Schwächeanfall

Begonnen von Arnymenos, 2006-02-15, 16:04:22

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Arnymenos

Seid gegrüßt!

So gut wie nie in den letzten Monaten habe ich nacgeschaut, was denn hier so alles abginge. Zwar kenne ich nun Kilian persönlich, sechs Semester unter mir; doch für Verben blieb mir keine Zeit. Und nun muss ich feststellen, dass ich nicht einmal mehr die Erklärungen neuer Entwicklungen lesen kann, da sie sich von der Sprache, die ich einmal "Deutsch" nannte, aber auch von der, die wir einst "gestorkenes Deutsch" nannten, zu weit entfernt hat.

Ich halte gleich ein Referat in einem Kurs über Sprachwandel. Lasset euch dieses eine gesagt sein: So schnell wie eure Sprache hat sich keine entwickelt.

Und wenn mir einmal wieder Zeit vergönnt ist, dann lese ich mich auch wieder ein. Es bleibt mir nur zu hoffen, dass ihr diesen Text - bar jeder gestärkten Form, außer einer in Gänsefüßchen - überhaupt noch verstehen könnt, und verbleibe

Arnymenos

und erinnere im Post Scriptum an die Bedeutung meines Namens, die ich den des Griechischen nicht Mächtigen auf Anfrage gerne nachliefere.

Fleischers Karsten

#1
Ich kann nur schwervollz, das was Arnymenos da sug, nachiehen. Muss der sich so ausd unver- und umstalnd rücken? Da piert doch keiner was ka!
Wo da irgend in seinem Wirr-Wort-Warr, mien ich den Namen unseres Chefs ersp zu ähen, aber sonst keine Uhn, was das utet alles bede...
Karsten

amarillo

Lieber Arnymenos,

ich erinnere mich, daß wir (Du und ich) in Deinen aktiven Zeiten (hier) keine intimere Freundschaft gepflogen haben. Das war so und bedarf jetzt auch nicht der weiteren Klärung.
Daß ausgerechnet Du es bist, dem ich nun aus vollem Herzen zustimmen muß, wenn er das Holterdipolter des hier angewandten Sprachumbruchs (von Entwicklung kann keine Rede sein, allenfalls von Verwicklung, wenn nicht gar von Vergewaltigung) zumindest sanft kritisch anmerkt, hätte ich mir einerseits nie träumen lassen, andererseits stimmt es mich versöhnlich und auch ein wenig melancholisch.
Ich danke Dir für Deine Worte.

Liebe Grüße nach Tübingen - amarillo
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Bertl

Zitat von: amarillo am 2006-02-15, 18:11:30
(...) das Holterdipolter des hier angewandten Sprachumbruchs (von Entwicklung kann keine Rede sein, allenfalls von Verwicklung, wenn nicht gar von Vergewaltigung) (...)
Augenblick: 'Verwulck' vielleicht auch einem Menschen zugewiesen, der seine Vorschläge stets, Schritt für Schritt, mit klärenden Aufsätzen versieht? 'Vergewult' einem sanften, der Harmonie bedürftigen Wesen? An dem bei irgendwelchen seiner spärlichen Geschichten jeder Fehler, jede Unsicherheit nagt? (Was hab ich mir nicht in der Zwischenzeit zu Winzigem wie 'scheinbar' <> 'anscheinend' ausgegriulben, ohne Euch nun damit zu langweilen.)...
  Na gut, eines geb ich ja sofort zu, bei diesem 'P4'-Kennjokus, für den der Karsten das erste Medium war, da fliarst ich einigen Verben nächtens schon zu: Kommt, ihr Lieben, enthüllt auch dem Bertl etwas, das ebenso toll und absurd ist, na kommt doch! Und es kam, gleichsam im Traum...
Nochmals zurück zu meinen Aufsätzen: Die sollen ja allen jegliche Freiheit lassen: Entweder sich sofort mit einem 'Nonsens, das!' zu verabschieden oder den Gedanken halt selbst dann zu folgen, wenn manch vertraute Regel nichts mehr fruchtet. - Liegt auch oft ein Unterschied darin, derlei, halb verstanden, gleich zu parodieren, statt es einzuhalten - worauf jedeR nicht nur kräftig aufstoßen & furzen darf, sondern sich auch Schöneres, Klareres oder noch Wilderes, Bizarreres zufallen lassen. Im Sonnenlicht oder in nächtlichen Gesichten. In der da und dort schon blendenden Helle - wenn die Sonne scheint - des Bärenstein-Platzes von Pardubitz wie im gemütlichen Dämmer einer fuldensischen Schenke, pardon, Schänke.
Herzlichst!
Der Bertl    

Bertl

Nicht nur bei irgendwelchen, bei allen seiner spärlichen Geschichten - und seiner sehr spärlichen wassenschuftlen Pfappleiche

Bertl


Fleischers Karsten

Auch ich möchte mich nicht als Vergewaltiger dargestellt wissen, ich bin einer der friedliebensten Menschen die ich kenne. Und natürlich beherrsche ich das ungestärkte Deutsche auch noch sehr gut.
Ein Bekannter, dem ich einmal die GSV-Seite empfahl und der sie inzwischen mal unter die Lupe genommen hat, brachte gestern den durch Bertolt Brecht geprägten Begriff des Verfremdungseffektes ins Gespräch. Er meinte, dass wir genau dies betrieben.

