Johann Nepomuk Nestroy

Begonnen von Berthold, 2017-07-04, 13:39:20

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Berthold

Da Lehrerskinder meist sehr gründlich betreut werden (in Österreich über 2 Monate Sommerferien und so), sind sie öfters enorm kreativ. So etwa die Heidrun Karlic, nicht nur Universitätsprofessorin, sondern auch Malerin und Läuferin. Am Freitag gibt's eine gemeinsame Veranstaltung - auch zusammen mit dem bedeutenden Wiener Compositeur Franz Novak. Eigentlich geht's um eine Midisch-, pardon, Midissage, zu einer Holzschnitteausstellung von der Heidi zum Bloomsday - "Molly meets Odysseus / Heidrun Karlic - Artist Talk". Da werde ich zu den Holzschnitten acapella gesungene Kuplées beisteuern - nach einem der wenigen Dichter, die selbst "Schämes Scheuss" (James Joyce) sprachlich noch um ganze Eckhäuser überlegen waren: Johann Nepomuk Nestroy. Ein Aphorismus als Beispiel, daß ich recht habe: "Ich hab' einmal einen alten Isabellenschimmel an einem Ziegelwagen g'sehn, seitdem bring' ich die Zukunft nicht mehr aus'm Sinn." Das ist unheimlicher Existentialismus, das ist Albert Camus vorweggenommen.
Nun aber meine Strophen zu Heidis 12 Holzschnitten (einfach & unkritisch hingeschrieben) - mit einer Zusatzstrophe. Ich bitte, die paar Schüttelverse zu beachten.
Melodie: Titus Feuerfuchs aus "Der Talisman" - Compositeur: Adolf Müller:

Da Saüsi [= Odysseus]

1) Siim Joa woa da Saüsi bae Kalypso, da Nümpfm.
Siim Moi hoom d Schwoim büüsld in Afrikas Sümpfm.
Daon maand-a: "Madam, i  braoch ned ollawaü Troopm
fia mae Liab, loos mi segln zu maena Beneloopm."
Ea denkt: 'Bin kaa(n) Gott, hoob a Höödnnadua.
Von an Urassalebm do howi fraonk gmua.'

2) Waondsd aof Libyen kummsd, daon knips Fotolagen.
In da Era vom Saüsi woan duat Lotophagen.
Des Vuik von dea Geegnd faeat rosarode Messn;
des duatige Rauschgift i a Quöö vom Vagessn.
Nua in Saüsi draebt-s waeda, mit dswaa Fraend, dea is schdua.
Kaa(n) Lotos schdüüd s Haamwäh, ea griakt då ned gmua.

3) De greßtn Heroen, de drängt's zu di Doodn.
Aa da Saüsi loßt si von de Schåttn berodn.
Zum Teiresias sogt a: "Moch kaane Schbompanadln,
liawa Resi - und dua ma mae(n) Dsukumpft aoffadln."
"O göttlicha Dulda," maand dea, "seegl dsua,
zum Haades, do kummst ma no allwaü fruah gmua."

4) Da Aiolos is, vom Uakan bis zum Schaas,
da Heascha da Winde, wia da Schdrewara waas.
In an Scheam liegt so maoncha Daifun im Vaschdeck.
Wia d Madroosn drin nochschaon, bloosd s es - husch! - wieda weg -
von Ithaka - nåå(h) woa-s - blaebt eana kaa(n) Schbua.
Na, do howe scho(n) gmua, na, do howe scho(n) gmua.

5) De LA-IS-TRY-GO-NEN, in an schaeßlichng Oat,
de san Kannibalen, kenntßma glao-m des Woat.
Se dsuudsln des Moak aos di Seefoarabaana.
Nua des Flaggschif entkummd, schnöö wia Saüsi schoet kaana.
Ma kiiföd, ma schmatßt und ma schleckt aa dadsua.
Aa waon-s Restln onoong, se griang ned gmua.

