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Themen - Homer

#1
Warum gibt es in Bälde und in Gänze, aber nicht ahlne Ausdrücke von anderen Adverbien und Partikeln wie noch, nur, kaum? Ich habe da mal als Anrag ein recht ümläutiges Machwerk erdochten:

Die Wurst, die Pflicht und ich

Ess' ich in Gänze eine Wurst,
bekomme ich in Bälde Durst.
In Öfte sitz' ich sommers hier,
vor mir die Wurst, in Äuche Bier –
ein Bier in Nüre, kühl, vom Fass!
In Überäuse schmeckt mir das.

In Nüne mach ich's ebenso,
es ist in Nöche früh, erst zwo,
die Wurst in Fäste pfannenheiß,
in Schöne glänzt die Stirn von Schweiß.
In Sönste ist mir das egal,
Ich spies in Söe hundertmal.

In Blöße trank die Wurst – das Schwein! –
den Saft in Wöhle heut allein.
Das Glas ist in Beinähe leer,
ein zweites muss in Döche her.
Eins war in Hälte nicht genug,
in Käume tät's ein ganzer Krug.

Mich mahnt in Zwäre jene Pflicht:
"Ein Bier, mehr geht in Gäre nicht!"
Indes, sie spricht in Züe sacht,
ich hör in Jäe, wie sie lacht.
In Dänne trinkt die Pflicht selbdritt
mit Wurst und mir in Mäle mit.
#2
Mal etwas anderes und eine Frage an alle, die die Vergangenheit des Forums besser kennen als ich: Wurde irgendwo schon einmal über die seit etwa 35 Jahren bekannte Aufteilung der intransitiven Verben in unakkusativische und unergative sinnoren? Dahinter stehen Beobachtungen wie die, dass man zwar Das Gartentor ist verrostet umwandeln kann in Das verrostete Gartentor, aber nicht Der Fisch ist geschwommen in Der geschwommene Fisch. Umgekehrt kann man sagen Es wurde viel geschwommen, aber nicht Es wurde viel verrostet. Ich frage mich, ob das Neutsche hier produktiv werden könnte.
#3
Sprache / "lassen" und Argumentstrukturen
2015-07-05, 01:14:27
Zitat von: Kilian am 2015-07-04, 23:21:26
Zitat von: Wortklaux am 2015-07-04, 19:52:27
Ich lasse mir die Haare schneiden.
Ich lasse von Opa den Rasen mähen.
Stimmt, hier fehlt der A und steht nur ein I, vielleicht daher die merkwürdige Einsortur. Wobei ich denke, dass der A einfach elidoren ward. Denn anders, als es bei einem Modalverb der Fall wäre, reicht lassen das Subjekt ja gerade nicht an den untergeordneten Infinitiv weiter, sondern das sind hier zwei verschiedene semantische Rollen.

Ob da wirklich der A einfach elidoren ist?

*Ich lasse Opa mir die Haare schneiden scheint mir ungrammatisch oder mindestens zweifelhaft. Stattdessen würde man wohl sagen Ich lasse mir von Opa die Haare schneiden, was eine sehr seltsame Konstruktion ist, da keine Passivform vorliegt, von der die Agens-Angabe abhängen könnte. Offenbar steckt in lassen 1. das aktive "veranlassen" und 2. bereits die vorweggenommene Passivkomponente des Infinitivs, die deshalb dort nicht mehr ausgedrückt wird. Lassen wäre also = werden veranlassen. Dann wäre aber kein Platz mehr für einen A.

Aber es ist außerdem noch zu beachten, dass lassen drei Bedeutungen haben kann:

Ich lasse Opa rufen kann heißen

1. "Ich veranlasse, dass Opa gerufen wird";
2. "Ich veranlasse Opa, zu rufen";
3. "Ich erlaube Opa, zu rufen".

Dem entsprechen beim Rasenmäh-Beispiel zwei Varianten:

1. "Ich veranlasse, dass der Rasen von Opa gemäht wird" = Ich lasse den Rasen von Opa mähen.
2.+ 3. "Ich veranlasse Opa, den Rasen zu mähen" und "Ich erlaube Opa, den Rasen zu mähen" = Ich lasse Opa den Rasen mähen.

