Ganz nebenbei: neue Storke

Begonnen von versucher, 2005-08-27, 12:28:41

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VerbOrg

Mich noch nicht den Partizipien zugewandt habend, grolb ich letzte Nacht, wie man denn das Verb (an-)schmiegen störke.

  • schmiegen - schmag - schmäge - geschmegen
  • schmiegen - schmog - schmöge - geschmogen

    So recht weiß ich nicht, ob man sich eher am Zeitwort "liegen" oder doch eher an "fliegen" orientieren sollte.

    Was hört sich eurer Mien nach passender an?
    Oder habt ihr vielleicht eine andere - schmiegigere - Idee?

Kilian

Ich sach ma so: Im Liegen schmiegt sich's besser aneinander als in freiem Flug (in Schwerelosigkeit wäre das vielleicht anders) oder - noch schlimmer! - in Flugzeugsitzen. Danke für den Stork! ;D

Bertl

Ja nun eh. Bekanntlich schrieb Herr Walther in jenem Gedicht, dessen zwei Anfangszeilen sogar an Wiener Kaffeehaustheken [-bud'ln], fast allzu oft, daherzitoren werden:... - Neben jenen Zeilen hört man übrigens noch hin und wieder ein Fragment eines Merseburger Spruches, volksläufig endend: "Sose gelimida mugen sin." Ich sag euch eines, Leute: Das "mugen" müßt ihr streichen, das hat hier nichts verloren. - Vielleicht könnt ihr euch wegen dieses Fehlers die gebrochenen Haxen nicht wieder ganz zaubern.
Nun aber zurück zu W. v. d. V.:
"ich hete in mîne hant gesmogen daz kinne und ein mîn wange."
Und nicht "gesmegen", bittschön.

VerbOrg

#18
rasten - riest - rieste - gerasten

So steht's in der großen Liste.
Lasst mich einen Alternativstork vorschlagen, frei nach dem sprichwörtlichen Motto: "Wer rastet, der rostet":

1) Wenn die Rast in der Vergangenheit liegt, dann ist sie schon ganz Rost
2) Birgt so eine Rast nicht auch die Molg zu Essenszuberitt?

Also:

rasten - rost - röste - gerosten


Was ist einxlich aus dem Verb entpuppen ("Roter Faden" ab Antwort 199) geworden?

Günter Gans

#19
Hier ein paar Vorschälke:

klettern: klartt, klärtte, geklortten
klittern: klortt, klörtte, geklurtten
peinigen: pienag, pienäge, gepienegen
richten: rocht, röchte, gerochten
schämen: schiemt, schiam, schiöme, schiem, geschiamen
spiegeln: spilgt, spolg, spölge, spilg, gespolgen
stranden: strindt, strond, strönde, strind, gestronden
trampeln: trälmpt, trolmp, trölmpe, trilmp, getrolmpen
Gehen Sie immer in den Wald zur Paarung? (Loriot)

vccfvgfgfgfgfgfg


Michael

Ich habe nicht den Überblick, ob es irgendwo einen geeigneteren Faden gibt, deshalb lade ich es mal hier ab.

In meiner angeheirateten Heimat hor ich kürzlich das schöne Wort "derwuschen" ("i hob eahm derwuschen").  Auf Nachfrage versarch man mir, dass es die einfache Vergangenheit nicht gäbe, so dass man ergänzen memüsse, z.B.

derwischen, derwasch, derwäsche, derwuschen

Leider habe ich mir früher gehorene ähnliche Fälle nicht notoren, aber sicher kennt Ihr weitere Beispiele?

Kilian

Danke Günter und dem Tastaturverhauer für die neuen Storkvorschläge (wobei nur Günters neu waren ;D).

Ist derwuschen ein dialektales Partizip zu erwischen oder gibt's ein dialektales Verb derwischen? Oder gibt es im Bairischen gar eine Regel, nach der bestimmte Formen bestimmter Wörter vorne mit einem d gezoren werden?

Michael

Das mit dem "d" ist ganz ungeheimnisvoll: Das Verb heißt schon in der Grundform "derwischen" und ist gleichbedeutend mit "erwischen".

Kilian

Dann ist das Partizip schon mal ein Fall für die Rote Liste, denn derwischt scheint's nicht zu knapp zu geben und dürfte wohl selten 3. Pers. Sg./2. Pers Pl. Präs. Ind. eines Verbs zu Derwisch sein. Bei der einfachen Vergangenheit bin ich mir nicht so sicher: Täte man dem Bayerischen nicht Gewalt an, erfände man die einfache Vergangenheit (für die Große Liste) hinzu?

Michael

Zitat von: Kilian am 2006-01-27, 23:49:03
Bei der einfachen Vergangenheit bin ich mir nicht so sicher: Täte man dem Bayerischen nicht Gewalt an, erfände man die einfache Vergangenheit (für die Große Liste) hinzu?

Interessanter Gedanke, aber seit wann hat die GSV ein Problem mit der Gewaltanwendung, wofern diese der guten Sache dient?

Ku

Natürlich hat die GSV kein Problem mit Gewaltanwendung, wie man im Faden "Tmesis für Davongeflogene" feststellen kann  ::).

Kilian

Na, dann ist ja alles klar. :) Siehe da und dort.

Fleischers Karsten

Zitat von: Ku am 2006-01-31, 21:15:43
Natürlich hat die GSV kein Problem mit Gewaltanwendung, wie man im Faden "Tmesis für Davongeflogene" feststellen kann  ::).

Was soll das denn heißen?
Karsten

Bertl

Zitat von: Kilian am 2006-01-20, 13:05:47
Danke Günter und dem Tastaturverhauer für die neuen Storkvorschläge (wobei nur Günters neu waren ;D).

Ist derwuschen ein dialektales Partizip zu erwischen oder gibt's ein dialektales Verb derwischen? Oder gibt es im Bairischen gar eine Regel, nach der bestimmte Formen bestimmter Wörter vorne mit einem d gezoren werden?
Ich beziehe mich nun auf den Dialekt des Wiener Raumes (> Das Wörterbuch des Wienerischen von der Maria Hornung): Verben mit der Vorsilbe er-, die wirklich im Dialekt verurnken sind und die, wie mich dünkt, so etwas Gefühlsgeladenes, 'Heftiges' haben (erschlagen, erdrücken, erwürgen, sich 'erstößen', aber auch [jmdn.] erhalten, erkennen ['Jetß dakenn i di!'] und natürlich erwischen ['dawuschschn', klar]...), die werden mit der Vorsilbe der- (da-) gesprochen. Da- kann, etwa im Zorn, auch zu darr- anwachsen. Ein simples 'erfahren' oder auch '[einen Brief] erhalten', so fade, der Schriftsprache nahe Verben, pflegen kein da- zu haben.
  Der 'alte' Schmeller (in seinem 'Bayerischen Wörterbuch') meint, daß das da- sogar bei einigen Verben mit zer- vorkomme. Ohne jetzt darüber nachzudenken, glaube ich, daß Verben mit zer- im Wienerischen in der Regel mit dsa- ausgesprochen werden. - - Aber halt! - '[Si] dakläschschn' fällt mir ein, so etwas wie zerschellen. Und das kommt wohl wirklich eher von 'zerkleschen' als von 'erkleschen'. Johann Andreas Schmeller wird wohl Recht haben. Nicht 'gehabt haben', denn Recht hat er ja noch immer: in seinem Wörterbuch.