Ein neu getaxenes Beethovenlied

Begonnen von Berthold, 2016-09-13, 10:33:48

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Berthold

Liebe FreundInnen! Morgen wird bei Sudy-Wirten in Wien Leopoldstadt ein Buch zum Jubiläum des Wiener Praters vorgestollen: "Praterrummel" von Alexander Weiss - edition tarantel. Ich werde dort ein neu getaxenes Beethovenlied zum guten oder (hoffentlich) gar besten geben.


Berthold Janeček
Janečeks Reise – der Beginn; Original: Urians Reise um die Welt: Text: Matthias Claudius; Musik: Ludwig van Beethoven
(Noten siehe: http://www.onlinesheetmusic.com/urians-reise-um-die-welt-no-1-from-eight-songs-op-52-p315420.aspx)
Dietrich Fischer Dieskau/ Jörg Demus: https://www.youtube.com/watch?v=kNVNNisNvbY
Meine Wöaschn wird gemütlicher und tiefer als die vom seligen Dieter (siehe aber letzte Strophe). Jeweils die letzten zwei Zeilen werde ich wiederholen. Ich weiß nicht, ob sich die Leut über die Chorstellen zum Strophenschluß trauen werden.

1) Wenn jemand eine Reise tut, // dann kann er was verzählen.
Drum nehm ich Mückennetz und Hut // und tu das Reisen wählen.
Ich hoff, er hat das Herz am linken Fleck. // Erzähl er doch weiter, Herr Janeček.

2) Der Prater ist mein erstes Ziel, // Zuckmücken mich erregen.
An selt'nen Species find ich viel. // Der Neid frißt die Kollegen.
Dobrudscha-Ringfuß, ich kenn' dein Versteck. // Erzähl er nur weiter, Herr Janeček.

3) Ich schnupp're nach dem Bärenlauch // und finde Blütenmassen.
Wie Knoblauch lockt's den leeren Bauch // mit Balkanmythen, blassen.
Kein Liebestoller beim Gerüttel schäumt. // Hier ist ein Mensch, der arglos schüttelreimt.

4) Erinn'rung lockt zum Lusthaus hin. // Die Süße wurde bitter ...
Ich schwimm in Auwald-Weihern drin: // Die Augen von Brigitta.
Im ,,Hummel", wo ich mich zu Versen reiz, // weiß ich sie  fern, denn sie lebt//liebt in der Schweiz.
(Text bei der Wiederholung – hier lebt // liebt - durch Doppelstrich abgetrennt.)

5) So bleibt die Zukunft Traum und Bild: // Entschlüpfen wir den Wamseln -
Im Geiste, gleich ist's halb so wild: // zum Dommeln, Gimpeln, Amseln.
Was dient als Kühlung für den langen//blaaden  Prasser? // Heustadel-, Krebsen und Lusthauswasser.

6)Herb riecht das Wanzenknabenkraut; // es blüht hier auf Heißländen.
Die Klara hat mein Herz geklaut, // umspielt // umkost heiß meine Lenden.
Ein Mückenschwarm durchdröhnt die Luft – so geil. // Die Riesenpappel wehrt den Sonnenpfeil.

7) Ägidi tritt in Brunft der Hirsch, // durchtobt die kalten Nächte.
Ein Zwetschkenschnaps, vielleicht auch Kirsch: // Für Forscher ist's das Rechte.
Zwergdommel, Beutelmeise, Kormoran: // Fischadler, Nachtigall und Kormoran://
Sie locken gleichfalls Zoologen an.

8] Doch wir gerieten zur Lobau; // die ist bedeutend wilder.
Dem Wurschtelprater gilt die Schau // der Bibi Haag'schen Bilder.
Noch weit're Strophen reih'n wär fad und keck. // Halt endlich er sein Maul, der Janeček.