersetzung von dies dominicus gebildet, gl. zu NOTKER ps. 23, 1. GRAFF 5, 360). weitere benennungen s. das. und SCHRADER reallex. der idg. altertumsk. 963. vgl. auch WACHTER 1544.   [Abschnitt reduzieren]
2)   sonst sind die germanischen namen dem lat. dies Solis nachgebildet, jedenfalls vor beginn des christlichen einflusses (nach MÜLLENHOFF d. alterthumsk. 4, 644 im 3.–4. jahrh.), s. KLUGE6 368 (von demselben ist ein aufsatz über die germ. namen der wochentage in der zeitschr. f. d. wortf. angekündigt). sie finden sich in allen sprachen, nur im got. unbezeugt; doch nicht als feste zusammensetzungen, sondern als uneigentliche composita, zusammenstellungen mit dem genitiv, die erst in den jüngeren sprachstufen durch zusammenziehung das aussehen wirklicher composita gewonnen haben, vgl. GRIMM gr. 2, 488. altn. Sunnudagr (aus dem westgerm., daher nicht sólardagr), altschwed. sunnudagher, norw. sundag, syndag, søndag AASEN 773b, schwed. dän. søndag (vgl. W. GRIMM kl. schr. 2, 88. J. GRIMM kl. schr. 6, 113); aus dem germ. stammen auch finn. sunnuntai, lapp. sodna-bæjvve und sodnu-peive, s. THOMSEN einfl. 172. altengl. Sunnandæg BOSWORTH-TOLLER 936, engl. Sunday; altfries. sunnandi, -dei (pl. -dega), sunnen-, sonnendei RICHTHOFEN 1056, vgl. SIEBS in PAULS grundr.2 1, 1345, 3, neu(west)fries. snæin (sn&#257;n, sn&#333;n) 1415, sænde 1420, sn&#257;un 1430. alts. sunnun-, sunnondag (s. unten), mnd. sunnen-, sun-, sondach SCHILLER - LÜBBEN 4, 475a, mnl. sonnendach, später sondagh dies solis KILIAN, holl. zondag, vgl. FRANCK 1213 f. ahd. sunnûn dag, tag, sunnon dag, dies dominicus GRAFF 5, 361 f., mhd. sunnen-, sunne-, sun(n)-, sonnen-, son(t)tag (-tach, -dach), vereinzelt sunnuntag, sungtag LEXER handwb. 2, 1318: dies dominica son-, hd. sun-, sunnen-, sonnen-, sunnetag, sontthag DIEF. gloss. 180c; sondach nov. gloss. 134a. besonders volle formen bietet das alemannische: diz bi shach ... do nauch gotis geburte wa&#4339; zwelph hundert iar niunzich iar in dem ahtoden iar an dem sunnun tage so man singet judica me. urk. des St. Mich. klost. in der Wengen bei Ulm s. MONES zeitschr. 23, 61; die (sünde) han ich getan an dem sunnontage. GRIESHABER pred. 2, 72;

         swa&#4339; man dem sunnuntage birt
         lobes unde wirdecheit.             KONRAD V. WÜRZBURG Silv. 650.

sonst gehen im mhd. sunnen- und suntac(h) seit dem 12. jahrh. gleichberechtigt neben einander her, während sunnetac nur vereinzelt vorkommt. formen mit o kommen erst im 15. jahrh. mitteldeutsch auf, so sonnentag d. städtechron. 3, 355, 16 neben gewöhnlichem  [16,1711]   suntag in den Nürnberger chroniken, köln. sondach s. FROMMANN 2, 453a. SCHERZ-OBERLIN 1522 belegt jedoch uf den naechsten sonnentag bereits aus einer urk. v. 1351. ganz ausnahmsweise und sehr auffällig ist schwache flexion:

         des suntagn morgens fruo ich reit
         von dan zwô mîl.             ULR. V. LIECHTENSTEIN 329, 25.

vgl. zum ganzen WEIGAND 2, 739.   [Abschnitt reduzieren]
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Arnymenos am 2005-04-09, 11:09:40
Irgendwoher müssen Wörter ja kommen, und eine frühe Lehnübersetzung -- sei sie auch nach Vorbild anderer germanischer Sprachen geschehen -- ist m.E. eine legitime Quelle für echt deutsche Wörter. Ebenso gibt es Wörter, die wir so weit eingedotschen haben, dass sie ersetzen zu wollen unsinnig erscheint. Die Alternative wäre wieder eine Parallelbildung zu anderen Sprachen, wenn wir das Fenster nach all der Zeit durch ein "Windauge" rückersetzen wollten.

Der fremdest klingende Wochentag ist doch der Samstag, und Paul Maar geriete in Vergessenheit, ürnden wir ihn. Die Alternative Sonnabend (die meine Großeltern auch verwenden) halte ich für irreführend, schließlich geht es um einen eigenständigen Tag, und nicht ein unterwertiges Anhängsel an den Ruhetag der Schöpfung. Zudem sollten sich Wochentage spätestens im zweiten Buchstaben unterscheiden; wir sonst körze man sie ab?
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: VerbOrg am 2005-04-09, 15:16:03
Was hast du gegen den Sonnabend?
Der ist hier im norddeutschen Sprachraum bedeutend verbreiteter als der Samstag.

Noch immer gilt ja der Sonnabend als Werktag (beispielsweise im Handel ist er es ja auch heute noch). Die Bildung des Wortes Sonnabend als Vorabend des Sonntags symbolisiert daher auch eine Art Antizipation dieses arbeitsfreien Tages.
Am Sonnabend konnte andererseits für die an diesem Tag arbeitende Bevölkerung die Sonne (so sie denn schien) nur am Abend, also nach Feierabend, genossen werden, mit der Perspektive, am nächsten Tag frei zu haben.

Eine ähnliche Bildung gibt es ja auch bei Heiligabend.
Im Englischen entsprechend bei Christmas Eve, New Years Eve oder auch dem Tag vor Allerheiligen, All Hallows Eve (heute eher bekannt aus Halloween).

