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Themen - Arnymenos

#1
Neue Ideen / Suffixe zu Präfixen
2018-12-12, 13:32:48
Es war zwar nur ein Handybedingter Tippfehler, aber man schrieb mir gestern "igendgült". Der geniegene Leser erkenne das Wort, und sehe, das hier das Suffix Präfix georen ward, nebst Inkorporation des modalen (?) Substantivs. Ich scher' mich nun nicht weiter um die Implikationen, und entlasse die generelle Idee in die Wildbahn.
#2
Sprache / Konjunktiv von wollen
2006-03-29, 00:13:05
Gerade gehört: "Ein Einzelkind wöllt' ich auch nicht."
#3
Omnia licent / Schwächeanfall
2006-02-15, 16:04:22
Seid gegrüßt!

So gut wie nie in den letzten Monaten habe ich nacgeschaut, was denn hier so alles abginge. Zwar kenne ich nun Kilian persönlich, sechs Semester unter mir; doch für Verben blieb mir keine Zeit. Und nun muss ich feststellen, dass ich nicht einmal mehr die Erklärungen neuer Entwicklungen lesen kann, da sie sich von der Sprache, die ich einmal "Deutsch" nannte, aber auch von der, die wir einst "gestorkenes Deutsch" nannten, zu weit entfernt hat.

Ich halte gleich ein Referat in einem Kurs über Sprachwandel. Lasset euch dieses eine gesagt sein: So schnell wie eure Sprache hat sich keine entwickelt.

Und wenn mir einmal wieder Zeit vergönnt ist, dann lese ich mich auch wieder ein. Es bleibt mir nur zu hoffen, dass ihr diesen Text - bar jeder gestärkten Form, außer einer in Gänsefüßchen - überhaupt noch verstehen könnt, und verbleibe

Arnymenos

und erinnere im Post Scriptum an die Bedeutung meines Namens, die ich den des Griechischen nicht Mächtigen auf Anfrage gerne nachliefere.
#4
Sprache / Idiome
2005-06-06, 11:50:16
"Du Vollidiom!"

So begrüßen wir uns an der Uni, denn im Kurs geht es um Phrasen, Idiome, feststehende Ausdrücke, und darum, wie man sie versteht.

Der Linguist hätte an der andernorts erwåhnenen (1) arbiträr-aleatorischen Konjug nach Schnauze mühelos nachvollzogen, das Ly die Erklärungen verstand, aber "nach Schnauze", das Ly problemlos Akzept or, könnte er nicht erklären. "Nach Schnauze" ist eigentlich ungrammatisch, denn der Artikel fehlt. Produktiv ist es auch nicht, wir können keine Teile durch Gleichwertiges austauschen: Wir sagen ja nicht "nach Mund" oder "vor Schnauze".

Da solcherart nur als Ganzes Verstandenes Inhalt meiner Abschlussarbeit ist, und da ich hier die trefflichsten Hobbylinguisten anfinde, eröffne ich diesen Faden. Schreibt, was euch in den Sinn kommt (Beispiele, intuitive Erklärungen, wissenschaftlichen Kram ...). Gerne erklär' ich auch die seltsame Ansicht der Linguisten, Idiome machen Probleme in der Theorie.


(1) neu für die Liste erwähnen - erwåhn - erwœhne - erwåhnen
#5
Nun aber Butter bei die Fische. Wir kommen zur ersten Runde des bald berüchtigten Nonsenswortgenuszuweisungsexperimentes. Darin geht es darum, wie der Name nahelegt, Nonsenswörtern Genera zuzuweisen. Ziel ist es, herauszufinden, in wie weit das Genus eines Wortes aus seiner Ausspracheform folgt. Deshalb werden Wörter gewählt, die keinerlei Bedeutung tragen. Es funktioniert so: Ihr kopiert die Wortliste, schreibt einen Artikel dazu und verratet mir bitte auch, welche Silbe betonen wird. Achtet bitte darauf, euch nicht von anderen beeinflussen zu lassen.

Und wer nicht mitmacht, kann sich immer noch erheitern ob der seltsamen Wörter. Alle sind zur Dichtung freigegeben.

Nons
Enswo
Nuszu
Eisung
Sexper
Iment
Konstur
Litan
Belog
Kagge
Gemerte
Vertrell
Elymofel
Fümper
Elfant
Agglomerativ
Tutnichnot
Worage
Schrunk
Kailst
Fobst
Elefefant


Und nun viel Spaß
#6
Sprache / Vorvorsilben
2005-05-06, 21:23:49
Eines aus dem Herkunftswörterbuch (Duden 7) möchte ich euch nicht vorenthalten: Zunächst kommt "fressen" von "ver-essen". "verfressen" ist damit eine Doppelbildung, zweimal die gleiche Vorsilbe. Gibt es deutlichere Beibeispiele für doppelte Vorvorsilben?

