Autor Thema: Animalpoesie  (Gelesen 115272 mal)

amarillo

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Re:Animalpoesie
« Antwort #195 am: 2006-02-04, 09:46:37 »
Die Kegelrobbe Martin frug,
ob Frieden sei zu haben.
Dem Orka Dieter vor sie schlug,
das Kriegsbeil zu begraben.

Der willog ein und überlag's,
"wenn wir gemeinsam plönschen,
so dän' dies Beispiel eines Tags
vielleicht sogar den Menschen."

Doch plug ihn bald des Kohles Dampf
nach Kegelrobbenbraten,
und menschengleich, nach kurzem Kampf,
hat er den Pakt verraten.
« Letzte Änderung: 2006-02-04, 09:51:26 von amarillo »
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Günter Gans

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Re:Animalpoesie
« Antwort #196 am: 2006-02-04, 20:15:02 »
Abschwiff, unpoetischer:

Irgendwo war hier doch mal die Rede von einem Platzhirsch. Da muss ich heute amarillens Haussender loben, für ein herrliches Stück Realsatire. Und: unbedongen die Klangbeispiele anhören.

Bei der Gelegenheit:
Wollmama einen kleinen Summelsar mit Jäger- (z.B. die Neue = frisch gefallener Schnee), Angler-, Segler- oder meinetwegen Imkerdeustch eröffnen? Die sprechen doch ziemlich karoren, fast wie wir.

In der frühen Jugend hatt’ ich mal kurz Kontakt zur lodengrünen Szene, und ich sach’ Euch, die sind schräg drauf ("Die Jächer bloosen jetzt die Sichnale"). Als Ganter hab’ ich mich dann aber schleunig verdrocken und hinkünftig davon ferngehalten.

Kennt sich da jemand aus oder gibt Tips zu einschlägigem Nachschlagegewerk?
Gehen Sie immer in den Wald zur Paarung? (Loriot)

amarillo

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Re:Animalpoesie
« Antwort #197 am: 2006-02-04, 21:53:09 »
Ich verstehe noch nicht ganz, willst Du deren Vokabeln sammeln?
À la: Schweiß = Blut? Oder haben die sogar eine eigene Spreche / Syntax / Jargong / Redensarten?
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Fleischers Karsten

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Re:Animalpoesie
« Antwort #198 am: 2006-02-06, 16:41:59 »
Wie jeden ersten Sonntag im Monat fand auch gestern wieder im Opladener Pentagon eine Late-Night-Show statt. Ich begab mich im Namen der GSV auf die Bühne und trug Gisbert Haefs' "Winterweh im Oberland" sowie selbstgedochtene Animalpoesie vor und arnt eine Menge Appläuse.
Der ganze Abend war mal wieder ziemlich durchgeknallen: Es gab ukrainische Volksweisen, Heavy-Metal-Verarsche, improvisorenes Theater, Stoibers geniale Transrapid-Rede, Werke Erich Kästners und noch eine Menge mehr abgedrandenes Zeug.

Die Animalpoesie kann und darf ich euch naturl nicht vorenthalten:
___

Swenja, eine Bonoböse,
hat fest den Wald unter Kontroll’,
denn sie ist die Frisöse,
schiert den ganzen Haufen Proll.

Einer käme, sie zu decken –
das wäre nicht gut für ihnchen:
Sie wisse der Schere sich bezw zu ecken,
wird schnell aus Bonobo ein Bonobienchen.
___

Ich traf einmal Dirk, das Dik-Dik,
dessen Dick war ganz dick,
lange und sehr beständig.
Ich sug: „Entfirn das doch händig.“

Doch Dik-Dik Dirk wurt ant:
„Arme zu kurz, leih mir deine Hand!“
Ich donk ab, drand mich um,
das war mir dann doch zu dumm.

Noch im Gehen
hor ich Dik-Dik Dirkes Flehen...

Man sug mir später, ungefähr zwei Wochen,
dass Dik-Dik Dirk hätt’ geehelochen
eine hübsche Pavianenfrau
und dass diese wisse ganz genau

mit Dirkes dickem Dik-Dik-Dick umzugehen.

(Dik-Diks sind gar possierle kleine Antilopen.)
___

Walburga war eine Wälin,
die sich wunsch, sie wär ’ne Äälin.
Ach, es sei doch soviel besser,
zu schlängeln sich durch die Gewässer,
anstatt mit diesen vielen Pfunden,
drehen zu müssen ihre Runden.

