Notabene: Verben des Ruhmes

Begonnen von versucher, 2005-02-18, 15:13:24

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versucher

Verohrene Verschworene!

Es gibt eine kleine Gruppe Wörter, über deren Stärkung ich euch mal befragen will:

Unproblematisch sind (Adverbien oder Adjektive?) wie

"kafkaesk" und "kantianisch" oder "darwinistisch"

Wie stärkt man aber

"kneippen"
"röntgen"
"müllern"?

Soll man bei Verben des Ruhmes nicht versuchen, den Namen zu erhalten?

Oder soll man

"kneippen - knipp - geknippen"

stärken?

Große Grüße
Euer Versucher


Arnymenos

Ich versuche mich mal am Röntgen. Meine Aussprache ist eindeutig "rönchen", da kann ich drehen und wenden, was ich will. Hier streng nach dem Schriftbild zu sprechen ist mir unnatürlich. Und dann wäre etwas wie rönchen - ranch - geronchen drin.

kneippen erfährt die orthographie Freiheit von EIgennamen. Dipthong plus Doppelkonsonant kann im Deutschen nicht anders ausgesprochen werden als Diphthong plus einfacher Konsonant, daher ist kneippen "kneipen". Ich bin für kneipen - knop - geknippen.

Müllern unterläge der Konsonantenverschiebung (die ich als verrückte Idee akzeptieren kann, aber mit Sprache hat das wenig zu tun). Also vielleicht müllern - mürl(l)e - marl(l) - gemorl(l)en.

Begründen kann ich die Vorschläge aber nicht. Heißt das jetzt, ich bin auf der Stufe des firsch-fröhlichen Experimentierens angekommen?

Kilian

#2
Bei röntgen böte es sich ja an, über die schriftliche Konsonantenverschiebung ein auch mündliches ng reinzuzaubern und z.B. so zu konjugieren:

röntgen - rongt - rüngte - gerongten

ZitatDipthong plus Doppelkonsonant kann im Deutschen nicht anders ausgesprochen werden als Diphthong plus einfacher Konsonant

Das macht sich auch die Buchtsabenverschiebung beim an sich orthografisch unorthodoxen Behalten jedes einzelnen Konsonanten häufig zunutze. Ich mache das gerne, bin daher auch für

kneippen - knopp - knöppe - geknippen

und bei müllern für die Version mit zwei l. So haben wir bei einigen Verben auch ein orthografisches Warnsignal: Achtung, Strangespeak!

Zitatmit Sprache hat das wenig zu tun

Macht nichts, denn wir sind ja keine linguistische Gesellschaft! Begründen, ich bitte dich! Das verdürbe es ja beinahe! ;D

ZitatHeißt das jetzt, ich bin auf der Stufe des firsch-fröhlichen Experimentierens angekommen?

Zumindest die Konsonatnenverschiebung scheint dir schon in Feilsch und Blut am Übergehen zu sien! ;)

Was bedeutet müllern?

amarillo

Es knopp Herr Müller leidenswegen,
Kein Glied wollt' sich bei ihm mehr regen.
Sprang morgens schon ins kalte Becken
Die Lebensgeister aufzuwecken.
Des Abends tonz er Slow und Mamba,
Verocht auch nicht Brasiliens Samba.
Schon bald darauf er jubilor,
Denn jedes Glied nun funktionor.

Heut gibt Dir Müller diesen Tipp:
Geh' nach Pyrmont und fleißig knipp!
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

versucher

Vielen Dank für die Mühe, ihr Konjugiganten!
Ist ja wie einen Konjugator zu füttern! "So konjugierig konjugier ich!" Schwaches Verb oben in den Schlitz geworfen, frisch gestorken unten rausgenommen.
Danke auch für die sofortige Verdichtung, bin zwar kein großer Fan des Reims mehr, aber mit gestorkenen Verben bekommt er wieder einen Reiz.
Ach, und Kilian: Nur einer hat je gemorllen. Das Verb müllern bleibt in seinem angestommenen Revier, es ist für immer historisch, weil es nie mehr einen Müller geben wird. Ich wall (?) nur ein drittes Verb noch hinzunehmen, um dem Anliegen nachzudrücken. Mir fällt auch bestwillig kein viertes ein.

