Autor Thema: Animalpoesie  (Gelesen 141976 mal)

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #30 am: 2005-08-26, 18:43:47 »
Die Flunder Doris sich erkor
den Hering Gerd vom Gatt.
Doch dieser frech die Maid brüskor,
sie sei ihm viel zu platt.

Drauf Doris sich das Herz grom wund
und in die Tiefe toch,
wo sie ein großes Goldstück fund,
da heiriet Gerd sie doch.
« Letzte Änderung: 2005-08-26, 18:44:45 von amarillo »
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #31 am: 2005-08-27, 11:21:28 »
Die Eule Kilian schwob in Höh'n,
wo kaum ein Aas sich hin verorr;
von dort konnt' sie fast alles seh'n,
waß sprachlich ihr die Welt beschor.

Waß schwach ihr schien, schnell aus sie marz,
schuf Platz für starke Formen,
wobei sie lautlos runterstarz
auf Schwingen, ganz enormen.

_________________________________________

Jens, der Fuchs, ein Leben fohr
von ganz besond'rer Güte.
Der Ablautwut er sich verschwor,
die trieb manch nette Blüte.

Wann immer hier im Tieresreich
ein Viech hätt' Herkunftsfragen,
wänd' es an Jens den Fuchs sich gleich,
der kann die Antwort sagen.

_________________________________________

Ein grauer Wolf der Dietrich war
von ganz enormer Stärke.
Stoll sich ein schwacher Vers ihm dar,
ging er sogleich zu Werke.

Respektlos docht er alle um,
die Schillers und die Goethen;
sie nähmen's heute ihm nicht krumm,
falls doch - er tät drauf flöten.

_________________________________________

Die Schwänin Heidi paldd im See,
und pflag dort ihr Gefieder.
Ihr bester Freund, ein Frosch-Gourmet
zag sich nur hin und wieder.

Dann zog sich dieser ganz zurück,
ließ Heidi nun alleine.
Doch fand 'ne Freundin sie zum Glück,
ihr wißt schon, wen ich meine.

________________________________________

Der Falke Rainer war der Star
im Süden von Iberien,
doch arbitt er dort Jahr um Jahr,
genoß nicht nur die Ferien.

Er rocht sein Auge hoch ins All,
nicht gar auf Maus und Hasen.
Was er dort soch? In jedem Fall
hat's viel zu tun mit Gasen.

_______________________________________

Erwin war ein großer Bär,
der konnte rückwärts dichten.
Keiner kann, das wußte er,
auf diese Kunst verzichten.

Daneben pflag er noch den Spleen
der Senfessortenkunde.
Und so berirch er zwiefach Wien,
die Stadt der bunten Hunde.

______________________________________

Andreas, das Chamäleon,
wolchs gern mal sein Erscheinen.
Erschien als Dealer am Perron,
bebrollen - Hut aus Leinen.

Dann zinch er doch mit schnellem Strich
ein Deustchen, alle stonen.
Nun warten wir geduldiglich
auf Endgult-Versionen.

_____________________________________

Der Ganter Günter schwamm im Teich
der Verben und der Nomen,
nohr dort sich von der Frösche Laich,
das barg ein schrecklich Omen.

Wenn's dormm, so wolnd die Gans ihr Bild,
dem Tweed wich's Federkleid,
glutrote Augen schieen wild,
tags Ganter, nächtens Hyde.



Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen, falls doch, bitte sofort (unter Nennung des Vornamens) melden.

Wer mit seinem Tier nicht zufrieden ist, sei versichert, daß ich das auch nicht in jedem Fall bin. Das Gereime zwang mich....
« Letzte Änderung: 2005-08-27, 11:27:50 von amarillo »
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

VerbOrg

  • Gast
Re:Animalpoesie
« Antwort #32 am: 2005-08-27, 19:16:08 »
Einer fehlt noch:

Gelbspötter Norbert flortt umher,
tschurr zwi in fremden Zungen,
doch's "tätä hüi" gefiel auch sehr,
war meisterlich gesungen.

Der Zeiten Lauf entging ihm nicht,
er urß sich zu so manchem Mond,
und docht auch sonst so manch' Gedicht,
sobald er fand, dass sich's hier lohnt.

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #33 am: 2005-08-28, 10:13:09 »
Auch Hummerfräulein Elenor
zumeist sich klitt nach dernier cri,
auf diese Weise sie betor
die Wasserwelt vor Cap Rungis.

Ein Fischer hov sie einst ins Boot
und blak ihr tief ins Dekolleté,
erst ward er blaß, dann puterrot
und warf zurück sie in die See.
« Letzte Änderung: 2005-08-28, 19:16:46 von amarillo »
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #34 am: 2005-08-28, 18:50:09 »
Die Vorstehhündin Isabel
war Star im Zuchtvereine;
kein Hund je apportor so schnell
wie sie - ganz ohne Leine.

