Autor Thema: Problem mit den Frauen  (Gelesen 702 mal)

amarillo

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Problem mit den Frauen
« am: 2019-07-03, 16:29:54 »
Verehrte Gemeinde,

es gibt da solche Nomen, die eigentlich ganz harmlos daher kommen, wewulle man sie jedoch gendergerecht einer weiblichen Form zuführen, fiese Klänge hervorrufen:
Zauberer
Polsterer
Wanderer etc.

Muss es wirklich heißen 'Zaubererin - Polstererin - Wandererin...' heißen, oder darf man gar eine ganze Silbe auslassen und 'Zauberin - Polsterin - Wanderin...' sagen?

Ich weiß es nicht, beide Formen finde ich unzulälng, erstere für die Zunge, letztere für das Ohr.
Sesülle man da nicht kreativer herangehen, zumal der Arbeits- und Innovationseifer der GSV letztlich ein wenig Ermüdung zietag?
Ich persölm habe noch keine zündende Idee, aber vielleicht...
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

ku

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Re: Problem mit den Frauen
« Antwort #1 am: 2019-07-03, 21:33:22 »
Gute Frage. Normalerweise habe ich kein Problem mit Frauen. Auch mit deren Berufsbezeichnungen nicht.
Aber:
Zauberin, Polsterin und Wanderin sind ja nun auch nicht das Grüne vom Ei.
Ich öre mal zu folgenden Bezinchen tend:
Zaubera, Polstera und Wandera.
Nun gibt es inzwischen Menschen, die sind weder männlich noch weiblich oder beides gleichzeitig, oder neigen dem eigenen Geschlecht eher zu als dem anderen, was in gewissen Kreisen nicht als naturgegeben angesehen wird, sondern als eklige Krankheit.
Auch für solche Menschen muss es jetzt ja Bezinche geben.
Wenn man sich den ganzen Abgrenzungskram sparen möchte, kann man sich ja auf eine insgesamtene Ansprache einigen. Das gilt dann für alle Spezies.
Ich schlage also vor:
Zauberum, Polsterum, Wanderum.
Wer anderer Meinung ist, kann sich ja was besseres ausdenken.     

amarillo

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Re: Problem mit den Frauen
« Antwort #2 am: 2019-07-04, 18:11:54 »
Kein Problem mit Frauen? Das grenzt ja an Hochverrat! ;)
Aber zum Thema: eine sehr schöne Löse, die Du vorschlugst, und wenn ich mir vorstelle, wieviel Verwurr der Plural der Diversform stiften kekünne - chapeau!

Eigelnt beabsachtog ich, mich in diesem Leben nicht mehr um Fragen der Geschlechtszu- oder nichtzugehörike zu kümmern, aber nu isses ja mal aufm Tisch. Natürl kann es für uns eine riesige Spielwiese eröffnen, aber ich habe bislang noch keine Idee, welche Nuancierungen in den Köpfen der weder männlichen noch weiblichen Teile der Bevölkerung existieren - und allen soll doch Gerechtike widferfahren. Es tut sich eine Universum auf.

Die And '-um' ließe sich ja schomma auch für jene Bezinche einführen, die nicht dieses hässliche '-erer' aufweisen:
derArzt, die Ärztin, das Ärztum - der Schmied, die Schmiedin, das Schmiedum...
Bleibt abzuwarten, wie hoch die Wellen der Empur schlagen werden, da ich die Unverfrur besaß, den diversen Betroffenen einfach den sächlichen Artikel zuzuordnen -  bin auf die ersten Morddrohungen gesponnen.
« Letzte Änderung: 2019-07-04, 18:13:43 von amarillo »
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Kilian

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Re: Problem mit den Frauen
« Antwort #3 am: 2019-07-05, 11:28:21 »
Da gibt es freilich schon einiges an Vorschläge für nichtbinäre Pronomina und Personenbezinche im Deutschen. Zum Beispiel von Profex Lann Hornscheidt: http://www.lannhornscheidt.com/w_ortungen/nonbinare-w_ortungen/

Und hier ist eine lange Liste proponorener Pronomina: https://nibi.space/pronomen

ku

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Re: Problem mit den Frauen
« Antwort #4 am: 2019-07-05, 14:58:16 »
Viele Dänke für die umfangreiche Liste. Da haben wir ja jetzt schon einige Auswähle.