Kurios ist, dass 1. und 2. sinngleich, aber 2. und 3. konstruktionsgleich sind.

2. und 3. sind die Varianten mit A. Ich weiß nun nicht, inwieweit es vorzuziehen ist, ein 1. Ich lasse den Rasen mähen als elliptische Form von 2./3. Ich lasse Opa den Rasen mähen aufzufassen, statt anzunehmen, dass innerhalb von 1. beim "Passiv-Lassen" eine Agens-Angabe wie von Opa fehlt.
#4
Autologische oder homologe Wörter sind solche, die die Eigenschaft, die sie bezeichnen, selbst aufweisen, so dass gilt: "A" ist A. Beispiele:

deutsch ist deutsch
dreisilbig ist dreisilbig
pentasyllabisch ist pentasyllabisch
endungslos ist endungslos
achtzehnbuchstabig ist achtzehnbuchstabig
geläufig ist geläufig
lesbar ist lesbar
Substantiv ist ein Substantiv
adjektivisch ist adjektivisch
Dvandva ist ein Dvandva

Mein Verdacht ist nun, dass wir hier im Vergleich zum Standarddeutschen autologischer unterwegs sind:

gestorken ist gestorken – gestärkt ist nicht gestärkt
stottotorten ist stottotorten – gestottert ist nicht gestottert
gezoooomen ist gezoooomen – gezoomt ist nicht gezoomt
verrocken ist (vielleicht) verrocken – verrückt ist (sicher) nicht verrückt
Ein Beispiel für einen Kopfsprung ist "Kopfsprung" (Agricola in seinem Gründungspost zu dem Faden)
Labenz ist ein Labenz

Sicher lassen sich leicht noch mehr Beispiele finden.

Das nur als Ausblick auf eine künftigen Generationen vorbehaltene Erforschung der Sprache der GSV.
#5
[EDIT Kilian: Diesem Thema seiner Interessanz und Größe wegen einen eigenen Faden und Arbeitstitel gegeben]

Gestern sug der Fußballkommenteur: (Der Schiedsrichter) wird assistiert von den Linienrichtern ...

Das ist wohl analog zu folgen konstru georen, bei dem gefolgt von seit langem fest eingebriurgen ist, wohl in Anlahn zunächst an frz. suivi par und jetzt eher engl. followed by. Auch unterstützen käme als Vorlage in Betracht.

Frage: Kennt ihr noch mehr intransitive Verben mit Dativobjekt, von denen – wenigstens hin und wieder in salopper Sprache – ein solches persolnes Passiv gebolden wird? Hier werden Sie geholfen aus der Wurb zählt ja wohl nicht.
#6
Sprache / Kasussynkretismus
2015-05-26, 13:32:02
[EDIT Kilian: Diesem Thema seines großen Potenzials wegen einen eigenen Faden gegeben]

Folgenden Satz las ich heute in einer studentischen Hausarbeit:

Er zählt die Bälle, die ihm gelingen, aufzufangen. (Zweites Komma original.)

Offenkundig ist das ungrammatisch. Das Relativpronomen ist hier Nominativ. Aber auch mit dem in Analogie zu ihm gelingt es, die Bälle aufzufangen zu erwartenden Passiv

Er zählt die Bälle, die ihm gelingen aufgefangen zu werden

wird es nicht besser. Die beste Annäherung an einen möglichen Relativsatz scheint mir daher die akkusativische Variante

Er zählt die Bälle, die aufzufangen ihm gelingt,

was mir aber irgendwie immer noch nicht ganz einwandfrei scheint.

Fragen: Sehr ihr das anders? Wenn nein, warum ist da etwas leicht krumm? Und in welchem Faden wurde das schon diskutiert (denn wie ich euch kenne, gab es das schon)?
#7
[EDIT Kilian 2015-03-04: Thema getielen und Titel geornden.]

Zitat von: VerBot am 2015-05-02, 23:57:09
Kilian hält dagegen, dass psycholinguistische Studien konsistent belegen, dass das Maskulinum heutzutage nicht geschlechtsneutral verstanden wird, unabhängig davon, wo es sprachgeschichtlich herkommt.

