Gesellschaft zur Stärkung der Verben

Öffentliche Bretter => Sprache => Thema gestartet von: gehabt gehabt am 2005-01-03, 08:25:33

Titel: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-03, 08:25:33
Ich kenne gerade mal zwei Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten:

Sanktionieren = absegnen / abstrafen
frugal = karglich/ueppig


gibts noch mehr?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-01-03, 11:05:08
Kontranyme, Autoantonyme, Antagonyme, Januswörter! :)

Mir fällt noch ein:
einstellen - mit etwas aufhören / sich einstellen - beginnen, erscheinen

Und im Englischen:
(to) ravel - verheddern, verwickeln / entwirren
oversight - careful supervision / careless mistake
(to) cleave sth. - split, divide / (to) cleave to sth. - stick, cling to sth.

sanktionieren halte ich eher für einen Sammelbegriff für jegliche Ausübung von Sanktionen, sei sie nun positiv oder negativ - ähnlich halte ich es mit diskriminieren: "In unserer Berufswelt werden Männer immer noch massiv positiv diskriminiert."
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2005-01-03, 11:35:25

Und im Englischen:
(to) ravel - verheddern, verwickeln / entwirren

Und was ist dann "to unravel"?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-03, 14:25:13
noch zwei Woerter sind mir eingefallen:

vor und hinter

Man faehrt bei der Fahrpruefung eine Strasse entlang und der Pruefer sagt: "Parken Sie bitte hinter dem roten Auto dort ein".  Meint er dann vor oder hinter dem roten Auto? (d.h. meint er parken Sie ein bevor Sie das Auto erreichen) oder meint er parken Sie nahe dem, Vorderteil des roten Autos ein. Desgleichen mit hinter. Es ist wie ein Vexierbild.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: caru am 2005-01-03, 20:03:34
unravel heißt nur "entwirren" - wenn man die beiden sauber trennen will, kann man ja sagen, ravel heiße "sich selbst auftrennen, entwirren (wenn sich z.b. ein kleidungsstück in seine fäden auflöst)" und unravel "etwas auftrennen, entwirren" (in dieser bedeutung ist unravel sicher gebräuchlicher).

aber wo wird frugal im sinn von "üppig" benutzt??? belegstelle???


vor, hinter, links, rechts... ist immer eine standpunktsache - genauso wie der satz "ich bin hier" in wien bedeutet "ich bin in wien" und in hongkong "ich bin in hongkong", ohne daß "hier" deswegen zwei verschiedene bedeutungen hätte.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2005-01-03, 21:49:29
unravel heißt nur "entwirren" - wenn man die beiden sauber trennen will, kann man ja sagen, ravel heiße "sich selbst auftrennen, entwirren (wenn sich z.b. ein kleidungsstück in seine fäden auflöst)" und unravel "etwas auftrennen, entwirren" (in dieser bedeutung ist unravel sicher gebräuchlicher).

nee, nee, so einfach geht das nicht:

"[...] This path is not the one I'd choose to travel,
Even as we watch what tied us unravel [...]"
Alison Krauss & Union Station:"Deeper than Crying"; Rounder CD 0365. Cambridge, Massachusetts, 1997

Offenbar ist genau dies die reflexive Bedeutung von "unravel"

Frugal kenne ich auch nur in der Bedeutung "kärglich". Das Gegenteil wäre "opulent"
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-03, 22:22:11
Duden "Rechtschreibung der deutschen Sprache" 16. Aufl. (1967) : frugal   "heute bereits vielfach üppig, schlemmerhaft"

in spaeteren Auflagen ist das glaube ich wieder getilgt worden.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-03, 22:26:29
Kontranyme, Autoantonyme, Antagonyme, Januswörter! :)


sanktionieren halte ich eher für einen Sammelbegriff für jegliche Ausübung von Sanktionen, sei sie nun positiv oder negativ - ähnlich halte ich es mit diskriminieren: "In unserer Berufswelt werden Männer immer noch massiv positiv diskriminiert."

Sanktionieren ist laut meiner Bertelsmann Rechtschreibung
bestaetigen, Gesetzeskraft erteilen. Das ist aber wohl nicht gemeint, wenn die USA gegen den Iran Sanktionen fordern.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-01-03, 23:13:53
Zitat
caru:
vor, hinter, links, rechts... ist immer eine standpunktsache

By the way, in der aktuellen ZEIT (1/2005) ist auf S. 37 ein faszinierender Artikel über ein verwandtes Thema: das räumliche Vokabular und die Raumorientierung verschiedener Sprachgemeinschaften. In der gleichen Ausgabe ist auf S. 82 auch Gottfried August Bürgers "Vorschlag zu einem deutschen Rechtschreibungs-Vereine" aus dem Jahre 1782 abgedruckt - sehr amüsant zu lesen.

Zitat
caru:
unravel heißt nur "entwirren" - wenn man die beiden sauber trennen will, kann man ja sagen, ravel heiße "sich selbst auftrennen, entwirren (wenn sich z.b. ein kleidungsstück in seine fäden auflöst)" und unravel "etwas auftrennen, entwirren"

So einfach ist es in der Tat nicht - es gibt beide Wörter sowohl transitiv als auch intransitiv.

Zitat
caru:
(in dieser bedeutung ist unravel sicher gebräuchlicher).

Gewiss.

Zitat
amarillo:
Offenbar ist genau dies die reflexive Bedeutung von "unravel"

Intransitiv, nicht reflexiv.

Zitat
amarillo:
Sanktionieren ist laut meiner Bertelsmann Rechtschreibung
bestaetigen, Gesetzeskraft erteilen. Das ist aber wohl nicht gemeint, wenn die USA gegen den Iran Sanktionen fordern.

Sagt mein Wahrig (auch Bertelsmann) ebenfalls; daneben ist mir sanktionieren aus diversen mündlichen und schriftlichen Quellen in der genannten Bedeutung geläufig: "Die Politik der Regierung wird mit wirtschaftlichen und politischen Mitteln sanktioniert. Der Lehrer sanktioniert das Verhalten der Schüler mit Zuckerbrot und Peitsche. etc."
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2005-01-03, 23:25:59
Intransitiv, nicht reflexiv.


Nein nein, war schon so gemeint: reflexiv: sich auflösen, sich entwirren
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-01-03, 23:31:06
Ja, im Deutschen reflexiv, im Englischen intransitiv.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2005-01-03, 23:36:55
Und von den deutschen Bedeutungen war caru doch ausgegangen.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-01-03, 23:40:53
Ach so, in dem Zusammenhang hatte ich den Satz nicht gelesen. Etwas missverständlich formuloren.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-04, 22:51:14
belegstelle???


vor, hinter, links, rechts... ist immer eine standpunktsache - genauso wie der satz "ich bin hier" in wien bedeutet "ich bin in wien" und in hongkong "ich bin in hongkong", ohne daß "hier" deswegen zwei verschiedene bedeutungen hätte.

Nicht ganz: im Englischen waere die Anweisung des Pruefers klar:
Park in front of that car oder before that car

oder after that car oder behind that car

Noch ein anderes Wort bereitet Auslaendern kummer: nach

Wir benutzen dasselbe Wort fuer English to und after:

ich gehe nach ihm

kann heissen ich gehe zu ihm oder hinter ihm

PS: Familienausflug im Wald. Die Tochter und deren Freund bleiben zurueck. Fragt die Mutter: was machen die beiden?
Antwortet der kleine Bruder: Nachkommen.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2005-01-04, 23:35:37

ich gehe nach ihm
kann heissen ich gehe zu ihm oder hinter ihm

Wie bitte? Es wird Zeit, daß Du nach  Deutschland zurückkehrst!
Maximal "ich gehe ihm nach" (Verfolgung) oder "nach ihm" (aus dem Theater) wären erlaubt. "Hinter ihm" ist nur Reihenfolge.
Aber "nach ihm" = "zu ihm" das wäre ja reinstes Ruhrgebiet!

Hiiiiiiilfe, Frau Nachbarin , Ihr Fläschchen!
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-04, 23:46:05

ich gehe nach ihm
kann heissen ich gehe zu ihm oder hinter ihm

Wie bitte? Es wird Zeit, daß Du nach  Deutschland zurückkehrst!


Ebend! Es wird Zeit das ich nach Deutschland gehe:

nach ihm, dem schoenen Heimatland.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: caru am 2005-01-04, 23:52:35
nach deutschland kannst du jederzeit gehen (von mir aus jedenfalls). auch nach carus wohnung kannst du gehen (wenn caru nichts dagegen hat und die sprachebene hoch genug ist).

aber nach caru gehen? iiiihhh! ::)
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-05, 00:01:31
mein urspruenglicher Beispielsatz war ja "nach ihm gehen" und wenn man fuer ihm Deutschland setzt und nicht Caru ist es richtig:

nach Deutschland - nach ihm
zu Caru - zu ihm

beim Aldi in Gälsenkiachen gehn  


noch ein Beispielsatz mit vollkommen anderem Sinn: wenns nach ihm ginge, gaeb es jeden Tag Klopse
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: caru am 2005-01-05, 00:05:41
oooooooooooooooook.

aber wenn du hinter caru gehst, gehst du dennoch caru nach und nicht nach caru. dächte ich.
und daß du hinter deutschland gehst (übrigens auch doppelsinnig), wirst du mir ja auch nicht erzählen wollen.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-01-05, 00:11:56
Deutschland hintergehen? Das wäre ja Hochverrat, wäre das! ;)
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: caru am 2005-01-05, 00:28:06
oder parlamentarische tätigkeit, je nachdem.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-01-05, 00:52:37
Das soviseau. ;D
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2005-01-05, 09:41:16
Gehabt haben und ich sitzen im Theater. Das Stück ist ein Megaflop. Gehabt haben flüchtet nach dem ersten Akt, ich harre aus und tue mir noch den zweiten an, um dann ebenfalls zu gehen.
Nun kann ich doch sagen: ich gehe nach gehabt haben - oder?

Auch in Gelsenkiachen geht man selbstverständlich "nach" Aldi.
Bei Personen darf es "bei" heißen: geh' ma bei den Oppa (oder eben "nach" den Oppa), dä hat Bömmskes.

Halt, mir fällt noch etwas ein. Sollte der Enkel dem Opa irgenwie ähneln, muß es im Ruhrgebiet natürlich heißen: Dä Jung kommt ganz nach sein Oppa.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: caru am 2005-01-06, 00:16:09
nicht zu vergessen den unterschied zwischen

"die partei geht hinter dem vorsitzenden"

und

"die partei geht nach dem vorsitzenden".

Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-06, 00:48:10
Im Zwiebelfisch (glaub ich) wurde kuerzlich Freudsche Fehlbildungen wie: der Kanzler stellte sich hinter seinen Minister
vorgestellt.

Das ist so wie:   Ich werf mich hinter einen Zug!
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-06, 00:49:51
Irgendwo las ich mal: Eine Zugabe folgte der Naechsten.

Das steht die Zeitenfolge Kopf.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-01-06, 00:51:44
Gehabt haben und ich sitzen im Theater. Das Stück ist ein
Auch in Gelsenkiachen geht man selbstverständlich "nach" Aldi.
Bei Personen darf es "bei" heißen: geh' ma bei den Oppa (oder eben "nach" den Oppa), dä hat Bömmskes.

Halt, mir fällt noch etwas ein. Sollte der Enkel dem Opa irgenwie ähneln, muß es im Ruhrgebiet natürlich heißen: Dä Jung kommt ganz nach sein Oppa.

Im Rheinland kann es vorkommen, dass man aufgefordert wird:

Komm mal bei misch bei.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: MrMagoo am 2005-01-07, 20:47:28
Gehabt haben und ich sitzen im Theater. Das Stück ist ein
Auch in Gelsenkiachen geht man selbstverständlich "nach" Aldi.
Bei Personen darf es "bei" heißen: geh' ma bei den Oppa (oder eben "nach" den Oppa), dä hat Bömmskes.

Halt, mir fällt noch etwas ein. Sollte der Enkel dem Opa irgenwie ähneln, muß es im Ruhrgebiet natürlich heißen: Dä Jung kommt ganz nach sein Oppa.

Im Rheinland kann es vorkommen, dass man aufgefordert wird:

Komm mal bei misch bei.


