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#61
Kultur / Re: 2 Balladen
2020-09-11, 23:38:33
2. Frommer Vorsatz eines Kolosseumslöwen

Von Wimpeln, roten, grünen, blau-
en fiallen sich die Ränge,
Es drong sich schon, den Kampf zu schau-
en, dicht die Menschenmenge.
Der Leute Warteschlange stund
Begierig neuer Kunde,
Man run sich zu des Wartens Grund,
Es wornd von Mund zu Munde:

Für Missetaten solle ein
Verbrecher schwer bezahlen,
Doch schaffe dies dem Löwen Pein
Und große Seelenqualen.
Der habe Lust am Töten zwar,
Doch hab' er auch Gewissen.
Und dieser beider Mosch ist wahr-
lich ordentlich beschissen.

Des Löwenschmerzes Ursach' war
Durch Meldungen beschoren,
Es werde besser vegetar-
'sche Kost als Fleisch verzohren.
Das brachte nun die Löwenpsy-
che ordentlich ins Wanken,
Und selbigen auf ganz schön grü-
beldüstere Gedanken:

»Ich brauche dringend Fleischverzicht,
Muss mein Gewissen stillen;
Und bräucht' ich solchen zusalz nicht
Auch um der Umwelt willen?
Es wird nicht bloß der Erderworm
Sich dadurch widersotzen,
Nein, auch dem Leibe wird enorm
Gesundheitlich genotzen.

Das ganze rohe Fleisch ist nicht
Im mindesten gesund.
Es führt zu fürchterlicher Gicht:
So lautet der Befund,
Den Stund' um Stunde viele wah-
re Studien beweisen.
Und außerdem schmeckt Gladia-
tor meistens eh nach Eisen.

Ja, wär' das Zeug doch wenigstens
Ganz anständig gerusten,
Garnor'n – nach Kiehnles Kompetenz
- mit Marinadenkrusten,
Mit Rosmarin und Thymian!
Ansonsten ess' ich wohl
Viel lieber doch mit Parmesan
Geworz'nen Blumenkohl.

Und fest wie dieses wunderba-
ren Kolosseums Wände,
Erbaut für lange Zeit von Scha-
ren arbeitsamer Hände,
So unberückbar steht mein Vor-
satz, fest und ohne Schwanken.
Und dies ist, was ich selbst mir schwor
Bei meinen beiden Pranken:

An sechsen Tagen in der Wo-
che fress' ich nur noch Heu,
Denn letzten Endes bin ich doch
Ein flexitar'scher Leu.
Und Menschen fress' ich nur noch frei-
tags, und auch niemals fette,
Den Rest der Woche reicht mir ei-
ne Proteintablette.

Zwar mag ich Töten durchaus sehr,
Umjolben von den Massen,
Doch gibt es eben noch viel mehr
Der Gründe, es zu lassen.
Ja, wirkt nicht alles, was man mag,
Noch tausendmal so gut,
Wenn solcherlei in sieben Ta-
gen man nur einmal tut?«

Alsdann begann das Tunnelgit-
ter langsam sich zu heben,
Und unter lautem Johlen schritt
Der Leu dem Licht entgegen,
Schritt zur Arena rasch hinan
In absoluter Ruh',
Und ohne Zögern griff er dann
Mit vollen Pranken zu.

Den armen Menschen griff das kal-
te Grauen; schwer entsotzen
Ward durch den Leuen er alsbald
Ganz blitzeblank verpotzen.
So mancher sich nun fragen mag:
Was soll denn diese Wende?
- Nun ja, so wisst, am nächsten Tag
Begann das Wochenende...
#62
Kultur / 2 Balladen
2020-09-11, 23:34:48
Hallo,
ich habe mich jetzt auch einmal an neutscher Ducht versoochen und memönke die Resultaten hier einfach mal hinschreiben. Das erste ist vom Reimigkeiten-Faden mitinspiroren. Ich fröe mich sehr über Reaktionen:

1. Die Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmütze

Des Donaudampfschifffahrtsgesell-
schaftskapitänes Mütze
Fiel flugs von dem nicht allerhell-
sten Kopf in eine Pfütze.
Doch der kekunn vor Ekel kaum
Zum Aufhub sich entschließen;
So lag im Dreck sie noch gerau-
me Zeit zu Seemannsfüßen.

Und als der Kapitänsanwär-
ter endlich sich entschlossen,
Da riss sie eine Bö – wie är-
gerlich! - ihm aus den Flossen,
Und trieb die Mütze bis nach Rü-
gen nordwärts vor sich her;
Des Kapitänes Hände blie-
ben dreckig – aber leer.

Hoch oben über Rügens Krei-
defelsenkalksteinklüften,
Da warlb herum die blaue, klei-
ne Mütze in den Lüften.
Und kaum war trocken sie durch Bö
Und warme Sonnenstrahlen,
Da schnupp sie eine dreiste Mö-
we, ohne zu bezahlen,

Und schlapp das Diebesgut zu ih-
ren Küken; die zerruffen
Die Mütze – doch nur fast, denn sie
War vorher knapp entschluffen,
Schlotort die Klippen dann ratzfatz
Hinab bis an den Strand,
Wo endlich einen ruhigen Platz
Zur Ausruhe sie fand.