... wogegen sich wiederum allerhand sagen ließe (vor allem gegen die Vorstellung, dieses Argument sei, selbst wenn es stimmt, irgendwie relevant für die Frage der sprachlichen "Geschlechtergerechtigkeit") ...

#8
Neue Ideen / Enklaven der Schwäche
2013-04-13, 09:50:19
Anlalß der jüngsten PerVers stoll ich den Ältergedenenen die Frage, warum es Verben wie bringen, denken, mögen und vor allem – ganz große Nummer – haben immer noch gestutten ist, Enklaven der Schwäche im Neutschen zu bilden, indem sie sich hinter ihrem Unregelmaß verschanzen und so Stärke vortäuschen, die sie gar nicht besitzen. Ich donk, das Thema memüsse schon in den Sturm- und Drangjahren der GSV eingehend beholnden worden sein und der Status quo sei womolg durch ein Machtwort des großen Sprachführers, Titan der Titanen, Licht, das selbst den Duden überstrahlt, in Beton gegossen worden. Aber ich kann nichts finden. Weise mich doch bitte jemand auf den einschlägigen Faden hin, und wo es den nicht gebe, so sei es mir erluben, die Ausmurz dieser Überreste des Ancien Régime, dieser Pfähle im Fleisch der GSV antzuberagen.
#9
Kultur / Vergleichsweise dumme Ducht
2012-07-20, 10:33:37
2 komparativ-kalauernde Kompositionen:

herr meyer

herr meyer fühlt sich leicht, weil leer,
doch morgens ist er lehrer.
vor lauter lehre scheint ihm dann
sein dasein gleich viel schwerer.

am morgen ist herr meyer schlicht,
am mittag wird er schlichter.
und wenn es nichts zu schlichten gibt,
gibt er den strengen richter.

am mittag ist herr meyer träg,
am abend wird er träger.
dann ist ihm keine last zu schwer,
dem tragrekordejäger.

herr meyer ist sonst nicht ganz dicht,
doch trinkt er, wird er dichter,
so dicht, daß, ist die Zunge schwer,
den reimen gibt gewicht er.


für

das wörtchen für seit alter zeit
stand neben dem akkusativ.
nie war der dumme kasus weit,
da protestierte es und rief:

"im schatten steh ich, winzig klein,
das nomen strahlt im hellen glanz;
doch fortan will ich fü(h)rer sein,
ja, besser noch, will voll und ganz

als fürst gebieten jedem fall,
will wortgewalt uneingeschränkt,
das recht zu beugen überall."
nicht immer kommt es, wie man denkt:

der wesfall ließ das für im stich,
der wemfall hat ihm nicht pariert.
die treue hielt ihm lediglich
der wenfall, den es jetzt – regiert.
#10
Späße / K(ommerzi)alauer
2012-07-10, 14:44:59
Haben wir eilgent schon einen Faden für kalauernde Namen von Geschäften, Produkten und dergleichen? Frisiersalons sind da bekalnnt ganz vorne, die heißen Haargenau, Schnittstelle, Fönix usw. Gut fand ich bei meinem letzten Besuch in Marburg auch den Optiker Neusehland. Jetzt macht mich meine Gemahlin auf den Kosmetiksalon Strafftat aufmerksam. Gibt es offenbar in Mannheim.

