Ehrung

Begonnen von amarillo, 2005-04-27, 13:12:40

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VerbOrg

Zitat von: Kilian am 2005-09-18, 14:33:34
Medienwürgsamer wäre aber im Moment ein/e Politiker/in - wenn unsere Ehrung dann erst ihren festen Platz in allen großen Zeitungen hat, können wir ja Monat für Monat die "Galerie" durcharbeiten. ;)
Mir ging es nicht darum, die Galerie durchzuackern. Das wäre ja langweilig. Aber Herr Haefs sollte in der von ihm selbst erfundenen Gesellschaft doch zumindest Ehrenmitglied sein.
Außerdem tut er sich wirklich durch geballene Sprachlichkeit hervor, nicht nur durch den Erfund der Konsonantenverschiebung, sondern durch allgemeinen Sprachberirch.
(tolle Genetive, kreativ verdrohene Redewande, Perfekt-Enthaltsäme)

Darauf aufbauend sollten wir natölich eher solche Leute ehren, die im Rampenlicht der Medienonffte durch Sprachberirch auffallen.

amarillo

Angehörs der gestrigen Plapperei wäre vielleicht doch zu überlegen, ob wir nicht den Schwerpunkt unserer Bemühungen dahingehend verlagern, herauszustellen, warum der- oder demjenigen eine Ehrenmitgliedschaft gegenwärtig noch nicht angetragen werden kann.

Meines Erachtens schlagen die sprachlichen Entgleisungen das Hervorbringen wirklich  (in unserem Sinne) schöner Wendungen locker 50:1.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Günter Gans

Darf ich den ZDF-Ostafrika-Korrespondenten Walter Heinz für den ,,Goldenen Zungenmuskel" vorschlagen?

In einer Reportage urß er sich über ein Getreide aus Äthiopien: ,,Deshalb dauert der Drusch so lange."

Das ist jetzt kein neues Substantiv, sondern ein sehr altes, aber ich find's viel schöner als ,,das Dreschen".
Gehen Sie immer in den Wald zur Paarung? (Loriot)

Günter Gans

Auch unsere Freunde von heise.de seien wieder mal gepriesen. Diesmal muchen sie sich um den Stork der Stirge verdonen:

"... man sollte sich schon genau überlegen, wem man welche und wie viele Daten anvertraut. Sonst ist wird man schneller zum gläsernern Bürger, als man glaubt."
Gehen Sie immer in den Wald zur Paarung? (Loriot)

VerbOrg

Du hast dich verschrieben. Es memüsse heißen:

"...wem man welche ujnd wie viele Daten anvertraut."

zumindest goolg ich den Text so.

Günter Gans

Hab's weder gegooolgen, noch selbst geschrieben oder getoppen, sondern nur aus dem Roten oben koporen. Da stand's, wie's steht: gläsern, gläserner, gläsernst.
Gehen Sie immer in den Wald zur Paarung? (Loriot)

Berthold

#21

Keine Schleymerey aus & in der Südkurve ist's, doch was ich da gestern bei uns über die Substantive las, ist - damit auch ich es einmal schreibe - zumeist echt knorke!
Da liest du dich ein ums andere Mal Fest, da finden sich ja schon Praestantive zu Hauf! Duftig wie Lipizzaner-Roßknödel in der Spanischen Hofreitschule - doch auch Wohlklang wie aus Sängerknaben-Goldkehlchen!   

katakura

#22
nun nochmals im richtigen faden:

... amarillens anrag vom april 2005 (sic!) aufgreifend, ist nun der anfang gemuchen, ehrenmitglieder zu nominieren ... unter http://verben.texttheater.de/Ehrenmitglieder finden sich nun die ersten drei nomin georenen - in der huff, daß noch noch weitere vorschläge folgen mögen ... neben gisbert haefs und wilhelm busch steht nun auch erika fuchs auf der liste ...

... beiseweh: da ich hamburgens zu meinem nimmermüden bedauern nicht anwesen werde, antberage ich schon einmal vorab bei unserem herrlichen GSV-diktator auf lebenszeit kilian eine diskussion darüber, wie wir die vergabe der ehrenmitgliedschaften via presse (amarillo schlug einst in aller uns zu gebote und auch gut zu gesichte stehenden unbescheidenheit die "SZ" vor) publik machen kekünnen ...

... in diesem zusammenhang möchte ich auch das von günther gans in vorschlag gebrachte "goldene zungenbein" wieder aufgreifen, das abseits der ehrenmitgliedschaft für aktuelle sprachschnitzer und - schöpfungen vergeben werden kekünne und sesölle und der gewonschenen popularisur der GSV sichelr dieln wäre ... unser veranworlter für propaganda und desinformur hat hier vielleicht schon etwas in petto?! ...