Allhier gefiel es ihr zwar jet-
zo eigentlich ganz gut,
Doch nach der Ebbe kam – wer hätt's
Gedacht – auch wieder Flut.
Und so wurd' Donauseide, sehr
Von Mondeskraft bewogen,
Erst weit, dann weiter, weiterer
Ins Meer hinausgezogen.

Da trieb die Mütze traurig zwi-
schen Quallen, Plastiktüten,
Vergulmmenen, verful'nen Fi-
schen, alten Bootskajüten;
Die hingen mit vergulb'nem Lack
In riss'gen Fischernetzen,
Und stiemen wohl von einem Wrack,
Das einst mit wen'gen Schätzen

Versunken war im Abfallmeer.
Der einz'ge Schatz des Schiffes,
Ein Teppich, leider nur aus Schwer-
öl, hing am Rand des Riffes.
Der Donaumütze blauer Glast
Begann schon zu verbleichen,
So fiohl sie sich im Mülle fast
Wie unter ihresgleichen.

Und als der Kopfbedack so trieb
Voll Trübsal die Gedanken,
So wisst, dass keineswegs er blieb
Sehr lang im Wellenschwanken.
So hört denn nun die traur'ge Mär!
(Doch sei es unverhohlen:
Es ist ja alles ohn' Gewähr.)
Und so ward's mir erzohlen:

Es kam ein Weißer Hai, der schlock
Das Hutwerk mit Verlangen,
Noch eben frei und jetzt – o Schreck!
– in einem Hai gefangen!
In dessen Magen fand sich schnell
In widerlicher Grütze
Des Donaudampfschifffahrtsgesell-
schaftskapitänes Mütze.
#63
Zitat von: ku am 2020-09-06, 11:55:41
Ich meine, 1625 = Heuer

Genau, das ist es.
#64
Bei 1624 ist es nicht das gemienene, passt aber auch gut; 1625 ist auch nicht gemienen.

1626 (und vielleicht 1627) ließen sich vielleicht auch besser als Kopfsprung klassifizieren, bin mir mit der Unterschied manchmal noch nicht so sicher.
#65
Zitat von: ku am 2019-04-27, 21:20:51
1620 Wasser- und Honig- Spender

Metha(h)n? (dann wären die beiden Wörter, wie eine kurze Nachschu ergab, sogar tatsalch entfernen verwunden)

1621 beschreibt den Zustand des Nicht-Veröffentlicht-Seins
1622 Ausruf, ob dessen sich Rentner modern fühlen
1623 An- und Absatzpunkt beim Schrieb eines bestimmten Buchstabens
1624 Steigerungsform eines anderen Buchstabens
1625 Steigerungsform gemähten Grases
1626 adliger Leser einer monatlich erscheinenden Zeitschrift
1627 umgangssprachlicher Bezinch des Rückstrahlens an polorenen Glasflächen
1628 Seemann auf einem Straßenkreuzer
1629 Gebäude in einem barocken Schloss, in dem vorösterlich die Pferde untergebrungen waren

Hoffe, dass es die noch nicht gegeben hat...
#66
Neue Ideen / Reduplikative Verben
2020-08-31, 14:13:26
Hallo,

vor Kurzem stoll ich fest, dass das englische Wiktionary (welches übrigens ziemlich gut ausgebauen scheint) die Molg (stimmt das so?) bietet, Verben nach ihrer Ablautreihe zu durchsuchen, und über ,,Category:Proto-Germanic class 7 strong verbs" stieß ich auf eine ganze Reihe interessanter ehemals reduplizierender Verben, die ich hier mal erwähnen möchte (jeweils ein wenig modernisoren):
u. a.:
drehen – dedroh - gedran
falten – fefiehlt - gefalten
fangen – fefing – gefangen: Die Vögel verfefingen sich in den Fangnetzen.
flehen – feflieh – geflehen
halten – hehielt – gehalten: Der Bus hehielt mit quietschenden Reifen. Das behehielten wir lieber für uns.
hängen – hehing – gehangen: Lange Mäntel hehingen an den Haken.
krähen – kekräh – gekrähen
laufen – helief (lelief?) - gelaufen
mähen – mahm – gemahn
nähen – nahn – genahn (noch schöner wäre wohl: nenan – genanen)
salzen – sesielz – gesalzen: Soviel ich auch feflieh, niemand sesielz die fade Speise nach.
scheiden – scheschied – geschieden
schlafen – seschlief (scheschlief?) - geschlafen
schleifen – seschliff (scheschliff?) - geschliffen
schroten – scheschriet – geschroten
spalten – spespielt – gespalten
stoßen – stestieß – gestoßen
walzen – wewulz – gewalzen
waschen – wewusch – gewaschen
wehen – wahw – gewahn

Vielleicht stößt ja die eine oder andere Form auf Interesse...