-ieren Substantiv ieren

Begonnen von Fleischers Karsten, 2006-03-27, 19:03:29

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Fleischers Karsten

Wie am Samstag in Fulda schon erwåhnen, beschoftag ich mich mit der Substantivur der –ieren-Verben. Es hirrscht ein heilloses Durcheinander von möglichen Anden, teilweise noch durch Konsonantenändar verkumplazoren, wie folgende, mit Sichernis unvollstande Liste zeigt:

-ierung:
orientieren – Orientierung

-ung:
quittieren - Quittung

-tar/atur/tur:
kommentieren - Kommentar
kandidieren - Kandidatur
korrigieren – Korrektur

-at:
resultieren - Resultat
diktieren – Diktat

-kt:
konstruieren - Konstrukt
produzieren – Produkt

-ation/-ition/-tion:
präsentieren - Präsentation
definieren - Definition
reagieren – Reaktion
suggerieren - Suggestion

-ssion:
diskutieren - Diskussion

-anz/-enz:
akzeptieren - Akzeptanz
existieren - Existenz

-ust/-ost:

verlieren - Verlust
frieren - Frost

-ie:
garantieren - Garantie

-e:
kontrollieren - Kontrolle

-Ø:
profitieren - Profit
kritisieren – Kritik
musizieren – Musik

andere:
engagieren - Engagement
trainieren - Training
blockieren – Blockade
prognostizieren – Prognose
propagieren – Propaganda

Nun haben wir ja bereits einen Haufen an Regeln, um viele von diesen Anden loszuwerden. Eine davon, Regel 2.9, besagt: Bei Substantiven auf –ierung wird –ierung durch –ur ersetzt.
Die kanonische Art und Weise, Verben auf –ieren Substantiv zu ieren, ist sicherl die Anwand der Regel: -ierung ersitzt –ieren. Iert man dies Kombin mit Regel 2.9, erhält man: -ur ersitzt –ieren.
Das iert immer Funktion und hört sich gut an: Propagur, Trainur, Diktur etc.
Außerdem erlaubt dies, zu einigen Substantiven schöne neue Verben Kre zu ieren. So kommt man von Futur auf futieren, von Natur auf natieren, Texturtextieren etc.

Allerdings klingen diese Substantive nicht gerade stark. Ich iere daher dafür Pläd, eine weitere And zu erlauben, die dem entstehenden Nomen mehr Kraft verleiht: -ost.

Iere ich einen Euro Verl, so ist dies nur eine Verlur. Geht mir hingegen mein linkes Bein, ein geliebter Mensch, Haus und Hof verloren, so ist dies ein herber Verlost!
Bei +5° Celsius spüre ich eine Frur, bei -10° allerdings richtigen Frost.

Weiterhin gibt es Verben, zu denen zwei Substantive gehören, wie diktieren – Diktat/Diktatur. Auch dieses Problem lässt sich leicht mit den beiden Anden –ost und –ur in den Griff bekommen: Iert mir einer einen deutschen Text Dikt, so ist dies eine Diktur. In einer Fremdsprache wird dies widerum schon zu einem Diktost. Und in einigen Länder hirrscht eine Diktostur...
Karsten

Fleischers Karsten

#1
Ach ja, noch ein Zusatz:

Jemand, der -iert ist nicht etwa ein -ierer, sondern ein -ar (wie in archivieren - Archivar) oder, stärker, ein -ist (komponieren - Komponist).

Er friert. - Er ist ein Frar oder ein Frist.
Er verliert. - Er ist ein Verlar oder Verlist.
Karsten

Kilian

#2
Ergonz:
-ition
komponieren - Komposition

Also
-ur für den Vorgang, den das ieren-Verb beschreibt,
-ost/-ust dito, nur kraftvoller (welches von beiden, sollte m.E. von Fall zu Fall entschieden werden, z.B. Malträtost, aber Musizust...)
-ar für den Ausführenden

Des weiteren schlage ich vor:
-at oder -ukt (die Endung finde ich nämlich auch geil) für das Ergebnis:
Das Malträtat lag blutend in der Ecke.
Das Kodukt ist vollkommen unverständlich.

Rückwärts kann man, nicht zu vergessen, Verben bilden:
konglomerieren - vermengen
viadieren - eine Brücke schlagen
tinktieren - Pflanzen-/Tierstoffe in Bestandteile zerlegen
futieren - ins Futur setzen
kieren - das, was eine Karin tut

Fleischers Karsten

Ja, das ist gut!

unrieren - Müll hinterlassen
aquädieren - Wasser leiten
Karsten

Fleischers Karsten

#4
Wenn das -at der -ur des -ares letztendl irgendwo hineingeht oder aufgenommen wird, kekünne das ein -al oder eine -ale sein:

Der Urinist entsorgt das Urinat im Urinal.
Er benotz ein Papiertaschentuch als Onanal.


Auch hier lassen sich wieder Verben zurückbilden:

annieren - in die Geschichte eingehen
futterieren - etwas (das Futterat) umhüllen
Karsten

Arnymenos

Mein Pläd für einen Beibehalt der Alternur -ost/-ust. Das Wort Verlust durch Verlost zu ersetzen - durch Verregelmäßigung (!!) gemäß neuer Regel - sollte Dir, lieber Karsten minst so komisch vorkommen wie mir.

Wir haben also eine Substantivur (die wir zu einer echten Substantivust auszubauen gedenken), bei der die von bislang nur wenigen Beispielen bekannten Anden konsequat angewandt werden sollen.