Und ein Problem bei der Abkürzung sehe ich auch nicht, denn schließlich ist Sonnabend ein zusammengesetztes Wort. Nimmt man als Abkürzung jeweils den ersten Buchstaben jedes Wortteils, dann kommt man wunderbarerweise wieder zu Sa.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-04-11, 14:02:34
Zitat von: Kilian am 2005-04-05, 22:26:40
Zitat von: gehabt gehabt am 2005-04-05, 12:01:05Strompost ist irrefuehrend. Bei einem drahtlosen Netz zB fliesst eigentlich kein Strom (also Elektronen) sondern es wird ein elektromagnetisches Feld erzeugt.

I wo. Warum heißt es E-Mail? Weil es eine Sorte von Post ist, die wesentlich mit Geräten betrieben wird, die mit elektrischem Strom funktionieren. Die Details der verschiedenen Übertragungsarten spielen keine Rolle. Dito für Strompost.
Email ist ja nicht nur die Befoerderungsart (ich schicke dir die Reisdaten per email)
sondern der Brief selbst (er hat mir eine Email geschickt) und schliesslich auch die Adresse (Er hat sich meine Email notiert). Das kann man im Deustchen schwer ueber einen Kamm scheren sondern muesste eine Unterscheidung machen:

1. E-Post, Netzpost, Strompost
2. E-Brief, Netzbrief, Strombrief
3. E-Adresse, Netzadresse, Stromadresse oder ...-anschrift
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2005-04-11, 18:54:40
Zitat von: Arnymenos am 2005-04-09, 11:09:40
Die Alternative Sonnabend (die meine Großeltern auch verwenden) halte ich für irreführend, schließlich geht es um einen eigenständigen Tag, und nicht ein unterwertiges Anhängsel an den Ruhetag der Schöpfung.

der samstag WAR der ruhetag des schöpfers, übrigens. die schöpfung BEGANN am sonntag (der ja für juden und amerikaner noch heute der erste tag der woche ist).

shabbát heißt ja auch nichts anderes als "ruhe" (sinnigerweise heißt das verb mit der zugehörigen wurzel sh-b-t, lishbót, im modernen hebräisch nicht mehr "ausruhen", sondern nur noch "streiken").

nun ist aber das sams (http://www.goethe.de/os/hon/kiju/sams.htm) alles andere als eine inkarnation der ruhe. woran mag das liegen?
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2005-04-11, 20:33:28
Zitat von: gehabt gehabt am 2005-04-11, 14:02:34und schliesslich auch die Adresse (Er hat sich meine Email notiert).

Nein, das nicht! Das ist m.E. falscher Gebrauch! Es hieß bisher z.B. e-mail address (E-Mail-Adresse) (umständlich) oder addy (Addy) (unhübsch).

Zitat1. E-Post, Netzpost, Strompost
2. E-Brief, Netzbrief, Strombrief
3. E-Adresse, Netzadresse, Stromadresse oder ...-anschrift

Sehr gute Lösung!
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Arnymenos am 2005-04-12, 10:35:52
Welche davon jetzt?Ich mag die Netz-Varianten.


Nochmal zum Sams: Dass unser Ruhetag einen Tag nach dem eigentlichen Sabbat ist, ist mir ja klar. Aber kann mich jemand aufklären, woher das kommt, und was es zu bedeuten hat?
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-04-12, 10:51:32
Ich nehme an, der Sonntag ist der Ruhetag, weil es der Tag der Auferstehung ist,
und man sich in der Fruehzeit des Christentums von den Juden abheben wollte
oder musste. Hatten eigentlich die Roemer oder Griechen einen Ruhetag?
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: MrMagoo am 2005-04-12, 14:03:03
Zitat von: caru am 2005-04-11, 18:54:40
Zitat von: Arnymenos am 2005-04-09, 11:09:40
Die Alternative Sonnabend (die meine Großeltern auch verwenden) halte ich für irreführend, schließlich geht es um einen eigenständigen Tag, und nicht ein unterwertiges Anhängsel an den Ruhetag der Schöpfung.

der samstag WAR der ruhetag des schöpfers, übrigens. die schöpfung BEGANN am sonntag (der ja für juden und amerikaner noch heute der erste tag der woche ist).


"Erst die Arbeit, dann das Vergnügen" ... oder doch andersrum??

Für Fernsehzeitungen ist der Samstag übrigens der erste Tag der Woche. (Hat zwar soweit nichts mit Kultur zu tun, aber wenn wir von Wochenbeginnen reden wollen... - oder vielleicht doch Kultur? Zumindest "Fernsehkultur" *hehe*).
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Ly am 2005-04-12, 20:24:58
Zitat von: gehabt gehabt am 2005-04-12, 10:51:32
Ich nehme an, der Sonntag ist der Ruhetag, weil es der Tag der Auferstehung ist,
und man sich in der Fruehzeit des Christentums von den Juden abheben wollte
oder musste. Hatten eigentlich die Roemer oder Griechen einen Ruhetag?

Ne, das war damals was einzigartiges.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2005-04-12, 21:07:05
Zitat von: gehabt gehabt am 2005-04-12, 10:51:32
Ich nehme an, der Sonntag ist der Ruhetag, weil es der Tag der Auferstehung ist,
und man sich in der Fruehzeit des Christentums von den Juden abheben wollte
oder musste.

genauso isses.

wollte, nicht mußte - und man hat den christen, die vorher juden gewesen waren (und später den christen überhaupt), ganz heftig verboten, den samstag zu feiern.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Ku am 2005-04-18, 20:12:11
Gibt es nicht eine christliche Strömung, die am Freitag nicht arbeiten darf oder Samstag?
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-04-19, 17:38:41
Im Mittelalter war vielfach der Montag frei. Zusaetzlich zum Sonntag.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: caru am 2005-04-19, 18:05:25
Zitat von: Ku am 2005-04-18, 20:12:11
Gibt es nicht eine christliche Strömung, die am Freitag nicht arbeiten darf oder Samstag?

es gibt ein paar so protestantische gruppierungen, vor allem in amerika, die den samstag feiern statt des sonntags.
lies nur mal tom sawyer - da haben die kinder am sonntag sonntagsschule und am samstag frei  :)

das mit dem freitag sind die muslime.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Arnymenos am 2005-04-28, 13:52:54
Einen hab ich noch:

Wandwurf, der - ehemals: Projektion
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2005-04-28, 14:50:03
Beidwart für Ambivalenz.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: versucher am 2005-04-28, 15:26:49
Sind denn Ambivalenzen immer zweiwertig? Wenn sie sich auf mehrwertige Zustände beziehen, passt Beidwart irgendwie nicht.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2005-04-28, 19:01:00
Guter Einwand! Führt mich zum nächsten Vorschlag.