Ich zitiere nur mal kurz den Bertl Brecht:

"Was ist Verfremdung?
Einen Vorgang oder einen Charakter verfremden heißt zunächst einfach, dem Vorgang oder dem Charakter das Selbstverständliche, Bekannte, Einleuchtende zu nehmen und über ihn Staunen und Bewunderung zu erzeugen."

"Vorgänge und Personen des Alltags, der unmittelbaren Umgebung haben für uns etwas Natürliches, weil Gewohntes. Ihre Verfremdung dient dazu, sie uns auffällig zu machen."

Durch den spielerischen Umgang mit der Sprache, dem Bertl Janecek und ich in - zugegeben ausschweifenden Maße - frönen, habe ich viele neue Dinge entdecken und lernen können. Nie wäre ich beispielsweise ohne den Bertl auf die Idee gekommen, mich mit der althochdeutschen Lautverschiebung auseinanderzusetzen!

Also, bitte, keine Vergewaltigung, sondern Verfremdung.
Karsten

Ku

Wenn ihr meine Meinung dazu hören wollt, hier ist sie:
Zu der Zeit, in der ich in dieser Gesellschaft Mitglied wurde, haben wir die deutsche Sprache mit dem Florett gespießelt und uns darüber amüsiert. Die Gesellschaft hieß damals ,,Gesellschaft zur Stärkung der Verben" und es war völlig klar, was damit gemeint war. Von Verfremdung der Sprache war keine Rede. Trotzdem Gruß an Bert Brecht (dessen Bert bitte ohne ,,l").
Ich habe gedacht, mit der Öffnung des Fadens ,,Tmesis für Fortgeschrittene" hättet ihr eine Werkstattbühne aufgemacht und mal versucht, was passiert, wenn man das Florett durch eine Axt oder einen Vorschlaghammer ersetzt und diesen Versuch als Fortschritt bezeichnet. Ich habe gedacht, in den anderen Fäden würde weiterhin das Florett benutzt, um wenigstens dort die bisherigen Gewohnheiten beizubehalten. Das scheint nicht so zu sein.
Ihr könnt natürlich machen, was ihr wollt. Für elegant oder pfiffig oder wenigstens grotesk halte ich das aber nicht. Mitmachen kann ich es daher auch nicht.

VerbOrg

Lieber Karsten, liebes Bertl,

es tut mir ja sehr leid, euren Übereifer ein wenig zu trüben - sofern das möglich ist - aber unrecht haben weder Arnymenos noch amarillo oder der Ku.

Was ihr teilweise mit der deutschen Sprache veranstaltet, geht auf keine Kuhhaut mehr. Sprachverdrehung heißt doch nicht, dass man alles so weit entstellen muss, dass man sich nur selbst versteht. Bisher sah ich die "Gesellschaft zur Stärkung der Verben" auch als eine solche an. Es wurde gemeinsam gestorken und zwar so, dass es lustig klang, aber doch verständlich blieb. Ein Spaß eben, an dem alle teilhaben und sich darüber amüsieren konnten.

Die Tmesis für Fortgeschrittene stoll sich da schnell als ein Duoprojekt heraus, dem zu folgen ich keine Lust habe und dessen tolle* Ideen nachzuvollziehen und zu übernehmen ich nicht gewillt bin.

Der Fadenname "Tmesis für Fortgeschrittene" ist sehr bezeichnend. Die Tmetiker sind vom Rest der Gesellschaft schon ganz schön weit fortgeschritten, will sagen: entfornen.


*toll ist hier durchaus nicht im Sinne von spitzenmäßig gemienen

caru

*stellt sich mal hinter VerbOrg und schwinkt eine große bunte flagge*

bin ganz der mien. dabei, wenn ich mich recht entsinne, hab sogar ich das mit der tmesis initi georen :-[
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(>´x´<)
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Nijntje - de echte nederlandse konijn

VerbOrg

Nix gegen Tmesis einzuwenden.
Zumindest nicht da, wo man versteht, was gemienen ist. Was ist so falsch an der Sondertmesis der "ieren"-Verben? Schließlich gibt es im Deutschen genug Verben, die von Natur aus tmetisch sind.

Aber das, was ab P4 veranstaltet wurde, geht mir "ein bisschen" zu weit.
Spaß kann ich daran nicht finden.

caru

gegen die iererei hab ich eh nix. meine nähere umgebung hat sich schon dran gewohnen... unglaublich, wie die letztens frrrrr georen haben, als es  -15°C hatte ;D
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('.')__('.')

Nijntje - de echte nederlandse konijn

VerbOrg

Pah! Mein Schwesterherz hurr gar bei -21°C aus. Und als ich sie danach frug, wurt sie ant (nicht etwa: "urt sie antw"), dass das Wetter sehr angenehm sei und man die Spaziergänge nur nicht ganz so ausweiten dürfe.

caru

ja, ihr da oben im hohen norden. für euch ist das ja schon sommer, wenns über -10° hat
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Nijntje - de echte nederlandse konijn

VerbOrg

Ganz so ekstrem ist's nicht, aber am Montag schrieb ich nach einem Spaziergang bei 7°C und strahlendstem Sonnenschein "Frühlingsanfang" an meinen Kalender. Aber das verstehst du da unten im Süden nicht.