All diese Formulierungen sind absolut üblich auch in Ostwestfalen!
Hier geht man nach (oder nach'n) Aldi und auch nach Oppa, wenn der Bömsken hat. "Bei Oppa beikommen" ist ebenso erlaubt wie "nach Oppa hingehen".
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-10-10, 00:10:42
Noch ein Kontranym: übersehen
(überblicken <-> nicht sehen)
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: J** am 2005-10-10, 00:34:48
für mich als fischkopp...was ist bömmskes??
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-10-10, 01:47:00
Bonbons wahrscheinlich... oder?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2005-10-10, 12:44:02
Genau das sind sie. ;)
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-10-10, 16:28:00
umfahren:

Du sollst den Fussgaenger umfahren.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2005-10-10, 17:03:16
abdecken

Gerade hatte er das Dach seines im Bau befindlichen Hauses notdürftig mit einer Plane abgedeckt, da wurde es auch schon wieder durch einen Sturm abgedeckt.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2005-10-10, 17:06:33
für mich als fischkopp...was ist bömmskes??
Ich als Norddeustchen kenn' die Dinger als "Bongse" oder "Bonscher".
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: caru am 2005-10-10, 21:08:50
ich wag's kaum zu sagen, aber in österreich sind das Zuckerln.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2005-10-10, 21:57:40
ich wag's kaum zu sagen, aber in österreich sind das Zuckerln.

Worin bestund das Wagnis? Und wieso schreibst Du diese plötzlich groß? Selbst Naschkatze? ;D
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: caru am 2005-10-10, 22:59:04
nein, die großschreibung war eine art ersatz für schrägdruck oder anführungszeichen.

und ich hab gedacht, ihr lacht vielleicht schallend über den exotischen ausdruck  ;D
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Knut Pisulski am 2005-10-11, 07:53:08
Sehr geehrte Forer,

verzeihen Sie, dass ich mich wieder einmische, aber das, was Sie hier machen, kann ich so nicht hinnehmen.
Werter Herr caru, was bitte schön soll an Zuckerln exotisch sein? Daß ich nicht schallend lache! Und überhaupt verstehe ich nicht, wieso sich hier plötzlich alle darüber auslassen, wie die Bönger in den unterschiedlichen Regionen heißen. Das ist mal wieder typisch für das Forum der GSV! Was hat das Ganze mit Wörtern zu tun, die ihr eigenes Gegenteil bedeuten?
Als selbsternannte Schützer und Erretter der deutschen Sprache sollten Sie doch in der Lage sein, sich an ihre selbstgewählten Themen zu halten. Jeden Deutschaufsatz hätten Sie links und rechts um die Ohren gehauen bekommen mit dem Hinweis "Thema verfehlt". Aber das haben die Damen und Herren Sprachgelehrte hier anscheinend nicht mehr nötig.
Gerade Sie sollten unserer Jugend ein Vorbild sein, anstatt von deren Fehlern zu lernen.

Mit freundlichem Gruß
K. Pisulski
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: J** am 2005-10-11, 11:14:12
nein diesen einmusch verzeih ich nicht, denn
1. habe ich eine frage gestellt, die mir für das verständinis des fadens wichtig war und freue mich, dass sie beantwortet wurde
2. wenn eine frage gestellt wird, ist es sinnvoll, die antwort in den gleichen faden zu schreiben, sonst sieht nämlich niemand mehr durch in diesem forum
3. schreiben wir keinen aufsatz und das fadenthema ist kein manifest. es gibt keine regel, die das abschweifen verbietet. vielmehr ist es eine form der kommunikation (was ein forum ja sein soll), dass man von einem thema zum nächsten gelangt
4. hat die "kritik", die sie hier anbringen auch nicht wirklich etwas mit dem thema des fadens zu tun.
5. gehen sie zum stenkern doch bitte woanders hin (ich empfehle das forum auf tocotronix.de (eigentlich eine fanseite, aber da wird in jedem thread spätestens ab dem dritten post vom thema abgewichen und in spätpubertäre pöbeleien übergegangen))
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2005-10-11, 12:52:52
@ Piselowski

Ich finde es übrigens sehr interessant, sich regionale Ausdrucksweisen für alltägliche Gegenstände mitzuteilen. Wie nennt man die Bonbons denn bei Ihnen?

Vielleicht wäre es Ihnen möglich, sich ein wenig konstruktiv an den Fäden zu beteiligen, anstatt hier permanent herumzumosern.
Inhaltliches war von Ihnen noch nicht zu lesen. Suchen Sie am Ende nur Anschluß? Versuchen sie es doch auch mal auf "single.de".
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Günter Gans am 2005-10-11, 23:45:34
Geht's hier um Kamellen -

oder um Gegentümer?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: gehabt gehabt am 2005-10-19, 22:27:13
Heute gelesen: Bundesweite Stallpflicht fuer Gefluegel erlassen

man haette ergaenzen koennen: ...aber geimpften Huehner ist diese Pflicht erlassen
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: MrMagoo am 2005-10-22, 18:34:32
für mich als fischkopp...was ist bömmskes??
Ich als Norddeustchen kenn' die Dinger als "Bongse" oder "Bonscher".


Um das Thema kurz wieder aufzugreifen:
Bei uns nennt man die Dinger auch "Klümpchen". ;)
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: MrMagoo am 2005-10-22, 18:36:35
Zurück zum Originalthema: Wörter, die ihr Gegentum bedeuten:

Paradebeispiel ist das Wort "gegen" selbst (oder doch besser das Wort für?!) - wie sonst könnte man erklären, daß es Zahnpasta sowohl für als auch gegen schmerzempfindliche Zähne zu kaufen gibt...  ;D
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2005-10-22, 18:39:55
Genau: meine Chefin hatte - ich schrieb es andernorts schon - in den Urlaub ein Mittel für Durchfall mitgenommen, mien allerdings eins dagegen.

Für ist in diesem Fall gemienen im Sinne von "zur Behandlung von". Also dafür, wenn man was hat und was dagegen tun will.
Alle Klarheiten beseitigt?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Günter Gans am 2005-10-22, 18:42:25
"Gastland":
1) Deutschland ist Gastland für ausländische Studenten.
2) Korea ist Gastland auf der Buchmesse.

Ob das auch in diesen Faden pieße?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2005-10-22, 18:47:07
Natürlich.
In der einen Definor ist's das Land, in dem die Gäste sich gästelnderweise aufhalten (Deutschland), in der anderen das, aus dem die Gäste kommen (Korea).

Andererseits müsste im Korea-Beispiel ja das Land zu Gast sein und nicht dessen Vertreter.
Das ist ein schönes Beispiel für die Umkehrung des Grundsatzes "pars pro toto". Da könnte man mal stilistisch drüber diskutieren. Könnte - muss man nicht.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Günter Gans am 2005-10-22, 18:49:36
Seoul am Main, oder so...  :D
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2005-10-22, 18:52:04
Genau.
Und Pjöngjang ist dann in Frankfurt, oder?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-10-22, 20:03:30
Die Zahncreme gegen schmerzempfindliche Zähne - entfernt schmerzempfindliche Zähne zuverlässig. Sie werden nie wieder Zahnschmerzen haben! Oder so: Shampoo für schnell fettendes Haar - schon nach drei Anwendungen spürbare Beschleunigung der Fettung! Oder so: Hier habe ich eine Kopfschmerztablette für dich - macht garantiert Kopfschmerzen! *kanaldeckelschmeiß*

Ich hoffe, hier hat niemand scherzempfindliche Zähne.

Zitat
Das ist ein schönes Beispiel für die Umkehrung des Grundsatzes "pars pro toto".

Der Oberbegriff ist Synekdoche - die umfasst sowohl pars pro toto als auch totum pro parte.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Bertl am 2005-10-24, 17:06:19
Nur noch was zum Gegentum. Soeben las ich da "benachrichtigen".  Klar, da wird, von der Objektsseite her betrachtet, jemandem eine Nachricht zugeschickt;
"beaufsichtigen" - Aufsicht wird über jmdn. ... - etc., etc.
Nun aber ein gar seltsam Verb, das sogar in unserer Liste noch fehlt:
beeinträchtigen
Ausgerechnet Eintracht wird hier niemandem zuteil; eher Einschränkung, Unterbrechung, Verlust.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: versucher am 2005-11-01, 14:34:36
Noch mal zur Klur: Nie verstand ich den Unterschied zwischen Synekdoche und Metonymie. Hast du, Kilian, oder someone else, den parat? Oder gibt's keinen?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: caru am 2005-11-01, 14:57:47
doch, gibts.

erst das gemeinsame: beides sind übertragungen in dem sinn, daß A genannt wird, um B auszudrücken. der unterschied liegt darin, daß das verhältnis von A zu B ein anderes ist.

bei der synekdoche ist B ein über- oder unterbegriff zu A, entweder

1) konkret: eins ist der teil, das andere das ganze, z.b.
-pars pro toto: segel für schiff
-totum pro parte: amerika, wenn die USA gemeint sind

2) abstrakt: eins ist die gattung, das andere das individuum (oder eine untergattung): raubtier für löwe, der soldat für das militär


bei der metonymie gehts um ein beliebiges anderes logisches verhältnis, wenn z.b. der behälter für den inhalt steht ("ein gläschen trinken" - quatsch, man trinkt ja das, was drin ist) oder wenn man im goethe nachschaut (da macht man auch keine autopsie, sondern blättert in einem buch mit texten von g.).


so würd ich das jedenfalls spontan sehen. widerspricht mir wer? ;D
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2005-11-01, 16:51:40
Beim Blättern in Deutsch-LK-Unterlagen fand ich neben der Person-Sache- und der Gefäß-Inhalt- noch die Grund-Folge- ("der bleiche Tod") und die Abstraktum-Konkretum-Metonymie ("Die Gerechtigkeit wird siegen.")
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Stollentroll am 2006-04-20, 18:52:52
Irgenzwie ist dieser Faden sehr schnell abgeschnitten worden. wie wär´s mit :

Polemik =  wissenschaftliche Auseinandersetzung/unsachliche Kritik
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Klaus123 am 2006-05-31, 03:26:43
Untiefe. (flaches Gewässer od. tiefes Gewässer)
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Klaus123 am 2006-05-31, 03:39:02
Zum Thema Richtungsdenken (Artikel aus der Zeit):

Ein Ball hat nun wirklich keine Front, also auch kein Hinterteil. Wenn der Ball auf dem Bolzplatz liegt, und man legt ihn "weiter vor", dann legt man ihn weiter von sich weg. Liegt der Ball aber im Zimmer, sagen wir einen Meter von der Wand entfernt, und man legt ihn "weiter vor", dann legt man ihn näher zu sich. Wieso?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-05-31, 04:10:18
Zum Thema Richtungsdenken (Artikel aus der Zeit):

Ein Ball hat nun wirklich keine Front, also auch kein Hinterteil. Wenn der Ball auf dem Bolzplatz liegt, und man legt ihn "weiter vor", dann legt man ihn weiter von sich weg. Liegt der Ball aber im Zimmer, sagen wir einen Meter von der Wand entfernt, und man legt ihn "weiter vor", dann legt man ihn näher zu sich. Wieso?
Das mit dem Vorne und Hinten hat mich auch schon immer beschäftigt. Warum liegt die Zukunft vor und die Vergangenheit hinter uns, trotz der Vor- und Nachfahren, Vorgänger und Nachfolger, vor vier und nach vier? Vielleicht weil auf unserem Lebensweg die Dinge, die früher vor uns lagen, jetzt hinter uns liegen? Aber trotzdem folgen wir weiter unseren Vorgängern nach, deren Ära hinter uns liegt, obwohl wir und doch gerade an der Stelle befinden müssten, die eben unsere Vorgänger hinter sich gebracht haben. (Das ist übrigens kein Problem des Deutschen, sondern geht auch auf Englisch, Latein, Chinesisch und Japanisch und wahrscheinlich in vielen anderen Sprachen.)
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Klaus123 am 2006-06-01, 01:48:09
Ja, ich zitiere "Die Uhren werden am Sonntag morgen um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit um eine Stunde auf 3 Uhr vorgestellt."
Und obwohl man die Uhr _vorstellt_ ist 3 Uhr ist eine Stunde _nach_ 2 Uhr. Irgendwie ziemlich konfus.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-06-19, 12:38:36
Heute im Mirror auf der Leine:
"Das siebenköpfige Team im International Office, wo er seit Herbst 2005 arbeitet, kümmert sich dabei nicht nur um Visa, Versicherungen oder finanzielle Probleme, sondern auch um schlechte Zeugnisse."
Sollen die Studenten gleich ihrer Visa und Versicherungen beraubt werden, oder wird dafür gesorgt, dass sie mit finanziellen Problemen und schlechten Zeugnissen auf den Berufsmarkt entlassen werden?
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2006-06-19, 14:16:07
Das Wort eingehen bedeutet in gewisser Hinsicht sein eigenes Gegentum:

Er ging mit ihr eine Beziehung ein, die jedoch schon bald einging.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Klaus123 am 2006-07-05, 11:28:44
# „komm geh fott!“ (tatsächlich ist weder „komm her“ noch „geh fort“ gemeint)

# „klar wie Klosbrühe“ (Scherzhafte Metapher, mit der urspr. Bedeutung, daß etwas völlig unklar ist, oft aber in gegenteiliger Bedeutung mißverstanden.)

