Autor Thema: Wörter  (Gelesen 135441 mal)

VerbOrg1

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Re: Wörter
« Antwort #465 am: 2021-09-03, 09:27:42 »
Söben von Amy erfunden: Prosamen (Kurzprosastücke)

Um bei der GSV-schen Logik zu bleiben, müsste dann allerdings noch das Gegentum "Contrasamen" definoren werden.
Sind das dann Einwändchen wie dieses hier?

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Wirrer Einwurf
« Antwort #466 am: 2021-09-17, 18:14:53 »
N’Aahmt allerseits.

Natürlich haben die ehrenwerten Mitglieder in meiner Abwas das Neutsche geradezu konvolutoren (Glückwunsch zum großen Werk!), aber ich möchte mich mal wieder äußern.

Zwei Ansätze der Sprachmanipulation finde ich derzeit besonders reizvoll: Erstens Begriffe zu vereinfachen (also durch einfache zu ersetzen) oder zweitens ganz besonders komplex-spezifisch zu sein, vornehmlich mit ironischem Reiz.

Vorbilld bei letzterem sind einige Tiernamen: Schokoladen-Fruchtzwerg, Vielzitzenmaus, Kaiserschnurrbarttamarin… Es lohnt auch immer der Blick in die Geschichte: „Gefrierfleischorden“ für einen Orden für den Einsatz in Stalingrad, „Schürzenstipendium“ als Bezinch einer bezuhlenen Liebesdienerfunktion von Studenten bei reichen Damen (Cicisbeo) im 18./19. Jahrhundert. Ein Lexikon der ironischen Begriffe aus allen Lebensbereichen ist ein echtes Desiderat!
Ein Beispiel für extremen Spezifismus kekünne sein: „Unter den Metzgereifachverkäuferinnen der Fleischerei Kruse zuhl sie nicht zu den Darfsetwasmehrseinerinnen.“

Das Vereinfachen stelle ich mir so vor: Der Ersatz von Fachbegriffen ermogläche viele neue Wörter. Beispiel: Polyvinylpolypyrrolidon kekünne durch „Quillts“ ersetzt werden und so weiter. Das kann enorm genau sein: Wer erfindet ein Verb für den Vorgang, der Großmutter Geld aus der Tasche zu leiern unter dem Vorwand, es für die Ausbildung zu brauchen und es dann für eine Playstation auszugeben?
Es gibt außerdem einige nonverbale Urße, die alle verstehen, für die aber keine deutschen Begriffe existieren. Vorbild Englisch: Hier bezeichnet etwa to tut-tut „den Laut ts, ts von sich geben, zum Zwecke der Lungverampf der Urße und Mühewälte anderer Personen“. Ich benutze z. B. bereits schon lange für die Tätigkeit des missbilligenden Lufteinsaugens mit am Gaumen angelogener Zunge das Wort „chiepen“.

Letztlich dienen beide Taktiken der völlig unnötigen Aufblahd des Wortschatzes!

Eine Übersatzsoftwær Deutsch > Neutsch wäre doch auch was Nettes! Ich kämpfe hier wirklich mit dem Einneutschen.

@Kilian: Ich würde gerne wieder mein Profilbild hochladen. Das ging das letze Mal über Soviseau, ist das noch gültig? Außerdem die Frage: Neues Meinbild im Buch, aber altes Meinbild auf der Webseite, wieso?

Nebenprojekt Adjektive und Stierge und Müll:

Sie los das Problem althasig.
Er stall sich jungspundig an.
Thomas Manns Werk fühlt sich œvriger an als das von Dan Brown.
Ihre Leistung war im Bereich des Okayen.
Sie lond einen gönnenswerten Erfolg nach all den Rückschlägen.
Er muss vor dem Tor wieder eiskalter werden.
Sein Alter war biblisch, aber das seiner Schwester war noch biblischer.
Als Fetthäuter kann ich mit den Cremes für Mischhäuter nicht viel anfangen.

Beste Grüße mit der Bitte um Nachsicht bezülg etwaiger Redundanzen und Fehler (Substantiv: Er war anxiös wegen der Etwaik von Fehlern)

Kilian

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Re: Wörter
« Antwort #467 am: 2021-09-19, 09:24:53 »
Sehr charmante Wörter, in der Tat! Man kekünne, um sie zu sammeln, vielleicht die ein oder andere oberlehrerhafte Liste anlegen. Oder etwas dem Kompetenzteam für schöne und für schlimme Wörter Verwandtes mit mehr Struktur bauen.

Profilbild bitte unter Profil → Forum Profil (sic) → Eigenes Benutzerbild hochladen selbst hochladen.

Zitat
Außerdem die Frage: Neues Meinbild im Buch, aber altes Meinbild auf der Webseite, wieso?

Nieso. Das Neustchen iert nun die Startseite z.

Vorbeischauer

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Re: Wirrer Einwurf
« Antwort #468 am: 2021-09-19, 23:50:07 »
Vorbilld bei letzterem sind einige Tiernamen: Schokoladen-Fruchtzwerg, Vielzitzenmaus, Kaiserschnurrbarttamarin… Es lohnt auch immer der Blick in die Geschichte: „Gefrierfleischorden“ für einen Orden für den Einsatz in Stalingrad, „Schürzenstipendium“ als Bezinch einer bezuhlenen Liebesdienerfunktion von Studenten bei reichen Damen (Cicisbeo) im 18./19. Jahrhundert. Ein Lexikon der ironischen Begriffe aus allen Lebensbereichen ist ein echtes Desiderat!