Lat. ambo heißt beide. Die Lehnübersetzung Beidwart basiert also auf Etymologie.

Auf Etymogelei basiert dagegen eine Übersetzung, die ich klanglich und bildlich noch schöner finde: Wandelwart. Sie kommt daher, dass ich die Ambivalenz zunächst mit lat. ambulare (wandeln, einherschreiten) assozior: Eine ambivalente Sache schreitet zwischen zwei oder mehreren Werten hin und her. Passt auch besser zur heutigen deutschen Bedeutung, bei der es um mehr als zwei Werte gehen kann.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: versucher am 2005-04-29, 17:42:23
Dass ich ein großer Freund von Etymogeleien bin, ist möglicherweise schon bekannt. Nur zu!
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: MrMagoo am 2005-05-15, 19:27:03
Zitat von: Kilian am 2005-04-28, 19:01:00
Guter Einwand! Führt mich zum nächsten Vorschlag.

Lat. ambo heißt beide. Die Lehnübersetzung Beidwart basiert also auf Etymologie.

Auf Etymogelei basiert dagegen eine Übersetzung, die ich klanglich und bildlich noch schöner finde: Wandelwart. Sie kommt daher, dass ich die Ambivalenz zunächst mit lat. ambulare (wandeln, einherschreiten) assozior: Eine ambivalente Sache schreitet zwischen zwei oder mehreren Werten hin und her. Passt auch besser zur heutigen deutschen Bedeutung, bei der es um mehr als zwei Werte gehen kann.

Diese "Etymogelei" ist übrigens ein Teilgebiet der "echten" Etymologie und wird meist als Volksetymologie bezeichnet.
(Wollt ich nur mal eben dazuschmeißen  ;) )
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2005-06-20, 19:06:23
professorisch statt provisorisch
ackerat statt akkurat

mienst Du diese Art?

Es gab in den 90ern einen Tenniscrack mit Namen Ivanisevi&#269
in weiten Teilen des Ruhrgebiets hieß der ganz selbstverständlich Invalidevi&#269. Ich bin mir sicher, daß das im Ursprung keine bewußte Verballhornung des tschechischen Namen war. Man mußte sich einfach nur seinen Reim auf diesen seltsamen Klang machen.
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2005-08-07, 17:42:19
In Anlehnung an Strompost und analog fernmündlich kann man künftig auch sagen, man habe eine Zusage o.ä. stromschriftlich erhalten.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2006-11-04, 21:46:33
Gerade bin ich auf den schönen Ausdruck Rackerer gestoßen, den man ruhig mal wieder statt Workaholic verwenden könnte.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: caru am 2006-11-05, 10:38:17
und wenn den rackerer dann der schlag trifft, müssen wir uns ne eindeutschung für jap. karoshi ausdenken. :P
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Agricola am 2006-11-05, 14:57:17
Zitat von: caru am 2006-11-05, 10:38:17
und wenn den rackerer dann der schlag trifft, müssen wir uns ne eindeutschung für jap. karoshi ausdenken. :P
das heißt doch schon verräckern, oder?
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Meistertum am 2006-12-22, 21:51:09
An sich zieht ihr diese Diskussion selbst ins Lächerliche, wie kann man sich bitte schön über Fremdwörter im Deutschen beschweren, wenn man, wie mancher User hier, nicht einmal die schönen Eigenarten des Deutschen zu würdigen weiß und diese auch noch verschandelt? Wir unterscheiden nicht umsonst zwischen schwacher und starker Konjugation bzw. starker und schwacher Deklination, die sog. starken Formen sind Überreste aus germanischen Zeiten, als wir noch (wie im Lateinischen übrigens auch) die Zeitformen bzw. Fälle durch Änderung des Stammes darstellten. Da aber viele lautliche und semantische Eigenarten aus dieser Zeit bereits verloren haben, bevor das Deutsche an sich entstand, konnte dieses stammverändernde Prinzip nicht aufrecht erhalten werde, da keiner mehr das Prinzip verstand. Deshalb traten an die Stelle der starken Formen die "schwachen". Hier wird nicht mehr der Stamm, sondern die Endung verändert. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die heutigen starken formen nicht zwangsläufig urdeutsch sind, denn die Stammveränderung war nur bei bestimmten Vokalen und Vokalgruppen möglich, viele unserer heutigen Pluralumlaute (Haus-Häuser) sind nach dem alten Prinzip falsch, sie entstanden nur durch analoge Bildung. Daher von Sprachreinheit zu sprechen, wenn durch vermeintlich bessere "Rückbildung" (wie beispielsweise starke Verbformen anstelle eigentlich schwacher) die Prinzipien der Sprache verletzt werden, ist total absurd. Also, wenn ihr glaubhaft wirken wollt, dann schreibt nicht mehr solchen sprachlichen Stuss wie "ich assozior" (statt assoziierte), "man süge" (statt man sagte) oder "er truh ihnen nicht zu" (anstatt  er traute ihnen nicht zu).
Sprache ist etwas Lebendiges und dient in erster Linie der Verständigung, daher sollte sie auch verständlich sein, dass heißt sie sollte nicht absolut nichts sagenden Dingen bestehen. "Stromschriftlich" ist sprachlicher Müll, Strom bezeichnet etwas Fließendes, schriftlich etwas statisches, das englische Wort dagegen ergibt wirklich einen Sinn: mail bezeichnet etwas Übermitteltes, Verschicktes,   e(lectronic) widerspricht diesem in keinster Weise, vielmehr dient es als Modalergänzung, nämlich wie dieses Etwas übermittelt wurde: elektronisch.
Das nur mal als Anregung. Wer es als Beleidigung auffasst, ist selber schuld.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: AmelieZapf am 2006-12-22, 23:28:56
Verohrenster Meister Tum,

ich glaube, Sie haben sich bei der Auswahl Ihres Pseudonyms verschrieben, es muß "Meister Tum" heißen. Ich würde Ihnen nie unterstellen, die standarddeutsch korrekte Bildung des Abstraktums von "Meister" nicht zu beherrschen, sie heißt "Meisterschaft", wie in "Er hat es in seiner Kunst zu höchster Meisterschaft gebracht".