... was mich in diesem zusammenhang (i.e. propaganda) ebenfalls interessöre: was ist denn nun aus unserem wikipedia-eintrag geworden, karsten? ...
Toleranz ist vor allem die Erkenntnis, dass es keinen Sinn hat, sich aufzuregen. (Helmut Qualtinger)

Wortklauber

Als Gast (der ich weiter bleiben möchte) maße ich mir kein Mitspracherecht und nicht einmal ein Antragsrecht an, aber ich wüsste schon gerne, wie eure Reaktion wäre, wenn jemand Martin Heidegger zur Ehrenmitgliedschaft in der GSV vorschlüge. Ich möchte nur einmal ein paar Zitate aus einem willkürlich herausgegriffenen Vortrag hier anführen, aus denen meines Erachtens durchaus hervorgeht, dass Heidegger sich nicht nur sehr kreativ der Sprache gegenüber verhalten, sondern gelegentlich auch ganz direkt zur neutschen Sprache beigetragen hat. Und auch dem Ideal der maximalen Unverstalnd hat er sich schon sehr genahren. Nur dass das ganze natürlich gar nicht lustig gemienen war (auch wenn es mit etwas Abstand betrochten manchmal sehr lustig wirkt.)

Hier also die Zitate, aus dem Zusammenhang gerissen, aber durchaus unverarnden zitoren (aus "Die Frage nach der Technik", 1953. Ich mache die Zitate mal rot):
Im folgenden fragen wir nach der Technik. (Kursivsatz original.)
Alle Denkwege führen, mehr oder weniger vernehmbar, auf eine ungewöhnliche Weise durch die Sprache.
Das Richtige stellt an dem, was vorliegt, jedesmal irgend etwas Zutreffendes fest.
Man pflegt seit langem die Ursache als das Bewirkende vorzustellen. Wirken heißt dabei: Erzielen von Erfolgen, Effekten.
Man beachte die Trennung von "Bewirken" in "Be-" und "Wirken". Diese Trennung wird bei Heidegger oft auch durch Bindestriche angedeutet, die zeigen, dass man ein Wort nicht nach seiner usuellen Bedeutung lesen, sondern aus seinen Bestandteilen her neu verstehen soll. Wahrhaft GSV-würdig, finde ich. In der Heidegger-Gesamtausgabe wurde, um diesen Unterschied auch bei Zeilenwechsel nicht zu verlieren, für solche Wörter eine neue Darstellung erfunden: Es wird dann so getronnen:
                 Be-
     -wirken
Vorliegen und Bereitliegen (ὑποκεῖσθαι) kennzeichnen das Anwesen eines Anwesenden. Die vier Weisen des Verschuldens bringen etwas ins Erscheinen. Sie lassen es in das An-wesen vorkommen. Sie lassen es dahin los und lassen es so an, nämlich in seine vollendete Ankunft. Das Verschulden hat den Grundzug dieses An-lassens in die Ankunft. Im Sinne solchen Anlassens ist das Verschulden das Ver-an-lassen. Aus dem Blick auf das, was die Griechen im Verschulden, in der αἰτία, erfuhren, geben wir dem Wort »ver-anlassen« jetzt einen weiteren Sinn, so daß dieses Wort das Wesen der griechisch gedachten Kausalität benennt. Die geläufige und engere Bedeutung des Wortes »Veranlassung« besagt dagegen nur soviel wie Anstoß und Auslösung und meint eine Art von Nebenursache im Ganzen der Kausalität.
Worin spielt nun aber das Zusammenspiel der vier Weisen des Ver-an-lassens ? Sie lassen das noch nicht Anwesende ins Anwesen ankommen. Demnach sind sie einheitlich durchwaltet von einem Bringen, das Anwesendes in den Vorschein bringt. Was dieses Bringen ist, sagt uns Platon in einem Satz des »Symposion« (205 b): ἡ γάρ τοι ἐκ τοῦ μὴ ὄντος εἰς τὸ ὂν ἰόντι ὁτῳοῦν αἰτία πᾶσά ἐστι ποίησις.
»Jede Veranlassung für das, was immer aus dem Nicht-Anwesenden über- und vorgeht in das Anwesen, ist ποίησις, ist Her-vor-bringen.«

