Autor Thema: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten  (Gelesen 54900 mal)

Wortklaux

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #165 am: 2016-07-19, 18:31:51 »
Wachskerzen sind im Allgemeinen eindeutig Schrumpfkerzen, mindestens dann, wenn sie ihrem vorgesehenen Gebrauch zugeführt werden.

Berthold

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #166 am: 2016-07-20, 09:44:23 »
Latein? Das güldet nicht. :P

Aber, aber: als Terminus technicus. Na, dann sülbert's halt.

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #167 am: 2016-07-20, 11:27:59 »
Eine entzückende Sammlung! Nach dem Lesen der letzten Einträge hier hatte ich auch einen Selbstgegentumseinfall, den ich allerdings mit meinem Gegenwesen heftig diskutieren musste, und nun bin ich mir gar nicht mehr sicher. Was meint ihr?

gendern
"Warum steht denn da "Studenten", das hätten sie ruhig mal gendern können." (geschlechtsneutral formulieren)
"Die Bezeichnung "Krankenschwester" ist völlig grundlos gegendert." (geschlechtsspezifisch formulieren)

Ich benutze das Wort in beiden Bedeutungen, für das Wesen hat es ausschließlich die erste Bedeutung.
Ich kenne auch kein anderes Wort, das dem Muster "gendern = Gender wegmachen" folgt. "wärmen = Wärme wegmachen"? "formen = Form wegmachen"?

Wortklaux

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #168 am: 2016-07-20, 12:06:29 »
„Müllen“ bedeutet laut Duden „a. Müll produzieren; b. Müll wegwerfen“.

Wortklaux

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #169 am: 2016-07-20, 12:08:39 »
Hier wird er übrigens produziert:
https://www.youtube.com/watch?v=9xghq_CEG4M
Der Produzent heißt dann wohl „Müller“.

Berthold

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #170 am: 2016-07-20, 13:37:31 »
Wachskerzen sind im Allgemeinen eindeutig Schrumpfkerzen, mindestens dann, wenn sie ihrem vorgesehenen Gebrauch zugeführt werden.

Etwas unheimlich dünken mich Schrumpfköpfe (Im Jivaro: Tsantsa). "Schrumpfkopf -> Bilder" läßt irgendwie erkennen, was für ein grausiges Zeugs das Comperl sein kann; voller Gräusäme. Heimlicher sind wohl die Wachsmodelle von Schrumpfköpfen.

Kilian

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #171 am: 2016-07-20, 14:17:11 »
Eine entzückende Sammlung! Nach dem Lesen der letzten Einträge hier hatte ich auch einen Selbstgegentumseinfall, den ich allerdings mit meinem Gegenwesen heftig diskutieren musste, und nun bin ich mir gar nicht mehr sicher. Was meint ihr?

gendern
"Warum steht denn da "Studenten", das hätten sie ruhig mal gendern können." (geschlechtsneutral formulieren)
"Die Bezeichnung "Krankenschwester" ist völlig grundlos gegendert." (geschlechtsspezifisch formulieren)

Ich benutze das Wort in beiden Bedeutungen, für das Wesen hat es ausschließlich die erste Bedeutung.
Ich kenne auch kein anderes Wort, das dem Muster "gendern = Gender wegmachen" folgt. "wärmen = Wärme wegmachen"? "formen = Form wegmachen"?

Ein paar solcher Wörter gibt es schon, z.B. köpfen und flöhen. Aber stimmt schon, dieses Muster ist selten und seltsam. Von daher ist die erste Bedeutung von gendern erklärungsbedürftig, wohingegen die zweite unmittelbar einleuchtet. (Einschlägige Wörterbücher kennen übrigens keine von diesen beiden linguistischen, sondern nur soziologische und politische, Bedeutungen von to gender und gendern, aber das lasse ich hier mal beiseite.) Meine Theorie dazu ist diese: Zuerst war die zweite Bedeutung da: ein Wort mit einem Gender versehen. Das wurde dann u.a. in Kontexten verwandt, wo zuvor ein generisch gemeintes Maskulinum stand, z.B. „Wir schulden unseren Wählern Rechenschaft.“ Wenn man Wählern generisch interpretiert, hat es in diesem Sinne kein Gender. Auf der anderen Seite hat es natürlich doch ein Gender, weil das generische Maskulinum nicht wirklich existiert. Wer diesem Problem abhelfen will, könnte zu folgender Umformulierung greifen: „Wir schulden unseren Wählerinnen und Wählern Rechenschaft.“ In einem Sinne fügt man dadurch Gender hinzu, weil man ein generisch gemeintes Wort durch zwei offensichtlich nicht generisch gemeinte ersetzt. In einem anderen Sinne nimmt man eine Genderung weg, weil der Satz als ganzer durch Nennung beider Geschlechter jetzt geschlechtsneutraler formuliert ist. Vielleicht ist auf diesem Weg in der Sprachgemeinschaft der Eindruck entstanden, gendern bedeute allgemein, etwas geschlechtsneutral zu formulieren, was sich dann als Bedeutung 1 durchgesetzt hat, wohingegen das Gendern ursprünglich (Bedeutung 2) durch Expliziternennung beider Geschlechter, wo zuvor ein „generisches Maskulinum“ stand, nur ein mögliches Werkzeug dazu war.
« Letzte Änderung: 2016-07-20, 18:11:50 von Kilian »

Kilian

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #172 am: 2016-07-20, 14:19:46 »
Latein? Das güldet nicht. :P

Aber, aber: als Terminus technicus. Na, dann sülbert's halt.

