Autor Thema: Das hiesige Tun benamen  (Gelesen 13248 mal)

versucher

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Das hiesige Tun benamen
« am: 2005-02-16, 18:20:59 »
Verohrene Verschworene!

Was wir hier tun, pardon, was ihr Gründerväter und  -mütter tatet!, verlangt nach einem neuen Verb. Ich schlage vor, man nennt die Tätigkeit, die hier getan wird

   “verben“,
also
   “verben - varb - gevorben“,

was auch schön den werbenden Aspekt des Ganzen implizörte. Anderseits zerstörte eine solche Bildung natürlich das zugrundeliegende Substantiv “Verb“. Also vielleicht:

   “verben - verbarb - verborben“?

Hm, klingt zu sehr nach “verdorben“...

Bessere Vorschläge?

Sprachliche Grüße
Euer Versucher

Arnymenos

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #1 am: 2005-02-16, 18:34:21 »
M.W. hat es mit "stärken" bereits einen Namen.

gehabt gehabt

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #2 am: 2005-02-16, 20:03:49 »
In meiner gesamten Schulzeit kam der Ausdruck "starkes Verb" niemals im Deutschunterricht vor. Es wurde nur von unregelmaessigen Verben gesprochen. Wenn ich von starken Verben sprechen hoerte, dann nur von aelteren Herrschaften. Kann es sein, dass der Ausdruck seit 50 Jahren aus der Mode ist?

Wenn ein Polizist den Verkehr regelt, dann ist das, was wir hier machen das Entregeln der Verben (und Nomen). Wir haben schon eine grosse Anzahl davon entrolgen.

In dem Zusammenhang: die Diskussion in einem anderen Thread, warum bringen gestaerkt weden muesse, habe ich nicht kapiert. Es ist doch schon schoen unregelmaessig.

Noch eine Frage: heisst es eigentlich benamen oder benamsen?

caru

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #3 am: 2005-02-16, 20:21:16 »
"Verbing weirds language" Calvin and Hobbes


(\___/)
(>´x´<)
('.')__('.')

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MrMagoo

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #4 am: 2005-02-16, 21:37:32 »
In meiner gesamten Schulzeit kam der Ausdruck "starkes Verb" niemals im Deutschunterricht vor. Es wurde nur von unregelmaessigen Verben gesprochen. Wenn ich von starken Verben sprechen hoerte, dann nur von aelteren Herrschaften. Kann es sein, dass der Ausdruck seit 50 Jahren aus der Mode ist?

Nein, die Bezeichnungen schwach, stark und unregelmäßig werden nur immer gern wieder durcheinandergeworfen - also:

Es gibt im Deutschen folgende Verbgruppen:

1) Die SCHWACHEN VERBEN
----> Kein Extra-Umlaut in der 2. und 3. Person Singular Präsens!
----> Bildung des Präteritum durch die Endung "-te", der (außer 1. und 3. Person Singular) die jeweilige Endung des Präsens folgt.
----> Das Partizip2 wird gebildet mit der Vorsilbe ge- und der Nachsilbe -t.

Beispiel:
leben
(Präsens) ich leb-e, du leb-st, er leb-t, wir leb-en, ihr leb-t, sie leb-en
(Präteritum) ich leb-te, du leb-te-st, er leb-te, wir leb-te-n, ihr leb-te-t, sie leb-te-n
(Partizip2) ge-leb-t


1a) Untergruppe der schwachen Verben: Verben mit sogenanntem Rückumlaut
----> Diese gehen im Grunde genau wie die Verba unter 1), mit der Ausnahme, daß das Stamm-"e" des Präsens im Präteritum und Partizip2 zu "a" wird. Von diesen "Rückumlaut-Verben" gibt es im heutigen Deutsch nur noch 7:

brennen (brannte), kennen (kannte), nennen (nannte), rennen (rannte), senden (sandte), wenden (wandte), und denken (dachte).

Der Konsonantenwechsel von k>ch bei denken-dachte ist ein Assimilationsphänomen, welches durch das nachfolgende "t" hervorgerufen wurde.