Nomen agentis (des Handelnden):
-ar
-ist/-ast (Steigerungsform)

Beispiel für -ast: Cineast (also da, wo -ist nicht passt)

Nomen actionis (der Handlung):
-ur
-ust/-ost (Steigerungsform)

Mittel:
-al

Resultat:
-at

Eine Anmerkung zum Resultat. Dies ist oft gleichbedeutend mit dem Ursprungsnomen. Ein "Futterat" gibt es nicht, weil das Ding schon "Futter" heißt, ein "Urinat" ebensowenig.

Fleischers Karsten

#6
Ich gedachte ja zunächst nur die And -ost zu verwenden, die Alternur -ost/-ust hat der Kilian hinzugefogen. Das gefällt mir gut und somit besteht auch keine Notwand mehr, Verlust durch Verlost zu ersetzen.

Der -ast ist Akzept georen, hatte ich gar nicht dran gedacht!

Zu den -aten: Dein Argument betrifft auch manche -uren und -aren, z.B. den Prozess, der der Prozessur entspricht, oder den Interpreten, der dem Interpretar entspricht. Da sei es jedem selbst überlassen, ob er die And dransetzt oder nicht.
Karsten

Fleischers Karsten

Verdammich noch mal, vorhin blaß spontan mir ein -al durch Hirn, welches sich ebenso ohne And auf ein -ieren-Verb zurückführen ließ. Nur tax mich mein Thekennachbar dererleimaßen zu, dass ich es sofort wieder vergessen habe.

Ich werde noch mal darüber Sinn ieren.

Ein kleines Wenig mach ich mir ja Sorgen darüber, was aus all diesen wumbabaren Kurzen der anfalng in diesen Faden erwahnenen Anden wie -ation/-ition/-ion etc. werden sesülle. Stammen sie doch alle von Verben auf -ieren ab! Oder kekünne mir jemand ein Beispül-Verb nennen, dessen Substantivur außer auf -ung, -eit, -schaft nicht auf -ieren endet?

Kekünne man eine frielde Ko-Existur oder Ko-Existust oder auch Ko-Exast zwischen diesen Molgen schaffen, dadurch, dass die eine Form von einem spralch gebräulchen Nomen abgelitten und die anderen Formen vom Verb aufgelitten werden?
Karsten

Kilian

#8
Zitat von: Fleischers Karsten am 2006-03-29, 23:24:04Oder kekünne mir jemand ein Beispül-Verb nennen, dessen Substantivur außer auf -ung, -eit, -schaft nicht auf -ieren endet?

Entweder, du rewritest diesen Satz in nüchternem Zustand, oder ich rereade ihn in ausgeschlafenem Zustand! ;D

Bei den gestorkenen Adjektiven plädiere ich - ganz mmU-widrig - dafür, die schon mal angedachte Adverb-Markur -ig oder -lich obligatorisch zu machen bzw. beim adverbialen Gebrauch gar nicht zu stärken. Das beträfe in deinem letzten Beitrag spralch und anfalng.

Fleischers Karsten

Zitat von: Kilian am 2006-03-30, 02:10:33
Zitat von: Fleischers Karsten am 2006-03-29, 23:24:04Oder kekünne mir jemand ein Beispül-Verb nennen, dessen Substantivur außer auf -ung, -eit, -schaft nicht auf -ieren endet?

Entweder, du rewritest diesen Satz in nüchternem Zustand, oder ich rereade ihn in ausgeschlafenem Zustand! ;D

Bei den gestorkenen Adjektiven plädiere ich - ganz mmU-widrig - dafür, die schon mal angedachte Adverb-Markur -ig oder -lich obligatorisch zu machen bzw. beim adverbialen Gebrauch gar nicht zu stärken. Das beträfe in deinem letzten Beitrag spralch und anfalng.

Ich mien naturl den umgekohrenen Vorgang, also die De-Substantivur. Asche auf mein Haupt.

Was -lich betrifft, so finde ich diese Storkmolg sehr interessant, schlielß hört's sich lustig an.
Bei -ig geht das nicht gans so gut.
Ich lese morgen noch mal den erwahnenen Faden durch.

Zu Substantivur habe ich vorhin gar schrelcke neue Ideen gehabt, die ich jetzt noch gar nicht Präsent ieren möchte, da ich wieder mal Haue befürchte.
Karsten

Arnymenos

Da muss mein Rohrstock wohl normativ-erbaulich eingesetzt werden...

Kilian

#11
Karsten sei hiermit für sein "Vergessen" rehabilitoren:

Zitat von: Arnymenos am 2006-03-29, 13:53:42Nomen agentis (des Handelnden):
-ar
-ist/-ast (Steigerungsform)

Beispiel für -ast: Cineast (also da, wo -ist nicht passt)

Richtig, aber gibt's denn das Verb cineieren? Leitet man mit der -ast-Endung von -ieren-Verben ab? Mir will kein Beispiel einfallen. Leider. Denn die Umkehrung wäre zu reizvoll: päderieren, badegieren, bombieren, palieren...

amarillo

phantasieren - Phantast (hier ging wohl eine Silbe verloren)
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Stollentroll

#13
enthusiasmieren - Enthusiast
paraphrasieren - Paraphrast
3 Dinge sagen immer die Wahrheit : Kinder, Besoffene und Leggings.

katakura

Zitat von: Kilian am 2006-07-19, 21:54:40
Leitet man mit der -ast-Endung von -ieren-Verben ab? Mir will kein Beispiel einfallen. Leider. Denn die Umkehrung wäre zu reizvoll: päderieren, badegieren, bombieren, palieren...

... nun, das verb bombieren gibt es ohnehin schon mit einer anderen bedut (biegen, wölben) *klugscheiß* :D
Toleranz ist vor allem die Erkenntnis, dass es keinen Sinn hat, sich aufzuregen. (Helmut Qualtinger)