Autor Thema: Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb  (Gelesen 29886 mal)

Arnymenos

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Lange bekannt als -ieren kommt es nun zu seinem Recht, ein eigenständiges Wort zu sein. Ich darf vorstellen:

ieren

ich iere, du ierst, er/sie/es iert, wir ieren, ihr iert, sie ieren
ich or, du orst, er/sie/es or, wir oren, ihr ort, sie oren
(Konjunktiv enstprechend mit Umlaut)
georen

Und weil es so nützlich ist (wie wir gleich sehen werden), darf auch abgekürzt werden:

chiere, d'ierst, er/sie/es iert, wieren, riert, sieren
chor, d'orst, er/sie/es or, woren, rort, soren
(Konjunktiv enstprechend mit Umlaut)


Wofür brauchen wir das? Gehen wir die Sache von ganz wo anders an. Trennen wir von den Verben auf -ieren alles vor der hauptbetonten Silbe ab. Dann erhalten wir ein schönes initialbetontes Verb, obiges ieren. Der Rest ist erstmal eine abtrennbare Vorsilbe, dann aber auch eine Art Verbalsubstantiv, die sich mit dem Hilfsverb ieren zu vielen Bedeutungen verbindet. Solche Substantive sind:

Transpir, Manipul, Kasch, Programm, San, Filt(e)r, Kast(e)r, Initialis, ...

und auch: "Verl"!

Sie sind im Zweifelsfalle sächlich und haben die Bedeutung des ehemaligen Wortes auf -ierung. Damit sind wir auch diese Doppelendler los.

Dann heißt es: "Ich habe Transpir georen", "Ich iere den Haushalt San" etc. Bleibt zu überlegen, ob das wirklich Substantive sind, oder nicht einfach nur Partikel.

Kilian

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #1 am: 2005-02-28, 21:26:25 »
*iert Applaud* :)

gehabt gehabt

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #2 am: 2005-03-01, 08:53:35 »

Und weil es so nützlich ist (wie wir gleich sehen werden), darf auch abgekürzt werden:

chiere, d'ierst, er/sie/es iert, wieren, riert, sieren
chor, d'orst, er/sie/es or, woren, rort, soren
(Konjunktiv enstprechend mit Umlaut)


 nicht einfach nur Partikel.

gehabt gehabt

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #3 am: 2005-03-01, 08:56:41 »
Sorry, habe vor lauter Zitieren den Text vergessen:

chiere ist nicht uebel. Es erinnert an die Aufforderung an einen Rheinlaender einen Satz mit "Schakal" zu bilden:

Schakal F"oss     (Ich habe kalte Fuesse)

und danach einen Satz mit Schabau (rhein.=Schnaps)

Schabau kal F"oss   (Ich habe ich kalte Fuesse).



Plural von Partikel = Partikeln

gehabt gehabt

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #4 am: 2005-03-01, 15:08:58 »
Die Anzahl meiner Tippfehler ist ja untolerabel:
Ich habe auch kalte Fuesse.    

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #5 am: 2005-03-01, 15:45:36 »
Es söllen Substantive sein, wir wollen sie ja stärken und von -lichkeit, -heit, -ung, Ge- und -ierung befreien.
Nieder mit dem Normen Ieren!

MrMagoo

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #6 am: 2005-03-01, 23:05:33 »
Zitat
und auch: "Verl"!

Die beiden aus dem Germanischen ererbten Worte (ver)lieren und frieren (gibt's noch mehr??) sollten aber von dieser Regelung ausgenommen werden, da sie nicht auf das Suffix "-ieren" zurückgehen, sondern ganz eigene Stämme sind.
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
(Gottfried von Straßburg)

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #7 am: 2005-03-01, 23:09:26 »
Zitat
Und weil es so nützlich ist (wie wir gleich sehen werden), darf auch abgekürzt werden:

chiere, d'ierst, er/sie/es iert, wieren, riert, sieren
chor, d'orst, er/sie/es or, woren, rort, soren
(Konjunktiv enstprechend mit Umlaut)


Müssen wir denn den Thommies alles nachmachen?
Es reicht doch schon, wenn wir in der Inversion abkürzen!  ;D
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
(Gottfried von Straßburg)

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #8 am: 2005-03-01, 23:10:52 »
Ich iere Frrr!
Die reinste Onomatopoesie!

Kilian

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #9 am: 2005-03-01, 23:10:54 »
gieren, schmieren, stieren, zieren. Auch die alle sollten m. E. unter diese Regel fallen, da das Herstellen unvorhandener Verbindungen, falsche Analogieschlüsse etc. zu den produktivsten Mechanismen des Verbenstärkens und anderen Sprachnonsens gehören.

Kilian

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #10 am: 2005-03-01, 23:14:13 »
Noch eins: lieren, kölsch für lernen. (Zumindest das Partizip II jeliert ist hier belegt.)

MrMagoo

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #11 am: 2005-03-01, 23:15:33 »
gieren, schmieren, stieren, zieren. Auch die alle sollten m. E. unter diese Regel fallen, da das Herstellen unvorhandener Verbindungen, falsche Analogieschlüsse etc. zu den produktivsten Mechanismen des Verbenstärkens und anderen Sprachnonsens gehören.


Jep, auch die - mir fielen nur die beiden bekannten, heute noch starken Verben ein. :)

gieren - gor - gegoren (hmm... seh' ich da einen Zusammenhang mit gären?).
schmieren - schmor - geschmoren
stieren - stor - gestoren
zieren - zor - gezoren
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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #12 am: 2005-03-01, 23:17:08 »
Noch eins: lieren, kölsch für lernen. (Zumindest das Partizip II jeliert ist hier belegt.)

Stärken!! --> lieren - lor - geloren  ;D
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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #13 am: 2005-03-01, 23:28:09 »
Lass uns bei gieren und schmieren im Präteritum aufs a ausweichen.

Es gor in mir,
ich gar nach Essen,
also gur ich eine Möhre,
schmur mir Zwiebeln
und schmar ein Brot.

Und auch bei zieren, weil dann ein Bezug zu russichen Herrschern drin ist, die ja damals auch nicht immer völlig ungezoren durch die Gegend stolzoren sein därfen. ;)
« Letzte Änderung: 2005-03-01, 23:28:26 von Kilian »

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Re:Verbalsubstantive, trennbare Vorsilben und ein Rundumverb
« Antwort #14 am: 2005-03-01, 23:49:21 »
Lass uns bei gieren und schmieren im Präteritum aufs a ausweichen.

Es gor in mir,
ich gar nach Essen,
also gur ich eine Möhre,
schmur mir Zwiebeln
und schmar ein Brot.

Und auch bei zieren, weil dann ein Bezug zu russichen Herrschern drin ist, die ja damals auch nicht immer völlig ungezoren durch die Gegend stolzoren sein därfen. ;)

Ich verführe bei gieren und gären genau andersherum:

gieren - gor - gegoren (nach 'frieren')
gären - gar - gegoren (nach 'gebären')
---> hat den Vorteil, daß man mit gar dann das Adverb gar (fertiggekocht) in Zusammenhang bringen kann :)

Bei "zieren" wäre ich einverstanden, doch schmieren will nicht so wirklich gut klingen... wie wär's mit
schmieren - schmor - geschmoren und
schmoren - schmier - geschmoren?

Dann könnte man von 'schmier' auch noch ein Kausativ "schmieren" (= schmoren machen, ankokeln) ableiten. Dieses wäre dann natürlich schwach.:)
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