Mir fielen "vorvorgestern" und "überübermorgen" ein, die aber sicher nicht von allen verstanden und benutzt werden. Beide stehen im Duden. Das Englische kennt keine Wörter dafür. Auch das Irische tut sich schwer.

Aber, nun: mehr Vorvorsilben bitte.
#7
Sprache / Neue Bräuche mit "bräuchte"
2005-04-27, 22:55:10
Es gibt im Deutschen extrem abgefahrene Dinge, die oft auch zusammen auftreten: Modalverben, Präterito-Präsentia, Ersatzinfinitiv und Extra-Umlaut im Konjunktiv II. Einige bis alle dieser Eigenschaften haben "sollen, dürfen, können, müssen, wollen".

In einem Kurs zur diachronischen Morphologie des Deutschen erfuhr ich heute die jüngere Geschichte des Verbes "brauchen". Die Konstur "etwas zu tun brauchen", meist negiert als "etwas nicht zu tun brauchen" ist neu genug. Noch neuer ist die Verwendung mit nacktem Infinitiv an Stelle des zu-Infinitives. In zweierlei Hinsicht erstreitet sich "brauchen" noch mehr Geltung als Modalverb:

1. Ersatzinfinitiv
Die Formul "ich habe das nicht tun brauchen" ist m.E. besser als "ich habe das nicht (zu) tun gebraucht"

2. Der Konjunktiv II lautet unregelmäßigerweise "bräuchte". Trotz der schwachen Endung tritt hier ein zusätzlicher Umlaut auf.


Dies mag man auffassen als eine Tendenz, die uns sehr entgegen kommt. Schwache Verben sind eigentlich die einzige offene, produktive Klasse. Das heißt: Jedes neu erfundene Verb ist schwach (außerhalb dieser Domäne hier) --- und sei es nur mit einer neuen Bedeutung belegt wie "senden" im Sinne von Rundfunk. "Gestern sandte der SWR ..." ist ganz unmöglich. Wenigstens ein Beispiel für Stärkung der Verben: brauchen.
#8
Omnia licent / Referat
2005-04-26, 17:36:39
In einem Kurs zu deutschen Dialekten habe ich mich bereit erklärt, etwas über das Mittelhochdeutsche zu erzählen, und insbesondere darüber, wie lautliche Veränderungen aus der Zeit des MHD heutige Dialekte voneinander abgrenzen.

Seht ihr da Probleme, oder habt ihr vielleicht gute Vorschläge?
#9
Sprache / Pro-drop
2005-04-26, 01:12:01
Zitat von: VerbOrg am 2005-04-24, 21:59:49
Fand deine Umformul allerdings sehr anschaulich.
Was VerbOrg da machte, nennt man pro-drop, das Auslassen eines Subjekt-Personalpronomens. Auslassen kann man dasjenige am besten, das am ehesten verstanden würde, quasi den Normalfall. Es gibt eine Hierarchie dessen, was gute Subjekte sind. Bereits eingeführte Handlungsträger sind recht gut, und Pronomen als Instanz dessen sind die offensichtlichsten Subjekte. Deswegen ist pro-drop die häufigste Form des Subjektauslassens (und eine Sprache, die "schwerere, informativere" Subjekte wie Nominalphrasen oder Eigennamen auslassen kann, sollte auch immer Pronomen auslassen können. Jedenfalls erwartet man das, aber ich kenne nicht alle Sprachen.)

Das Deutsche macht das laut gängigen Grammatiken nicht. Doch der Muttersprachler findet solches immer häufiger, besonders in Netzpost und Foren. Bevor ich mehr erzähle, was erwartet/vermutet/beobachtet ihr: Welche Pronomen trifft es am häufigsten (im Deutschen als Subjekt ausgelassen zu werden)? Bzw. bei welchen und in welchen Kontexten (am besten leere, also ohne vorhergehende Sätze) findet ihr es am verständlichsten?
#10
Sprache / vünv
2005-04-16, 11:05:30
In meinem privaten Gebrauch wird aus Konsistenzgründen das Zahlwort für die Zahl 5 fortan als "vünv" erscheinen. Das erste V folgt der Ausspracheregelung für einheimische mit V beginnende Wörter, steht aber nur aus Symmetriegründen zum zweiten V da und hätte auch ein F bleiben können. Das zweite aber muss nach den Regeln unserer Orthographie ein V sein.