2) Die STARKEN VERBEN
----> oft Umlaut in der 2. und 3. Person Singular Präsens (z.B.: fahren - du fährst, helfen - du hilfst)
----> Bildung des Präteritum durch Ablaut (Stammvokalwechsel) und der Endung des Präsens. Die 1. und 3. Person Singular sind endungslos.
----> das Partizip2 wird mit der Vorsilbe ge-, einem weiteren Ablaut, und der Nachsilbe -(e)n gebildet
----> Da der Stammvokalwechsel mehr oder weniger regelmäßig abläuft, können die starken Verba in 7 Ablautreihen eingeteilt werden:

Präsens - Präteritum - Partizip2

1. Reihe: ei - i - i (z.B. reiten - ritt - geritten, beißen - biß - gebissen)
2. Reihe: ie - o - o (z.B. fliegen - flog - geflogen, bieten - bot - geboten)
3. Reihe: e/i - a - o/u (z.B. helfen - half - geholfen, finden - fand - gefunden)
4. Reihe: e - a - o (z.B. nehmen - nahm - genommen, sprechen - sprach - gesprochen)
5. Reihe: e - a - e (z.B. geben - gab - gegeben, lesen - las - gelesen)
6. Reihe: a - u - a (z.B. fahren - fuhr - gefahren, graben - grub - gegraben)

7. Reihe: In diese Reihe fallen die ehemals reduplizierenden Verba, die ihre Vergangenheit ursprünglich durch nochmaliges Vorsetzen der ersten Silbe gebildet hatten, z.B. gotisch haltan ("halten"), Präteritum: haihalt.
Heute formen diese Verben ihr Präteritum ebenfalls mit ('unechtem') Ablaut.
Kennzeichnend für diese Reihe ist
a) der Stammvokal des Präteritums ist immer "ie" und
b) der Stammvokal des Präsensstamms und des Partizips2 ist derselbe (z.B. halten - hielt - gehalten, rufen - rief - gerufen, schlafen - schlief - geschlafen, heißen - hieß - geheißen).



3) Die sog. Präterito-Präsentia
----> diese Verben haben ihre eigentlichen Präsensformen verloren und durch ihr ursprüngliches Präteritum ersetzt. Sie formen daher ihr Präsens wie das Präteritum der starken Verben, d.h.: 1. und 3. Person Singular ohne Endung. Der Singular ist vom Plural durch eine weitere (alte) Ablautstufe geschieden. Von den Präterito-Präsentien gibt es heute nur noch 7:

wissen, dürfen, können, mögen, müssen, sollen, [wollen]

Ein Präteritum ist nach Vorbild der schwachen Verben neu gebildet:
wußte, durfte, konnte, mochte, mußte, sollte, [wollte].


4) Die unregelmäßigen Verben
----> eine Handvoll Verben fügen sich in keines der oben genannten Schemata ein. Meist sind es Reste alter Bildungsweisen, die sich bis heute erhalten haben. Zu diesen Verben gehören u.a.:

sein, haben, werden, gehen, bringen, tun, stehen.



In den ausführlicheren Grammatiken werden die Verben normalerweise wie folgt eingeteilt:

REGELMÄßIG:
1) Schwache Verben
1a) Schwache Verben mit Rückumlaut
2) Starke Verben

UNREGELMÄßIG:
3) Präterito-Präsentia
4) Übrige 'unregelmäßige' Verben


--> Die Ablautreihen sind in der Sprachgeschichte teilweise durcheinandergeraten, einige Verben zeigen zudem neben dem Vokalwechsel noch einen Konsonantenwechsel (z.B. schneiden - schnitt - geschnitten, kiesen - kor - gekoren), daher werden auch die Verben der Gruppen 1a und 2 v.a. in Schul- und Fremdsprachgrammatiken als unregelmäßige Verben abgehandelt, sodaß in vielen Grammatiken NUR die schwachen Verben als "regelmäßig" gelten, alle übrigen als "unregelmäßig".



Zitat
Wenn ein Polizist den Verkehr regelt, dann ist das, was wir hier machen das Entregeln der Verben (und Nomen). Wir haben schon eine grosse Anzahl davon entrolgen.