Ich nehme an, wenn man dort in den Straffvollzug will, muss man einen Straffantrag stellen.
Dazu sollte man allerdings straffmündig sein.
Das Angebot ist im Straffkatalog niedergelagen, der in der Fußgängerzone auf Straffzetteln unters Volk gebracht wird.
Geworben wird mit Straffanzeigen. Der Hauptslogan heißt: "Straffe muss sein!"
Wie der Straffprozess genau abläuft und welche Straffverfahren angewandt werden, weiß ich auch nicht. Vielleicht genügt ein straffender Blick?
Aber Kunstfehler sind straffrechtlich relevant.
Wenn man strafffrei ausgeht, ist das ein Beschwerdegrund. Außer bei Cellulite, die ist nicht straffbar.
Der Laden hat übrigens noch eine Straffkolonie in Karlsruhe.
#11
Sprache / GSV – Sektion Hibernia
2010-09-02, 23:46:09
Eigelnt wewull ich euer molgst von lateinischem Klugschiß verschonen, aber ich kämpfe mich gerade durch einen Grammatiker des 7. Jahrhunderts, einen irren Iren (vermult), in dem man fulg einen lateinischen Urahnen der GSV erblicken kekünne, nalm den hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Virgilius_Maro_Grammaticus. Amarillo ermornt mich gegen meine schamhaften Bedenken, die eine oder andere Lesefrucht den geniegenen Sozii zum besten zu geben, weshalben ich hier einen neuen Faden eronff, auf daß die weniger dem Latein zugeniegenen sich fürderhin der Anstur dieses Ortes entschlagen kekünnen. Ich werde hier gemült vor mich hinbloggen, wie's die Lektüre gerade so mit sich bringt. Vielleicht habt ihr ja auch euren Senf dazuzugeben.

Teil I folgt in Kürze.
#12
Sprache / sich verloben und dergleichen
2010-03-01, 13:34:17
"Ich habe mich verwählt."
"Ich habe mich verlaufen."
"Ich habe mich versprochen."

Diese Ausdrücke kennen wir ja alle, sie bedeuten "ich habe falsch gewählt" usw. Das kann man mit jedem Verb (sofern es ein Simplex ist) machen, wenn man will: "Ich habe mich versotten/vermahlen/verstrichen/verforscht ..."

Manche dieser Ausdrücke sind nun lustigerweise als Reflexiva eigentlich semantisch schon für anderes reservoren. Aber warum sollen wir es dabei belassen? Also:

"Ich habe mich verlobt." ("Hans singt doch nicht so gut, wie ich behauptet habe. Da habe ich mich verlobt.")
"Ich habe mich versündigt." ("Ich hätte lügen sollen statt Ehebruch zu begehen. Da habe ich mich versündigt.")
"Ich habe mich verantwortet." ("Tut mir leid wegen der Auskunft auf deine Frage. Da habe ich mich verantwortet.")
usw.

Und ebenso:
"Tut mir leid, daß ich zu spät komme", sagt der Hase, "ich habe mich verrammelt."
"Tut mir leid, daß ich zu spät komme", sagt die Schlange, "ich habe mich verkrochen."
"Tut mir leid, daß ich nicht geklungen habe, wie ich sollte", sagt der Feuerwerkskörper, "ich habe mich verknallt."
"Wen habt ihr denn da aus Seenot gerettet?" "Tut uns leid, wir haben uns verborgen."
"Ich hätte den Spaziergang nicht hierhin machen sollen. Ich habe mich verwandelt."
"Der Teppich ist mir mißlungen. Da habe ich mich verknüpft."
"Briefmarken sind nicht das Richtige für mich, ich hätte Münzen nehmen sollen. Da habe ich mich versammelt."
"Ich wußte die Antwort nicht, aber B wäre besser gewesen", sagt der Quizshow-Kandidat, "ich habe mich verraten."
"Tut mir leid wegen der falschen Eidesformel. Ich habe mich verschworen."
Besonders verrückt: "Ich habe bei der Auswahl des Irrtums keine glückliche Hand gehabt. Ich habe mich verirrt."
usw.

Was mir auf Anhieb noch so einfällt:
sich verändern, sich verbiegen, sich verbinden, sich verbrennen, sich verbrühen, sich verbürgen, sich verdrehen, sich verdrücken, sich vereinigen, sich verhalten, sich verheiraten, sich verkaufen, sich verkehren, sich verkleiden, sich verkrümeln, sich verlagern, sich verlieben, sich vermehren, sich verneigen, sich verschieben, sich verschließen, sich verstecken, sich verstehen, sich verstellen, sich verstricken, sich vertragen, sich verwahren, sich verweigern, sich verwenden, sich verzahnen, sich verzehren, sich verziehen.

Viel Spaß beim Ersinnen von lustigen Sätzen damit. Und wer bietet mehr?