Ach, mürlle doch mal wieder jemand!

gehabt gehabt

Im Englischen gibt es ja fuer das Roentgen bereits eine nette Staerkung to c-ray, x-rew, x-rewn.

Das Besondere an dem Verb ist, dass es ohne weitere Staerkung in einigen Formen einen Reim auf Moench bildet:

ich roentg'
den Moench

ebenso im Imperativ:   roentg' / den Moench

Konjugation vielleicht Analog zu m"ogen mochte gemocht:
r"ontgen - rontchte -gerontcht     KonjII: r"ontche

kneippen natuerlich wie kneifen: kneippen knipp geknippen -knippe

Man hat zu Beginn seiner Amtszeit dem deutschen Aussenminister vorgeworfen, er wuerde schon anfangen, wie sein Vorgaenger zu kinkeln

kinkeln, kalnk gekulnken k"alnke

gehabt gehabt

Man sollte systematisch vorgehen und eine Liste aller Verben, die aus Eigennamen besthen zusammenstelle. Mir fallen hier ein:
verballhornen, lumbecken (diese unsaegliche Methode Buecher mit Leim zu binden), entgaussen (einen Computermonitor entmagnetisieren),

ich nehme an mosern gab es schon vor dem genialen Schauspieler  Hans Moser, oder ist es auf ihn gemuenzt, es wuerde ja passen?

Weitere Beispiele? Welche Namen sollten noch ververbt werden? westerwellen (im liberalen Sinne ist liberal immer etwas mehr als nur liberal)

amarillo

#7
schanghaien - lynchen

alles auf -ieren (boykottieren) erübrigt sich ja, oder?

Mit dem Schanghaien habe ich Probleme. Der vokalisch endende Stamm nervt etwas.

haie (haist - hait - haien) schang - hi(i)e schang - hai schang! (das erhält auch schön den chinesischen Klang) -  schangghehi(i)en

andererseits wird die Trennbarkeit dem Namen nicht so recht gerecht, also vielleicht doch eher:

schanghi(i)e - schanghi(i)eë - geschanghi(i)en
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

Ich habe mal jemanden den Begriff "adenauern" sagen hören. Bezog sich wohl auf Adenauers Äußerung, daß ihn sein Geschwätz vom Vortage herzlich wenig kümmere.
Das ist garantiert kein Eintrag aus dem Duden, wurde allerdings - da der Kontext wohl klar war - von allen verstanden.

Wie kann man so etwas griffig stärken?

adenor - adenöre - geadenoren (so richtig ist der Alte nicht mehr zu erkennen)

Ich weiß wirklich nicht wohin mit dem "r", kann wer helfen?
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

MrMagoo

Ich finde, das "r" steht da genau richtig!  ;D
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
(Gottfried von Straßburg)

Arnymenos

Ich bitte um "adenoren" (siehe meine lange Erklärung zum ge-).

Kilian

Warum denn? In meinen Ohren liegt die Hauptbetonung von adenauern eindeutig auf der ersten Silbe.

amarillo

#12
Abgelehnt!

In Deinem Beitrag über -ge hast Du versucht nachzuweisen, daß das -ge in bestimmten Konstellationen (zwei unbetonte Silben am Wortanfang) falsch sei. Ich darf Dich jetzt - wiederholt - daran erinnern, daß, nach Deiner eigenen Darlegung, dem Linguisten weder "richtig" noch "falsch" als Kategorien geläufig sind.

Irgendwann muß das ja nun einmal greifen. Entweder Du kannst es erklären, oder auch nicht (Deine Worte), aber hier bleibt das -ge wo es ist - basta. ;D
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

caru

ich dachte immer, ade- sei ein präfix, und es hieße "adegenoren" :D
(\___/)
(>´x´<)
('.')__('.')

Nijntje - de echte nederlandse konijn

amarillo

Gerne hingenommen, aber dann erkennt wirklich niemand mehr den Alten.  ;)
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.