In dem Zusammenhang: die Diskussion in einem anderen Thread, warum bringen gestaerkt weden muesse, habe ich nicht kapiert. Es ist doch schon schoen unregelmaessig.


bringen ist tatsächlich unregelmäßig!

Die ursprünglich starken Formen brang - gebrungen (nach Ablautreihe 3, s.o.) sind entweder durch das schwache Präteritum brachte - gebracht des Verbs brengen (Kausativ zu bringen, mit Rückumlaut, s. unter 1a) ersetzt worden oder aber die schwache Endung "-te" ist einfach an den starken Präteritumstamm angehängt worden: brang-te (mit demselben Assimilationsphänomen ng>ch wie bei denken>dachte).

Unregelmäßig ist "bringen" deshalb, weil es die starke Präsensform erhalten hat, das Präteritum aber entweder schwach nach "brengen" oder unregelmäßig nach "brang-te" bildet.
« Letzte Änderung: 2005-05-13, 20:54:30 von MrMagoo »
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #5 am: 2005-02-16, 22:24:45 »
Gottseidank wusste ich das vor zweieinhalb Jahren alles noch nicht, sonst hätte ich in dem Unterschied stark <-> unregelmäßig vielleicht ein Hindernis für die Gründung der GSV gesehen. Auch wir beteiligen uns ja ein wenig am Durcheinanderschmeißen der Begriffe, da unsere "Stärkungen" sich den althergebrachten Regeln nicht verpflochten fühlen und für uns Formenvielfalt und halt Unregelmäßigkeit an erster Stelle steht. Resultat ist u.a. der noch relativ junge apologetische Hinweis bei einigen Verben "Teilnehmer unseres alternativen Verbenhilfsprogramms „Unregelmäßigkeit statt Stärke“".

Aber wir heißen mit Stolz und Entschiedenheit "Gesellschaft zur Stärkung der Verben" - das ist plakativ, und zum Verben gehört nun einmal auch das Werben!

Ich find das Verb gut, Versucher. In beiden Konjugationen. Danke! :)

MrMagoo

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #6 am: 2005-02-16, 22:44:34 »
Ich glaube kaum, daß das tatsächlich ein wirklicher Hinderungsgrund hätte sein können...

Zu den "unregelmäßigen" Verben gehören ein verschwindend geringer Teil (ca. 20 Stück) - der Sprachgebrauch versucht Unregelmäßigkeiten zu beseitigen, je häufiger jedoch ein Verb benutzt wird, umso weniger fällt es natürlich einer Schwächung anheim.

So gesehen "stärkst" Du natürlich automatisch mehr als daß Du "verunregelmäßigst"; welches von beiden Du letztendlich tust (also Stärken oder Verunregelmäßigen) das Ergebnis ist das gleiche: neue Verbformen - und der Spaß daran, diese zu entwickeln! :)
« Letzte Änderung: 2005-02-16, 22:47:42 von MrMagoo »
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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #7 am: 2005-02-16, 22:56:22 »
Genau! :)

versucher

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #8 am: 2005-02-17, 17:44:36 »
Verohrene Verschworene!
Ich bin ja dreifacher Laie: es ist mein erstes Forum, ich bin Neustärker, und einen Grammatiktick habe ich auch noch keinen.
Ich bitte also Fehler zu entschuldigen und nehme gerne Arnymenossens Hinweis auf, künftig nur noch von “stärken“ zu reden. Zudem Dank an MrMagoo für seine Inkenntnissetzung - angesichts solch geballenen Wissens will ich meine bescheidenen Einlassungen natürlich immer nur als Anregungen, niemals als Empfehlungen verstanden wissen. Zudem kann ich versprechen, dass ich nie mehr so einen langen Beitrag wie diesen hier liefern werde, um niemandem die Zeit zu stehlen.  
Doch für dieses Mal muss ich meine Fragen noch loswerden:

1. Wäre es nicht schön, angesichts ihrer Häufigkeit, eine Liste der gestorkenen Präterito-Präsentia zu erstellen? Die Große Liste gibt nicht zu allen Aufschluss (z. B. dürfen). (Nebenbei: habe ich das richtig verstanden: i ist Umlaut von e ?)
Nach all den Jahren habe ich vor einigen Monaten endlich gemorken (?), dass “ich möchte“ der Konjunktiv II von “mögen“ ist (ich nehme an Assimilationsphänomen?). Hier in Baden sagt man dauernd: “Ich möchte ein Brot“, und denkt überhaupt nicht darüber nach, dass es Konjunktiv von “mögen“ ist. Eine typisch süddeutsche Pseudo-Höflichkeitsform (“Es wäre nett, wenn du... “, “Könntest du bitte... “ usw.). In NRW ist man da wohl direkter.

2. MrMagoo wies zurecht auf die ganzen “Verben mit Rückumlaut“ (aha, so heißen die!) hin:
In der Großen Liste steht dazu:

“flennen - flannte - geflannt“ (analog rennen)
“pennen - pann - gepannen“
“trennen - trann - getronnen“

Das verwirrt mich. Auch folgende Formen aus der Großen Liste irritieren mich:

   “verlinken - verlunk - verlunken“
   “zinken - zonk - gezunken“

Warum werden sie nicht wie “trinken - trank - getrunken“ gebolden? Gibt es für “zinken“ alte Formen? Aber wieso weicht “verlinken“ dann nochmals ab?
Mir scheint es eine Konkurrenz zwischen echten alten Formen und zwingenden neuen Formen zu geben. Wer siegt in solchem Fall? So steht z. B. in der Großen Liste:

“lehren - lahr - gelahrt“ (traditionelle Form)
“begehren - begohr - begohren“ (gestorkene Form)

Die Große Liste sagt:

“packen - puk - gepacken“ (analog backen)

Aber sie sagt auch:

“sacken - suk - gesuken“

Wieso nicht “gesacken“?

Probleme habe ich auch mit “haben“:

Wenn es doch

“laben - lub - geluben“

heißt, warum nicht

   “haben - hub - gehuben“?

Ich habe in einem anderen Thread den Hinweis gelesen, dass zu “niesen“ die alten Formen

“niesen - nas - genosen“

vorliegen. Dann bin ich dafür, das “niesen“ in der Großen Liste zu tilgen. Selbst wenn man die alten Formen nicht vorzieht, finde ich

   “niesen - nas - genossen“

weniger “richtig“ als

   “niesen - nor - genoren“

wenn man nämlich

“erkiesen - erkor - erkoren“ (wie auch von MrMagoo genannt)

als Keimverb heranzieht. Und wem das nicht gefällt, sölle (?) wenigstens

   “niesen - nass - genossen“

schreiben. Nass passt besser.

Langer Rede kurzer Sinn: Wäre eine einheitliche, von einem Keimverb ausgehende Bildnerei (auch der Konjunktive) nicht weniger verwirrend? Es ließen sich auch leichter die Massen dafür gewinnen. Oder sind Esoterik und Wirrwarr gerade das Ziel?
Dennoch meine ich, als Antwort für Mitstärker gehabt gehabt (die MrMagoo schon meisterhaft gab): bringen, rennen, denken usw. müssen durchaus erst noch richtig gestorken werden.

3. Hier noch mehr unverbindliche Bezeichnungen für das hiesige Tun:

“verb-allhornen“, “verb-raten“, “verb-eulen“, “verb-ilden“

(und jetzt bitte stärken das Ganze!)
Wie wäre es mit “Verbalerotik“...?

Mir ist klar, dass ich in meiner ersten Meldung (und vielleicht auch hier) einige Konjunktive falsch verwunden habe, deshalb werde ich das Konjunktivieren mit Heikous üben, einen schicke ich schon mal rein (siehe dorten).

Noch was: “Genesen“ ist ein seltsames Verb. Heißt im Partizip II wie im Indikativ:

“genesen - genas - genesen“

Fallen euch noch mehr so Dinger ein?