Bis ich ihr dann mal erklur,
dass unter Wasser die Schwerkraft sie nie erfuhr.
Da dacht’ sich das Walburgalein:
„Ich lass das mit dem Aalen einfach sein.“

(Der Wunsch, ein Aal zu sein, scheint ja im Tierreich weit verbritten zu sein. Bereits in Michaels Gedicht über Wellensittich Guido wurde dieser thematisoren. Ich las sein Gedicht allerdings erst, nachdem ich Walburga half.)
___

Paul, ein junges Rhinozeros,
noch Unterkunft im Elternhaus genoss,
sehr verschwiegen, denkend, runzlig Stirn.
Ploltz die Mutter sug: „Nutz Horn statt Hirn.“

Sie schmiss ihn raus, auf die Straße. Görne
wiedernähme sie ihn auf, wenn er denn lörne,
dass Hornkampf seine Aufgab sei,
und nicht die Philosophiererei.

Paulens Hirn aber itt arb viel schneller –
er wurd Weltens erster Hornodarsteller.
___

Nacktmüllin Silvia fuhl sich sehr beschomen,
als ein Sternmull sie ansprach,
er müche schöne Photogromen,
nackich, natürlich. - Sie dachte drüber nach.

Sternmull log: „Ich mache dich zum Star!“
Silvia war nicht überziagen:
„Nur wenn ich anziehn darf einen Wonderbra,
ansonsten kannste jemand anders fragen!“
___

Cordula, eine einsame Emüe,
begab sich inmittst einer Herde Kühe,
ward gefragen, was sie dort triebe –
wurt ant, sie sööche die große Liebe.

Die Kühe draksen ein bisschen rum:
„Sorry, bist du etwa andersrum?
Nur Weibsvolk hier. Bullen – die Weide nebenan!“
Darauf Cordula: „Ups, da hab ich mich wohl vertan.“
___

Ellen, eine depressive Bachforelle,
überlug, wie sie auf die Schnelle
diesem Leben entschwimmen könne,
da ihr sowieso niemand irgendetwas gönne.

Sie dacht’ sich: „Ich mach’s ganz hart!
Und zwar auf die Müllerinnen Art!“

Sie hurr und hurr der Dinge,
auf das sie jemand finge,
sie zu auszuweiden und zu würzen,
ihr ellendig Leben abzukürzen.

Doch niemand fing sie. Und so kümmert Ellen
immer noch traurig zwischen den anderen Forellen.

(Meine liebe Freundin Ellen hat's mir nicht übelgenommen, dass ich ihren Namen für ein Fischgedicht entlieh. Depressiv ist sie aber auch bisweilen.)
« Letzte Änderung: 2006-02-06, 17:44:36 von Fleischers Karsten »
Karsten

Günter Gans

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Re:Animalpoesie
« Antwort #199 am: 2006-02-14, 01:19:19 »
Ich verstehe noch nicht ganz, willst Du deren Vokabeln sammeln?
À la: Schweiß = Blut?

Jau, so ähnlich dächte ich, mag aber mangels Kannnt nit selber damit anfangen - daher mein Gefrug nach Tips.

Oder haben die sogar eine eigene Spreche / Syntax / Jargong / Redensarten?

Könnt' schon sein, ich ölle unterscht: eher ja. Ürfe weiterer Fursch bed.
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Günter Gans

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Re:Animalpoesie
« Antwort #200 am: 2006-02-14, 01:29:00 »
@ Fleischers Karsten:

Köstlichst, abermals: schadest, dass Opladen so weit wech ist.

Übrigäns ein interessantes Phänomen, dass die Transrapid-Rede Jahr und Tag nach ihrer Hield erst neuerdinx so durchs Weltnetz kultet - manche Knaller haben halt eine laaange Zyndschnur. ;D

Vielleicht passend zur Leitung des Urhebers...?
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amarillo

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Re:Animalpoesie
« Antwort #201 am: 2006-02-18, 09:59:51 »
Den Experimentalgermanisten gewomden:

Das Neunauge Nina wuchs ständig
in die Breite, das war ihr nicht recht,
und so bat sie um Hilfe unbändig,
daß die rechte Diät man ihr brächt.

Kröte Winnie empfahl ihr zu sporten,
daß sie flugs ihre Muskeln trainör',
und zu schwitzen an jedweden Orten,
doch fand dies niemals Ninas Gehör.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

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Re:Animalpoesie
« Antwort #202 am: 2006-02-18, 10:12:37 »
Einem Opladener gewomden:

Das Brathünchenmädchen Gertrude
seit langem sich drah schon am Spieß,
und sie fand's reichlich warm in der Bude,
wo man ständig sich drehen sie ließ.

