gang und gäbe

Begonnen von Wortklauber, 2014-01-13, 18:51:45

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Wortklauber

Wer oft in frohem Klang und Kläbe
Erhoben seinen Sang und Säbe,
Wer oft verliebt in Schwang und schwäbe
Betrieben seine Stang und Stäbe,
Tat manchen guten Fang und Fäbe!

Wer nicht zu hohem Rang und Räbe
Getrieben ward in Drang und Dräbe,
Wer nicht verspor den Hang und Häbe
Zu Listen (wie die Schlang und Schläbe),
Dem wird so schnell nicht bang und bäbe!

Wer einen sah in Zwang und Zwäbe
Bei aufgeknüpftem Strang und Sträbe,
Wer dem zur Hilfe sprang und spräbe,
Ihn abknupf auch mit Zang und Zäbe,
Dem wünsch ich, dass er lang und läbe!

Denn solches ist nicht gang und gäbe!

Berthold

#1
Dem Meister Wortklauber
(der uns manch' prächtige Gravure gravor,
ein Riese, der oft Miniatüren ---tor)

Den klugen Sprüchen ompffst Du Thür & Thor
- pompöser doch erkläng': Gethür, Gethor -
stets gratis - ohne jedw''' Gebühr. - Gebohr?
Auch das, doch Salbe dem Geschwür, Geschwor,
Geschwär, Geschwier der Sprache, für & vor.
Du hast für Versschmuck stets Gespür; Gespor
dem eignen Pegasus. Wer schür'? Wer schor
des Thoytschen Wildwuchs, sei's Gerühr, Gerohr.
- Herr Syntax bietet gar Geschür. - Geschor?
Ein Rucker wär's nur zu Geplür - Geplor ... -

Daß nie die Bux' am Beutel schnür & schnor,
daß Dich nie beutle je Gehür', Gehor'
und dennoch sich oft feste rühr Dein Rohr;
daß Deine Finger zupfen Lyra, Lor';
daß Du nie leidest Machtwillkür, -willkor ...
Sei oft prachtvollen Stils Lecture Lektor!
's ist derlei mehr, was ich Dir kür und kor.
Sei süß! Nicht bitter, sauer - Myrrh' & Moor.
Der Ziegenmelker* schnurr Dir: ürrr & orrr ...

*Caprimulgus europaeus L., 1758 (Fam.: Nachtschwalben - Caprimulgidae)


Berthold

#2
Donner und Doria! in Bausch und Bogen
rühm ich ein Festmahl voller Rausch und Rogen.
Genauer: 's war dabei der Karausch' Rogen.
Blitz und Blimberger! Flugs ein Flausch geflogen.
In Wagners "Rheingold", wie gebannt, lausch Logen!
Besuch auch einen Zoo, lausch Zoologen! -
Was führt uns hin zum Abgrundrausch? Die Drogen.

Wortklauber

Wer öfter geht mit Flint' und Flegel
Hinaus in Wetter, Wind und Wegel,
Wer auf die Brise sinnt und Segel,
Auf dass er Freiheit findt und fegel,
Dem Kraft und Mut nicht schwindt und schwegel!

Wer weihnachts bäckt sich Print und Pregel
Und fromme Verse spinnt und spegel,
Wer Geigen stimmt mit Quint und Quegel
Und singt von Esel, Rind und Regel,
Der taugt zu keinem Sprint und Spregel!

Wen Liebe machte blind und blegel
Dass er sich ewig bind' und begel,
Wer Bande einging lind und legel,
In denen er sich schind und schegel,
Der sitzt nun da mit Kind und Kegel.

Berthold

#4
Na komm, komm, komm ...

Zwar hat er noch viel Xind* und Xegel,
manch' Pfründe - boarisch: Pfrind' und Pfregel;
im Mahagonispind und -spegel
ein Bild von Moritz Schwind und Schwegel,
(- was, Syntax, wär' Gemind? - Gemegel?)

Doch quält am Kopf ihn Grind und Gregel:
ein erbliches Gebind: ein Begel.
Ein Sälblein hülf - aus Tind und Tegel;
oder Hirudo - Ind und Egel;
zu heben Lebens-Pind und -Pegel.

Er kocht noch selbst, nimmt Schlind und Schlegel,
ist darum sportlich, krind und kregel,
braucht zum Menü nicht Schnind, nicht Schnegel.
Statt "Faß" sagt er noch Lind und "Legel".
Kein Mensch heißt ihn drum Flind und Flegel.

*Gesinde 

Berthold

#5
Ich fänderte, eine Stoffsammlung jener alliterierenden Bildungen wie in Bausch und Bogen, Donner und Doria (vom Schiller?), gang und gäbe, mit Kind und Kegel, Tür und Tor (öffnen) - Flix, Flux, Flax, Florian (aus "Der Vogelhändler" von Carl Zeller: https://www.youtube.com/watch?v=DoGRokoiFrA )... wäre nicht sinn- und saftlos. Auch Firmen freuen sich über sowas. Aus Wiener Neustadt nenne ich Stix und Skwara. Bei den Hefteln verweise ich auf Fix und Foxi, sowie (erwiertten) Tick, Trick und Track. Dänisch heißen die, beispielsweise, Rip, Rap og Rup.
http://www.duckipedia.de/Liste_von_Disney-Figuren_in_verschiedenen_Sprachen#Englisch
Da gibt's auch die Reimvariante: mit Ach und Krach, Knall und Fall - oder Knall auf Fall (das ich "weniger" kannte), Scheiß mit Reis zum Sonderpreis. Eine Sonderform schreibt sich zusammen: Hudriwudri, Schurimuri. Das gibt's auch bei der ersten Gruppe: im Zickzack. Sogar bei der Zuckmückerey finde ich die Gattung Cryptochironomus. Der Familienname heißt nicht Sumpfmüller, sondern Moosmüller.
Ugbrens: Tick, Trick und Track auf Finnisch: Tupu, Hupu ja Lupu. Die Neffen vom Felix heißen Inky und Dinky. /
- sowie eine Variante, die zwar weder stäbt noch reimt, aber doch Zusammenhänge bingt & schlildet (vielleicht aus dem alten Rechtstheutsch?): mit hängen und würgen.
Dabei frägt sich - insgesamt - auch öfters Orthographisches: Groß oder Klein?
Ich schließe hier mit dem Dindon-deine ... Dindon-don aus dem Lied "Daar was een sneeuwwit vogeltje":
http://liedjeskist.nl/liedjes_a-z/d-liedjes/daar_was_een_sneeuwwit_vogeltje.htm