Unser Buchtabe V steht mal für W, mal für F. In Fremdwörtern ist es ein W, zumindest am Wortanfang (doch mein Großvater sagt konsequent Fitamine). In deutschen Wörtern ist es stimmhaft nur im Wort, und stimmlos am Anfang und Ende.

Ich starlp also gerade über das Wort "Fünferbande". Da fiel mir auf, dass es sich bei dem letzten Laut des Wortes "fünf" nur positionsbedingt um einen stimmlosen handelt. In allen Bildungen zu dem Wort kann es durch die Position erklärt werden (fünftes, fünfer, ...), im Gegensatz z.B. zum "Senf". Also müsste hier V geschrieben werden. Damit der schriftliche Charakter des Wortes erhalten bleibt, sollte auch der erste Laut o.V.d.A.1 als V geschrieben werden.

Soweit meine kleine Rechtschreiberneuerung.


1) ohne Veränderung der Aussprache
#11
Sprache / Deutsche Rechtschreibung
2005-03-08, 14:58:59
Ich bin heute wieder auf Forderungen zur Abschaffung der Rechtschreibreform gestoßen. Daher wollte ich einmal fragen, wie ihr dazu steht.

Ihr erhaltet meine Meinung im Voraus: Ein System mit einem geringen Anteil an echt totalem, aber lernbaren Schwachsinn wurde durch ein neues System ersetzt, das etwa den selben Anteil an totalem Schwachsinn enhält und  ebenso erlernbar ist. Unter dem Strich steht das Nebeneinander vieler Formen und das der beiden Rechtschreibungen als großer Schwachpunkt der Rechtschreibung als Ganzes.

Reform ja, aber mit Prinzip. Ich schreibe so, wie ich es für richtig halte, das heißt, ich folge den Verbesserungen (in meiner subjektiven Sicht) der Reform und ignoriere den Rest einfach. Ich bin ja kein Lehrer und auch sonst nicht in offizieller Position.

Und wenn ihr noch ein Beispiel für den "totalen Schwachsinn" braucht, dann nehmt "Trenne nie st, denn es tut ihm weh" aus der alten und "ein Wort zusammen (gemeinsam??) schreiben" aus der neuen. Da kann ich nur den Kopf schütteln und sagen: Das ist nicht meine Sprache. Wenn das von mir verlangt wird, dann verzichte ich darauf, Muttersprachler des Deutschen zu sein. Oder ich starte eine Inquisition der Vernunft... aber die Masse lässt sich ja nciht belehren.
#12
Lange bekannt als -ieren kommt es nun zu seinem Recht, ein eigenständiges Wort zu sein. Ich darf vorstellen:

ieren

ich iere, du ierst, er/sie/es iert, wir ieren, ihr iert, sie ieren
ich or, du orst, er/sie/es or, wir oren, ihr ort, sie oren
(Konjunktiv enstprechend mit Umlaut)
georen

Und weil es so nützlich ist (wie wir gleich sehen werden), darf auch abgekürzt werden:

chiere, d'ierst, er/sie/es iert, wieren, riert, sieren
chor, d'orst, er/sie/es or, woren, rort, soren
(Konjunktiv enstprechend mit Umlaut)


Wofür brauchen wir das? Gehen wir die Sache von ganz wo anders an. Trennen wir von den Verben auf -ieren alles vor der hauptbetonten Silbe ab. Dann erhalten wir ein schönes initialbetontes Verb, obiges ieren. Der Rest ist erstmal eine abtrennbare Vorsilbe, dann aber auch eine Art Verbalsubstantiv, die sich mit dem Hilfsverb ieren zu vielen Bedeutungen verbindet. Solche Substantive sind:

Transpir, Manipul, Kasch, Programm, San, Filt(e)r, Kast(e)r, Initialis, ...

und auch: "Verl"!

Sie sind im Zweifelsfalle sächlich und haben die Bedeutung des ehemaligen Wortes auf -ierung. Damit sind wir auch diese Doppelendler los.

