Autor Thema: ambivalente Transitivitäten  (Gelesen 2340 mal)

Agricola

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ambivalente Transitivitäten
« am: 2008-04-01, 15:55:43 »
Wie kommt es zu aussetzen und aussitzen? Die könnte man doch genausogut bedutverkohren einsetzen:
Die Maschine sitzt kurzzeitig aus.
Er hat vor, das Problem auszusetzen.

Letzteres ergäbe Sinn, wenn Probleme beim Aussitzen säßen. Dies aber tun die Menschen.
aussitzen ist ein merkwürdig ambivalentes transitives Verb: Eigelnt ist nur das aus transitiv, während das sitzen intransitiv bleibt. Wenn man ein Problem aussitzt, ist das Problem deshalb eigelnt hinterher nicht ausgesessen, sondern das Problem ist aus und der Mensch hat gesessen.

Es gibt andere Verben, die gespaltene Transitivitäten haben:
wegrationalisieren: Wenn man die Handarbeit aus einem Fertigungsprozess wegrationalisiert, ist hinterher die Handarbeit weg und der Fertigungsprozess rationalisiert.

Also nicht:
Die Probleme wurden ausgesessen und die Handarbeit wurde wegrationalisoren.
sondern:
Die Probleme sind aus, weil gesessen wurde, und die Handarbeit ist weg, weil das übrige rationalisoren wurde.

Oder wie kann man sprachlich besser mit diesen Dingen umgehen?
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Kilian

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Re: ambivalente Transitivitäten
« Antwort #1 am: 2008-04-01, 16:30:46 »
Es gibt andere Verben, die gespaltene Transitivitäten haben:
wegrationalisieren: Wenn man die Handarbeit aus einem Fertigungsprozess wegrationalisiert, ist hinterher die Handarbeit weg und der Fertigungsprozess rationalisiert.

Genau, und um noch ein paar einfachere Beispiele für Verben zu nennen, die aussitzen ähnlich erst durch die Partikel transitivoren werden: sich etwas wegdenken, sich rausquatschen, jemanden überreden. Noch ein schönes Beispiel für "gespaltene Transitivität" ist rauskürzen.

Zitat
Also nicht:
Die Probleme wurden ausgesessen und die Handarbeit wurde wegrationalisoren.
sondern:
Die Probleme sind aus, weil gesessen wurde, und die Handarbeit ist weg, weil das übrige rationalisoren wurde.

Also, ich sage weiterhin das Erstere! Trägt ja zum Verwurr bei, und der ist unser Ziel. Von daher habe ich auch keine Einwände dagegen, an "halben" und "gespaltenen" Transitivitäten schonungslos wie bei normalen Transitivitäten vorbeizuipsivieren:

"Stehen diese Probleme nicht noch an?" - "Nein, die sitzen aus. Nur Geduld."
"Wir denken uns den Nenner vorläufig weg. Da der Nenner nun wegdinkt, befassen wir uns ausschlulß mit dem Zähler."
"In der Kinofassung von 1962 kurzt diese hervorragende Szene leider aus."
« Letzte Änderung: 2008-04-01, 16:54:30 von Kilian »

Agricola

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Re: ambivalente Transitivitäten
« Antwort #2 am: 2008-04-01, 16:39:59 »
Also, ich sage weiterhin das Erstere! Trägt ja zum Verwurr bei, und der ist unser Ziel. Von daher habe ich auch keine Einwände dagegen, an "halben" und "gespaltenen" Transitivitäten schonungslos wie bei normalen Transitivitäten vorbeizuipsivieren:

"Stehen diese Probleme nicht noch an?" - "Nein, die sitzen aus. Nur Geduld."
Ich zauge noch nicht ganz über. Was macht man dann mit Dingen die man sowohl aussitzen als auch aussetzen kann? Streitigkeiten zum Beispiel:
Zur Zeit sind die Streitigkeiten nur bis zum Herbst ausgesetzt. Aber ich bin sicher, wir werden sie bis zum nächsten Frühjahr erfolgreich ausgesessen haben.

Hieße das demnach ipsiv:

Zur Zeit sitzen die Streitigkeiten nur bis zum Herbst aus. Aber im Winter werden sie dann aussitzen. ???
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Kilian

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Re: ambivalente Transitivitäten
« Antwort #3 am: 2008-04-01, 16:56:25 »
Stimmt, mein Beispiel mit aussitzen funktioniert nicht, weil das Verb aussetzen heißen memüsse, damit aussitzen der Ipsiv wäre. Es heißt aber aussitzen. Wie sähe der Ipsiv dazu aus?
« Letzte Änderung: 2008-04-01, 17:10:55 von Kilian »

Agricola

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Re: ambivalente Transitivitäten
« Antwort #4 am: 2008-04-01, 16:58:20 »
Diese Frage, auf die ich keine rechte Antwort wusste, hatte mich gerade dazu gebracht, diesen Faden zu eröffnen ...
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