Haarspaltende Grüße
- und: “Gesundheit!“
Wünscht euch
Euer Versucher! (beim nächsten Mal natürlich kürzer!)

Arnymenos

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #9 am: 2005-02-17, 19:19:45 »
Interessant.

Die Liste kann ich auch noch lange nicht auswendig (man beachte mein Anmeldedatum im Forum). Ich gehe davon aus, dass ich längst nicht alle Verben gleichermaßen gestorken hätte. Wenn ich mal viel Zeit habe, gehe ich mit linguistischer Genauigkeit daran, versuche die Regeln herauszufinden und zu formulieren.

Doch erhebt diese Liste meines Erachtens keinen Anspruch auf Erklärbarkeit. Gewisse Verben mögen Pate gestanden haben, aber die meisten Verben dort sind mehr oder weniger frei gestorken und müssten alle separat gelernt werden. Natürlich mit Ausnahme des -ieren, -or, -oren für alle solchen Fremdwörter. (Ich hatte mich selbst auch eine Zeitlang für den Erfinder dessen gehalten, bis ich dann die GSV kennen larn.)

Eine Idee habe ich noch... aber die liegt erstmal auf Eis.
« Letzte Änderung: 2005-02-17, 19:28:58 von Arnymenos »

MrMagoo

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #10 am: 2005-02-17, 22:37:14 »
Zitat
Verohrene Verschworene!
Ich bin ja dreifacher Laie: es ist mein erstes Forum, ich bin Neustärker, und einen Grammatiktick habe ich auch noch keinen.
Ich bitte also Fehler zu entschuldigen und nehme gerne Arnymenossens Hinweis auf, künftig nur noch von “stärken“ zu reden. Zudem Dank an MrMagoo für seine Inkenntnissetzung - angesichts solch geballenen Wissens will ich meine bescheidenen Einlassungen natürlich immer nur als Anregungen, niemals als Empfehlungen verstanden wissen. Zudem kann ich versprechen, dass ich nie mehr so einen langen Beitrag wie diesen hier liefern werde, um niemandem die Zeit zu stehlen.

Hier stiehlt niemand irgendjemandem die Zeit - willkommen in den Untiefen des Forums!  ;)


Zitat
Doch für dieses Mal muss ich meine Fragen noch loswerden:

1. Wäre es nicht schön, angesichts ihrer Häufigkeit, eine Liste der gestorkenen Präterito-Präsentia zu erstellen? Die Große Liste gibt nicht zu allen Aufschluss (z. B. dürfen). (Nebenbei: habe ich das richtig verstanden: i ist Umlaut von e ?)


Eine Liste der gestorkenen Präterito-Präsentia habe ich handschriftlich bereits fertig - ich werde sie die Tage dem Forum zukommen lassen.
Ob sie dann auch auf der Liste erscheinen, muß Administrator Kilian entscheiden...:)

i kann tatsächlich der Umlaut von e sein, aber nicht immer(!), sondern nur in bestimmten Wörtern.
Das "i" ist stets Umlaut von e (s. Infinitiv) in der 2. und 3. Person Singular Präsens der starken Verben, z.B.:
helfen - du hilfst
geben - du gibst
lesen - du liest usw.


Zitat
Nach all den Jahren habe ich vor einigen Monaten endlich gemorken (?), dass “ich möchte“ der Konjunktiv II von “mögen“ ist (ich nehme an Assimilationsphänomen?). Hier in Baden sagt man dauernd: “Ich möchte ein Brot“, und denkt überhaupt nicht darüber nach, dass es Konjunktiv von “mögen“ ist. Eine typisch süddeutsche Pseudo-Höflichkeitsform (“Es wäre nett, wenn du... “, “Könntest du bitte... “ usw.). In NRW ist man da wohl direkter.


"möchten" entwickelt sich meiner Meinung nach zu einem selbständigen Verb weiter.
Dies wird sogar durch einige Schulbücher und auch Grammatiken v.a. in Fremdsprachenunterrichten bestätigt, selbst einige Wörterbücher führen "möchten" als selbständiges Verb an, eine interessante Entwicklung...

