Dual

Begonnen von Ly, 2005-04-06, 09:59:58

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

Ly

Wo wir doch hier alle schon so schön an der deutschen Sprache Manipul herumieren, bin ich jetzt auf einen weiteren Gedanken gekommen um die Sprache zu verschönern.

Darf ich vorstellen: Der Dual.

Der Dual bezeichnet in der einen Numerus und repräsentiert die Zweizahl. Er existiert in vielen alten Sprachen wie dem Sanskrit oder dem Altgriechischen, wo nicht nur Substantive, sondern auch Verben neben den Einzahl- und Mehrzahlformen eigene Zweizahlformen haben. Auch in den germanischen Sprachen war er geläufig, verlor aber auf Grund seiner Komplexität zunehmend an Bedeutung.

Wie wäre es mit einer Wiederbelebung des Duals?
It isn't always how you look. Look at me. I'm handsome like anything, and I haven't got anybody to marry me yet.

MrMagoo

Den Dual hatten wir vor einigen Wochen irgendwo hier besprochen *wühl*, irgendwo muß doch dieser Beitrag *kram* sein, der kann doch nicht... *einwühl*
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
(Gottfried von Straßburg)

Kilian

Dual? Natürlich unter Zuchini. Duale werden hier grundsätzlich in Gemüsethreads besprochen! ;)

Ly

Und ich hab' mich schon gefreut, etwas neues ersonnen zu haben... Schade  :-\

It isn't always how you look. Look at me. I'm handsome like anything, and I haven't got anybody to marry me yet.

gehabt gehabt

Fuer solche Erlebnisse gibts in diesem Forum doch einen eigenen Namen, aber der ist unter den Fadenmaccharoni irgendwo versteckt. Wer entsinnt sich?

Kilian

Schullwitz!

Aber macht ja nichts, Ly, es wurde zwar mal drüber gesprochen, aber swime* die Wiedereinführung ins Deutsche noch nicht versucht.

Tja, dann macht mal! ;D

* so weit ich mich erinnere

Ly

#6
Toll, dann werde ich gleich mal Personalpronomen für den Dual suchen... ich habe mich da an der dem deutschen am nächsten verwandte Sprache mit Dual, dem altenglischen, und den von MrMagoo im anderen Thread gezeigten bairischen Formen bedient, aber weil das nicht wirklich deutsch klingt, habe ich die Formen etwas verändert...

Die dem bairischen entlehnten Formen sind mit Stern gekennzeichnet, der Rest kommt aus dem altenglischen.

Das altenglische hat leider keine Dualformen in der dritten Person, also habe ich mir die ausgedacht...

Ich präsentiere:

1. Person:

Nominativ: wit (altenglisch)

Akkusativ u. Dativ: unsit (altenglisch uncit, aber das c kam mir nicht deutsch genug vor...)

Genitiv: uer (die altenglische Dualform uncer hätte eingedeutscht unser gelautet und zu Verwirrung zwischen Dual und Plural gestiftet, also habe ich das altenglische úre, die 1. Person Plural eingedeutscht...)

2. Person:

Nominativ: eß (dem bairischen entlehnt)

Akkusativ u. Dativ: enit (bairisch enk, aber das klang mir nicht deutsch genug und so hab ich die Endung an die 1. Person angeglichen)

Genitiv: iner (altenglische Form incer an die 1. Person angeglichen)

3. Person

Nominativ: sit (analog zur 1. Person)

Akkusativ u. Dativ: sit (Dativ und Akkusativ sind gleich wie die Nominativformen, aber das ist im Plural ja auch so.)

Genitiv: hier (altenglische 3. Person Plural, hiera, den anderen 2 Personen angeglichen)

So viel dazu... los, kritisiert mich, ich bin damit noch nicht wirklich zufrieden...
It isn't always how you look. Look at me. I'm handsome like anything, and I haven't got anybody to marry me yet.

Caoimhín Caoilfhinn Ó Braonáin

Im Isländischen werden die alten Dualformen der Personalpronomen heute als Pluralformen verwonden (die altisländischen Formen in Klammern):
alter Dual (jetzt Plural):     alter Plural:
1. Person
N  við         (vit)                  vér            (vér)
G  okkar     (okkar)              vor           (vár)
D  okkur     (okr)                 oss            (oss)
A  okkur     (okr)                  oss           (oss)

2. Person
N  þið         (it)                     þér            (ér, das þ ist sekundär)
G  ykkar     (ykkar)               yðar          (yþuar)
D  ykkur     (ykr)                  yður          (yþr)
A  ykkur     (ykr)                  yður          (yþr)

vér und ér entsprechen natürlich deutsch wir und ihr und oss entspricht uns.
´ôleto mén moi nóstos, atàr kléos áphthiton éstai

asmé prthú s´rávo brhát | vis´vâyur dhehy ákshitam

ek veit einn at aldri deyr | dómr um dauðan hvern

                                  Sigemunde gesprong
æfter deaðlæge      dom unlytel

Caoimhín Caoilfhinn Ó Braonáin

Hab ein Bisschen dran gebolsten und bin zu folgenden Formen gekommen:

1. Person dual:
N   wit
G   unker
D   unk
A   unk

2. Person dual:
N   it
G   inker
D   ink
A   ink

Mit der 3. Person tut es sich nicht so leicht, das germanische Demonstrativpronomen scheint keine Dualformen gekannt zu haben...
´ôleto mén moi nóstos, atàr kléos áphthiton éstai

asmé prthú s´rávo brhát | vis´vâyur dhehy ákshitam

ek veit einn at aldri deyr | dómr um dauðan hvern

                                  Sigemunde gesprong
æfter deaðlæge      dom unlytel

Caoimhín Caoilfhinn Ó Braonáin

#9
Obwohl, bei der 2. Person bräuchte ich etwas Hilfe:
Im Plural heißt es ja ihr aber euch. Kommt das e irgendwie durch das labiale Element einer früheren Form (vgl. got. A/D izwis, altnord. A/D yþr) zustande, oder eher durch das z/þ? Das labiale Element muss auch in der Vorform des Duals vorhanden gewesen sein (got. A/D igqis, altnord. A/D ykr; sollte somit auch im deutschen Dual das i in den obliken Kasüssen durch e (vgl. bair. enk ersetzt werden?).
Hm, schaut man sich die altenglischen Formen an
  dual:                 plural:
N  git                     gê
G  incer                 êower
D  inc                    êow
A  inc                    êow

kommt man wohl zu dem Schluss, dass das e in 'euch' eher vom z/þ herrührt. Somit bleibt es beim i.
Schöner Monolog...

Eine Frage kommt allerdings doch noch auf: Die zweite Lautverschiebung - träte sie hier irgendwie in Kraft (witz/wiß und itz/iß statt wit und it; die bairische Form ließe dies ja vermuten?)?
´ôleto mén moi nóstos, atàr kléos áphthiton éstai

asmé prthú s´rávo brhát | vis´vâyur dhehy ákshitam

ek veit einn at aldri deyr | dómr um dauðan hvern

                                  Sigemunde gesprong
æfter deaðlæge      dom unlytel

Ly

Zitat von: Caoimhín Caoilfhinn Ó Braonáin am 2005-04-08, 00:56:32
Hab ein Bisschen dran gebolsten und bin zu folgenden Formen gekommen:

1. Person dual:
N   wit
G   unker
D   unk
A   unk

2. Person dual:
N   it
G   inker
D   ink
A   ink

Mit der 3. Person tut es sich nicht so leicht, das germanische Demonstrativpronomen scheint keine Dualformen gekannt zu haben...

Na ja, wenn man die altenglischen Pluralformen nimmt und sie an dein Schema angleicht, müsste das doch was werden...

altenglisch 3. Person Plural:

N hié
G hiera
D him
A hié

Wenn wir das an dein Schema angleichen:

N hit
G hiker
D hik
A hik

Klingt aber doof.  ;D
It isn't always how you look. Look at me. I'm handsome like anything, and I haven't got anybody to marry me yet.

Caoimhín Caoilfhinn Ó Braonáin

Das Problem ist, dass die 3. Person gar keine Person ist, sondern ein Demonstrativpronomen, das warscheinlich anders gebeugt wurde als die Personalpronomina...

Aber es gibt doch hier Germanisten, die bestimmt viel besser Bescheid wissen als ich.
´ôleto mén moi nóstos, atàr kléos áphthiton éstai

asmé prthú s´rávo brhát | vis´vâyur dhehy ákshitam

ek veit einn at aldri deyr | dómr um dauðan hvern

                                  Sigemunde gesprong
æfter deaðlæge      dom unlytel

Ly

Zitat von: Caoimhín Caoilfhinn Ó Braonáin am 2005-04-09, 00:16:28
Das Problem ist, dass die 3. Person gar keine Person ist, sondern ein Demonstrativpronomen, das warscheinlich anders gebeugt wurde als die Personalpronomina...

Dasrüber können wir uns doch getrost hinwegsetzen  ;D
It isn't always how you look. Look at me. I'm handsome like anything, and I haven't got anybody to marry me yet.

Caoimhín Caoilfhinn Ó Braonáin

Stimmt, wir haben mehr oder weniger völlige künstlerische Freiheit...
´ôleto mén moi nóstos, atàr kléos áphthiton éstai

asmé prthú s´rávo brhát | vis´vâyur dhehy ákshitam

ek veit einn at aldri deyr | dómr um dauðan hvern

                                  Sigemunde gesprong
æfter deaðlæge      dom unlytel

Tschabrendeki

Danke Kilian!

Ich würde im 1. statt wit, "beid" vorschlagen! Nur wegen der Etymologie wegen.