# „paßt wie die Faust auf’s Auge“ (Scherzhafte Metapher, mit der urspr. Bedeutung, daß etwas unpassend ist, oft aber in gegenteiliger Bedeutung mißverstanden.)
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: katakura am 2006-07-05, 11:51:41
... gerade fiel mir "formidabel" ein, das ja sowohl für "furchtbar" als auch für "großartig" steht ...
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-07-05, 12:38:50
Viele Sätze können ihr eigenes Gegenteil bedeuten, weil die Reichweite der Verneinung unklar ist:

Mit diesem Lösungsmittel kann nicht stinkender Klebstoff hergestellt werden, worüber sich viele Sekretärinnen freuen werden.
Mit diesem Lösungsmittel kann nicht geruchsfreier Klebstoff hergestellt werden, weshalb wir auf der Suche nach einem anderen Lösungsmittel sind.

Der Klebstoff kann nicht kleben, weil er zu alt ist.
Der Klebstoff kann nicht kleben, weil auf der Tube "Klebstoff" draufsteht. (... sondern er kann kleben, weil er aus den geeigneten Zutaten hergestellt ist.)
Der Klebstoff kann nicht kleben, wenn man fettige Teile damit verbindet.
Der Klebstoff kann nicht kleben, wenn man ungereinigte Teile damit verbindet. (... denn an den Teile kann Fett sein. Falls an den Teilen kein Fett ist, wird er kleben.)
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: katakura am 2006-07-05, 12:40:01
# „komm geh fott!“ (tatsächlich ist weder „komm her“ noch „geh fort“ gemeint)

... zu "geh fort", fällt mir etwas ähnliches aus meiner mundart ein: oft sagt man "dordhier liechds doch", wenn eine sache nicht mehr in griffweite ist (also nicht hier), aber dennoch auch nicht allzu weit (und damit auch nicht dort) entfernt ist ...
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2006-08-23, 19:15:03
Mir ist noch "ausgefallen" eingefallen.

Eine Veranstaltung kann ausgefallen sein, indem sie

1) stattfand und ziemlich ungewöhnlich war
2) gar nicht erst anfing.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-08-23, 19:22:01
Dann wäre auch "eingefallen" zu nennen:

Dem Architekten ist nichts eingefallen, denn 1. hat er gut gebaut, und 2. hat er deshalb gar nichts gebaut.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2006-08-28, 23:18:39
Eine Variation des Themas: zahllos ist eine Verstärkung von zahlreich.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-08-29, 05:31:38
Eine Variation des Themas: zahllos ist eine Verstärkung von zahlreich.
Ebenso ist undenkbar viele die Steigerung von denkbar viele.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-08-31, 17:46:35
Ein einmaliges Konzert macht einen Musiker selten berühmt, es müsste denn wirklich ein einmaliges Konzert sein.
Titel: Re:Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-09-19, 23:01:06
Gibt es eigentlich schon Bar-Codes für den bargeldlosen Zahlungsverkehr? Und wenn wir schon beim Verkehr sind: Gestern bin ich mit dem Fahrrad richtig auf die verkehrte Spur geraten. Da wäre ich fast mit Autos kollidiert, die auf der richtigen Spur verkehrt waren.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2006-10-03, 12:25:23
Manche Leute sind irgendwie nicht zu verstehen.

Kaum geht man zu irgend einer Veranstaltung wird einem "Gute Unterhaltung" gewünscht.
Wenn man sich dann aber mit jemandem angeregt (also durchaus gut) unterhält, dann ist's schon wieder nicht in Ordnung.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-10-03, 12:30:00
Ich habe mich auch schon immer darüber aufgeregt, dass Unterhaltungsmusik meistens so laut ist, dass man ganz heiser wird, wenn man sie ihrem angesagten Zweck zuführt.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-10-03, 16:25:31
Im weiteren Sinne zu den Wörtern, die ihr eigenes Gegentum bedeuten, gehören auch Wörter, die mit ihrem Gegentum synonym sind. Bereits genannt wurde für und gegen in dem Ausdruck "Shampoo für fettige Haare", "Untiefe" im Sinne von (große) "Tiefe" und "zahllos/zahlreich". Mir fiel dazu eben noch ein:

Ausgang/Eingang (in den meisten Gebäuden synonym)

übereinander/untereinander: Die beiden Einträge in der Tabelle stehen direkt über/untereinander (Eigentlich gibt es nur sehr selten Dinge, die wirklich untereinander sind, wie zum Beispiel den Nord- und Südpol; und vielleicht gibt es gar keine Dinge, die übereinander sind? Jedenfalls fällt mir so spontan nichts ein.)

Ähnlich mit voreinander/hintereinander, wobei allerdings zwei Katzen, die um einen heißen Brei herumlaufen, gleichzeitig vor- und hintereinander herlaufen können.

vorweisen/nachweisen: Wer Musikwissenschaft studieren will, muss Lateinkenntnisse vor/nachweisen.

Aufschreiben und abschreiben verhalten sich wie totum und pars zueinander: Wer etwas abschreibt, schreibt es jedenfalls auf, aber nicht jeder, der etwas aufschreibt, schreibt es ab.

Einstellen/ausstellen: Gleich im doppelten Sinne: Die Vasen werden in die Vitrine eingestellt, um sie auszustellen. Die Stromzufuhr wird eingestellt, indem sie ausgestellt wird.

Aufgeben/abgeben: Der Politiker hat alle seine Parteiämter auf/abgegeben.

Länge/Kürze: Die Länge/Kürze der Pause macht nicht viel mehr als einen Toilettengang möglich.

––––

Da stürzt mir gerade noch ein: Einen Menschen entehren ist dasselbe wie seine Ehre entfernen; das erste bedeutet aber, dass die Eigenschaft der Ehre dem Menschen vorher zukommt, hinterher aber nicht; das zweite bedeutet, dass die Eigenschaft der Ferne der Ehre hinterher zukommt, vorher aber nicht.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Grinsekater am 2006-10-03, 19:54:24
(Eigentlich gibt es nur sehr selten Dinge, die wirklich untereinander sind, wie zum Beispiel den Nord- und Südpol; und vielleicht gibt es gar keine Dinge, die übereinander sind? Jedenfalls fällt mir so spontan nichts ein.)
Mond und Erde! Aus Raumfahrer- bzw. Erdenbürgerperspektive jedenfalls.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2006-10-03, 20:52:05
Wollt grad sagen! Zumindest Landstriche auf einander zugewandten Seiten dieser Himmelskörper.

Zitat
Länge/Kürze: Die Länge/Kürze der Pause macht nicht viel mehr als einen Toilettengang möglich.

Der Satz ist aber streng genommen nur mit Länge sinnvoll. Die Länge macht immerhin einen Toilettengang möglich, wenn auch nicht viel mehr. Die Kürze hingegen macht viel mehr als einen Toilettengang unmöglich!
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: katakura am 2006-10-13, 15:12:30
... irgendwie fällt mir in diesem zusammenhang der ausspruch des von mir hochverehrten karl valentin ein:

"Wer am Ende ist, kann von vorn anfangen, denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite."

... also recht hat er da schon, oder?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-10-13, 15:21:11
Siehe Nr. IV F 2 (http://www.wwnorton.com/concise/ch4_outline.htm)
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-10-13, 16:09:46
... irgendwie fällt mir in diesem zusammenhang der ausspruch des von mir hochverehrten karl valentin ein:

"Wer am Ende ist, kann von vorn anfangen, denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite."

... also recht hat er da schon, oder?

Wenn wir aber bei Gegentümern sind: Was ist das Gegentum von "von vorn anfangen"? Etwa "bis hinten aufhören"?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: katakura am 2006-10-13, 16:50:22
... irgendwie fällt mir in diesem zusammenhang der ausspruch des von mir hochverehrten karl valentin ein:

"Wer am Ende ist, kann von vorn anfangen, denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite."

... also recht hat er da schon, oder?

Wenn wir aber bei Gegentümern sind: Was ist das Gegentum von "von vorn anfangen"? Etwa "bis hinten aufhören"?

.. genau DAS wird's sein ;D
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Stollentroll am 2006-10-13, 19:02:22
Hatten wir als Wort mit (heutzutage) gegentümlicher Bedeutung eigentlich schon "polemisch" ?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-10-14, 16:54:25
Hier finde ich gerade noch einen neuen Typ: Wörter, die sich selbst widersprechen:
Abfallanfall
Was denn nun, ab oder an?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: katakura am 2006-10-16, 11:48:18
Hier finde ich gerade noch einen neuen Typ: Wörter, die sich selbst widersprechen:
Abfallanfall
Was denn nun, ab oder an?

ja ab und an
fällt abfall an
und dann und wann
(beim chinamann)
auch von wann dann* :D

* sächs.-thür. aussprache der chin. vorspeise wan tan
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2006-10-16, 12:07:42
Der Künstler verstand die Zugabe als eine besondere Aufgabe, als wäre das Zu nur eine besondere Form des Auf.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Madness am 2006-12-07, 19:28:57
Ich kenne gerade mal zwei Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten:

Sanktionieren = absegnen / abstrafen
frugal = karglich/ueppig


gibts noch mehr?

.... die Bedeutung von frugal  leitet sich aus der lateinischen  frux = Frucht ab und heißt so viel wie einfach,  bescheiden.
Ein "frugales Mahl" ist also nicht, wie oft angenommen wird, ein üppiges, reichliches, opulentes Mahl, sondern ein einfaches, aber gutes Mahl....
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2007-09-09, 15:51:45
Paradox ist...
... wenn ein des Dopings überführter Radrennfahrer bestreitet, das Rennen gedopt bestritten zu haben.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2007-09-20, 18:32:20
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2007-09-20, 18:42:43
Na ja, es ist ja auch gut, dass nicht alle Kinder ihren Eltern gehorchen, denn sonst träfe man viel öfter auf ihrem Schulweg hilflos zurückgebliebene, denen ihre Eltern gesagt haben: "Weißt du eigentlich, wie spät es ist? Jetzt musst du aber mal die Beine in die Hand nehmen."
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2007-10-29, 16:00:48
Mir begong gerade diese Website:

http://www-personal.umich.edu/~cellis/antagonym.html
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2008-01-04, 07:13:09
In einem Buch über Schubert nach einem Schumann-Zitat über die C-Dur Symphonie des ersteren:

Und wie aus solchen Auslassungen Legenden geboren werden!

Handelt es sich bei den "Auslassungen" um das von Schumann Ausgeführte oder um die Lücken darin, also das Nicht-Ausgeführte? Beides könnte die Legenden beflügeln (wenn es nicht ohnehin meistens Geflügel wäre, das der Tätigkeit des Legens nachgeht).
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2008-01-04, 13:44:41
Wie war das noch? "Das müssen Sie in Ihrem Vortrag noch herausstreichen."
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2008-01-04, 14:09:10
Wenn ich aber einen Teil meiner Auslassungen herausstreiche, wird der Vortrag zu lang.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Blindfisch am 2008-01-04, 15:04:59
- Wo liegt denn das Rathaus?
- Wenn du zum Bahnhof gehst, kommst du direkt daran vorbei.
- Ach, daran bin ich immer blind vorbei gegangen.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2008-01-22, 12:14:13
sich entblöden etwas zu tun bedeutet für mich dasselbe wie sich nicht entblöden etwas zu tun, wobei Letzteres richtiger klingt. Wie geht euch das?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2008-01-22, 13:48:36
Also ich entblöde mich, "entblöden" ohne "nicht" zu gebrauchen. Im übrigen finde ich das Wort überhaupt blöd.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: katakura am 2008-01-22, 13:53:37
blöde bedeutet doch ursprulng schwach / kraftlos ... sich ent-blöden bedüte dann doch wohl, sich starkmachen ... ergo wäre es ohne nicht logischer, oder?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: katakura am 2008-01-22, 13:59:52
... gerade bei wiki ergoolgen:

Die ursprüngliche Wortbedeutung der Blödheit als Schwäche oder Scheu wird noch in der Redensart sich nicht entblöden tradiert. Schon seit dem 17. Jahrhundert ist diese Form als sich entblöden, also die Schwäche abtun, sich erkühnen, sich erfrechen, bekannt. Das zusätzliche nicht dient dabei in der doppelten Verneinung nur der Verstärkung.

... lag ich also nicht falsch mit meiner obigen annahme :)
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Fleischers Karsten am 2008-01-22, 14:06:10
...und mal wieder die Grimms:

ENTBLÖDEN, verecundiam tollere, demere, STIELER 200.