Übrigens richtig beobachtet, versucher: das "ch" anstelle des "g" ist Assimilation an das folgende t.
 

Zitat
2. MrMagoo wies zurecht auf die ganzen “Verben mit Rückumlaut“ (aha, so heißen die!) hin:
In der Großen Liste steht dazu:

“flennen - flannte - geflannt“ (analog rennen)
“pennen - pann - gepannen“
“trennen - trann - getronnen“

Das verwirrt mich. Auch folgende Formen aus der Großen Liste irritieren mich:

   “verlinken - verlunk - verlunken“
   “zinken - zonk - gezunken“

Warum werden sie nicht wie “trinken - trank - getrunken“ gebolden? Gibt es für “zinken“ alte Formen? Aber wieso weicht “verlinken“ dann nochmals ab?
Mir scheint es eine Konkurrenz zwischen echten alten Formen und zwingenden neuen Formen zu geben. Wer siegt in solchem Fall?
... ... ...


Ich kürze hier mal ab  :)

Ich selbst habe mich an einigen Bildungsweisen solcher Art anfangs auch gestört - daher weiß ich genau, was Du meinst. Ich vermeide zudem bis heute solche Bildungen und versuche möglichst "originalgetreu" zu stärken  ;)

Ich wurde aber auch darauf aufmerksam gemacht, daß hier kein 'seriöses' Verbenstärken durchgeführt wird, sondern das Ganze nach Lust und Laune geschieht - auf 'Richtigkeit' wird weniger Wert gelegt, im Vordergrund steht die Freude am "Blödeln mit der Sprache".


Zitat
Ich habe in einem anderen Thread den Hinweis gelesen, dass zu “niesen“ die alten Formen

“niesen - nas - genosen“

vorliegen. Dann bin ich dafür, das “niesen“ in der Großen Liste zu tilgen. Selbst wenn man die alten Formen nicht vorzieht, finde ich

   “niesen - nas - genossen“

weniger “richtig“ als

   “niesen - nor - genoren“

wenn man nämlich

“erkiesen - erkor - erkoren“ (wie auch von MrMagoo genannt)

als Keimverb heranzieht. Und wem das nicht gefällt, sölle (?) wenigstens

   “niesen - nass - genossen“

schreiben. Nass passt besser.

Historisch gesehen sind "nor - genoren" wahrscheinlich sogar richtig.
Ich versuche mal, das herauszufinden und laß es Dich dann wissen!



Zitat
Langer Rede kurzer Sinn: Wäre eine einheitliche, von einem Keimverb ausgehende Bildnerei (auch der Konjunktive) nicht weniger verwirrend? Es ließen sich auch leichter die Massen dafür gewinnen. Oder sind Esoterik und Wirrwarr gerade das Ziel?
Dennoch meine ich, als Antwort für Mitstärker gehabt gehabt (die MrMagoo schon meisterhaft gab): bringen, rennen, denken usw. müssen durchaus erst noch richtig gestorken werden.

Ohh... danke für Dein Kompliment  :-[ :)

Für diese Verben, die allesamt kausative sind und sprachgeschichtlich erst gebildet wurden, als der Ablaut bereits dem "-te" Platz gemacht hatte, müßte dann allerdings eventuell sogar eine neue Ablautreihe her. Formte man sie nämlich nach Abbild der alten Ablautreihen, würden sie mit den Verben, von denen sie abgeleitet wurden, gleichlauten;

Das starke Verb "rinnen" hätte dann die gleichen Präteritumformen wie sein Kausativ "rennen" (=rinnen machen), also:
rinnen - rann - geronnen
rennen - *rann - *geronnen
und das stiftete erst recht Verwirrung.


Zitat
3. Hier noch mehr unverbindliche Bezeichnungen für das hiesige Tun:

“verb-allhornen“, “verb-raten“, “verb-eulen“, “verb-ilden“

(und jetzt bitte stärken das Ganze!)
Wie wäre es mit “Verbalerotik“...?

Das überlasse ich den anderen Verbenstärker... :)



Zitat
Mir ist klar, dass ich in meiner ersten Meldung (und vielleicht auch hier) einige Konjunktive falsch verwunden habe, deshalb werde ich das Konjunktivieren mit Heikous üben, einen schicke ich schon mal rein (siehe dorten).

