Schüttelreim, anyone?

Begonnen von caru, 2005-06-07, 23:41:55

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Singularis porcus

Nun zur Abwechslung einmal eine Kostprobe aus dem Divan meines Kollegen Mirza Muhammad Abd-ul-Khaylar Khan aus Delhi.



Glücklich, wer Brauen in des Morgens Blau kraut,
eh Alter ihm die Schwärze von der Brau' klaut!

Vertraulich raunt, rauscht traut die Braut zur Trauung,
die Zeit: "Dein lichtes Kleid ich auch noch klau', Braut."

Kristalle hegt die Wüste, doch die Klauen
ihr Sand, derweil ich dort Kristalle klaub', rauht.

Kenner des Trunks, erklärt mir, eh's euch dämmert,
welch Elixier der Eber mit der Klau' braut!

Scheint doch mir Eber-Brauer allzu ehrlich,
wer nichts von dem Gebräue, das ich brau', klaut;

viel süßer ist's als jenes, das der Franke
zum Schweinebraten schlürft nebst Kloß mit Blaukraut.

Doch bin ich Khaylar nüchtern, wenn der Morgen,
derweil ich einer Bache Nacken krau', blaut.
Oink!

Berthold

#301
:

Das ist fast zu schön, um gleich meinen Quatsch dranzuhängen.
Drum keine Rauke, die irgendwo aus dem welken Laub raukt.
Manchem muß ich indes verraten, daß gubes Werk, von der Form her, ein Wobblazal oder Wobblasél ist. (Betont es nicht Wóbblàsel, sonst käm's eher aus Altbayern!)
Eine neue Versform, aber dies ist halt ein tolles Forum.

Doch, Singularis, sag, traf nicht jener Dichter Mirza Muhammad Abd-ul-Khaylar Khan auf dem Kreuzzug wider Alexandria (1365) den württembergischen Grafen Eberhard II. Kaban, auch "im Borst" oder "Der Greiner" geheißen?

Singularis porcus

Den, nach dem die Greiner-Würste benannt sind? Es könnte sein. Khaylar war aber immer sehr friedfertig und verbrachte einen Großteil seines Lebens auf seinem Landsitz bei Delhi. Die lokalen Hindus hielten ihn ob seiner stattlichen Hauer für eine Verkörperung Gott Vishnus (http://www.shreedarshan.com/vishnu%20avatar-varaha.jpg) und brachten ihm leckeres Essen.
Oink!

Eberin

WAS????!!!! — in flagranti, in UNSEREM BAU???!!!
Dieses Schwein, verdammtes Borstenvieh! Erst war's dieser Weber, und jetzt das, eine Sauerei ist das, eine fremde Sau in MEINEM BETT????!!!!
Aber ich sag euch:

Der kriegt nicht für Mau seine Bache
Noch ist unser Bau meine Sache!
   Der mag sich reich glauben:
   Ich werd's ihm gleich rauben,
Wenn ich dieser Sau Beine mache.

Berthold

#304
Zitat von: Singularis porcus in 2012-02-09, 17:32:31
Den, nach dem die Greiner-Würste benannt sind?
(...)

Gwanzer Zweifel und ein randl Bairösisch:

Ich hoffe ja, lieber Singularis porcus, daß Du echt bist und bei der PerVers XIV die Ösis verstärken wirst - und nicht ein Dvojnik vom caru, so lieb ich den auch gewonnen habe.
Ein virflunx fixer Pfu(i)ätz (= Poet) bist Du chwarkl!
Die Poesie wäre dann einfach die Pfu(i)ätzei, Pfu(i)ätze, oder, noch schlichter,
Pfu(i)(-)atz. Selbst eine bairisch-ösische Diphthongur (wie beim "Huad") schüde diesem Worte nicht, weil's ja eh ein Femininum ist.

Sau

Zu mir Sau sprach die Eb'rin: "Sie hau' ich!"
Da schrie, weil es fliehen hieß, "Au!" ich.
  Nur im Schweinsgalopp sicher,
  weil ich ganz salopp - kicher -
den Wildeber vornsch, o ich Sau, ich!

Singularis porcus

Was soll ich sein, ein Dvojnik? Sollte das was Freches sein, fordere ich den Bertl bald mal zu einer Runde Trüffelnsuchen. Aber erst im Frühjahr, wenn der Boden wieder weicher ist.