1)  einen beherzt, dreist machen
...
2)  sich entblöden, audere, conari, sich erkühnen, wagen
...
unrichtig hört man heute auch in gleichem sinn sagen 'sich nicht entblöden', als wäre sich entblöden sich schämen
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: katakura am 2008-01-22, 14:15:52
...und mal wieder die Grimms:

... derer hätt' es ja nun gar nicht mehr bedurfen :D
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2008-01-22, 23:32:04
Wiki wird halt auch nur bei Grimm gespocken haben. Es ist immer besser, auf die Quellen zurückzugehen. Übrigens heißt es bei Georges im Lateinisch-Deutschen Wörterbuch zu verēcundia:

das Gefühl dessen, der sich vor etwas scheut, die Scheu, die Zurückhaltung, Schüchternheit, Blödigkeit

Also könnte man für verecundiam tollere etwas ausführlicher sagen "seine Blödigkeit aufheben". Und ich hebe meine Blödigkeit auf, diesen Ausdruck der Deutlichkeit halber von nun an zu verwenden.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2008-01-23, 00:12:37
Wiki wird halt auch nur bei Grimm gespocken haben.

Ganz schön schlecht gespocken. Da steht doch das Gegenteil! Hab's gleich geornden.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2008-01-23, 00:14:47
... derer hätt' es ja nun gar nicht mehr bedurfen :D

Nicht dein Ernst. Grimm hat es super erklärt, wärend in der Wikipädie jemand was von verstärkendem nicht gefaselt und noch dazu das Gegenteil behauptet hat. Wenn gespocken, dann ganz schön schlecht!
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2008-06-03, 13:04:46
"Phantastisch" kann auch sein eigenes Gegentum bedeuten. Gerade begong mir folgender Satz in einem wikipedia-Artikel:

Als die augenblicklich größte Gefahr eines vulkanischen Winters wird der Supervulkan Yellowstone im Yellowstone-Nationalpark (USA) angesehen. Sein Ausbruch könnte zu mehreren Jahrzehnten eiszeitartigen Klimas führen, was weltweite Missernten und Hungersnöte nach sich zöge. In diesem keineswegs phantastischen Szenario könnten weltweit Millionen, vielleicht sogar Milliarden Menschen an den Folgen des Supervulkan-Ausbruchs sterben.

Nun bezwilft sicher niemand, dass es nicht gerade eine phantastische Aussicht ist, wenn Millionen oder gar Milliarden Menschen hungers sterben. Nur verstehe ich den Satz so, dass es ein durchaus phantastisches Szenario wäre, wenn man sich ausmiele, dass etwa der Kreuzberg in Berlin einen solchen Ausbruch erlöbe und infolgedessen nicht nur Milliarden von Menschen hungers stürben, sondern sogar die Berliner Staatsoper für einige Zeit ihren Spielplan reduzieren müsste. Dieses "durchaus phantastische" Szenario wäre sicherlich ebenso wenig phantastisch wie das oben genannte "keineswegs phantastische".
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Berthold am 2008-06-03, 13:59:40
... gerade bei wiki ergoolgen:

Die ursprüngliche Wortbedeutung der Blödheit als Schwäche oder Scheu wird noch in der Redensart sich nicht entblöden tradiert. Schon seit dem 17. Jahrhundert ist diese Form als sich entblöden, also die Schwäche abtun, sich erkühnen, sich erfrechen, bekannt. Das zusätzliche nicht dient dabei in der doppelten Verneinung nur der Verstärkung.

... lag ich also nicht falsch mit meiner obigen annahme :)

Ich erkühne, ja -freche mich, herzuschreiben, daß bei 'sich entblöden' die Etymologie eine Ornithomologie sein kekünne. Da steckt wohl die 'Ente' dahinter: einfach losquaken, ohne Rücksicht auf die eigene Unwüsste.
Das dediärfe irgendwie ein ähnliches Verb sein wie 'unser' (allerdings jemanden) 'aufganserln': ihn aufstacheln, erregen. Schreibt nur ja nicht, daß das nicht 'gansauferln' heißt.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: farsky_michal am 2008-09-22, 15:34:45
Mir faellt ein:entziffern,umstellen,ueberlegen
                    Verdacht,Fremdenverkehr
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2008-09-22, 23:44:46
Inwiefern bedeuten diese Wörter ihr eigenes Gegentum?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Übertreiber am 2008-11-07, 13:40:20
Mir fallen spontan "prinzipiell" und sein deutsches Synonym "grundsätzlich" ein.
Einerseits heißen sie "definitiv", "ohne Wenn und Aber": Vergiss es, so etwas mache ich prinzipiell nicht!
Andererseits räumen sie aber auch einen Einwand ein: Also prinzipiell mach ich so etwas ja nicht, aber...
Titel: Re: Negationen
Beitrag von: finder am 2008-11-12, 15:59:30
Heute gefunden:

"Mit solchen Ohren kannst du unmöglich König werden", sagte sein Onkel Lord Mountbatten dem unsicheren Knaben Charles einst ziemlich unbarsch ins Gesicht.

aus: http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,589625,00.html (http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,589625,00.html)

Was aber ist damit nur gemeint?
Titel: Re: Negationen
Beitrag von: Agricola am 2008-11-12, 16:07:39
Es hätte stattdessen auch "wirsch" heißen können.
Titel: Ein Begriff 'Gegentum' exisitiert nicht. Meinst du 'Antonyme'?
Beitrag von: oberhaenslir am 2008-11-14, 08:48:47
.

Ich kenne gerade mal zwei Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten:

Sanktionieren = absegnen / abstrafen
frugal = karglich/ueppig ...

sanktionieren (Standard) = strafen (Standard)
segnen (Standard) = den Segen geben

absegnen (Umgangssprache) = genehmigen, beschliessen (Standard)
abstrafen (Umgangssprache9 = strafen (Standard)

Ein Begriff 'Gegentum' existiert nicht. 'Ihr eigenes Gegentum'? Meinst du 'Antonyme'?

.
Titel: Re: Ein Begriff 'Gegentum' exisitiert nicht. Meinst du 'Antonyme'?
Beitrag von: Fleischers Karsten am 2008-11-14, 09:05:48
Ein Begriff 'Gegentum' existiert nicht. 'Ihr eigenes Gegentum'? Meinst du 'Antonyme'?

Wieso existiert der Begriff nicht? Ich kann ihn klar und deutlich lesen. Es dürfte dir aus dem Inhalt des Fadens erkenntlich geworden sein, dass mit "Wörter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten" Autoantonyme gemeint sind.

Außerdem wirst du hier im Forum tausende von Begriffen finden, die standardsprachlich nicht existieren. Das ist ein Hauptteil unser selbstauferlegten Beschäftigungstherapie. Also lass die Spitzfindigkeiten.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Agricola am 2008-12-14, 06:18:59
Wenn sich ein Wettkampfteilnehmer unter dem dritten Platz nicht zufrieden gibt, und er ist bei der Siegerehrung nicht unter den ersten drei, müsste er eigentlich zufrieden sein, oder?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2010-04-09, 18:33:20
Das Wort gewiss wird oft verwandt, wenn man etwas gerade gerade nicht genauer bestimmen kann: Ein gewisser Herr Soundso, in gewisser Hinsicht, sich gewissen Zwängen unterwerfen...
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Homer am 2010-04-09, 20:05:23
Außerdem leiten gewiß, sicher, zweifellos und Konsorten mit Vorliebe ein aber ein.

– Gesetze wollen – anders als Menschen – erst verabschiedet und dann begrüßt sein.
– "Bist du fertig?" Molge Antworten: "Ja, Tat vollbracht!" oder "Ja, auf zur Tat!", was nebenbei die temporale Indifferenz von Tat aufspießt, wo man etwa lateinisch nach res gesta und res gerenda zu unterscheiden hätte. Gab's da im Forum schon mal Überlegungen, Nomina actionis systematisch für Zeitstufen zu sensibilisieren (etwa Unterscheidung: Vergangenheit die Tat – Gegenwart die Tut – Zukunft die Tät)?



Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2010-04-09, 21:37:26
Ja, unter Vergängliche Nomen (http://verben.texttheater.de/forum/index.php?topic=2330.0).
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Homer am 2010-05-19, 16:16:52
"Der Marsch durch die Wüste dauerte ganze drei Tage."

Das kann nach meinem Sprachgefühl nur heißen: Der Marsch war nicht lang, er dauerte gerade einmal / nur / lediglich drei Tage.
Aber damit gehöre ich wohl schon zur alten Schule, denn zunehmend liest man Sätze, in denen dieses ganz im Gegentum steigernd-betonend gemeint ist, hier also: Der Marsch war lang, er dauerte volle / sage und schreibe drei Tage.

So heute in SPON: "Unmittelbar nach seiner Rückkehr am 20. März wurde Kachelmann dann am Frankfurter Airport festgenommen. Drei Wochen lang hatte die "Soko Flughafen" die Aktion geplant, noch ganze zwei Tage nach dem Zugriff blieb sie geheim." Nur das noch macht klar, wie ganz gemeint ist. Täuscht mich mein Gefühl, oder ist diese zweite Bedeutung neueren Datums?

Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Saul am 2010-05-19, 18:07:48
So heute in SPON: "Unmittelbar nach seiner Rückkehr am 20. März wurde Kachelmann dann am Frankfurter Airport festgenommen. Drei Wochen lang hatte die "Soko Flughafen" die Aktion geplant, noch ganze zwei Tage nach dem Zugriff blieb sie geheim." Nur das noch macht klar, wie ganz gemeint ist. Täuscht mich mein Gefühl, oder ist diese zweite Bedeutung neueren Datums?
Was nun des Neueren sei, ist schwer zu bestimmen, so lange nicht festgestollen, wie es um das Alter des anderen Teiles bestollen. Nur eines kann ich kraft meiner Autorität vierzigjähriger Regierungserfahrung bezeugen: Dass die Betonung der vollen Länge einer Periode - im Gegensatz zu einem Teil derselben - durch das Wörtlein "ganz" nicht nur ganz dem Wortsinne der Ganzheit entspreche, sondern auch dem deutschen Sprachgebrauche zum mindesten seit ganzen zwei und fast einem halben Jahrhunderte (http://books.google.com/books?id=hrs7AAAAcAAJ&pg=PA292&lpg=PA292&dq=%22ganze+vierzig+Jahre%22&source=bl&ots=utUFpiDE9J&sig=11XS_KX-J2Y8rwRh2orp8JFo6JE&hl=de&ei=lgj0S9-rNM-gkQWZ5IjfDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CBwQ6AEwAg#v=onepage&q=%22ganze%20vierzig%20Jahre%22&f=false) eigne.

Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Homer am 2010-05-19, 19:03:21
So heute in SPON: "Unmittelbar nach seiner Rückkehr am 20. März wurde Kachelmann dann am Frankfurter Airport festgenommen. Drei Wochen lang hatte die "Soko Flughafen" die Aktion geplant, noch ganze zwei Tage nach dem Zugriff blieb sie geheim." Nur das noch macht klar, wie ganz gemeint ist. Täuscht mich mein Gefühl, oder ist diese zweite Bedeutung neueren Datums?
Was nun des Neueren sei, ist schwer zu bestimmen, so lange nicht festgestollen, wie es um das Alter des anderen Teiles bestollen. Nur eines kann ich kraft meiner Autorität vierzigjähriger Regierungserfahrung bezeugen: Dass die Betonung der vollen Länge einer Periode - im Gegensatz zu einem Teil derselben - durch das Wörtlein "ganz" nicht nur ganz dem Wortsinne der Ganzheit entspreche, sondern auch dem deutschen Sprachgebrauche zum mindesten seit ganzen zwei und fast einem halben Jahrhunderte (http://books.google.com/books?id=hrs7AAAAcAAJ&pg=PA292&lpg=PA292&dq=%22ganze+vierzig+Jahre%22&source=bl&ots=utUFpiDE9J&sig=11XS_KX-J2Y8rwRh2orp8JFo6JE&hl=de&ei=lgj0S9-rNM-gkQWZ5IjfDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CBwQ6AEwAg#v=onepage&q=%22ganze%20vierzig%20Jahre%22&f=false) eigne.