Und eines Tags, es war im März,
man lesend sie vor'm Tor fand.
Die Züchter fossen sich ein Herz
und wohl'n sie in den Vorstand.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #35 am: 2005-09-02, 18:00:00 »
Den Tapir Rolf erwosch die Grippe,
nur Männer wissen, wie er litt.
Sah sich auf Totengräbers Schippe,
spor, wie der Saft ihm sanft entglitt.

Drei Tage bing Rolf um sein Leben,
sein Weib flooß ein ihm süßen Tee,
dann schuff er's doch, sich zu erheben,
"Bin wieder fit, nichts tut mehr weh."
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Kilian

  • Administrator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 5.643
    • Profil anzeigen
    • Texttheater
Re:Animalpoesie
« Antwort #36 am: 2005-09-04, 12:27:24 »
Tierisch! Klar sei diesem Genre eine eigene Rubrik gegonnen. Ich brauch nur nochn bisschen. Will noch am Menü frickeln...

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #37 am: 2005-09-04, 15:26:25 »
Die Bergschakälin Karla glob,
das sie das Grau nicht klitte,
das Gott der Herr als Fell ihr wob,
so urß sie denn die Bitte:

"Ich will nicht unbescheiden sein,
doch find' ich Grau abscheulich.
Das trägt zur Zeit am Berg kein Schwein,
en vogue ist jetzt hell-bläulich."
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #38 am: 2005-09-08, 11:25:50 »
Der T-Rex Bernd sich furchtbar sarg,
die Sonne ward verdolnken.
Noch gestern brann sie mächtig stark,
die Wälder war'n verkolnken.

"Glaubt Ihr, die Zeit sei nun vorbei,
daß wir, die Saurer, harrschen,
die Ära "Säuger" käm herbei?
Ihr wollt uns wohl verarschen!"
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #39 am: 2005-09-17, 00:11:19 »
Piet, ein androgyner Schneck
soch lange einen Partner schon.
Er sah darin den höh'ren Zweck
der Het'rokopulation.

"Die Schnauze voll von Selbstbefrud
will ich mich richtig paaren,
das hülf auch frischem Schneckenblut
der Gene Reinheit wahren."
« Letzte Änderung: 2005-09-17, 16:56:26 von amarillo »
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #40 am: 2005-09-17, 11:04:13 »
Der Holzwurm Bill saß tief in Kiefer
und knorbb mit seiner Kiefer Macht,
bahr täglich sich ein wenig tiefer,
bis man den Baum zur Säge bracht'.

Ein Schneiden hier, ein Hobeln dort,
man furm die wilden Klötze,
auf daß der Mensch an jedem Ort
an "BILLY" sich ergötze.


Damit habe ich endlich ein großes Geheimnis geloften: sämtliche Ikea-Möbel sind nach berühmten Holz-, Plastik- und Glaswürmern benonnen - in Schweden weiß das jedes Kind.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #41 am: 2005-09-18, 15:45:03 »
Klaus-Dieter war ein Känguruh
mit riesig starkem Schwanze;
traf abends er im Zoo ein Gnu,
frord er's gleich auf zum Tanze.

"Schad', daß es Euch bei uns nicht gibt",
sprach drauf die Gnuin Merle.
Ganz klar, die Dame war verliebt
in gut gebaute Kerle.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

hans am draht

  • Gast
Re:Animalpoesie
« Antwort #42 am: 2005-09-20, 15:01:28 »
Zwischen Aesop und der GSV liegt schon eine kleine Zeit, in deren Verlauf Heinz Erhard ersann:

Die Made

Hinter eines Baumes Rinde
Lebt die Made mit dem Kinde.
Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.
Eines Morgens sprach die Made:
"Liebes Kind, ich sehe gerade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!
Halt noch eins! Denk, was geschah!
Geh nicht aus, denk an Papa!"
Also sprach sie und entwich -
Made Junior aber schlich
hintendrein; und das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. Schade!
Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde...

hans am draht

  • Gast
Re:Animalpoesie
« Antwort #43 am: 2005-09-20, 16:44:34 »
Otto war ein Grottenolm
dem's zu spotten hat gefoll'n.
So lästerte er immer wieder
Über der and'ren Tiere Lieder-
Und Überhaupt! Und ihr Gefieder!
Das war ihm alles tiefst zuwider.
Vielleicht hätte der Grottenolm
sich mal im Spiegel sehen soll'n!

amarillo

  • Moderator
  • Zensor
  • *****
  • Beiträge: 4.784
    • Profil anzeigen
Re:Animalpoesie
« Antwort #44 am: 2005-09-22, 10:31:28 »
Faultier Gustav lab Lianen,
weil er von Baum zu Baum gern schwang,
denn anders als bei seinen Ahnen
harrsch bei ihm Bewegungsdrang.

Auch klortt er Bäume auf und nieder
mit ganz behendem, flottem Schritt,
daß selbst Makaken hin und wieder
im Tempo kamen nicht mehr mit.
« Letzte Änderung: 2005-09-22, 10:33:07 von amarillo »
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.