Schon das substantivierte Wort "Anwesen" ist eher neutsch als deutsch, aber die zusaltze Differenzur in Anwesen und An-wesen setzt da noch eins drauf. Bei veranlassen, ver-anlassen und ver-an-lassen wird es noch kompliz georener.
Wohin haben wir uns verirrt? Wir fragen nach der Technik und sind jetzt bei der ἀλήθεια, beim Entbergen angelangt. [...] Es ist der Bereich der Entbergung, d. h. der Wahr-heit.
Entbergen ist auch so ein Wort, in das sich Heidegger planmäßig verirrt.
Inzwischen ist auch die Feldbestellung in den Sog eines anders gearteten Be-stellens geraten, das die Natur stellt. Es stellt sie im Sinne der Herausforderung. Ackerbau ist jetzt motorisierte Ernährungsindustrie. Die Luft wird auf die Abgabe von Stickstoff hingestellt, der Boden auf Erze, das Erz z. B. auf Uran, dieses auf Atomenergie, die zur Zerstörung oder friedlichen Nutzung entbunden werden kann.
Wo man stellt, ist ein Stollen, und wo ein Stollen ist, ist der Troll nicht weit. Deshalb geht es bei Heidegger danach auch gleich mit der Kohleförderung weiter.
Aber ein Verkehrsflugzeug, das auf der Startbahn steht, ist doch ein Gegenstand. Gewiß. Wir können die Maschine so vorstellen. Aber dann verbirgt sie sich in dem, was und wie sie ist. Entborgen steht sie auf der Rollbahn nur als Bestand, insofern sie bestellt ist, die Möglichkeit des Transports sicherzustellen. Hierfür muß sie selbst in ihrem ganzen Bau, in jedem ihrer Bestandteile bestellfähig, d. h. startbereit sein.
[...]
Allein die Unverborgenheit selbst, innerhalb deren sich das Bestellen entfaltet, ist niemals ein menschliches Gemächte, so wenig wie der Bereich, den der Mensch jederzeit schon durchgeht, wenn er als Subjekt sich auf ein Objekt bezieht.

Gemächte!
Wir nennen jetzt jenen herausfordernden Anspruch, der den Menschen dahin versammelt, das Sichentbergende als Bestand zu bestellen — das Ge-stell.
Wir wagen es, dieses Wort in einem bisher völlig ungewohnten Sinne zu gebrauchen.
Nach der gewöhnlichen Bedeutung meint das Wort «Gestell» ein Gerät, z. B. ein Büchergestell. Gestell heißt auch ein Knochengerippe. Und so schaurig wie dieses scheint die uns jetzt zugemutete Verwendung des Wortes «Gestell» zu sein, ganz zu schweigen von der Willkür, mit der so Worte der gewachsenen Sprache mißhandelt werden. Kann man das Absonderliche noch weiter treiben? Gewiß nicht. Allein dieses Absonderliche ist alter Brauch des Denkens.

Worte der gewachsenen Sprache mißhandeln mit dem Ziel, das Absonderliche bis zum Äußersten zu treiben!
Nie zu spät kommt vor allem die Frage, ob und wie wir uns eigens auf das einlassen, worin das Ge-stell selber west.
Bemerkenswert die eigenständige Verwendung des Wortes "wesen", bei Heidegger sehr häufig, und zwar bewusst:
Schon wenn wir »Hauswesen«, »Staatswesen« sagen, meinen wir nicht das Allgemeine einer Gattung, sondern die Weise, wie Haus und Staat walten, sich verwalten, entfalten und verfallen. Es ist die Weise, wie sie wesen. J. P. Hebel gebraucht in einem Gedicht »Gespenst an der Kanderer Straße«, das Goethe besonders liebte, das alte Wort »die Weserei«. Es bedeutet das Rathaus, insofern sich dort das Gemeindeleben versammelt und das dörfliche Dasein im Spiel bleibt, d. h. west. Vom Zeitwort »wesen« stammt erst das Hauptwort ab. »Wesen«, verbal verstanden, ist das Selbe wie »währen«; nicht nur bedeutungsmäßig, sondern auch in der lautlichen Wortbildung. Schon Sokrates und Platon denken das Wesen von etwas als das Wesende im Sinne des Währenden.
Und was Heidegger vollends GSV-würdig macht, ist, dass er seine neue Sprache nicht nur einführt, sondern auch konsequent bis zur maximalen Unverstalnd verwendet. Ein Zitat zum Schluss:
Das Wesen der Technik beruht im Ge-stell. Sein Walten gehört in das Geschick. Weil dieses den Menschen jeweils auf einen Weg des Entbergens bringt, geht der Mensch, also unterwegs, immerfort am Rande der Möglichkeit, nur das im Bestellen Entborgene zu verfolgen und zu betreiben und von da her alle Maße zu nehmen.

amarillo

#24
Ich weiß ja nicht, ich weiß ja nicht, ob das die mmU unseres Vorhabens trifft.
MUSEN hat Heidegger sich überaus erfolgreich um eine semantische Variante der mmU bemohen, wohingegen wir doch eher phonetisch-morphologisch-syntaktische Ziele im Auge be-halten wollten - oder?