Verehrter Saul,

verzeiht, daß ich noch nicht ganz zufrieden bin mit Eurer Auskunft! "Diese ganze vierzig Jahre" enthält ja einen definiten Zusatz ("diese") im Sinne von "die genannten 40 Jahre in toto" (wir würden hier im übrigen "ganzen" sagen). Ich muß also genauer werden: Mir ging es um das indefinite (artikel- und demonstrativpronomenlose) "ganze ... Jahre (/Monate/Wochen/Tage ...)". Was nicht heißt, daß sich nicht dennoch so alte Belege finden lassen kekünnen. Ich mache mich mal auf die Suche ...
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: saul am 2010-05-19, 20:12:38
Verehrter Saul,

verzeiht, daß ich noch nicht ganz zufrieden bin mit Eurer Auskunft! "Diese ganze vierzig Jahre" enthält ja einen definiten Zusatz ("diese") im Sinne von "die genannten 40 Jahre in toto" (wir würden hier im übrigen "ganzen" sagen). Ich muß also genauer werden: Mir ging es um das indefinite (artikel- und demonstrativpronomenlose) "ganze ... Jahre (/Monate/Wochen/Tage ...)". Was nicht heißt, daß sich nicht dennoch so alte Belege finden lassen kekünnen. Ich mache mich mal auf die Suche ...
Dann sehe der fleißige Dichter hier (http://books.google.com/books?id=Ht87AAAAcAAJ&pg=PA76&lpg=PA76&dq=%22ganze+vierzig+Jahre%22&source=bl&ots=vbrrsP7vOo&sig=ZM4PKHNTHm_wd7PmZi74CeVev2Y&hl=de&ei=NCj0S5DzCsyIkAWd1vi1DQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=10&ved=0CDIQ6AEwCQ#v=onepage&q=%22ganze%20vierzig%20Jahre%22&f=false).
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2010-05-19, 21:33:36
Die Grimms haben in ihrem langen Artikel (http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=hierarchy&textsize=600&onlist=&word=ganz&lemid=GG01010&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GG01010L0) ganze zwei Beispiele für diese Konstruktion: "der rabe bemerkte, dasz der adler ganze dreiszig tage über seinen eiern brütete. LESSING 1, 156, einen ganzen monat; er ist ganze vierzehn tage oder vierzehn ganze tage ausgeblieben. ADELUNG." Beide hören sich für mich eher nach der Homer weniger vertrunen Bedeutung an. Kömmt mir auch sinnvoller für: Wenn man betont, dass es "ganze" dreißig Tage sind, betont man, dass es nicht etwa weniger als dreißig Tage sind. Die Bedeutung "gerade mal" kenne ich daneben auch, kann sie mir aber gar nicht erklären, außer durch Ironie. Wahrigs Deutsches Wörterbuch von 1999 hat für beide Bedeutungen Beispiele, ohne das weiter zu kommentieren: "ich besitze noch ~e drei Mark; (...) die Reparatur hat ~e zwei Minuten gedauert; (...) ich hab ~e zwei Stunden warten müssen". Ich vermute, die "gerade mal"-Bedeutung ist jünger, hat aber die "sage und schreibe"-Bedeutung nie völlig verdrängt.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Homer am 2010-05-19, 22:47:35
Verehrter Saul,

verzeiht, daß ich noch nicht ganz zufrieden bin mit Eurer Auskunft! "Diese ganze vierzig Jahre" enthält ja einen definiten Zusatz ("diese") im Sinne von "die genannten 40 Jahre in toto" (wir würden hier im übrigen "ganzen" sagen). Ich muß also genauer werden: Mir ging es um das indefinite (artikel- und demonstrativpronomenlose) "ganze ... Jahre (/Monate/Wochen/Tage ...)". Was nicht heißt, daß sich nicht dennoch so alte Belege finden lassen kekünnen. Ich mache mich mal auf die Suche ...
Dann sehe der fleißige Dichter hier (http://books.google.com/books?id=Ht87AAAAcAAJ&pg=PA76&lpg=PA76&dq=%22ganze+vierzig+Jahre%22&source=bl&ots=vbrrsP7vOo&sig=ZM4PKHNTHm_wd7PmZi74CeVev2Y&hl=de&ei=NCj0S5DzCsyIkAWd1vi1DQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=10&ved=0CDIQ6AEwCQ#v=onepage&q=%22ganze%20vierzig%20Jahre%22&f=false).

Das überzeugt, danke! Da muß ich wohl, gerade auch nach Kilians Anmerkungen, mein Sprachgefühl überdenken (soweit es sinnvoll sein kann, Gefühle zu überdenken).  :-\

@Kilian:
Ironie bei der "gerade-einmal"-Bedeutung kommt sicher in Frage. Vielleicht steckt hinter "ganze (= nur) dreißig Tage" aber auch der Gedanke: die dreißig Tage sind bereits das Ganze. Man betont dann, daß es nicht mehr als dreißig Tage sind.

Wie dem auch sei, das paßt doch gut in diesen Faden, oder?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2010-05-20, 00:04:07
Ja, sehr gut. Vielleicht hieß es auch ursprulngch "ganz dreißig Tage", dann "ganz" im Sinne von "sich darin erschöpfend"? Und man hat dann angefangen, aus dem Adverb ein Adjektiv zu machen? Naja, wahrscheinlich fantasiere ich.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2010-05-28, 18:19:18
In folgendem Textausschnitt

Eine Hyperschallwaffe wie die X-51A könnte dieses Problem durchaus lösen. Da sie nicht größer ist als eine übliche Boden-Luft-Rakete, kann sie von Bombern und Jagdbombern abgeschossen werden.

ist nach dem Zusammenhang von einem Vorteil dieser Waffe die Rede. Ich musste ziemlich lange grübeln, bis mir aufging, dass das Abschießen eines Geschosses nicht nur die für den Abschießer unerwünschte Beendigung eines Angriffsaktes, sondern auch dessen Beginn bedeuten kann.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: VerbOrg am 2010-07-05, 19:27:09
Der Bundestag hat vor zwei Wochen eine neue Gebühr beschlossen.
Der Bundesrat hat dem auch zugestimmt.
Der Bundespräsident verweigerte jedoch die Unterschrift und kassierte zunächst die Gebühr wegen verfassungsrechtlicher Bedenken.
Nun wird sie also doch nicht so schnell kassiert werden.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2010-07-05, 19:34:38
Ein Quantensprung ist in der Physik eine kleinstmögliche Zustandsänderung, in der Umgangssprache hingegen ein epochaler Fortschritt.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Christian Wulff am 2010-07-05, 19:39:39
Das stimmt nicht ganz, da hat wohl mal wieder jemand etwas vorschnell gemeldet. So schnell nach meinem Amtsantritt hege ich noch keine Bedenken, denn ich muss ja ersteinmal bedenken, was eine Unterschriftsverweigerung für Folgen haben könnte.

Aber halt mal, ich wusste noch gar nicht, dass ich für verfassungsrechtliche Bedenken Gebühren in Rechnung stellen kann. Hm, hört sich gut an. Da werde ich vielleicht doch etwas häufiger Bedenken haben, um mein schmales Gehalt (Sie wissen schon, weniger als ein Abteilungsleiter bei Siemens, nur die Dienstwohnung ist etwas vornehmer) etwas aufzubessern.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2010-09-11, 11:39:02
einst
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2010-11-03, 21:03:37
Viele Leute befürchten, dass der Genuss von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln schädlich ist.
Wir haben uns dagegen entschieden, solche Lebensmittel zu essen.

Dieser Satz kann bedeuten, dass wir uns gegen den Genuss gentechnischer Lebensmittel entschieden haben. Er kann aber auch bedeuten, dass wir uns gegen die Meinung vieler anderer Leute für den Genuss gentechnischer Lebensmittel entschieden haben.

Dieses Gegentum-Problem kam mir gerade in den Sinn, als ich den Abschnitt "Im Habsburgerreich entschied man sich dagegen ..." im wikipedia-Artikel "Muttersprache" las, den ich zuerst falsch verstand (was aber im Kontext keinen Sinn ergab).
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: FinnCrisp am 2010-11-05, 12:03:38
Ein Brite erzählte mir einmal von einer alten Lehrerin, die, wenn sie einen Schüler aufforderte sich zu erheben, "Sit!" rief.
Dass es sich nicht um einen Ideologismus handelte, konnte eine andere Engländerin bestätigen, die diese seltsame Bedeutung ebenfalls kannte.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: AmelieZapf am 2010-11-11, 10:02:18
Hallo Wortklauber,

Viele Leute befürchten, dass der Genuss von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln schädlich ist.
Wir haben uns dagegen entschieden, solche Lebensmittel zu essen.

Das kommt davon, dass erschreckend viele Menschen für einen Sachverhalt nur noch ein Wort kennen. Mit schönen Nebenformen wie dawider und hingegen wäre das nicht passiert.

Oder "obwohl" -- was es da nicht alles gibt: wenngleich, wiewohl, obzwar, obgleich, obschon, obazta... Wer benutzt das noch?

Meine bessere Hälfte macht sich auch manchmal über mich lustig, weil ich "so altertümlich" spreche. Einzig mögliche Antwort: "Das ist nicht altertümlich, sondern eindeutig und obendrein: richtig".

Mit Sünonümen ist es halt wie mit körperlichen Befähigungen: "Use it or lose it"...

Grüße,

Amy
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2010-11-11, 17:33:56
Ja, sehr schön. Aber in dem wikipedia-Artikel, der meine Verwarr auslos, bedeutet das "dagegen" eben gerade nicht "hingegen". Hast Du für den Fall auch ein schönes Sühnonühm parat, das den Missverstand ausschießt? Natürlich weiß ich, dass man auch einfach den Satz umformulieren kekünne.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Homer am 2010-11-11, 19:49:58
Hast Du für den Fall auch ein schönes Sühnonühm parat, das den Missverstand ausschießt?

Mit Amys dawider ist jeglicher Missverstand ausgeschossen (:D)!
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: AmelieZapf am 2010-11-11, 21:28:44
Hallo Homer,

Mit Amys dawider ist jeglicher Missverstand ausgeschossen (:D)!

das ist nicht mein dawider. Zumindest bei Nietzsche und bei Robert Neumann (in seiner Nietzsche-Parodie "Von den Messerwetzern") gibt's das:

"Sein Messer aber war ihm ob dem Brote stumpf geworden. [...] Und wenn sein Bart ihn ärgert, so hat er nicht, dawider zu löcken." (aus dem Kopf zitiert aus Robert Neumann: "Die Parodien", ich glaube Bertelsmann irgendwann in den Sechzigern). Lesenswertes Buch.

Liebe Grüße,

Amy
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Homer am 2010-11-12, 01:04:00
"Wir haben uns dawider entschieden, solche Lebensmittel zu essen" wäre doch aber die gefrordene Vereindut, oder nicht?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: AmelieZapf am 2010-11-12, 14:10:44
So isses. "Dawider" (דוידר) wäre auch gut als "Parteigänger Davids" zu deuten  ;).

Grüße,

Amy
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2010-11-12, 14:22:58
OK, kapiert. Der Gebrauch des "dawider" war mir nicht so geläufig. Ich befürchte allerdings, dass auch dieses Wort nicht alle Mistverstände ausräumt, wenigstens im mülnden Gebrauch. Mindestens wenn man sich vorher schon mal so, mal so entschieden hat, hehœre man doch leicht

Wir haben und da wieder entschieden ... :-\
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2010-11-12, 23:14:40
OK, kapiert. Der Gebrauch des "dawider" war mir nicht so geläufig. Ich befürchte allerdings, dass auch dieses Wort nicht alle Mistverstände ausräumt, wenigstens im mülnden Gebrauch. Mindestens wenn man sich vorher schon mal so, mal so entschieden hat, hehœre man doch leicht

Wir haben und da wieder entschieden ... :-\

Wir haben uns da wieder entschieden ...


... wewull ich schreiben.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Verb Rächer am 2010-12-13, 21:15:06
Gegentümer sind ja wohl Freiheit und Gefängnis, und was ich vorzöge, wenn ich wählen kekünne, weiß ich wohl. Ist aber nun eine Freiheitsstrafe der Gefängnisstrafe vorzuziehen, oder verhält es sich gerade umgekehrt?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Einb Rächer am 2011-01-28, 12:13:44
Einbruch

Bei einem Wintereinbruch (wenn er nicht gerade von mir verübt wird) geschieht mit dem Winter genau das Gegentum von dem, was bei einem Konjunktureinbruch mit der Konjunktur geschieht.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Justus Richter am 2011-01-30, 14:17:34
Es ist richtig

Es ist richtig, dass jeden Tag in der Welt viele Kinder verhungern.

Es ist nicht richtig, dass jeden Tag in der Welt viele Kinder verhungern.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: amarillo am 2011-01-30, 14:55:22
Resultiert das nicht aus der dualen Bedut von 'richtig': a) wahrheitsgemäß b) rechtens?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Justus Richter am 2011-01-30, 15:46:33
Es resultiert daraus, führt aber dazu, dass der Begriff sein eigenes Gegentum bedeutet — richtig ist, dass es nicht richtig ist, dass jeden Tag viele Kinder Hungers sterben müssen, obwohl es richtig ist, dass das geschieht.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2011-03-18, 18:40:14
Nebenan bei foll daneben (http://verben.texttheater.net/forum/index.php?topic=267.0) hatte ich schon zwei Beispiele genannt, wo eine Verkäuferin bildlich sprach, dabei aber explizit behauptete, wörtlich zu sprechen. Erst: „Zu Küchensachen müssen Sie meine Kollegin fragen, ich bin hier im wahrsten Sinne des Wortes nur in den Betten.“ Und später: „Da muss man vorher mal fühlen, sonst kauft man buchstäblich die Katze im Sack.“ Auch das englische Wort literally wird anscheinend gerne gerade nicht im Sinne von buchstäblich, wortwörtlich, sondern als eine Art von Verstärkung gebraucht, und das schon seit Ewigkeiten, wie die in diesem Post im Language Log (http://languagelog.ldc.upenn.edu/nll/?p=2239) verlunkenen Artikel zeigen.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2011-06-02, 11:46:58
Auf Kükenschublades Hinweis (http://verben.texttheater.net/forum/index.php/topic,2314.msg47167.html#msg47167) hin: Acht. Bedeutet einerseits Aufmerksamkeit und Fürsorge (daher achten, auch Achtung i.S.v. Respekt), andererseits Ächtung und Verbannung (daher ächten). Den dürftigen etymologischen Informationen in meinem Wahrig nach sind es zwei ganz unverwandte Wörter, die so ab dem Althochdeutschen allmählich die gleiche Form angenommen haben.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Nonymest am 2011-07-10, 19:36:39
Zurück zum Thema und auf die Gefahr eines Wiederhols hin:
(to) table sth AE = etw. aufschieben, vertagen
(to) table sth BE = etw. auf die Tagesordnung bringen, einreichen
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2011-07-31, 15:51:25
...und mal wieder die Grimms:

ENTBLÖDEN, verecundiam tollere, demere, STIELER 200.