Es gibt tatsalch sogar schon ganze Bücher mit solchen Wörtern (z. B. Peter Graf: Eine ungemein eigensinnige Auswahl unbekannter Wortschönheiten aus dem Grimmschen Wörterbuch¹; man kann naturl auch Grimmens selbst nachschauen). Auch das hier enthält einige originelle Wortschupfe: https://www.hehl-rhoen.de/pdf/lexikon_der_jugendsprache.pdf. Und schlielß bieten andere Sprachen auch noch Anrage (z.B. heißt eine Papierschneidemaschine englisch paper guillotine, was eine gewisse zusaltze Billd hineinbringt).

¹ beim Reinschauen fiel mir jetzt grad das Wort „Schiffbrucherlittner“ auf - sehr originell, wie durch Einglord des Akkusativobjekts ein Partizip Perfekt Aktiv gebulden wird - das ließe sich doch auch auf andere Fälle ausdehnen, oder nicht: „fahrradgefahren“ (das gibt’s vielleicht sogar schon), „zähnegeputzt“, „suppegekocht“. Vielleicht sogar mit ditransitiven Verben: Ich verkaufe den Katzen Tomaten - Die Tomaten sind verkauft - Die Katzen sind tomatenverkauft - Ich bin katzentomatenverkauft…

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Re: Wörter
« Antwort #469 am: 2021-09-25, 11:26:54 »
Danke Vorbeischauer, danke Kilian.
Das mit dem Bild freut!
Und Kilian, wo du dich überall hinverklixt, wundersam. Aber sind wir nicht inzwischen die wahre Autorität? Ich schaue mir mal an, welche Listen mer erstellen kekünne...
Hey richtig, Jugendsprachelexika habe ich auch einige, sogar noch aus den Achzichern. Und Reßpeckt vor jedem, der mehr als zwei Zeilen im Grimmschen schafft. Liegt oben in der Bibliothek, aber ich kriege einen Vogel mit dem Schriftbild. Übrigens klingen die Sprachbeispiele mit den Katzen und Tomaten irgendwie japanisch, jedenfalls bin ich sicher, dass es Sprachen gibt, die so was machen.
Hier noch ein großes, lebenslanges Anliegen von mir: Eine Irin ist jemand aus Irland, ein Este kommt aus Estland, aber warum keine Isin aus Island und kein Nierle aus den Niederlanden? Und aus anderen Ländern der Mexe, die Nelpin, der Amerke, die Bralsin?

Hey, kennt jemand den Defa-Film "Spur der Steine"?  ;)

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Re: Wirrer Einwurf
« Antwort #470 am: 2021-10-04, 10:53:21 »
¹ beim Reinschauen fiel mir jetzt grad das Wort „Schiffbrucherlittner“ auf - sehr originell, wie durch Einglord des Akkusativobjekts ein Partizip Perfekt Aktiv gebulden wird - das ließe sich doch auch auf andere Fälle ausdehnen, oder nicht: „fahrradgefahren“ (das gibt’s vielleicht sogar schon), „zähnegeputzt“, „suppegekocht“. Vielleicht sogar mit ditransitiven Verben: Ich verkaufe den Katzen Tomaten - Die Tomaten sind verkauft - Die Katzen sind tomatenverkauft - Ich bin katzentomatenverkauft…
Das erinnert mich an die Briefe, in denen "der Unterzeichnete" sich zu allen möglichen Themen auslässt.

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Re: Wörter
« Antwort #471 am: 2021-10-06, 10:04:03 »
Hier noch ein großes, lebenslanges Anliegen von mir: Eine Irin ist jemand aus Irland, ein Este kommt aus Estland, aber warum keine Isin aus Island und kein Nierle aus den Niederlanden? Und aus anderen Ländern der Mexe, die Nelpin, der Amerke, die Bralsin?

Hey, kennt jemand den Defa-Film "Spur der Steine"?  ;)
Das mit den Staatsangehörigen gehört wirlk mal berachtogen.
Gerade Nierle find ich gut.

Den Film hab ich kurz nach der Wende gesehen... viel hängengeblieben ist nicht. War irgendwas mit Manfred Krug als Baustellen-Vorarbeiter, oder?
Haben die da was Spannendes gesagen, das ein erneutes Anschauen rechtfertigt?

Zurück zum Thema
Perfekt Partizip Aktiv hab ich immer noch nicht anzubieten. Aber auch mit Passiv kann es recht schräg klingen, und zwar auf Englisch.
Ihr kenns sie doch sicher, die gebrochen(be)herzten Leute (broken-hearted people).
Ich fand es immer gruselig.

Kilian

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Re: Wörter
« Antwort #472 am: 2021-10-06, 13:28:50 »
Hui ja. Dazu habe ich einen Querverweis: Four-left clover.

Vorbeischauer

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Re: Wirrer Einwurf
« Antwort #473 am: 2021-10-09, 12:32:43 »
Das erinnert mich an die Briefe, in denen "der Unterzeichnete" sich zu allen möglichen Themen auslässt.

Noch ein Beispiel: Der Eingebuldene Kranke memüsse naturl eigelnt Der Eingebulden Kranke heißen, schlielß ist ja nicht der Kranke eingebulden, sondern der eigelnt Gesunde ist eingebulden krank. Alternativ: Der sich sich krank einbildende Gesunde.