Einstweilen, weil es zufällig in diesen Faden paßt, die mir von den Priestern des Kastenwesens gnädig überlassene deutsche Wiedergabe eines Acht-Strophen-Hymnus an dasselbe. Das in Sanskrit verfießene Original wird vor meinen uneingeweihten Schweinsohren natürlich streng geheim gehalten, ich vermute aber, daß es reichlichen Gebrauch vom Stilmittel des Pādābhyāsa und sonstigen Formen des Yamaka macht, nöff.



Bhūtāṣṭaka -
Achtgesang an das Wesen


Was jedem frommt, schenkt ihm das Kastenwesen:
Kaisern, was Kaisern, Käsen, was den Käsen,

Brahmanenpriestern, die Gott Ka seh'n, Westen
und Stuttgarts Wirten auf dem Wasen Kästen.

Daß in Vergessen nie die Veden sanken,
auch das muß man dem guten Wesen danken.

Die in des Wesens Unmut sanken, weh den
Unsel'gen, da ich kaum je wanken seh' den!

Ob wir in Wer-en, Wie-en, Was-en denken,
vorm Wesen müssen wir die Waden senken.

O Wunschbaum! Nie aus deinen Ästen Weh sank,
selbst wenn das Taggestirn im Westen eh' sank!

Mich Gläubigen ergriff' Ekstase, wenn
ich säh' des Kastenvierecks Vase denn!

Mein Dank ertönt; ich weiß kaum, wessen "Danke",
wenn ich im Angesichte dessen wanke.
Oink!

Berthold

#307
Zitat von: Singularis porcus in 2012-02-10, 21:01:25
Was soll ich sein, ein Dvojnik? (...)

Das ist oder wäre (russisch) - siehe Dostojewski oder, meinetwegen, Frarich Heibert - ein Doppelgänger. Aber das weißt Du ja eh mit links.

Dafür hab ich chwurkl keine Guhn, was "Pādābhyāsa" sei (kenn nicht einmal "Bhyāsa the hermit") - und bei "Yamaka" kekunn ich auch nur, ohne goynes Wissen, eine Spur nachwassern. Bei solchen Termini hab ich einen Buschkawü im Schädel, mach aber darüber keinen Bahö.

caru

Seh mir einer das Wildschwein! Da prahlt es doch tatsächlich mit Begriffen aus der Sanskrit-Stilistik. Also: Yamaka bedeutet die Wiederholung einer Silbenfolge als sprachliches Kunstmittel. Mindestens zwei, lieber drei und mehr Silben, zweimal oder öfter, direkt nacheinander, aber auch am Anfang oder Ende aufeinanderfolgender Verse oder sonstwie geschmackvoll arrangiert. Natürlich darf man nicht einfach ein Wort wiederholen, da schreien die Poetiker laut "Pfui!" Die gleichen Silben müssen jedesmal etwas anderes heißen
Pādābhyāsa heißt "Wiederholung eines Verses" - Sanskritstrophen haben normalerweise vier metrisch gleiche Verse, und da hat dann eben eine, als Sonderform des Yamaka, zwei gleichlautende. Gern ist das der zweite und der vierte, oder auch der erste und der dritte. Oder die ersten zwei sind gleich, und die zweiten zwei auch.
Geht noch ärger, manche Strophen haben zwei gleichlautende Hälften, oder vier gleiche Verse - die natürlich Verschiedenes heißen und miteinander einen Satz ergeben - oder die ganze Strophe steht doppelt da und heißt zweierlei.

All das ist im Sanskrit einigermaßen leicht grobschlächtig, aber sehr schwer schön hinzukriegen, ähnlich wie bei uns das Geschüttel. Insofern wäre ich wahrlich neugierig auf das Original dieses spuriosen Hymnus'. Die Priester sagen, sie wissen nichts davon, und sie hätten auch keinem Schwein irgendwas gegeben. Alles mit Augurenlächeln.
(\___/)
(>´x´<)
('.')__('.')

Nijntje - de echte nederlandse konijn

Berthold

#309
Lieber caru!