1)  einen beherzt, dreist machen
...
2)  sich entblöden, audere, conari, sich erkühnen, wagen
...
unrichtig hört man heute auch in gleichem sinn sagen 'sich nicht entblöden', als wäre sich entblöden sich schämen


Laut Johann August Eberhard (http://www.textlog.de/38774.html) bedeutet sich entblöden tatsächlich (auch) sich schämen. Somit wären sich nicht entblöden und sich entblöden deswegen synonym, weil sich entblöden sein eigenes Gegentum bedeutet. Tatsächlich erklärt Eberhard, dass schon die Vorsilbe ent- zwei verschiedene Bedeutungen hat: eine privative, bei der die Bedeutung des Verbs eine Trennung von der durch den Stamm bezeichneten Sache beinhaltet, wie bei entblättern, entkleiden, enterben usw., sowie eine inchoative, bei der die Bedeutung des Verbs den Eintritt in den durch den Stamm bezeichneten Zustand beinhaltet, wie bei entledigen, entzünden, entschlafen usw. Weiterhin geht er in einen nichtendenwollenden Rant gegen den sich auf Grimm berufenden Präskriptivismus über:

Zitat
Sich entblöden (eig. in den Zustand des Blödeseins eintreten, ent- ist hier nicht privativ [verneinend], sondern inchoativ, z. Art. 442, es bezeichnet das Eintreten in einen Zustand, wie in: entschlafen, entblühen, entzünden, entblößen usw.) ist nur eine Art des Scheuens, es bedeutet nämlich, sich von einer Handlung dadurch abhalten lassen, daß man eine Verletzung der Ehrerbietung und Bescheidenheit, der gesellschaftlichen Sitte und eine aus dieser Verletzung folgende Beschämung fürchtet. Gegenwärtig ist von sich entblöden nur die Verneinung im Gebrauch und sich nicht entblöden heißt so viel, wie sich nicht scheuen, sich erdreisten. Frisch, Deutsch-lateinisches Wörterbuch I, 111c jedoch und Grimm, Wb. III, 499 erklären den Gebrauch von sich nicht entblöden für unrichtig, indem sie das ent- in entblöden privativ nehmen und entblöden erklären als: die Blödigkeit benehmen, beherzt machen. In der Tat findet sich auch bei Gleim, Wieland und einigen andern Schriftstellern des achtzehnten Jahrhunderts: sich entblöden in der Bedeutung: sich erkühnen, sich erdreisten, z. B. "Verwegener, darfst du dich entblöden, | mit mir, des Donnerers Gemahlin, so zu reden?" Wieland Ausg. von 1794, Leipzig, bei Göschen, X, 175. Doch steht bei denselben Schriftstellern sich entblöden auch in der gerade entgegengesetzten und ursprünglichen Bedeutung: sich schämen, sich scheuen, z. B. "Du solltest dich entblöden (d. i. dich scheuen, schämen) ... aus diesem Ton zu reden." Wieland (Ausgabe von 1853) XII, 174. Der Gebrauch von entblöden in dem Sinne von beherzt machen ist vermutlich nur auf falsche Analogie zurückzuführen: man stellte es fälschlich mit Bildungen wie entblättern, entkleiden, enthüllen, entdecken usw. zusammen. Daher ist der gegenwärtige Sprachgebrauch, der sich nicht entblöden im Sinne von: sich erdreisten, sich erkühnen setzt und der also auf die ursprüngliche Bedeutung zurückgreift, völlig in seinem Rechte. "Die entsetzlichen Franzosen hatten sich nicht entblödet, der heiligen Jungfrau offenbar Gewalt anzutun." Seume. "Wie nicht die Willkür sich entblöde | die gleichgebornen Menschen doch in Klassen | zu teilen." Chamisso, Der Republikaner zu Paris am 7. Aug. 1830. — Selbst wenn aber auch die Annahme Grimms, daß in entblöden das ent- ursprünglich privativ sei, richtig wäre, so würde das doch nicht imstande sein, den gegenwärtigen Gebrauch von sich entblöden in der Bedeutung sich scheuen als falsch und unberechtigt erscheinen zu lassen. Wir haben häufig in unserer Sprache einen Bedeutungswandel, der oft so weit geht, daß die Bedeutung eines Wortes im Laufe der Zeit geradezu ins Gegenteil umgeschlagen ist; es sei hier nur an das Wort schlecht erinnert, das früher schlicht, glatt, gerade bedeutete, gegenwärtig aber nur noch als Gegensatz von gut verwendet wird (mit Ausnahme der formelhaften Wendung schlecht und recht). Wir können die alte Bedeutung von schlecht nicht auf künstlichem Wege wieder herstellen, und niemand wird diesen Versuch machen; wir beugen uns vielmehr dem allgemeinen Sprachgebrauch, der hier zugleich maßgebend für unser Sprachgefühl geworden ist, und genau in demselben Falle befinden wir uns der Wendung sich nicht entblöden (d. i. sich nicht scheuen) gegenüber. Überall, in ganz Deutschland, im Norden und Süden, im Westen und Osten gebraucht man diese Wendung in der genannten Bedeutung, unsere besten Dichter und Schriftsteller schreiben so, diese Wendung ist vollständig in unser Sprachgefühl übergegangen; da ist es ganz einfach die Pflicht der Wissenschaft, diese Wendung anzuerkennen, selbst wenn hier ein Bedeutungswandel vorläge. Es gibt in sprachlichen Dingen keine andere Autorität als die Sprache selbst; die lebendige Sprache schreitet in ihrer Entwicklung ruhig über das Ansehen auch des berühmtesten Sprachforschers hinweg und läßt sich nicht künstlich wieder in eine alte überwundene Form zurückdrängen. Es ist unerklärlich, wie man die Wendung sich nicht entblöden auf das Ansehen Grimms hin immer und immer wieder angreifen und tadeln kann, obwohl doch die lebendige Sprache uns täglich eines bessern belehrt und überhaupt kein wirklicher Grund vorliegt, der diese Wendung als tadelnswert erscheinen ließe. Gerade Jakob Grimm hat selbst am entschiedensten gegen eine solche Auffassung der Sprache, wie sie Adelung predigte, Verwahrung eingelegt. Sollen wir uns nun an den Buchstaben der Aufstellungen Grimms oder an den Geist seiner unsterblichen Werke halten? Ich glaube doch, daß allein das letztere Grimms würdig ist und daß sich die Sprache nicht nach der Sprachwissenschaft, sondern umgekehrt die Sprachwissenschaft nach der Sprache zu richten hat.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Homer am 2011-12-07, 00:46:39
Verkehrsmeldung:

"Der rechte Fahrstreifen ist für Rettungsfahrzeuge gesperrt."

Dürfen hier ausschließlich Rettungsfahrzeuge fahren oder gerade die eben nicht? Gemeint sein muß ja wohl ersteres.
Anders in der im Norden immer wieder gern gehörten Meldung:

"Die Fehmarnsundbrücke ist für leere LKW und Wohnwagengespanne gesperrt."
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Autofahrer am 2011-12-15, 19:46:27
Es kann wohl sein, dass der Fahrer eines Autos zugleich auch sein Halter ist, ob das Auto nun fährt oder hält.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2012-04-23, 20:06:18
mehr

Ich bin jetzt zu faul zu suchen, ob das Wort schon im Faden vorkommt, aber gerade las ich folgenden Satz und ralts eine ganze Weile über seinen Inhalt:

Es beschreibt einen Mann, der sich von seinem berüchtigten Bruder gar nicht mehr hätte unterscheiden können.

Denn in dem Text war vorher von sehr großen Unterschieden die Rede, und nun sollte sich der Mann ohne sichtbaren Anlass von seinem Bruder nicht mehr unterscheiden? Erst nach mehrmaligem Lesen ging mir auf, dass man das Wort mehr auch betont lesen kann und dass es dann den ganzen Satz in sein Gegentum verwandelt.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2012-04-28, 20:41:26
(Rekorde) fallen, d.h. steigen

Im angelienenen Spiegel steht heute zu lesen:
Während im Süden die April-Temperaturrekorde fallen, herrscht an der See Pulli-Wetter.
Was passiert mit den April-Temperaturrekorden, wenn sie fallen? Falls ich den Satz richtig verstanden habe, "fallen" die (bisherigen) Rekorde, weil sie durch höhere Temperaturen entthront werden — also steigen die Rekordtemperaturen. Dass Temperaturrekorde (sofern es sich um Höchsttemperaturen handelt) fallen, bedeutet also, dass sie steigen.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2012-05-19, 17:38:01
nehmen

Ich will mir nächsten Mittwoch einen freien Tag nehmen.
Ich verzichte daher auf die Feier mit Buffet und Freibier, denn ich will mir meinen freien Tag nicht nehmen.
Titel: Re: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: seidjäher am 2012-08-23, 22:16:44
Zwei von unseren angelsächsischen Freunden:

let
Es gibt die gängigere Bedeutung (geschehen) lassen, zulassen und eine archaische mit anderer Etymologie und teils anderer Verganenheit, die verhindern, am Eintreten hindern bedeutet.

sad
Heißt heute nur noch traurig, hieß aber ursprülng zufrieden (es ist mit satisfaction verwandt)

und noch ein deutsches:

frugal heißt etymologisch gesehen und eigelnt karg und schlicht, hat aber qua Assoziation noch in der Umgangssprache die gegentülme Bedeutung von üppig, gut, reichlich bekommen.


Im Übrigen: Ich finde Januswort eine schönere und treffendere Bezeichung als dieser umstälnde Umschrieb.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Fan am 2012-10-10, 03:30:14
ausgelassen

In unserem Fanclub wird keine Gelegenheit zum ausgelassenen Jubel ausgelassen, ich kann mich an keinen ausgelassenen Jubel erinnern.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Berthold am 2012-10-10, 12:37:05
ausgelassen

In unserem Fanclub wird keine Gelegenheit zum ausgelassenen Jubel ausgelassen, ich kann mich an keinen ausgelassenen Jubel erinnern.
Der österreichischen Umgangssprache ist in diesem Falle noch mehr chmulg:

Unter Fleischhackern kann es zu besonders ausgelassenem Gejauchze nicht nur dann kommen, wenn ein gefangener Meister endlich ausgelassen wird. Jubelschreie werden auch ausgelassen ausgelassen, wenn das Schmalz ausgelassen und somit dieser Vorgang nicht ausgelassen wird.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Fan am 2012-10-10, 13:53:05
ausgelassen

In unserem Fanclub wird keine Gelegenheit zum ausgelassenen Jubel ausgelassen, ich kann mich an keinen ausgelassenen Jubel erinnern.
Der österreichischen Umgangssprache ist in diesem Falle noch mehr chmulg:

Unter Fleischhackern kann es zu besonders ausgelassenem Gejauchze nicht nur dann kommen, wenn ein gefangener Meister endlich ausgelassen wird. Jubelschreie werden auch ausgelassen ausgelassen, wenn das Schmalz ausgelassen und somit dieser Vorgang nicht ausgelassen wird.

Nach mehreren vom König ausgehenden "Aus"-Gelassen habe ich das Licht heute einmal ausgelassen und sitze deshalb schon seit dem frühen Morgen im Dunkeln. Erst wollte ich mich daher in meinem Tun und Lassen ganz auf das Lassen konzentrieren, aber jetzt habe ich ausgelassen und gehe ans Tun.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2013-02-03, 11:30:21
Wenn in einer ersten Version eines Nachrufes die schlechten Seiten eines Verstorbenen verschwiegen, dann aber der Nachruf so geändert (http://www.spiegel.de/panorama/koch-nachruf-new-york-times-lenkt-nach-netzprotest-ein-a-881138.html) wird, dass diesem Defizit abgeholfen wird, kann man dann sagen:

Der Nachruf wurde verbessert.