Noch was: “Genesen“ ist ein seltsames Verb. Heißt im Partizip II wie im Indikativ:

“genesen - genas - genesen“

Fallen euch noch mehr so Dinger ein?

Haarspaltende Grüße
- und: “Gesundheit!“
Wünscht euch
Euer Versucher! (beim nächsten Mal natürlich kürzer!)


Hier kann kaum etwas "falsch" verwandt werden... Zumeist herrscht künstlerische Freiheit!  ;D
Also dann hinein ins Getümmel und viel Spaß!

Es grüßt
-MrMagoo
« Letzte Änderung: 2005-02-18, 22:03:19 von MrMagoo »
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
(Gottfried von Straßburg)

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #11 am: 2005-02-18, 09:52:48 »
"möchten" entwickelt sich meiner Meinung nach zu einem selbständigen Verb weiter.

Entgegen anderen Modalverben hat es aber keinen eigenständigen Infinitiv, den man "möchten" kann, man kann ihn nur mögen. Hängt möchten nicht also immer noch von mögen ab?

MrMagoo

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #12 am: 2005-02-18, 12:00:06 »
"möchten" entwickelt sich meiner Meinung nach zu einem selbständigen Verb weiter.

Entgegen anderen Modalverben hat es aber keinen eigenständigen Infinitiv, den man "möchten" kann, man kann ihn nur mögen. Hängt möchten nicht also immer noch von mögen ab?


Die Infinitive der Modalverben sind sowieso alle spät, "möchten" wird sicher auch noch einen bekommen, vielleicht erleben wir das nur nicht mehr...

Das Englische übrigens kommt bis heute ohne größere Schwierigkeiten auch ohne Infinitive der Modalverben aus. Man bedient sich eben einer Umschreibung:
"must" = to have to
"can" = to be able to
"may" = to be allowed to

Es gibt auch keine Partizipien, weder das 1. noch das 2., und strenggenommen nichteinmal eine Past-Tense Form:
"could", "might", "should", "would" sind allesamt Formen des Konjunktivs2.
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
(Gottfried von Straßburg)

Kilian

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #13 am: 2005-02-18, 12:27:53 »
Warum werden sie nicht wie “trinken - trank - getrunken“ gebolden? Gibt es für “zinken“ alte Formen? Aber wieso weicht “verlinken“ dann nochmals ab?

Die Liste ist ja nicht aus einem Guss und erhebt auch keinen Anspruch darauf. Sie ist das Ergebnis von zweieinhalb Jahren Zusammentragen der Vorschläge ganz verschiedener Einsender, zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten. Das einzige Korrektiv ist mein Gutdünken als Listenwart. Wenn mir ein Vorschlag oder eine bereits auf der Liste stehendes Stärkung schlecht erscheint oder nicht gefällt, wird sie verändert oder rausgeschmissen - die unentbehrliche Arbeit der eng zusammenarbeitenden Abteilungen "Ästhetik und Originalität" und "Gutes Stärken" der GSV.

Letztere nimmt es mit Regeln und Vorbildern nicht sehr genau. Analogie zu "Keimverben" sind ein begünstigender Faktor für die Aufnahme einer Stärkung, aber nicht notwendig. Einheitlichkeit bei der Bildung ist kein Ziel; sie liefe den Zielen der GSV geradezu zuwider.

Und, wie MrMagoo schon sagte: Mach dir bloß keine Sorgen, du stählest irgendjemandem Zeit - um die Diskussion, gerne auch ausführliche, geht's hier doch gerade. :)
« Letzte Änderung: 2005-02-18, 16:39:50 von Kilian »

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Re:Das hiesige Tun benamen
« Antwort #14 am: 2005-02-18, 19:48:11 »
Danke für die allseits freundliche Aufnahme! Ich zahle mit gleicher Münze heim. (Konjugiere heimzahlen?)
Das Thema hier ist wohl erledigt, neue Horizonte müssen her.