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Begonnen von Le soleil, 2006-02-07, 20:42:05

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Le soleil

Bonjour an alle! Bonjour an all meine "amis"...
(Bin ein bisschen in Französisch-Ekstase)
Ich finde, (nicht nur im Deutschen) die Sprache "zieht Männer vor". Ich bin kein Feminist, aber ich denke, ach, guckt am besten auf dieses Beispiel, das folgt:
"Ich bin jemand, der viel quatscht.", sagte Nina.
Nun, wenn ich den Satz sehe denke ich:
Hä? Wieso gibt es keine weibliche Form von dem Indefinitpronomen (Ist das richtig?) "jemand" ?
Das grenzt, würde ich meinen, ein bisschen an Sexismus...
( Im Französischen ist das zum Teil der Fall, denn wenn man jeweibden  ;D nennen möchte, sagt man anstatt <<quelqu'un>> <<quelqu'une>>, aber das heißt noch nicht, dass die französische Sprache besser ist als die deutsche, denn man denke an ils, wenn Mann und Frau gemeint sind...)
Also würd ich mal sagen, dass es exotischer wäre, wenn es z.B.
Formen nur für Frauen gäbe, oder denk ich da falsch?
Und wenn wir schon dabei sind, gibt es wirklich ein Indefinitpronomen namens "frau" ? das hört sich so gut an:
Wenn frau ein Kind zur Welt bringt, muss sie viel erleiden.
Damit war es für das erste, ne?
Also
"Au récrire, n'est-ce pas?"
Bonjour, tout le monde!
Je veux trouver cela, mais je ne peux pas...

amarillo

Mais oui, mon ami(e), ça existe.
Es soll Leute geben, die ihre Bücher bereits mit solchen Formen verfaßt haben.
Daß das alles so männlich geworden ist, hat wohl weniger mit der Sprache aus linguistischer denn aus sozial-historischer Sicht zu tun.
3000 Jahre Patriarchat - das prägt!
L'homme - der Mensch und der Mann, als sei la femme unmenschlich.
Hau' rein, erfinde die passenden exotischen Formen für die Frauen.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Ku

Bei der Gelegenheit kann man vielleicht auch mal klären, warum es im Französischen Der Sonne und Die Mond heißt.  

amarillo

Oder im Deutschen le lune und la soleil. Das habe ich auch nie so recht begriffen.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

VerbOrg

Ich schätze, wie Deustchen stehen da mit der Genus-Zuordnung ganz schön einsam da.

Wenn sich der Engländer auf die Sonne bezieht, ist's auch "he", der Mond dann "she". (Auch eine Sache, die ich nie verstand, wie kommt's dass Sonne und Mond nicht - wie alles andere auch - sächlich sind?)

Das russische солнце (=Sonne) ist männlich, луна (=Mond) ist weiblich.

Gibt es außer der deustchen Sprache weitere, die genau anders herum verfahren als die bisher erwähnten Fremdsprachen?

Kilian

#5
Gut beobachtet, Le soleil.

Das Indefinitpronomen jemand hat an sich kein Geschlecht, sondern ist in Numerus und Genus unbestimmt. Ein Problem tritt aber auf, wenn man einen Relativsatz anhängt, wie in deinem Beispiel mit Nina, oder später mit einem Personalpronomen auf die Person Bezug nimmt, die sich hinter jemand verbirgt. Da man das Geschlecht nicht kennt, böte sich eigentlich das Neutrum an, das wird aber wohl für Personen als zu abwertend empfunden. Also sagt man z.B.:

(1) Wenn jemand hier rein will, muss er zuerst seine Schuhe ausziehen.

Wenn der/die/das Sprech/er/in weiß, dass "der Jemand" eine Frau ist, wird später durchaus auch mal mit weiblichen Pronomina Bezug auf sie genommen:

(2) Da steht jemand an der Straßenecke. Sie scheint zu frieren.

Wenn man es aber nicht weiß, plädiere ich für die Aufwertung des Neutrums:

(3) Da steht jemand an der Straßenecke, das zu frieren scheint. Jetzt schlägt es sich seinen Kragen hoch.

ZitatAlso würd ich mal sagen, dass es exotischer wäre, wenn es z.B.
Formen nur für Frauen gäbe, oder denk ich da falsch?