ICH habe aber noch eine Genderidee:
Wenn ein Mensch ICH schreibt, gibt er ja auch sein Geschlecht nicht bekannt, es sei denn, er umschreibt sich gleichzeitig noch mit speziellen Genderattributen (umfangreiche Oberweite, Rauschebart, 90-60-90, Schuhgröße 49, Kondomgröße 69 usw.).

Wir sollten für solche Fälle etwas erfinden, wodurch sich der ICH-Schreiber auch gendermäßig identifiziert.
In Anlahn an das gute alte Latein könnte man ja vorschlagen:
Ichus, Icha, Ichum.
Das klingt aber irgendwie subgenial.
Hat jemand Vorschläge?   

Vorbeischauer

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Re: Problem mit den Frauen
« Antwort #5 am: 2020-10-10, 13:16:57 »
Im Isländischen ist übrigens vor ein paar Jahren ein geschlechtsneutrales Pronomen für alle Fälle eingefohren worden:
hán, hans, hani, hán.
Statt eines Possessivpronomens wäre dann der Genitiv nutzbar (meiner Mien nach sesülle der im Deutschen aber eher nachgestollen werden, so wie in „Vater unser“):
das Auto hans

Vorbeischauer

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Re: Problem mit den Frauen
« Antwort #6 am: 2020-10-10, 13:33:43 »
Viele Dänke für die umfangreiche Liste. Da haben wir ja jetzt schon einige Auswähle.

ICH habe aber noch eine Genderidee:
Wenn ein Mensch ICH schreibt, gibt er ja auch sein Geschlecht nicht bekannt, es sei denn, er umschreibt sich gleichzeitig noch mit speziellen Genderattributen (umfangreiche Oberweite, Rauschebart, 90-60-90, Schuhgröße 49, Kondomgröße 69 usw.).

Wir sollten für solche Fälle etwas erfinden, wodurch sich der ICH-Schreiber auch gendermäßig identifiziert.
In Anlahn an das gute alte Latein könnte man ja vorschlagen:
Ichus, Icha, Ichum.
Das klingt aber irgendwie subgenial.
Hat jemand Vorschläge?   

Wie wäre es damit:
Es gibt jeweils drei Formen, jeweils eine explizit weibliche und männliche Form (entlohnen aus verschiedenen anderen Sprachen und Dialekten) und eine Standardform, die immer genotzen werden kann. Zum Teil wird dabei dann auch die hochdeutsche Lautverschiebung rückgängig gemachen:
jeweils in der Reihenfolge Standardform / männliche / weibliche:
ich - ey (oder ej) - ik
meiner - meener - miner
mir - mer - mis
mich - mey (oder mej) - mik
du - tu - thu (oder þu)
deiner - teener - thiner (oder þiner)
dir - ter - this (oder þis)
dich - tey / tej - thik (oder þik)
wir - we - mir
unser - euser - üser
uns - eus - üs
uns - eus - üs
ihr - je - u
euer - üer - uwer
euch - ü - uw
euch - ü - uw
sie - eis - hie - ija (neutr.)
ihrer - iller - eller - therer
ihnen - illen - ellen - thenen
sie - ils - els - thau
In der dritten Person gibt es auch eine Neutrumform, und im Allgemeinen richtet sich die gewohlene Form nach dem Genus des Wortes statt nach dem Geschlecht der Personen (außer in der höflichen Anrede): Von den Personen memüsse also als „hie“ gesprochen werden, auch wenn unter ellen nur Männer sind, elle höfliche Anrede wäre aber „Eis“ (oder naturl „Sie“).
« Letzte Änderung: 2020-10-10, 18:22:51 von Vorbeischauer »