Ich hoffe es man-gelte mir nicht an der not-wendigen Präzision, meine Vor-stellungen zum Aus-druck zu brrr-ingen. Hei-degger!

Mein Lieblingssatz: "Demnach sind sie [die vier Weisen des Ver-an-lassens] einheitlich durchwaltet von einem Bringen, das Anwesendes in den Vorschein bringt."
Sowas kann mich nächtelang wach- und unterhalten! Das liegt sicherlich auch daran, daß mir nur die drei Weisen des Morgenlandes einigermaßen geläufig sind - eine offenbar riesige Lücke tut sich hier in meiner Bildung auf.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Ku

Zitat von: Wortklauber am 2012-01-27, 16:32:01
Als Gast (der ich weiter bleiben möchte)
Warum, o wortklauber, willst du weiter Gast bleiben? Gefallen wir dir nicht als Mitmitglieder?

Kilian

1. Ich schließe mich Kus Frage an.

2. Wahrlich! Heidegger schöpft so manches Wort, das von uns sein kekünne. Bloß scheint er im Gegensatz zu uns nicht darum bemüht, die zugrundeliegenden Ideen und Wortbaumuster zu erklären. Er scheint anzunehmen, ein Sprech des Deutschen könne seinen Dialekt des Neutschen im Vorbeigehen aufpicken. Etwas mehr Sprachlehre würde ihm wohl-an-stehen!

Wortklauber

Zitat von: Kilian am 2012-01-27, 21:57:56
1. Ich schließe mich Kus Frage an.

Ich halte mich da sinngemäß an diesen netten Werbespot.

Zitat von: Kilian am 2012-01-27, 21:57:56
2. Wahrlich! Heidegger schöpft so manches Wort, das von uns sein kekünne. Bloß scheint er im Gegensatz zu uns nicht darum bemüht, die zugrundeliegenden Ideen und Wortbaumuster zu erklären. Er scheint anzunehmen, ein Sprech des Deutschen könne seinen Dialekt des Neutschen im Vorbeigehen aufpicken. Etwas mehr Sprachlehre würde ihm wohl-an-stehen!

Das wäre erst noch zu untersuchen ... Ehe man behauptet, er hätte es nicht getan, müsste man wohl eine größere Forschungsaktion in seinen gesammelten Schriften durchführen, die einige Regalmeter einnehmen ... Wenn ich mir so ansehe, wie er die Wörter auseinandernimmt und dabei auch alten Wortgebrauch zitiert, kommt es mir nicht unwahrscheinlich vor, dass man betreffs Erklärungen auch noch fündig wird. Aber ich wollte ja auch nur einmal die Frage in den Raum stellen. Ohnehin kann ich für Heidegger keine große persönliche Sympathie empfinden, die mich motivieren könnte, einer ,,Bewerbung" um einen Ehrenplatz noch mehr Unterstützung zu geben.

Berthold

Ich wäre dafür, den deutschen Lyriker Richard Drews (irrtümlich oft Ritschard Druu[w]s ausgospronch) ehrend zu erwähnen. Er verfieß "Der Zeit auf den Versen - Verwegene Vierzeiler"). Irgendwo schrieben wir schon was über ihn.

Grund ist folgender Vierzeiler (den ich chhoffalnt noch gracht hinbringe):

Ich suchte einen Reim auf Penclub,
doch keinen, den man kannte.
Zum Glück traf ich den Dänen H[j]enstrub,
den ich sogleich verwandte.

Homer

Zitat von: Günter Gans am 2006-05-07, 16:22:29
Darf ich den ZDF-Ostafrika-Korrespondenten Walter Heinz für den ,,Goldenen Zungenmuskel" vorschlagen?

In einer Reportage urß er sich über ein Getreide aus Äthiopien: ,,Deshalb dauert der Drusch so lange."

Das ist jetzt kein neues Substantiv, sondern ein sehr altes, aber ich find's viel schöner als ,,das Dreschen".

So heute auch Mathias Zschaler bei SPON über die gestrige "Elefantenrunde" zur NRW-Wahl bei Jauch:

"... um das Ganze nicht derart hoffnungslos der Ödnis des vermeintlich pflichtgemäßen Phrasendruschs anheim fallen zu lassen."