Eindeutige Formen für Frauen gibt es ja zumeist. Das ist Teil des Problems, denn es gibt keine eindeutigen Formen nur für Männer bzw. keine eindeutigen Formen für beide. Das beliebte Extrembeispiel ist, dass eine Gruppe von say zehn Frauen und einem Mann im Französischen im Prinzip mit ils bezeichnet werden muss, weil das männliche Genus sowohl für rein männliche als auch für gemischte Gruppen gilt, während das weibliche eindeutig ist, aber nur auf wenige Fälle zutrifft. Im Deutschen sind wir relativ fein raus, wir haben das Neutrum in der Hinterhand, das wir hervorholen und aufwerten könnten... :)

Das Pronomen frau halte ich für eine Problembeschaffungsmaßnahme. Man kann man nichts Sexistisches vorwerfen, außer dass es zufällig wie Mann klingt, aber
1.) so klingt - also bitte! Da sind wir dann bald bei jenen Feministinnen, die sich nicht Mitglieder, sondern Mitfrauen nennen, weil ihnen Mitglied zu männlich klingt, fragt jetzt nicht, warum.
2.) da bei deutschen Substantiven im Singular Artikelpflicht herrscht, sind Verwechslungen zwischen man und mann ausgeschlossen. Humorige Verrenkungen, notorisch in Billigkolumnenanfängen wie "Wenn man(n) oder besser besagt frau..." auftretend, gehören auf die sprachliche Mülldeponie.

Kilian

Zitat von: VerbOrg in 2006-02-07, 22:02:35Wenn sich der Engländer auf die Sonne bezieht, ist's auch "he", der Mond dann "she". (Auch eine Sache, die ich nie verstand, wie kommt's dass Sonne und Mond nicht - wie alles andere auch - sächlich sind?)

Doch nur in semi- bis poetischen Personifizierungen wie auch bei Schiffen (she), oder? Wenn unser Sterngucker gehabt gehabt einen englischen Fachaufsatz schreibt, wird er wohl it benutzen.

VerbOrg

#7
Sterngucker gehabt gehabt bezöge das ja auch nicht zwangsläufig auf die Sonne unseres Sonnensystems oder den Mond als Erdtrabanten.
Und wenn doch, klänge es wohl trotzdem ein bisschen komisch, wenn man in wissenschaftlichen Abhandlungen den Himmelskörpern eine derartige Personifizierung angedeihen ließe.

Kilian

Stimmt, er würde womöglich auch nicht von the sun und the moon schreiben, sondern von Sol und Luna oder gar irgendwelchen astronomischen Zahlenketten. ;D

Ku

Wobei ganz bestimmt nicht die Gefahr bestünde, dass er sich vertöppe.

amarillo

Wo steckt der überhaupt?
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

caru

Zitat von: Kilian in 2006-02-07, 22:05:54
(3) Da steht jemand an der Straßenecke, das zu frieren scheint. Jetzt schlägt es sich seinen Kragen hoch.

das erinnert mich an einen der besten sätze bei Dorothy Sayers:

"The violinist put down its instrument and revealed itself, by its legs, to be female."
(\___/)
(>´x´<)
('.')__('.')

Nijntje - de echte nederlandse konijn

Kilian

Das Buch will ich lesen. Wie heißt es? :)

Wer sich übrigens für feministische Linguistik interessiert und Kluges dazu lesen will, dem* sei Das Deutsche als Männersprache von Luise F. Pusch ans Herz gelegt.

* Das ist Neutrum!

caru

das buch heißt Strong Poison. erhältlich überall, wo man gute englische krimis kriegt.

um den satz ganz zu verstehen, muß man wissen, wie er zwei absätze weiter oben eingelitten wurde:

"At the piano [...] a young man with bushy red hair was playing something of a Czechoslovakian flavour, to a violin obbligato by an extremely loose-jointed person of indeterminate sex in a Fair Isle jumper."

wie es in einem londoner sozialistenklub eben aussah, in den 1920ern. other features: spiritismus. britisches strafrecht. toxikologie at its best. und natürlich: Lord Peter Wimsey.

(mein exemplar ist ganz zerlesen.)
(\___/)
(>´x´<)
('.')__('.')

Nijntje - de echte nederlandse konijn

Kilian