6) Die Skylla, a Ries von an sechsschädlatn Hund; -
die Charybdis, a Schdrudl, saugt Schiffe zu Grund.
Wia da Schilla'sche Daucha wa da Saüsi dasoffm,
waar aom Baam - a ned graüd - und in Måstkoab aenigschloffm.
Von an Schiff, liawa Beatl, waasd nix, goa kaa(n) Schbua.
Na, do howe scho(n) gmua, na, do howe scho(n) gmua.

7) Die gfäalichstn Nikßn, des san die vier Elsen.
In Saüsi daschreggng, dsweng eana, d Irrfelsen.
Ea suachd entli Gloahaed, kaana Rätselkaskaden -
und umschifft in an Boogng die Symplegadn.
Waon i laong no irr, graef-i zu Schdriig oda Schnua.
I soog wia da Titus: "Na, do howi scho(n) gmua."

Weil diese Sage Varianten hat, gibt's auch eine Strophen-Variante:

7a) Dsaschmettande Nikßn, des san die vier Elsen.
In Saüsi daschreggng, dsweng eana, d Irrfelsen.
Ohne Daobmurakel - aos da Dschejsn [= Jason]-Balladn -
umschifft-a die Planktn, die Symplegadn.
Waon i laong no irr, graef-i zu Schdriig oda Schnua.
I soog wia da Titus: "Na, do howi scho(n) gmua."


8] Der apulische Seemann wiad si noch Bari sehnen;
in Saüsi dageegng traebt-s zu die Sirenen.
Fia di Uan vo(n) di Schiffa waamen-s Bae(n)wokß in Kessln.
Da Saüsi  wüü-s hean, loßt am Mostbaam si fessln.
Waü ea is a Fraend von Belcanto-Ghuiddua;
weeng dea lauscht-a und loosd-a und griagt-a schwaa gmua.

9) Ned laong schiffm-s waeda, raeßt wiida s Glick op:
Es nimmt si gefaongan da wüüde Kyklop.
Da Saüsi findt duat gaontße Schlaech fulla Wae(n).
Ea is nimois schmääschkat, ea drangld eam ae(n). -
Mid an Pfahl schdicht-a(r) aos den sae(n) aanzige Gluudsch.
Listig nennt-a si "ουτις" - und flugs san se bfuudsch.
(Listig nennt-a si "Niimaond" - und flugs san se bfuudsch.)

10) Aof da Insl vo(n) d Phäakng gähd-s in Saüsi füü bessa.
Ea schdöötßt vuam Nausikerl wia a Weana Brofessa.
Si woogld mi-m Bobschadl, ea saüfzd: "I bin z oid.
Doch how-i an Buam. - Nimmst den Telemach hoid."
Dswoa dswickt a s in d Bakkadln, owaa daonn gibt a Ruah.
Wia da Sachs Haon(d)s fazichtn, sächtß, dees is Ghuiddua.

11) Rindviicha vom Sonnengott san schdreng tabu.
De Schbädsln vom Saüsi hom-a(n) gschlachtigt im Nu.
Hoom glust aof di Schdöödsn, di Schniidsln, di Schteekß.
Di Götta hoom d Flotte eana dsaombraggd, hiads schmekß.
Aof an Bree-(d)l schwimmd da Saüsi zua Kalypso, mia hoom-s ghead.
De Nümpfm, de woa eam sii-m Joa Aomselei weat.

12) A(n) Joa hood da Saüsi aof di Kiake aa gschbitßt.
A(n) Graitl vom Heames, des hood eam beschitßt.
Die Vuibusenledi woa nemli a Hex,
fawaondld die Fraend eam in Schwaendln, nommoi schmecks!
Sae(n) Eafoarung in da Haapfm, de gwinnt duat an Braes - / - / - :
"Weatß wiida dsu Mentschn, - füü Glick aof da Raes!"

- - -

Aof d Homea-Iwasetzung vom Haonds Haeni Voss
do hoo-m de Griechisch-Bädagoogng an Hoß:
"De iis aos da Mood, schdrotßt fui Fööla, geballt,
nemds liawa di Wöaschn vom Wuiffi Schadewald! -
Oda - sööwa iwasetßn, dees waa hoed Ghhuiddua!"
- Na, do howe scho(n) gmua, na, do howe scho(n) gmua.