Sie sugen höchstselbst:

Zitat von: Meistertum am 2006-12-22, 21:51:09
Wir unterscheiden nicht umsonst zwischen schwacher und starker Konjugation bzw. starker und schwacher Deklination, die sog. starken Formen sind Überreste aus germanischen Zeiten, als wir noch (wie im Lateinischen übrigens auch) die Zeitformen bzw. Fälle durch Änderung des Stammes darstellten, da aber viele lautliche und semantische Eigenarten aus diesen Zeiten bereits verloren haben, bevor das Deutsche an sich entstand, konnte dieses stammverändernde Prinzip nicht aufrecht erhalten werde, da keiner mehr das Prinzip verstand.

Die Erinnerung an diese Prinzipien wachzuhalten ist ja wohl eher eine ehrenvolle Aufgabe denn per se verwerflich, oder?

Zitat von: Meistertum am 2006-12-22, 21:51:09
Daher von Sprachreinheit zu sprechen

Wer hat von Sprachreinheit gesprochen?

Zitat von: Meistertum am 2006-12-22, 21:51:09
Sprache ist entwas Lebendiges und dient in erster Linie der Verständigung, daher sollte sie auch verständlich sein, dass heißt sie sollte nicht abslotut nichts sagenden dingen bestehen, "stromschriftlich" ist sprachlicher Müll, Strom bezeichnet etwas Fließendes, schriftlich etwas statisches, das englische Wort dagegen ergibt wirklich einen Sinn: mail bezeichnet etwas Übermitteltes, Verschicktes,   e(lectronic) widerspricht diesem in keinster Weise, vielmehr dient es als Modalergänzung, nämlich wie dieses Ewtas übermittelt wurde: elektronisch.

Was ist am Neutschen unverstalnd? Mit etwas Phantasie versteht das ein jeder. Außerdem leistet's einen Beitrag zur Sprachbelab.

Jetzt sage ich Ihnen mal was zum Wort E-Mail: "mail" bezeichnet im Englischen Briefpost, bestehend aus Umschlag und inliegendem Schreiben, frankoren, abgestolmpen und durch die Post zugestollen. Die "E-Mail" hat damit nichts mehr gemein, sie teilt mit der gewöhnlichen "Mail" ledalg den Inhalt, jedoch keine ihrer physischen Attribute und wäre daher besser im Englischen als "internet message" zu bezeichnen. "E-Mail" wäre eher ein unter Spannung gesetzter Brief im Umschlag.

Außerdem bin ich der Meinung, daß eine Person, die eine humorlose Existenz führt, nicht in der Position ist, zu verlangen, daß andere dies auch zu tun hätten. Im übrigen störe ich mich an den Rechtschreib- und Grammatikfehlern in Ihrem Eintrag (nun kommen Sie bitte nicht auf die Idee, mir vorzuhalten, ich schriebe nach alter Rechtschreibung. Ich schreibe wenigstens nach alter Schreibung RICHTIG, neutsche Bildungen ausgenommen).

Besten Gruß,

A.Z.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2006-12-23, 00:04:42
"Also, wenn ihr glaubhaft wirken wollt, dann schreibt nicht mehr solchen sprachlichen Stuss wie "ich assozior" (statt assoziierte), "man süge" (statt man sagte) oder "er truh ihnen nicht zu" (anstatt  er traute ihnen nicht zu)."

Und schon wieder einer, der alles besser weiß - als ob wir derer nicht schon in den eigenen Reihen hätten... :P
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Ku am 2006-12-23, 11:17:48
Der Beitrag von Meistertum muss eigentlich in Externe Erfolge umgebettet werden:

DER MANN NIMMT UNS ERNST!

Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Hademer am 2006-12-23, 15:55:29
Falls jemand vermutet, dass ich der Verfasser dieses seltsamen Beitrags bin, muss ich ihn enttäuschen. Ich bin des Deutschen mächtig und schreibe nicht acht Substantive klein, vergesse keine Kommata und meine Sätze sind klar und verständlich und nicht verquarkt wie der vorletzte ,,Satz" dieses Beitrags.
Trotzdem bin ich im Prinzip natürlich der gleichen Meinung wie der Verfasser, wie ich Ihnen ja schon in der Vergangenheit mitgeteilt habe. Aber Stümper sollten nicht von anderen Stümpern kritisiert werden, das überlasse man bitte Kennern der deutschen Sprache.
Zu diesem Beitrag sage ich wieder ,,Pfui"
Mit freundlichen Grüßen
Hans E. Hademer
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Ein Mensch am 2006-12-23, 15:58:43
Ich bin (wie Ihnen sicherlich noch bekannt ist) nicht der Typ Mensch, der sich in die Auseinandersetzungen anderer Menschen einmischt, schon gar nicht in Foren, deren Intelligenzniveau kaum dem mir gewohnten entspricht.
Der Beitrag Ihres neuen Mitglieds ,,Meistertum" (die Erfindung eines solchen Namens lässt auf ein gestörtes Sprachempfinden schließen) erinnert mich an die Ausführungen, die ich seinerzeit von Ihrem Mitglied namens ,,Borste" lesen musste, das einen geringfügig weniger intelligenten (wenn auch direkteren) Stil bei der Anwendung der deutschen Sprache pflegte.
Ich hoffe doch, dass Sie sich wenigstens von solchen Auswüchsen freihalten können, die nicht einmal Ihre Intentionen begreifen, wenn diese Intentionen auch etwas in Alberne tendieren (Sie würden sagen ieren tend).
Ich werde, wenn mir meine Zeit das erlaubt, wieder mal hereinschauen.           
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Die Borste am 2006-12-23, 16:01:12
Hallo.
Ich habe jetzt den Meistertum gelesen und auch ein Mensch. Der Meistertum meint wohl er weiß alles besser aber ich mache weniger Fehler beim Schreiben als er. Deshalb soll er sich auch nicht einmischen schon gar nicht wenn es um deutsche Sprache geht.
Die Borste (so nenne mich alle)
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Waltraud am 2006-12-23, 16:03:14
Ich teile die Kritik des Herrn Meistertum nicht.
Wie Sie ja wissen, bin ich sehr belesen, weil alles in den Illustrorenen steht, ich hoffe, ich habe das jetzt richtig dekliniert.
Ich weiß nicht, warum das neue Mitglied Meistertum, so einen Namen habe ich noch nie gehört, damit anfängt, andere Mitglieder zu beleidigen, wo er gerade eingetreten ist. Auch die Prominenten in meinen Illustrorenen machen sowas nicht. Aber Ein Mensch und das Borstchen haben da ja schon genug dazu gesagt.
Ich grüße alle und wünsche frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Ku am 2006-12-23, 16:39:23
Mit Meistertum haben wir ein Mitglied, das in der deutschen Sprache offenbar wirklich bewandert ist. Wir können stolz sein auf diesen Neuzugang. Viele Fragen, die wir uns in den vergangenen Jahren gestellt haben, können jetzt vielleicht sofort beantwortet werden.
Meistertum, wir danken dir schon jetzt für deine Mitarbeit. 
Ich rege an, dass unsere Streitereien um die deutsche Sprache und deren Auswüchse (wie zuletzt im Faden ,,Schüttelreim .. ") sofort eingestellt werden und fordere insbesondere Agricola auf, vor eigenen Äußerungen zu diesen Problemen zunächst die Meinung von Meistertum einzuholen. 
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Agricola am 2006-12-23, 17:12:43
Zu welchen Problemen?
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Amanda am 2006-12-23, 17:37:41
Meine Güte, Herr Bauer, jetzt stellen sie sich doch nicht so begriffsstutzig an.
Ich finde, Herr Ku hat - wie eigentlich immer - völlig recht. Diese(s)(r) Meistertum ist blöd, wir sollten sie/es/ihn mit der vollen Kraft unserer Verachtung strafen.

Frohe Weihnachten (nicht für Herrn a.!)

Ihre
Amanda Jankuscheit
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2006-12-23, 21:05:46
Zitat von: Meistertum am 2006-12-22, 21:51:09Wir unterscheiden nicht umsonst zwischen schwacher und starker Konjugation bzw. starker und schwacher Deklination,

Meinst du damit, dass es nicht umsonst beides gibt - das wäre ein schlüssiger Einwand gegen die tendeziellen Bestrebungen der GSV, alles zu stärken, wenn man sie denn ernster nimmt, als sie gemeint sind - oder dass es nicht umsonst die wissenschaftliche Unterscheidung gibt - das wäre ein unsinniger Einwand, denn ohne die Unterscheidung könnte es die GSV ja gar nicht geben -?

ZitatDaher von Sprachreinheit zu sprechen, wenn durch vermeintlich bessere Rückbildung (wie beispielsweise starke Verbformen anstelle eigentlich schwacher) die Urprinzipien der Sprache verletzt werden, ist total absurd. Also, wenn ihr glaubhaft wirken wollt, dann schreibt nicht mehr solchen sprachlichen Stuss wie "ich assozior" (statt assoziierte), "man süge" (statt man sagte) oder "er truh ihnen nicht zu" (anstatt  er traute ihnen nicht zu).

(Hervorhübe vom Zitator)

Hochinteressante Wörter! Da muss ich jetzt auch nochmal nachfragen:
1. Wer hat von Sprachreinheit gesprochen?
2. Wer hat behauptet, unsere Verbformen seine Rückbildungen? Sie sind im Gegenteil in der Regel Neubildungen (die allerdings nicht selten mit tatsächlich mal da gewesenen starken Formen zusammenfallen)
3. Was bedeutet "eigentlich"? Zu welcher Zeit und in welcher Dialektregion wurde das "eigentliche" Deutsch gesprochen?
4. "Urprinzipien", das wird ja immer abenteuerlicher. Notabene, noch existieren im Deutschen auch ohne unser Zutun starke und schwache Verben nebeneinander, und zu welcher Gruppe nun zum Beispiel sagen gehört, ist garantorentlich kein Urprinzip, sondern historischer Zufall, durch den gesetzte Parameter spielerisch umzuschalten für die Grundfesten der deutschen Sprache sicherlich nicht so erschütternd ist wie... naja, wie zumindest manches andere, das wir so treiben. ;D
5. Wenn wir glaubhaft wirken wollen - was wollen wir denn deiner Ansicht nach glaubhaft verkörpern?

ZitatSprache ist entwas Lebendiges und dient in erster Linie der Verständigung, daher sollte sie auch verständlich sein, dass heißt sie sollte nicht abslotut nichts sagenden dingen bestehen,

Fehlschluss! So eine Lautfolge wie "Quark" ist auch völlig nichtssagend, das tut der Verständlichkeit keinen Abbruch, weil wir Verknüpfungen zwischen sprachlichen Zeichen und Inhalten gelernt haben. Diese Verknüpfungen sind willkürlich. Nun kann man einwenden, dass das für zusammengesetzte Wörter wie stromschriftlich oder E-Mail eingeschränkt gilt. Aber eben nur eingeschränkt: Die semantische Beziehung zwischen den Bestandteilen ist in Hundekuchen und Apfelkuchen eine ganz andere und nicht vorhersagbar, also auch erlernt. stromschriftlich macht da keine Ausnahme: Schriftlich und direkt mit Hilfe elektrischer Datenverarbeitungsgeräte übermittelt. Es ergibt nicht mehr und nicht weniger Sinn als andere Komposita.