Hier kann ich mich, als Unwissender, nur chharlz bedanken!
"Augurenlächeln" - meinst Du.
Die Auguren sind wohl die "nasse Zunft" der Waldguren - ?
Zu "Guren" aber will ich mir's leicht machen. Ich schreib das erste G'sätz'l aus Wikipedia ab:
"Guren ist eine Kunoichi und Untergebene Orochimarus." Das war zwar Singular, aber es sei.
Oder gehört das Folgende hier dazu?
Cicero, de divinatione: Vetus autem illud Catonis admodum scitum est, qui mirari se aiebat, quod non rideret caruspex, caruspicem cum vidisset.

Damals, bei einer der Ur-Demos wider das Kraftwerk bei Stopfenreuth("Hainburgisnacht", 1984*), verklitten als Donaugott, zohl vielleicht auch ich, ein bisserl, zu den Au-Gurus.

*Selbst Internet kennt & nennt diese Demo nicht (mehr).

A. Tom Kraft

Fortschritt

In Urgermaniens Urgauen
Beharrsch noch die Regur Auen
Und stromlos hell sah'n Au-Guren —
Nun ticken hier die GAU-Uhren.

Berthold

#311
Zitat von: A. Tom Kraft in 2012-02-14, 04:21:10
Fortschritt

In Urgermaniens Urgauen
Beharrsch noch die Regur Auen
Und stromlos hell sah'n Au-Guren —
Nun ticken hier die GAU-Uhren.

In Urgauen
(Wo blieb das "g" bei "Regun', Au"?
ODER:
Von 'Rugiern' kommt die 'Rugenau'.)

Um Urgermanien geht's. U! Grauen!
Du glaubst zu wissen - urgenau.
(Ich schriebe trotzdem nie, DU Gauner.)
Doch klagt der Bertl: Ne! Urg! Au!
Wo lebtest damals DU, Au-Unger?
(Nach DIR nennt sich die Unger-Au.)
Hegst du auch Pinien, Urgau?
Weissagt dort nur das Augu-Ren?
(Was es auch immer raune - 'Ug'?)
Wo fänd' ich Bantengs, wo den Gaur neu?
Mich drängt's nach grünem Efeu; - Grau'n
vor Eichen, welche, u.U., ragen.
Wer fällt den Riesen? - U.U. Nager.

Wortklauber

Ich fahre jetzt nach Gruenau
Um mich zu freu'n am Augruen;
Das sahen schon Uraugen
(das waren aber nur Aeug-
lein) farbig, d.h. ungraeu-
lich, aber jetzt wohl neugrau.

Wortklauber

Kennst du wohl das raue Gnu,
— Ich meine nicht das Augen-Ur
Nicht Ochs, nicht Huhn — das Auergnu!
Das ist auch kein EU-Ungar!)
Dem war es auf der Ur-Au eng
Drum fuhr es nach ??? Ge-Nauru!

Berthold

#314
Zitat von: Wortklauber in 2012-02-15, 13:58:36
Ich fahre jetzt nach Gruenau
Um mich zu freu'n am Augruen;
Das sahen schon Uraugen
(das waren aber nur Aeug-
lein) farbig, d.h. ungraeu-
lich, aber jetzt wohl neugrau.

Wundersam! Vor allem die einfachen "Uraugen". Aber auch, daß Du "gruen" herauslasest.
Da fällt mir echt nur noch WOWO, bzw. DADA, ein.
Denn: Wäre ich a Guru? - Ne!

Die Augen spült der Augen-Ur.
(Solch Stier trägt noch das Urau-Gen.)
Mit Kieselgur? - Mit Auengur.
Nun hat er in den Augen Ruh.
Ein Tauber gurrt den Auen: Gru ...

Unsere (bisher letzten) Beiträge entstanden etwa zur gleichen Zeit. Ich hab also den Augen-Ur nicht abguschrimp, lieber Wortklauber!

Sesüllest Du aber, als einfacher Gast, zur PerVers XIV in Wien stoßen, dann:

Iß, statt des Schnitzels, Neu-Ragú!

Kämen wir dabei aber gar in den Tiergarten Schönbrunn
(http://www.zoovienna.at/), den ältesten erhaltenen der Welt und gleichgzoyt einen der modernsten (schon das "raue Gnu" wies auf Deinen, varmült unbewußten, Wunsch hin), dann:

Das/Den Unau* schon' Dein Unau-Ger!

*Zweifinger-Faultier (Choloepus didactylus)

Ich übertrage den Schluß auch in den "Faden" PerVers XIV.