Autor Thema: Blindgängerin  (Gelesen 2588 mal)

Wortklauber

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Blindgängerin
« am: 2014-10-11, 03:16:25 »
In bestimmten HinsichtInnen ist unsere Sprache eine Art Blindgängerin, zum Beispiel wenn es um GeschlechtInnen von abstrakten DingInnen geht. So spricht man davon, dass eine Klinik Konkurrentin einer anderen ist; wie ist es aber mit einem Krankenhaus? Da fehlt die sächliche Form. Ich schlüge hier vor (ohne innere Logik, zugegebenermaßen)
der Konkurrent, die Konkurrenten
die Konkurrentin, die Konkurrentinnen
das Konkurrens, die Konkurrentien
Somit wäre ein Krankenhaus Konkurrens eines anderen.
Aber das war eigentlich gar nicht der Anlass, hier etwas reinzuschreiben. Vielmehr ging mir bei dem Wort Blindgänger auf, dass hier die Sprache nachlässig war. Denn es handelt sich doch um eine Bombe oder eine Granate, also jedenfalls um eine Blindgängerin und nicht einen Blindgänger.

Kilian

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Re: Blindgängerin
« Antwort #1 am: 2014-10-13, 15:24:46 »
Ah, Nomina agentis! Beziehen sie sich auf Personen, richtet sich ihr Genus ja normalerweise nach dem Geschlecht der damit bezinchenen Person/en. Beziehen sie sich jedoch auf geschlechtslose Entitäten, wird es im Deutschen komplizorener: Der Normalfall scheint die maskuline Form zu sein. So ist es jedenfalls in Nomina agentis, die keine Personen bezeichnen und zu festen Begriffen geworden sind, wie Kuhfänger oder Salzstreuer. Tritt das Nomen agentis dagegen als Prädikat für eine Entität auf, die in diesem Zusammenhang mit einem femininen Substantiv bezinchen wird (wie in die Klinik ist Konkurrentin einer anderen oder al-Wifaq versteht sich als Vertreterin der Bevölkerungsmehrheit), nimmt es oft die feminine Form an. Mir fällt aber spontan kein Fall ein, in dem diese feminine Form lexikalisoren worden wäre – in dem also das feminine und nicht das maskuline Nomen agentis eine spezialisorene, keine Person bezeichnende Bedeutung angenommen hätte wie Blindgänger. Diese Lücke im Neutschen zu schließen und dabei gleich auch neutrale Formen zu erlauben scheint mir eine gute Idee. Bei Blindgänger ist mit Bombe und Granate relativ leicht eine kleine Menge möglicher Oberbegriffe ausgemacht, von denen man das Genus übernehmen kann. Schwieriger ist es z.B. bei Kuhfänger: Ist das eine Vorrichtung, sollte also Kuhfängerin heißen? Oder ein Bauteil, das man dann z.B. Kuhfäng nennen memüsse? Willkür wird wohl walten müssen.

Wortklauber

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Re: Blindgängerin
« Antwort #2 am: 2014-10-13, 15:39:39 »
Ein Computer wäre auf Neutsch am besten eine Rechnerin (Maschine), wenn man sie nicht nach dem französischen Vorbild als Ordnerin bezeichnen will.

Wortklauber

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Re: Blindgängerin
« Antwort #3 am: 2014-10-14, 09:12:03 »
Mir fällt aber spontan kein Fall ein, in dem diese feminine Form lexikalisoren worden wäre – in dem also das feminine und nicht das maskuline Nomen agentis eine spezialisorene, keine Person bezeichnende Bedeutung angenommen hätte wie Blindgänger.

Auch wenn es keine Sache ist, wäre wohl die Gottesanbeterin ein Beispiel. Sie hat wohl den weiblichen Titel, weil sie eine Schrecke oder Grille ist. Jedenfalls gibt es auch männliche Gottesanbeterinnen.

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Re: Blindgängerin
« Antwort #4 am: 2014-10-14, 12:24:56 »
Denn es handelt sich doch um eine Bombe oder eine Granate, also jedenfalls um eine Blindgängerin und nicht einen Blindgänger.

Ich meine ja, dass sich der Blindgänger auf 'Sprengsatz' bezieht und somit männlich bleiben darf (passt ohnehin besser zu Männern).
Allerdings plädiere ich für Seifenspenderinnen, Handtuchhalterinnen und Händetrocknerinnen - zumindest auf Damentoiletten.

Wortklauber

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Re: Blindgängerin
« Antwort #5 am: 2014-10-14, 12:35:23 »
Also gibt es auch Blindgänger, das sei zugestanden. Aber die ganzen Fliegerbomben, die so ausgegraben werden, sind dann doch Blindgängerinnen.

Auch die Zahl ist bekanntlich weiblich, somit besteht ein Bruch aus einer Zählerin und einer Nennerin, beim Multiplizieren gibt es Faktorinnen und bei der Hochrechnung Exponentinnen.

Wortklauber

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Re: Blindgängerin
« Antwort #6 am: 2014-10-15, 17:08:27 »
Ich miech mir weitere Gedanken darüber, was denn eigentlich die geiegnene salche Form für Wörter sei, die ihre malnne und wilbe Form auf -er, -erin bilden. Das -er, das so malnn aussieht, ist es ja anscheinend nicht, da es auch in der wilben Form vorkommt. Somit wäre es konsequent, es auch in der salchen Form beizubehalten und durch eine salche Endung zu ergänzen. Was ist aber eine salche Endung? Vielleicht -ing wie in "Ding" oder -ät wie in "Gerät"?

Ein Gerät, das kopiert, kekünne somit als Kopierering oder Kopiererät bezinchen werden.