"Ich find dieses Drehen recht öde,
ohne Takt, ohne Rütmuß zudem,
immer nur links herum macht mich blöde,
ich beschwer' mich demnächst mal beim Brehm"
« Letzte Änderung: 2006-02-18, 10:15:43 von amarillo »
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

amarillo

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Re:Animalpoesie
« Antwort #203 am: 2006-02-19, 14:27:06 »
Neunauge 2. (und letzter) Versuch, diesmal mit Fehlsicht:

Das Neunauge Nina schol grausig,
und die Nachbarsch sie heftig verspitt.
Manchen Tags tru sie kaum aus dem Bau sich,
da sie schwerst unter Barschens Spott litt.

Doch erornn sich bald Nina des Trickes,
den die Mutter vor Jahren sie lahr
und hynotisor mittels Blickes
die Bärsche - und wurd Spottes bar.

« Letzte Änderung: 2006-02-19, 19:23:34 von amarillo »
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Günter Gans

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Re:Animalpoesie
« Antwort #204 am: 2006-02-23, 00:14:12 »
Zu den brünftigen Hirschrufern gibt’s noch ’nen Nachtrach: Wenn Ihr Euch selbst im Hirschbrünfteln üben mögt, so fertigt Herr Norbert Vitasek aus Wien treffliche Hirschrufgeräte, z.B. den berohmenen Faulhaber-Wildlock.
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Ku

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Re:Animalpoesie
« Antwort #205 am: 2006-02-24, 15:28:19 »
Die Henne Ki sich immer fro,
wenn ihr begong der Hahn Kero.
Stets much er ihr den Hühnerhof,
was alle Hühner sehr verbloff.

Sie gorck, er kroh im Liebesflimmer
und stoll die Frage ihr wie immer;
florst ihr ins Ohr: Ich bin so frei.
wie möchtest heute du dein Ei?

amarillo

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Re:Animalpoesie
« Antwort #206 am: 2006-03-04, 18:28:46 »
Der Große Mara Mario
lab tief in Patagonien
und ward nicht recht des Lebens froh,
ihm fahl der Raum zum Wohnien.

Denn immer mehr dahn aus der Mensch
sich dort mit seinen Kühen,
grond täglich eine neue Ranch,
und Mario mußte fliehen.
_________________________________________

Auf Borkum nast der Sperber Manni,
den es vom Inn einst her verschlug
"Zuarecht komm', koa Problem, dös kann i,
schau, Mäus' und Ratten hat's genug."

Nur fand er nie so recht die Nähe
zum Rest von Frieslands Vogelwelt;
allein Agathe, eine Krähe,
sich ab und an zu ihm gesellt.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Ku

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Re:Animalpoesie
« Antwort #207 am: 2006-03-05, 13:57:40 »
Nach Eicheln schnalff das Schwildwein Kong
und schorbb sich an den alten Eichen,
als ihm Holdgamster King begong.
Das Kong kriesch „Huch“ Ausrufezeichen
„Ich furcht, du wärest meinesgleichen.“

„Komm wieder runter von dem Baum“
sug King „und rekonvaleszenze,  
denn ein Verwolchs ist möglich kaum:
Schwildweine haben Schwingelränze
Holdgamster aber Schwummelstänze.“  

Michael

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Re:Animalpoesie
« Antwort #208 am: 2006-03-24, 12:55:03 »
Es lässt sich nicht vermeiden, dass man bei dem Gewimmel in diesem Faden hin und wieder einen alten Bekannten trifft:

Ein Heuschreckmännchen namens Jack
flochs mit Drakul der Schnake:
"Wenn länger ich kein Heu erschreck,
dann werd ich zur Heuschrake".

Drakul ward blass, weil er erschrak
(er doch gern um die Ecke)
er forcht, es käme einst der Tag,
da würde er zur Schnecke.

Michael

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Re:Animalpoesie
« Antwort #209 am: 2006-04-11, 21:04:28 »
Imelda war ein Tausendfuß
(des Präsidenten Gattin),
beritt dem Volke viel Verdruss,
man molnk Sie hätt ´nen Schatten.

Imelda trieb es ziemlich grob,
verschlurd Geld, Gold und Steuern,
für Schuhe, weil Sie nämlich glob:
"Das Volk kann mich nicht feuern".