Zitat"stromschriftlich" ist sprachlicher Müll, Strom bezeichnet etwas Fließendes, schriftlich etwas statisches

Tolles Argument! Dann ist also auch tatsächlich sprachlicher Müll, Tat bezeichnet einen Vorgang, sächlich dagegen ein Ding. Und so weiter: Erdbeertorte ergibt keinen Sinn, weil Erdbeere eine Erdbeere bezeichnet, Torte dagegen eine Torte. ???

Mal abgesehen davon, dass schon die Aussage "schriftlich bezeichnet etwas Statisches" kaum nachzuvollziehen ist.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: senfgurke am 2007-01-02, 16:54:07
Phillip von Zesern ist ein toller Hecht, muss man schon sagen. So viele Wörter zu erfinden, die alltäglich bemutzt werden, allle Achtung!!!!!!!

Mich würde mal der Erfinder des Wortes lol interessieren... überall auf der Welt wird das verstanden, saber der Erfinder kann nicht recht stolz darauf sein, weil es ihm keiner glaubt....


Oder entsteht so ein Wort ganz von selbst? sozusagen aus den wirren phantasien enes kollektiven Bewusstseins?
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2007-01-02, 17:29:40
Hier (http://www.informationsarchiv.net/lexikon/250.lol.html) findest Du einen Hinweis zu 'lol', wer dieses Kunstwort erstmals benotz, ließ sich nicht herausfinden - schade eigentlich.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Agricola am 2007-01-02, 18:05:22
Etwas ausführlicher ist die englische Wikipädie (http://en.wikipedia.org/wiki/LOL_%28Internet_slang%29).

Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Grinsekater am 2007-01-02, 21:25:45
In diesem Rahmen möchte sich die ehrwürdige Gesellschaft daran erinnern, gelegentlich statt ,,Qualität und Quantität" auf das meines Wissens nichtlateinische Wortpaar ,,Güte und Menge" zurückzugreifen.


Grüße. Euer Grinsekater, der viel zu viel liest und viel zu wenig schreibt.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Agricola am 2007-01-02, 22:33:24
Güte eilt aber Nacht gegenüber der Qualität, weil sie von einem positiven Qualitätsurteil abgelitten ist, während die Qualität (mindestens ursprünglich) ganz neutral ist. Es wäre also wenigstens von Güte und Schlechte zu sprechen. Vielleicht kann man auch Ciceronianisch vom "wie" und "wie viel oder wenig" sprechen. Da können wir überhaupt noch viel von Cicero lernen, wenn wir übermäßige Substantivierungen vermeiden wollen. So heißt es etwa in "de oratore":

Ita tria sunt omnino genera, quae in disceptationem et controversiam cadere possint: quid fiat factum futurumve sit, aut quale sit, aut quo modo nominetur; nam illud quidem, quod quidam Graeci adiungunt, "rectene factum sit," totum in eo est "quale sit."

Also in etwa: So gibt es insgesamt drei Gattungen, welche in Handel und Streit fallen können: was geschehe, geschehen sei und geschehen werde, oder wie etwas sei, oder auf welche Weise etwas bezeichnet werde; denn jenes freilich, welches gewisse Griechen hinzufügen, ob etwas recht geschehen sei, ist ganz in jenem "wie es sei" enthalten.

Er schreibt also nicht: So gibt es insgesamt drei Gattungen, in die die in Handel und Streit kommenden Fälle zu unterteilen sind: Fragen der Fakten in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, Fragen der Qualität und Fragen der Nomenklatur; denn die von einigen Griechen hinzugefügte vermeintliche Gattung, die nach der moralischen Qualität fragt, ist nichts weiter als ein Spezialaspekt der Qualitätsfragen.

Man beachte die Häufigkeit von Groß- und Kleinbuchstaben. (Oder ciceröniänischer: Man beachte, wie viele Wörter groß und klein geschrieben sind.)
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Grinsekater am 2007-01-06, 13:21:06
Und dann gibt es ja noch - Potzgeistesblitz - die  B e s c h a f f e n h e i t ,  wenn man die allzu positive Konnotation von ,,Güte" vermeiden will.

Das "wie gut" des Wie-Cicero-Schreibens - wumbabast gezeigt von deinen, o Agricola, beiden Übersätzen - sei mit meinen Vorschlägen natürlich nicht in Frage gestellt.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Verzweifelter am 2007-05-16, 15:20:33
Dankeschön, endlich ist meine Hausaufgabe gelöst. "Hauptstürze" rückzuübersetzen war schon sehr schwierig, dank dieser genialen Seite aber nach längerem Suchen doch lösbar. Dankeschön!
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Blindfisch am 2007-07-27, 16:58:37
Ich hab hier mal einen interessanten Anglizismus:

Bei der Vorstellung der neuen Version eines unserer PC-Programme heißt es: Die Usability des Programms wurde verbessert.

Benutzerfreundlichkeit hört sich ja auch nicht so toll an, oder? ;)
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: amarillo am 2007-07-27, 18:49:50
oder "Bedienbarkeit", also in gutem Denglisch das "Handling" ?
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: katakura am 2007-07-27, 23:38:47
... würde sicher auch in den faden mit interessanten links passen, aber hier steht er passend zum aktuellen thema auch ganz gut, wie ich denke:

http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/wortarchiv.php (http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/wortarchiv.php)

... über einige vorschläge für deutsche entsprechungen lässt sich sichelr trelff streiten, und viele finde ich persönlich einfach nur lächerlich bis richtig blöd ... aber amüsant ist's allemal, sich das anzuschauen :) ...

Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Grinsekater am 2007-07-28, 03:56:43
Zu gegebener Zeit habe ich dort ,,Spunft" als Übersotz von ,,Spam" eingerichen, das fand jedoch keinen Anklang.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: katakura am 2007-07-28, 16:40:07
... naja, davon wäre ich auch nicht sooo überzeugt gewesen, wenngleich ich den favorisorenen E-Müll auch nicht gerade glulchk finde ...

... wen es interessiert, der kann sich an der aktuellen aufgabe der eindeutscher versuchen:

3. Gesucht wird diesmal ein deutsches Wort für den Factory outlet, den Direktverkauf einer Firma an die Kunden, meist mit Rabatt.

... zu finden unter http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/wortdm.php (http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/wortdm.php)

... ich dachte bislang allerdings, daß es mit werksverkauf bereits ein passendes deutsches wort für factory outlet gibt, aber offensilcht habe ich mich da getoschen ...
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: katakura am 2007-07-31, 11:03:38
... kann mir mal jemand verraten, wieso dieser faden in der liste ploltz ein "daumen-runter"-symbol bekommen hat? ??? ... was soll es bedeuten und wer hat es vertielen?
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Stollentroll am 2007-07-31, 12:03:03
Zitat von: katakura am 2007-07-31, 11:03:38
... kann mir mal jemand verraten, wieso dieser faden in der liste ploltz ein "daumen-runter"-symbol bekommen hat? ??? ... was soll es bedeuten und wer hat es vertielen?

Liegt wahrscheinlich daran, dass Dein Foto hier aufgetaucht ist   ::)
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Berthold am 2007-07-31, 12:58:14
Zitat von: AmelieZapf am 2006-12-22, 23:28:56
Verohrenster Meister Tum,

ich glaube, Sie haben sich bei der Auswahl Ihres Pseudonyms verschrieben, es muß "Meister Tum" heißen. Ich würde Ihnen nie unterstellen, die standarddeutsch korrekte Bildung des Abstraktums von "Meister" nicht zu beherrschen, sie heißt "Meisterschaft", wie in "Er hat es in seiner Kunst zu höchster Meisterschaft gebracht".

Ein gut Jahrzwölft auf den psychoanalytischen Käutschen der hochvernohren Frau Dr. P. geleng, mutmaße ich zur Fehlloynst 'Meistertum' Folgendes: Bei 'Meisterschaft' oder gar 'Meister Schaft' wäre das genitale Geprötz zu poychln unvuirhniull. Das klänge schon nach 'Meister Stangl', 'Meister Zipferl' oder 'Meister Zumpf'. Weder hat jedermann jene oft so machgt wirkende Kontraktionsschwäche des Bindegewebes, die an Heroen wie John Holmes oder Rocco Siffredi gemahnt, noch jenes unverfnolsche Gemüt, das einem mir bekannten Wissenschaftler gestattet, seine Laborwände mit mächgten ausgestompfen Huchen (Hucho hucho L.) zu behängen (Frage: Wer hat den Größten?).

Die Nachsilbe '-tum' scheint harmloser, was aber nicht restlos stimmt, sieht man auf ihre Etymologie. Ich schreibe wieder einmal ein bisserl was aus dem 'Pfeifer' ab:
'Auszugehen ist von ahd. tuom 'Urteil, Gericht' (8 Jh.), mhd. tuom 'Macht, Herrschaft, Würde, Stand, Lebensverhältnisse, Besitz, eigentümlicher Zustand, Urteil, Gericht, ... aengl. dôm 'Urteil, Gottesurteil, Gesetz, Rechtsprechung, Gerichtsbarkeit, Macht, Ruhm, Ehre', engl. doom 'Schicksal, Verhängnis, Jüngstes Gericht', ... got. dôms 'Urteil, Ruhm', das im Sinne von 'das Setzen, das Gesetzte, Satzung' wie griech. thômós (...) 'Haufen, Schober' mit mo-Suffix zu der ... Wurzel ie. *dhê- 'setzen, stellen, legen' gebildet ist. Germ. *dôma- m. bildet im West- und Nordgerm. in Verbindung mit Substantiven und Adjektiven Komposita, die Würde und Stand, Gewohnheit oder allgemein einen Zustand bezeichnen, vgl. ahd. keisurtuom, asächs. kêsurdôm, aengl. câserdôm sowie ... ahd. wîstuom, asächs.  aengl. wîsdôm, anord. vîsdômr 'Weisheit' (eigentlich 'weises Urteil'). In diesem produktiven Bildungstyp entwickelt sich der Wortteil unter semantischer Abschwächung zum Kompositionssuffix (vgl. nhd. Altertum, Besitztum, Luthertum).'

P.S., an katakura: Nun ahnst Du wohl auch, was der hängende Daumen bedeuten kekünne.
       
 
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: katakura am 2007-07-31, 15:08:48
Zitat von: Berthold am 2007-07-31, 12:58:14
P.S., an katakura: Nun ahnst Du wohl auch, was der hängende Daumen bedeuten kekünne.

... ja, es geht halt mit allem bergab ... o tempora, o mores :(

Zitat von: Stollentroll am 2007-07-31, 12:03:03
Liegt wahrscheinlich daran, dass Dein Foto hier aufgetaucht ist   ::)

... hey, freundchen ... dir paßt also mein gesicht nicht? ... noch so'n spruch und DU wirst demnächst 'n neues brauchen >:(
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2007-07-31, 15:47:19
Den Daumen hat edragedlih vertielen, als sie den Faden eronff... das ist nun doch schon ein bisschen her, wodurch sich die Frage stellt: Warst du blind und bist sehend geworden? Aber warum dann plötzlich jetzt die Sonnenbrille?
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: katakura am 2007-07-31, 17:09:21
Zitat von: Kilian am 2007-07-31, 15:47:19
Den Daumen hat edragedlih vertielen, als sie den Faden eronff... das ist nun doch schon ein bisschen her, wodurch sich die Frage stellt: Warst du blind und bist sehend geworden? Aber warum dann plötzlich jetzt die Sonnenbrille?

... wie ich zu meiner schande gestehen muß, habe ich den runteren daumen tatsalch erst jetzt bewußt wahrgenommen :-[ ... das kommt davon, wenn man aus dem mustopf kommt :( ...