Fürwahr. ;D

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #173 am: 2016-07-20, 14:36:22 »
Wer diesem Problem abhelfen well, könnte zu folgender Umformulierung greifen: „Wir schulden unseren Wählerinnen und Wählern Rechenschaft.“ In einem Sinne fügt man dadurch Gender hinzu, weil man ein generisch gemeintes Wort durch zwei offensichtlich nicht generisch gemeinte ersetzt. In einem anderen Sinne nimmt man eine Genderung weg, weil der Satz als ganzer durch Nennung beider Geschlechter jetzt geschlechtsneutraler formuliert ist. Vielleicht ist auf diesem Weg der Eindruck entstanden, gendern bedeute allgemein, etwas geschlechtsneutral zu formulieren (Bedeutung 1), wohingegen das Gendern ursprünglich (Bedeutung 2) durch Expliziternennung beider Geschlechter, wo zuvor ein „generisches Maskulinum“ stand, nur ein mögliches Werkzeug dazu war.

Hm... deine Argumentation wirkt zwar durchdacht, aber ich hatte gar nicht so sehr an "Wählerinnen und Wähler" gedacht, sondern an sowas wie "Wahlberechtigte" oder "Studierende". Ich habe das Gefühl, in solchen Kontexten häufig Kommentare zu hören/lesen wie "Boah, immer dieses Gendern, ey" oder "Wenn wir alle Studierenden ansprechen wollen, sollten wir auch entsprechend gendern".

Interessant, dass meine hochwissenschaftliche Twitterumfrage darauf hindeutet, dass die geschlechtsneutrale Lesart weniger verbreitet (bzw. naheliegend) ist. Es haben aber auch viele für eine kontextabhängige Lesart abgestummen - also tatsächlich ein Selbstgegentum.

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #174 am: 2016-07-20, 14:38:44 »
Davon abgesehen, muss ich meinen Verbstork sowieso noch besser trainieren, die Wörter sind also gar nicht gegendert, sondern... ge... gegornden? gegont?

Kilian

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #175 am: 2016-07-20, 14:45:50 »
Hm... deine Argumentation wirkt zwar durchdacht, aber ich hatte gar nicht so sehr an "Wählerinnen und Wähler" gedacht, sondern an sowas wie "Wahlberechtigte" oder "Studierende". Ich habe das Gefühl, in solchen Kontexten häufig Kommentare zu hören/lesen wie "Boah, immer dieses Gendern, ey" oder "Wenn wir alle Studierenden ansprechen wollen, sollten wir auch entsprechend gendern".

Schon klar. Das ist Bedeutung Nummer eins, „geschlechtsneutral formulieren“, oder? Geschlechtsneutral formulieren kann eins ja auf vielerlei Weisen, z.B. durch Doppelnennung oder eben durch von vornherein geschlechtsneutrale Wörter. Meiner Theorie zufolge hat zwar die Doppelnennung eine entscheidende Rolle dabei gespielt, gendern zu dieser Bedeutung zu verhelfen, aber das heißt ja nicht, dass es nicht auch auf andere Arten des geschlechtsneutralen Formulierens anwendbar wäre.

Kilian

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #176 am: 2016-07-20, 14:46:48 »
Davon abgesehen, muss ich meinen Verbstork sowieso noch besser trainieren, die Wörter sind also gar nicht gegendert, sondern... ge... gegornden? gegont?

Laut unserer Liste gendern, garnd, gürnde, gegornden. ;D

Berthold

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #177 am: 2016-07-20, 14:49:39 »
Zu Antwort #171:

Ein schönes Wort aus dem Aufsatze (rotes Anklicksel): Stereotypizitätseffekt. Vielleicht bis zu "der Izi" vereinfachabel - ?
« Letzte Änderung: 2016-07-20, 14:54:23 von Berthold »

Berthold

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #178 am: 2016-07-20, 14:59:05 »
Davon abgesehen, muss ich meinen Verbstork sowieso noch besser trainieren, die Wörter sind also gar nicht gegendert, sondern... ge... gegornden? gegont?

Laut unserer Liste gendern, garnd, gürnde, gegornden. ;D

Sind in einer Gruppe (einem Grupp*) doch mehr Männer, dann vielleicht "gendrohren". In der Schweiz pieße hier vielleicht das Hauptwort "das Gendröhrli" in den Wortwald (-hain).

*Den Trupp gibt's ja auch. Marschieren dort mehr Mannsbilder?
« Letzte Änderung: 2016-07-20, 15:02:41 von Berthold »

Wortklaux

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Re: Woerter, die ihr eigenes Gegentum bedeuten
« Antwort #179 am: 2016-07-20, 15:00:01 »
Davon abgesehen, muss ich meinen Verbstork sowieso noch besser trainieren, die Wörter sind also gar nicht gegendert, sondern... ge... gegornden? gegont?

Laut unserer Liste gendern, garnd, gürnde, gegornden. ;D
Ich plädöre für gerdern, giarnd, giürnde, gegiornden (oder eingeniutschen dschendern, dscharnd, dschürnde, gedschornden)