Autor Thema: Lokuslyrik  (Gelesen 9303 mal)

Berthold

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #15 am: 2016-10-24, 11:59:45 »
Der Klopoet im Kackdampf feile
nicht allzulang an Stil und Reim,
denn mancher, eh’ die letzte Zeile
vollendet war, in Ohnmacht

Das wird ja wohl eher heißen:

Der Klopoet im Kackdampf feile
nicht allzulang an Reim und Stil,
denn mancher, eh’ die letzte Zeile
vollendet war, in Ohnmacht fiel.

Aber damit, lieber Kilian (siehe unten), hätte ich, naseweis & uijegerl, den Witz zerstoren.
« Letzte Änderung: 2016-10-24, 14:06:07 von Berthold »

Berthold

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #16 am: 2016-10-24, 12:05:36 »
Ein Hypothema sind wohl die "Häuselsprüche", deren einfachste Form - eines/R Name - im Urfaust vorkommt:

MEPHISTOPHELES.
   Das schadt der guten Sache nicht.
   Dann vordersamst mit dem Logis
   Wüßt ich Euch wohl nichts Bessers hie,
   Als geht zu Frau Spritzbierlein morgen;
   Weiß Studiosos zu versorgen,
   Hats Haus von oben bis unten voll,
   Und versteht weidlich, was sie soll.
   Zwar Noaes Arche war saubrer gefacht,
   Doch ist's einmal so hergebracht.
   Ihr zahlt, was andre vor Euch zahlten,
   Die ihren Nam aufs Scheißhaus malten.

Dieses "gefacht" (vielleicht gar von "fegen"?) läßt es möglich erscheinen, auch Goethen, consiliatorem occultum/secretum, als eines unserer Ehrenmitglieder aufzunehmen. Oder ist er's eh schon?

Ein treffliches G'sätz'l zu den wichtigsten Untergruppen der Häuselsprüche stammt aus Ödön von Horváths "Italienische Nacht". Ich schau jetzt, katakuren, dem oft ätzenden, zum puren Trotze, nicht nach, ob ich's bei uns schon einmal herguschrimp habe:

WIRT plötzlich verträumt. Ich denk jetzt an meinen Abort. Siehst, früher da waren nur so erotische Sprüch an der Wand dringestanden, hernach im Krieg lauter patriotische und jetzt lauter politische - glaubs mir: solangs nicht wieder erotisch werden, solang wird das deutsche Volk nicht wieder gesunden -

KRANZ: Halts Maul, Wildsau dreckige!
   
« Letzte Änderung: 2016-10-24, 13:11:00 von Berthold »

Kilian

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #17 am: 2016-10-24, 13:30:57 »
Der Klopoet im Kackdampf feile
nicht allzulang an Stil und Reim,
denn mancher, eh’ die letzte Zeile
vollendet war, in Ohnmacht

Das wird ja wohl eher heißen:

Der Klopoet im Kackdampf feile
nicht allzulang an Reim und Stil,
denn mancher, eh’ die letzte Zeile
vollendet war, in Ohnmacht fiel.

Der Klopoet hatte seinen eigenen Ratschlag halt orgbehutzen.

amarillo

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #18 am: 2016-10-24, 18:28:27 »
Mit Lust und Wucht und vollem Strahl
verströmt sich Mannesjugend.
Dem Greise wird der Gang zur Qual,
er spröng zu gern das Urinal
und pföffe auf die Tugend.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Wortklaux

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #19 am: 2016-10-25, 04:35:24 »
Dem Darm pflegt zuzuführ’n der Magen
ein Inkrement an allen Tagen.
Der Darm mag die Kremente lutschen
und kremen, dass sie besser rutschen.
Dem Darmbesitzer wird’s nun bang,
zum Donnerbalken zieht der Drang,
wohin er nun auch schleunigst rennt,
und dort besieht das Ex-krement.

amarillo

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #20 am: 2016-10-25, 07:03:25 »
Klohaiku:

Wär da kein Papier,
noch fändest Du ein Tüchlein,
was opfertest Du?
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Wortklaux

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #21 am: 2016-10-25, 08:40:16 »
Furtsologie

Freiweg ich tröt’ durchs ganze Haus
und lasse einen Frankfurz raus.

Wenn Klagenfurze dir entschleichen,
ertönt ein Sound zum Herzerweichen.

Kein Mensch spricht noch vom Anstand-Wahren,
wenn ihm ein Schweinfurz ist entfahren;
doch unvergleichlich ist die Qual,
durchdröhnt ein Ochsenfurz den Saal.

Kreuzweise kann mich der Poet,
wenn er auf Längs- und Querfurz steht.

Wortklaux

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #22 am: 2016-10-25, 12:30:43 »
Furtsologie Nr. 2

Bei Grünenfurzen mancher Bayer
sich sehnt zurück nach Straußfurz-Feuer.

Wortklaux

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #23 am: 2016-10-25, 12:39:42 »
Altes Wasserklo
— ein Stück Kacke fällt hinein —
so klingt das Wasser

Berthold

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #24 am: 2016-10-25, 13:09:27 »
Altes Wasserklo
— ein Stück Kacke fällt hinein —
so klingt das Wasser

Das weiß der Berti schon, Alter, daß sich das an 松尾 芭蕉 lehnt. 古池や蛙飛びこむ水のおと
 - Plumps - -  -
Ein recht nettes Artikelchen: http://www.ziemlichkraus.de/haiku/ruinieren.htm
« Letzte Änderung: 2016-10-25, 13:20:13 von Berthold »

Beck Messer

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #25 am: 2016-10-25, 20:05:43 »
Klohaiku:

Wär da kein Papier,
noch fändest Du ein Tüchlein,
was opfertest Du?

Memüsse es nicht "örpfest" heißen?

Beck Messer

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #26 am: 2016-10-25, 20:22:48 »
Ja, ich weiß, dann wären es keine fünf sülben mehr.  :P

Wortklaux

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #27 am: 2016-10-26, 07:30:02 »
Furtsologie Nr. 3

Vonwegen wer den Furz zuerst gerochen, dem ist er aus dem Arsch gekrochen:

Ein Treffurz wird, gezielt, mir reichen,
nur deine Luft dir zu verseuchen.

Wortklaux

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #28 am: 2016-10-26, 16:17:48 »
Furtsologie Nr. 4

Länge und Fürze:

Ich frag, wie hab ich's anzufangen,
um was im Leben zu Erlangen?
Hingegen ist mir völlig schnurz,
was ich mir jeden Tag Erfurz!

amarillo

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Re: Lokuslyrik
« Antwort #29 am: 2016-10-27, 10:45:58 »
Mich treibt ein innig-süßes Träumen
Von einer Welt aus reinem Duft.
Und kaum bin ich in diesen Räumen,
Ist jener Traum sogleich verpufft.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.