... an der sonnenbrille kann's freilich nicht liegen, denn die habe ich ja erst heute und dem trolle "zum schur" aufgesotzen :D ...

... bleibt eine letzte frage: wie und vor allem zu welchem behufe verteilt wer denn hoche oder runtere daumen? ???
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2007-07-31, 21:05:32
edragedlih hat ihn den Leihwörtern gegeben, hiermit erteile ich dir Erleuchtung (man beachte die Glühbirne)... eine eher sinnarme Funktion der Forums-Weichware halt. :D
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: katakura am 2007-07-31, 21:36:43
Zitat von: Kilian am 2007-07-31, 21:05:32
... hiermit erteile ich dir Erleuchtung (man beachte die Glühbirne) ...

... sei bedonken, oh großer ad-mini-strator* :D ... nun bin ich elnd erliuchten! ... gut, daß ich vorsorlg die sonnenbrille aufgesotzen habe! 8)


* wurde das schon mal beinverklitten?
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: s.diemöchtegernbloggerin am 2009-02-12, 00:43:55
Hallo, apropos Leihwörter, was entspricht dem "Anglizismus", wenn es sich um ein Leihwort aus der französischen Sprache handelt?
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2009-02-12, 01:32:11
Gallizismus.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Übertreiber am 2009-02-23, 13:02:30
Wie wären Verdütsche für die Fremdwörter Präposition, Postposition, Zirkumposition und deren Oberbegriff Adposition, wo es doch auch schon Einwüchse und Vorwüchse gibt?

Vorgeschlagen sind:
Adposition: Anlagewort, Beistellung, Nebenwort
Präposition: Vorstellwort, Vorposition
Postposition: Nachstellwort, Nachposition
Zirkumposition: Umwort, Zangenwort, Umposition
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Grinsekater am 2009-03-12, 11:02:53
Deine Eigenantwort ist doch schon prima. ,,Zangenwort" finde ich wunderbar, auch das ,,-stell-" scheint mir eine tralffe Idee, die -positionen einander ähneln zu lassen. Zu Adpositionen memüsse man dann jedoch folgerachgt Zu-, Bei- oder Nebenstellwort sagen. Ich gäbe meine Pfote dem dienseifrigen ,,Zustellwort".

Übrings: http://verben.texttheater.de/forum/index.php?topic=972.0 (http://verben.texttheater.de/forum/index.php?topic=972.0)
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Übertreiber am 2009-03-13, 19:02:13
Hab's in den Duben (http://dubenwiki.texttheater.de/Verdeutschungen) übernommen

Zitat von: dem Groben Duben
Zustellwort für Adposition (auch: Beistellwort)
Vorstellwort für Präposition
Nachstellwort für Postposition
Zangenwort für Zirkumposition (auch: Umstellwort)
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Übertreiber am 2009-03-16, 12:50:44
Etwas zielm Groteskes fand ich auf der Germanismenliste (http://de.wikipedia.org/wiki/Germanismus#Russisch) der Wikipädie.
Ausgerechnet die Russen verwenden ein deutsches Wort für etwas, das im Deutschen wiederum mit etwas Englischem wiedergegeben wird. Die sogenannte Firewall nennen sie altertümeld-übertragen Brandmauer, was mir persoln und klalng zielm gut gefällt.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Grinsekater am 2009-03-17, 11:47:47
,,Brandwall" geht auch und ist kürzer. Ebenso ,,Brandwand", der Wikipädie-Übersatz mit Binnenreim. Aber beim Russischen kommt es auf eine Silbe mehr oder weniger wahrscheinlich nicht mehr an. . .
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2009-08-30, 22:14:40
Hier ein paar Knüpfe zum Thema, auf die mich der Betreiber von deutscheInformatik.de hinwies:


Schöner Ipsiv in dem Buchtitel!

EDIT: Den Hinweis hätte ich mir verkniffen, wenn ich die, ähm, politische Gesinnung dessen, der ihn mir gab, damals schon gekannt hätte.
Titel: Re: Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2010-08-01, 17:19:23
Zur Diminutivur von Leihwörtern: Ich wurde gestern zu einem kurzfristigen Radtoürchen eingeladen. Schön! :)
Titel: Re:Leihwörter
Beitrag von: Kilian am 2010-10-24, 18:57:31
Zitat von: Kilian am 2004-08-26, 15:24:56
Ein Brief, den ich unpassenderweise in einer Stilblütensammlung fand:

ZitatMeine Trautholde!

Wir wäre es mit einem Zerknalltreiblingszweiradausflug am Sonntag, dem 28. Lenzing 1938? Hoffentlich gibt Dich Dein Pflanzherr frei und hält Dich wegen Sippenthings anläßlich des Wiegenfestes Deiner Urpflanzmutter nicht daheim fest. Es gibt keinen schöneren Genuß mit Dir, Kraftradhintersassin, als jetzt im Lenz. Bitte, bringe Du Deine Strahlenfalle mit, dann besorge ich eine Kofferkrachwortmühle, damit wir bei der Freiluftmahlzeit die große Furtwänglertönerei und die Wiedergabe von dem Faustkämpferwettstreit hören können. Und ziehe bitte Deine zweigeteilte Lenztracht an, in der Dein Hüftengpaß  so gut zum Ausdruck kommt. Vergiß auch nicht, am Zeitungsheim den Fußballspielerergebniswettrateschein zu holen. Und, bitte, rauche bis zum Sonntag nicht mehr so viele Langstäbchen und trinke keine so starke Schwarzbrühe, sonst bist Du wieder so wirrsalig. Auf bald!

Dein Trautholdester!

Ein ähnlicher Leseeindruck lässt sich erwecken, indem man z.B. chinesische Wörter wörtlich übersetzt: Willst du in der nächsten Sternenperiode mit mir ins Stadtmittherz fahren und einen Duftdarm verspeisen und einen Bohnenbrei trinken? Ja? Nehmen wir das Dampffahrzeug oder das Erdeisen?