?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2013-02-03, 14:44:07
Ah, die alte Ambiguität bei Aussagen, ob sich Prädikate, die auf sie angewandt werden, auf ihren Inhalt oder auf sie selbst beziehen. Als Kind hatte ich auch lange Mühe, die scheinbare Widersprüchlichkeit des Satzes Dies Urteil ist relativ schlecht, aber leider gerecht im Liedtext von Dumm gelaufen (http://www.lyricstime.com/wise-guys-dumm-gelaufen-lyrics.html) von den Wise Guys aufzulösen.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklauber am 2013-02-03, 20:43:44
Dazu gehört auch sowas:



(http://cdn3.spiegel.de/images/image-455412-galleryV9-rzjr.jpg)



Selbstverständlich ist das Bedauern hier vollkommen angebracht, da man dem Leser ja nicht bieten kann, was er sucht.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortestklaubster am 2013-07-27, 19:58:16
Wenn jemand anzügliche Bemerkungen macht, sind diese von ihrem Inhalt oft eher auszüglich.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-07-19, 07:43:14
Platzangst bedeutet Agoraphobie, umgangssprachlich aber auch Klaustrophobie.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Berthold am 2016-07-19, 13:24:54
Platzangst bedeutet Agoraphobie, umgangssprachlich aber auch Klaustrophobie.

Nun ja, bei Luft-, Gasballons und besonders dicken Menschen ist sie ein Bummserl was anderes. Da heißt sie (aber auch) Dissiliriphobie.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-07-19, 16:10:10
Den Witz hatte ich eigentlich auch noch obendraufsetzen wollen, aber mir fehlte die Muße bzw. ein gut genuges Griechisch-Wörterbuch, ein Wort dafür zu konstruieren. Gut, dass du es nun besurgst! Wie leitet sich das Wort her?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Alterla Teiner am 2016-07-19, 17:10:47
dissilire = platzen (von dis-salire = auseinanderspringen)
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-07-19, 17:26:33
Latein? Das güldet nicht. :P
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklaux am 2016-07-19, 18:31:51
Wachskerzen sind im Allgemeinen eindeutig Schrumpfkerzen, mindestens dann, wenn sie ihrem vorgesehenen Gebrauch zugeführt werden.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Berthold am 2016-07-20, 09:44:23
Latein? Das güldet nicht. :P

Aber, aber: als Terminus technicus. Na, dann sülbert's halt.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Erseht! am 2016-07-20, 11:27:59
Eine entzückende Sammlung! Nach dem Lesen der letzten Einträge hier hatte ich auch einen Selbstgegentumseinfall, den ich allerdings mit meinem Gegenwesen heftig diskutieren musste, und nun bin ich mir gar nicht mehr sicher. Was meint ihr?

gendern
"Warum steht denn da "Studenten", das hätten sie ruhig mal gendern können." (geschlechtsneutral formulieren)
"Die Bezeichnung "Krankenschwester" ist völlig grundlos gegendert." (geschlechtsspezifisch formulieren)

Ich benutze das Wort in beiden Bedeutungen, für das Wesen hat es ausschließlich die erste Bedeutung.
Ich kenne auch kein anderes Wort, das dem Muster "gendern = Gender wegmachen" folgt. "wärmen = Wärme wegmachen"? "formen = Form wegmachen"?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklaux am 2016-07-20, 12:06:29
„Müllen“ bedeutet laut Duden „a. Müll produzieren; b. Müll wegwerfen“.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklaux am 2016-07-20, 12:08:39
Hier wird er übrigens produziert:
https://www.youtube.com/watch?v=9xghq_CEG4M
Der Produzent heißt dann wohl „Müller“.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Berthold am 2016-07-20, 13:37:31
Wachskerzen sind im Allgemeinen eindeutig Schrumpfkerzen, mindestens dann, wenn sie ihrem vorgesehenen Gebrauch zugeführt werden.

Etwas unheimlich dünken mich Schrumpfköpfe (Im Jivaro: Tsantsa). "Schrumpfkopf -> Bilder" läßt irgendwie erkennen, was für ein grausiges Zeugs das Comperl sein kann; voller Gräusäme. Heimlicher sind wohl die Wachsmodelle von Schrumpfköpfen.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-07-20, 14:17:11
Eine entzückende Sammlung! Nach dem Lesen der letzten Einträge hier hatte ich auch einen Selbstgegentumseinfall, den ich allerdings mit meinem Gegenwesen heftig diskutieren musste, und nun bin ich mir gar nicht mehr sicher. Was meint ihr?

gendern
"Warum steht denn da "Studenten", das hätten sie ruhig mal gendern können." (geschlechtsneutral formulieren)
"Die Bezeichnung "Krankenschwester" ist völlig grundlos gegendert." (geschlechtsspezifisch formulieren)

Ich benutze das Wort in beiden Bedeutungen, für das Wesen hat es ausschließlich die erste Bedeutung.
Ich kenne auch kein anderes Wort, das dem Muster "gendern = Gender wegmachen" folgt. "wärmen = Wärme wegmachen"? "formen = Form wegmachen"?

Ein paar solcher Wörter gibt es schon, z.B. köpfen und flöhen. Aber stimmt schon, dieses Muster ist selten und seltsam. Von daher ist die erste Bedeutung von gendern erklärungsbedürftig, wohingegen die zweite unmittelbar einleuchtet. (Einschlägige Wörterbücher kennen übrigens keine von diesen beiden linguistischen, sondern nur soziologische und politische, Bedeutungen von to gender und gendern, aber das lasse ich hier mal beiseite.) Meine Theorie dazu ist diese: Zuerst war die zweite Bedeutung da: ein Wort mit einem Gender versehen. Das wurde dann u.a. in Kontexten verwandt, wo zuvor ein generisch gemeintes Maskulinum stand, z.B. „Wir schulden unseren Wählern Rechenschaft.“ Wenn man Wählern generisch interpretiert, hat es in diesem Sinne kein Gender. Auf der anderen Seite hat es natürlich doch ein Gender, weil das generische Maskulinum nicht wirklich existiert (http://www.sprachlog.de/2011/12/14/frauen-natuerlich-ausgenommen/). Wer diesem Problem abhelfen will, könnte zu folgender Umformulierung greifen: „Wir schulden unseren Wählerinnen und Wählern Rechenschaft.“ In einem Sinne fügt man dadurch Gender hinzu, weil man ein generisch gemeintes Wort durch zwei offensichtlich nicht generisch gemeinte ersetzt. In einem anderen Sinne nimmt man eine Genderung weg, weil der Satz als ganzer durch Nennung beider Geschlechter jetzt geschlechtsneutraler formuliert ist. Vielleicht ist auf diesem Weg in der Sprachgemeinschaft der Eindruck entstanden, gendern bedeute allgemein, etwas geschlechtsneutral zu formulieren, was sich dann als Bedeutung 1 durchgesetzt hat, wohingegen das Gendern ursprünglich (Bedeutung 2) durch Expliziternennung beider Geschlechter, wo zuvor ein „generisches Maskulinum“ stand, nur ein mögliches Werkzeug dazu war.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-07-20, 14:19:46
Latein? Das güldet nicht. :P

Aber, aber: als Terminus technicus. Na, dann sülbert's halt.

Fürwahr. ;D
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Erseht! am 2016-07-20, 14:36:22
Wer diesem Problem abhelfen well, könnte zu folgender Umformulierung greifen: „Wir schulden unseren Wählerinnen und Wählern Rechenschaft.“ In einem Sinne fügt man dadurch Gender hinzu, weil man ein generisch gemeintes Wort durch zwei offensichtlich nicht generisch gemeinte ersetzt. In einem anderen Sinne nimmt man eine Genderung weg, weil der Satz als ganzer durch Nennung beider Geschlechter jetzt geschlechtsneutraler formuliert ist. Vielleicht ist auf diesem Weg der Eindruck entstanden, gendern bedeute allgemein, etwas geschlechtsneutral zu formulieren (Bedeutung 1), wohingegen das Gendern ursprünglich (Bedeutung 2) durch Expliziternennung beider Geschlechter, wo zuvor ein „generisches Maskulinum“ stand, nur ein mögliches Werkzeug dazu war.

Hm... deine Argumentation wirkt zwar durchdacht, aber ich hatte gar nicht so sehr an "Wählerinnen und Wähler" gedacht, sondern an sowas wie "Wahlberechtigte" oder "Studierende". Ich habe das Gefühl, in solchen Kontexten häufig Kommentare zu hören/lesen wie "Boah, immer dieses Gendern, ey" oder "Wenn wir alle Studierenden ansprechen wollen, sollten wir auch entsprechend gendern".

Interessant, dass meine hochwissenschaftliche Twitterumfrage (https://twitter.com/ojahnn/status/755703792763633665) darauf hindeutet, dass die geschlechtsneutrale Lesart weniger verbreitet (bzw. naheliegend) ist. Es haben aber auch viele für eine kontextabhängige Lesart abgestummen - also tatsächlich ein Selbstgegentum.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Erseht! am 2016-07-20, 14:38:44
Davon abgesehen, muss ich meinen Verbstork sowieso noch besser trainieren, die Wörter sind also gar nicht gegendert, sondern... ge... gegornden? gegont?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-07-20, 14:45:50
Hm... deine Argumentation wirkt zwar durchdacht, aber ich hatte gar nicht so sehr an "Wählerinnen und Wähler" gedacht, sondern an sowas wie "Wahlberechtigte" oder "Studierende". Ich habe das Gefühl, in solchen Kontexten häufig Kommentare zu hören/lesen wie "Boah, immer dieses Gendern, ey" oder "Wenn wir alle Studierenden ansprechen wollen, sollten wir auch entsprechend gendern".

Schon klar. Das ist Bedeutung Nummer eins, „geschlechtsneutral formulieren“, oder? Geschlechtsneutral formulieren kann eins ja auf vielerlei Weisen, z.B. durch Doppelnennung oder eben durch von vornherein geschlechtsneutrale Wörter. Meiner Theorie zufolge hat zwar die Doppelnennung eine entscheidende Rolle dabei gespielt, gendern zu dieser Bedeutung zu verhelfen, aber das heißt ja nicht, dass es nicht auch auf andere Arten des geschlechtsneutralen Formulierens anwendbar wäre.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-07-20, 14:46:48
Davon abgesehen, muss ich meinen Verbstork sowieso noch besser trainieren, die Wörter sind also gar nicht gegendert, sondern... ge... gegornden? gegont?

Laut unserer Liste (https://verben.texttheater.net/Starke_Verben/G) gendern, garnd, gürnde, gegornden. ;D
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Berthold am 2016-07-20, 14:49:39
Zu Antwort #171:

Ein schönes Wort aus dem Aufsatze (rotes Anklicksel): Stereotypizitätseffekt. Vielleicht bis zu "der Izi" vereinfachabel - ?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Berthold am 2016-07-20, 14:59:05
Davon abgesehen, muss ich meinen Verbstork sowieso noch besser trainieren, die Wörter sind also gar nicht gegendert, sondern... ge... gegornden? gegont?

Laut unserer Liste (https://verben.texttheater.net/Starke_Verben/G) gendern, garnd, gürnde, gegornden. ;D

Sind in einer Gruppe (einem Grupp*) doch mehr Männer, dann vielleicht "gendrohren". In der Schweiz pieße hier vielleicht das Hauptwort "das Gendröhrli" in den Wortwald (-hain).

*Den Trupp gibt's ja auch. Marschieren dort mehr Mannsbilder?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklaux am 2016-07-20, 15:00:01
Davon abgesehen, muss ich meinen Verbstork sowieso noch besser trainieren, die Wörter sind also gar nicht gegendert, sondern... ge... gegornden? gegont?

Laut unserer Liste (https://verben.texttheater.net/Starke_Verben/G) gendern, garnd, gürnde, gegornden. ;D
Ich plädöre für gerdern, giarnd, giürnde, gegiornden (oder eingeniutschen dschendern, dscharnd, dschürnde, gedschornden)
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Erseht! am 2016-07-20, 15:08:40
...gendern zu dieser Bedeutung zu verhelfen...

AHA!
Ich hatte den Eindruck, deine Formulierung

Vielleicht ist auf diesem Weg der Eindruck entstanden, gendern bedeute allgemein, etwas geschlechtsneutral zu formulieren...

bezöge sich auf mich oder aufs Wesen. Aber du meintest offenbar einen eher universellen, sozusagen einen Allgemeindruck.  ;D
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-07-20, 15:19:26
Ah! :) Meine Formulur war in der Tat missverstalnd. Ich habe sie jetzt hinders künftigen Verwurrs hier Vorbeilesender edoren.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklaux am 2016-10-11, 06:27:43
Nicht ein Wort, aber ein Nebensatz, der sein eigenes Gegentum bedeutet:

In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die teilweise rechtzeitig hätten vereitelt werden können.
(Steht hier (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/chemnitz-terrorverdaechtiger-jaber-al-bakr-wollte-sich-offenbar-freikaufen-a-1116026.html).)

Je nachdem, ob man den Satzteil als indirekte Rede oder als Irrealis versteht, besagt er, dass die Taten rechtzeitig vereitelt wurden, oder eben nicht. Meiner Meinung nach erschließt sich nicht einmal aus dem Kontext zweifelsfrei, was von beidem gemeint ist (wenngleich man sicher aufgrund der Stellung des Sprechers annehmen wird, dass er die Vereitelung der Taten hervorheben wollte). Nun ja, da es sich um eine Aussage über einen Teil der Taten handelt, ist das Gegentum nur die Aussage über den anderen Teil, dessen Existenz ja auch implizit behauptet wird, und damit ist der Satz auch semantisch mit seinem Gegentum eigentlich gleichbedeutend. Ein interessanter Fall, der durch die standardsprachlich korrekte Ersetzung des Konjunktiv I durch den Konjunktiv II entsteht, wenn ersterer mit dem Indikativ gleichlautet.

Durch welche Formulierung des Nebensatzes hätte man die Zweideutigkeit des Satzes aber am elegantesten vermieden?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklaux am 2016-10-11, 06:33:48
Korrektur: Der Satz ist nicht semantisch mit seinem Gegentum gleichbedeutend, denn als indirekte Rede aufgefasst sagt er implizit über den anderen Teil, dass eine rechtzeitige Vereitelung nicht geschah (aber nicht, dass eine solche Vereitelung möglich gewesen wäre), während er als Irrealis aufgefasst über den anderen Teil sagt, dass eine solche Vereitelung nicht möglich gewesen wäre (und somit ebenfalls, dass sie nicht geschah).
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-10-11, 11:54:28
Interessanter Aspekt: Die Aussage über den anderen Teil ist eine sogenannte Implikatur (https://de.wikipedia.org/wiki/Implikatur). Ob man Implikaturen zur Bedeutung eines Satzes zählt oder nicht, hat natürlich Einfluss darauf, was das Gegentum dieser Bedeutung ist. Wenn ja, sind z.B. die Sätze (1) und (2) Gegentümer. Wenn nicht, dann nicht.

(1) Manche der Kugeln sind rot.
(2) Manche der Kugeln sind nicht rot.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-10-11, 12:00:09
Nicht ein Wort, aber ein Nebensatz, der sein eigenes Gegentum bedeutet:

In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die teilweise rechtzeitig hätten vereitelt werden können.
(Steht hier (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/chemnitz-terrorverdaechtiger-jaber-al-bakr-wollte-sich-offenbar-freikaufen-a-1116026.html).)

Je nachdem, ob man den Satzteil als indirekte Rede oder als Irrealis versteht, besagt er, dass die Taten rechtzeitig vereitelt wurden, oder eben nicht. Meiner Meinung nach erschließt sich nicht einmal aus dem Kontext zweifelsfrei, was von beidem gemeint ist (wenngleich man sicher aufgrund der Stellung des Sprechers annehmen wird, dass er die Vereitelung der Taten hervorheben wollte). Nun ja, da es sich um eine Aussage über einen Teil der Taten handelt, ist das Gegentum nur die Aussage über den anderen Teil, dessen Existenz ja auch implizit behauptet wird, und damit ist der Satz auch semantisch mit seinem Gegentum eigentlich gleichbedeutend. Ein interessanter Fall, der durch die standardsprachlich korrekte Ersetzung des Konjunktiv I durch den Konjunktiv II entsteht, wenn ersterer mit dem Indikativ gleichlautet.

Durch welche Formulierung des Nebensatzes hätte man die Zweideutigkeit des Satzes aber am elegantesten vermieden?

Knifflig. Vielleicht durch Hinzufug eines adverbialen Ergonzes, der die nicht gewünschte Lesart deplausibilisiert?

Realis-Lesart: In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die teilweise glücklicherweise rechtzeitig hätten vereitelt werden können.
Irrealis-Lesart: In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die teilweise eigentlich rechtzeitig hätten vereitelt werden können.

Nicht wirklich befriedigend. Hatten wir nicht schon einmal irgendwo fürs Neutsche etwas entwickelt, um einen eigenständigen Konjunktiv I zu entwickeln, der nicht so nervig mit anderen Formen zusammenfällt?
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklaux am 2016-10-11, 14:38:24
Interessanter Aspekt: Die Aussage über den anderen Teil ist eine sogenannte Implikatur (https://de.wikipedia.org/wiki/Implikatur). Ob man Implikaturen zur Bedeutung eines Satzes zählt oder nicht, hat natürlich Einfluss darauf, was das Gegentum dieser Bedeutung ist. Wenn ja, sind z.B. die Sätze (1) und (2) Gegentümer. Wenn nicht, dann nicht.

(1) Manche der Kugeln sind rot.
(2) Manche der Kugeln sind nicht rot.

Nun ja, es wäre zunächst die Frage zu klären, ob der Begriff "manche" überhaupt eine Bedeutung abseits jeglicher Implikatur hat. Das Gegentum von Satz (1) wäre streng genommen: Entweder gibt es unter den bezeichneten keine roten Kugeln, oder es sind so wenige, dass der Quantifikator "manche" auf die Menge nicht passt. Jedenfalls würden wir den Satz "es gibt Männer" auch nicht als Gegensatz von "es gibt Frauen" bezeichnen, obwohl (queere Gedanken einmal beiseite) der erste Satz synonym wäre mit "manche der Menschen sind männlich" und der zweite mit "manche der Menschen sind nicht männlich".

Selbstverständlich ist "manche der Kugeln sind nicht rot" im übrigen nur eine partikularisierte konversationelle Implikatur (siehe Wikipedia: Implikatur) des Satzes "manche der Kugeln sind rot", denn sonst wäre der folgende Satz in sich widersprüchlich: "Der schwarze Sack enthält viele Kugeln, und manche der Kugeln sind rot. Über die Farbe der übrigen Kugeln weiß ich nichts."
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklaux am 2016-10-11, 15:16:52
Nicht ein Wort, aber ein Nebensatz, der sein eigenes Gegentum bedeutet:

In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die teilweise rechtzeitig hätten vereitelt werden können.
(Steht hier (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/chemnitz-terrorverdaechtiger-jaber-al-bakr-wollte-sich-offenbar-freikaufen-a-1116026.html).)

Je nachdem, ob man den Satzteil als indirekte Rede oder als Irrealis versteht, besagt er, dass die Taten rechtzeitig vereitelt wurden, oder eben nicht. Meiner Meinung nach erschließt sich nicht einmal aus dem Kontext zweifelsfrei, was von beidem gemeint ist (wenngleich man sicher aufgrund der Stellung des Sprechers annehmen wird, dass er die Vereitelung der Taten hervorheben wollte). Nun ja, da es sich um eine Aussage über einen Teil der Taten handelt, ist das Gegentum nur die Aussage über den anderen Teil, dessen Existenz ja auch implizit behauptet wird, und damit ist der Satz auch semantisch mit seinem Gegentum eigentlich gleichbedeutend. Ein interessanter Fall, der durch die standardsprachlich korrekte Ersetzung des Konjunktiv I durch den Konjunktiv II entsteht, wenn ersterer mit dem Indikativ gleichlautet.

Durch welche Formulierung des Nebensatzes hätte man die Zweideutigkeit des Satzes aber am elegantesten vermieden?

Knifflig. Vielleicht durch Hinzufug eines adverbialen Ergonzes, der die nicht gewünschte Lesart deplausibilisiert?

Realis-Lesart: In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die teilweise glücklicherweise rechtzeitig hätten vereitelt werden können.
Irrealis-Lesart: In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die teilweise eigentlich rechtzeitig hätten vereitelt werden können.

Nicht wirklich befriedigend. Hatten wir nicht schon einmal irgendwo fürs Neutsche etwas entwickelt, um einen eigenständigen Konjunktiv I zu entwickeln, der nicht so nervig mit anderen Formen zusammenfällt?

Man kekünne in diesem Fall natulr auch die bemante Version verwenden:
Realis-Lesart: In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die man teilweise rechtzeitig habe vereiteln können.
Irrealis-Lesart: In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die man teilweise rechtzeitig hätte vereiteln können.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Berthold am 2016-10-11, 16:29:54
Für mich liest sich das so, als hätte eins ganze Personen vereiteln können, durch sexuelle Enthaltsamkeit, Verhütung oder so. Außerdem dünkt mich "vereiteln" hier ein alterthümelnd, leicht unklares Wort zu sein. "Ich vereit(e)le das" klingt ein bisserl g'spaßig - die Sache liest sich insgesamt geschwollen. Ich hoffe, daß ein solcherner Satz in einem Bertl-J.-Büch'l nix verloren hätte.

"Realis-Lesart: In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die man teilweise rechtzeitig habe vereiteln können.
Irrealis-Lesart: In den vergangenen zehn Jahren seien viele Taten von Deutschen oder in Deutschland lebenden Personen geplant worden, die man teilweise rechtzeitig hätte vereiteln können."

Im vergangenen Jahrzehnt sollen von Deutschen oder dort lebenden Menschen viele Taten geplant worden sein, die teilweise rechtzeitig verhindert werden konnten. "Teilweise rechtzeitig" ist hier wohl zu umständlich.
- von denen sich einige verhindern hätten lassen.
Oder so halt ...

 
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2016-12-04, 02:56:44
Das englische Verb fix kann einerseits fixieren, andererseits reparieren bedeuten. Bezogen auf Datensätze wird leicht ein fast genaues Gegenteil aus beidem: Wenn man den Datensatz, mit dem die Gemeinschaft der Forschenden forscht, einmal festgelegt, nicht mehr verändern darf, dann schließt das auch Korrekturen, also Reparaturen, aus. Weswegen ich Christopher Mannings Formulierung (http://machinelearningtext.pbworks.com/w/file/fetch/48157747/CICLing2011-manning-tagging.pdf) „a very strong current against fixing data“, wenn immer sie mir begegnet, etwas unglücklich finde…
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Erseht! am 2016-12-04, 13:36:30
Da stimme ich zu.

Ich ärgere mich ähnlich stark, wenn jemand mir sagt, irgendwas wäre eine "fixe Idee". Ich verstehe das als "festgefahrene Idee", ein Gedanke, der einen schon lange beschäftigt und von dem man einfach nicht mehr loskommt. Der Sprachgebrauch der übrigen Welt zeigt mir aber, dass es Leute gibt, für die eine fixe Idee eine eben erst entstandene Idee ist, also eine, die einem gerade mal eben fix eingefallen ist.  ???
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Wortklaux am 2016-12-05, 03:26:48
Es gibt auch im Deutschen bewegliche Feste.
Wenn man einen Tag so festsetzt, dass er besonders beweglich ist, ist es ein fixer fixer Tag.
Ebenso bedeutet fix your sports car, ein paar lockere Schrauben zu fixieren, damit das Auto fix wieder fix auf der Straße ist.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2017-07-02, 14:00:12
Der niederländische Ausdruck niet in het minst bedeutet einerseits überhaupt nicht, andererseits aber auch nicht zuletzt. Für Letzteres ist offiziell (https://onzetaal.nl/taaladvies/niet-in-het-minst-niet-het-minst) eigentlich niet het minst korrekt.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2017-07-18, 23:53:47
passen wie die Faust aufs Auge (https://de.wiktionary.org/wiki/passen_wie_die_Faust_aufs_Auge)
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Pumene am 2017-10-04, 01:13:03
Eine Wortform, die ihr eigenes Gegenteil bedeutet ist „ein Verdächtiger“. Ein Verdächtiger, abgeleitet vom Adjektiv verdächtig, substantiviert zu „der Verdächtige“, „ein Verdächtiger“, ist jemand, gegen den ein Verdacht besteht. Ein Verdächtiger, abgeleitet vom Verb verdächtigen, nämlich „der Verdächtiger“, „ein Verdächtiger“, ist jemand, der einen Verdacht äußert.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Pumene am 2018-04-23, 00:35:39
Ein Wort, das zwei verschiedene Bedeutungen hat, ist „Kümmerer“. Es ist vielleicht nicht das Gegenteil, aber entweder ist er einer, der sich kümmert, also dafür sorgt, dass es anderen besser geht (damit diese NICHT ein „kümmerliches“ Leben haben müssen), oder er ist ein Kümmerer, der selber vor sich hin kümmert, also ein kümmerliches Leben führt.
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2018-09-14, 22:52:52
Frz. hôte: Gast; Gastgeber

Engl. nonplussed: entgeistert; unbeeindruckt
Titel: Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
Beitrag von: Kilian am 2019-06-09, 14:32:53
anhalten: Der anhaltende Wind, das ist ein Wind, der nicht anhält (also nicht aufhört).