Dann heißt es: "Ich habe Transpir georen", "Ich iere den Haushalt San" etc. Bleibt zu überlegen, ob das wirklich Substantive sind, oder nicht einfach nur Partikel.
#13
Neue Ideen / Zukunftsprojekt
2005-02-24, 23:05:04
Der Unterschied zwischen synthetischen und analytischen Formen dürfte allen bekannt sein. Synthetisch heißt, alles in ein Wort zu packen. Von daher sind sowohl schwache als auch starke Präteritumsbildung im Deutschen synthetisch, der Präteritumsschwund zugunsten des Perfekts tendiert aber zur analytischen Bildung. Im sog. doppelten Perfekt (getan gehabt haben) werden dann die Funktionen 'vergangen' und 'vollendet' auf einzelne Wörter verteilt. Das starke Präteritum kommt aber mit einem Morphem (-te) weniger aus, ist also synthetischer als das schwache. Ebenso ist der würdelose Konjunktiv viel ehrenhafter, weil er ein Wort weniger braucht.

Wer Verben stärkt, favorisiert also synthetische Bildungen.

So einiges in der deutschen Verbalflexion ist aber notorisch analytisch. So zum Beispiel die Zukunft, der ich mich als erstes widmen möchte. Das Englische geht den eigenartigen Weg, ehemals analytische Formen mit den Pronomen zu verschmelzen ('ve für das Perfekt, 'll für die Zukunft). Bis dahin ist es für das Deutsche aber ein zu weiter Weg; wir müssten die Satzstellung ändern, die Personalendungen bei Hilfsverben ausgeben. Stattdessen könnten wir doch eine eigene Form für die Zukunft entwickeln. Die könnte ein Präfix, ein Suffix oder eine Stammveränderung sein. Damit würden wir auch die Doppelbelegung von "werden" (Zukunft/Passiv... zwei völlig unverwandte Dinge) los.

Ich bitte um Vorschläge! (Ich bin ja der unkreative, beobachtende Linguist... aber morgen fällt mir auch noch was ein.)
#14
Sprache / Partizip mit ge-
2005-02-17, 20:13:05
Ich las gerade in der Starkverbliste "transgepiroren" als Partizip von transpirieren. Da hat jemand nicht aufgepasst. Ich hoffe, klarmachen zu können, warum das so nicht sein kann, auch bei aller Freiheit nicht.

Das ge- ist im Englischen ganz verschwunden, die Bayern sprechen nur noch ein k- (das könnte man genauer ausführen... wann die was sprechen, wann es ganz wegfällt). MrMagoo wird uns sicher auch sagen können, wie diese Vorsilbe früher aussah. Ich vermute, sie hatte einen Vollvokal, also etwa gi-. Sowas ähnliches habe ich mal gilêzan. Punctum saliens: Diese Silbe wurde phonetisch abgestuft, geschwächt. Sie hat heute nur noch ein Schwa als Vokal, und das ist absolut unbetonbar. Partizipien mit ge- beginnen also immer mit einer unbetonten Silbe.

Und das ist schlecht. Bei längeren Wörtern wird ein nebenbetonter Fuß gebaut, wenn dafür Platz ist ("Automation" etc.). Ich kenne kein Wort im Deutschen, dass mit zwei unbetonten Silben anfängt. Es ist in jedem Fall besser und immer möglich, diesen metrischen Fuß zu dort haben. Und mit der Nebenbetonung ist das Problem wieder gelöst.
Universell gesprochen gibt es Sprachen mit Wörtern, deren erste drei Silben un-, un- und hauptbetont sind, aber eben nur mit Hauptbetonungen, nie un-, un- und nebenbetont (soweit ich weiß; das ist wieder so eine Theorie für die ich momentan weder die Quelle noch einen einleuchtenden Beweis nennen kann. Nehmt es als Kuriosum hin; glaubt es oder glaubt es nicht; untersucht und/oder diskutiert es, wenn ihr wollt; wir brauchen es nicht weiter.). Für das Deutsche sind zwei unbetonte Silben am Wortanfang tabu.

Wir können schnell feststellen, dass eine vorhandene, untrennbare Vorsilbe das ge- blockiert wie in verlaufen vs. gelaufen. Das ist eine Regel, die man als Deutschlernender braucht. Mit noch ein paar Regeln schafft man es nun, zu lernen, warum es nicht "getranspiriert", nicht "gepunktiert", aber "gesehen" und "gearbeitet" heißt.

Die Verallgemeinerung all dieser regeln ist aber ebenso simpel wie konsistent: ge- steht immer dann vor dem Verbstamm (abzüglich alles trennbaren wie z.B. "vor-" in "vorstell-", aber nicht des untrennbaren wie etwa "ver-" in "verstell-"), wenn es dort stehen darf. Das ist genau dann der Fall, wenn dieser Stamm mit der hauptbetonten Silbe beginnt.
Kurzum, eine unbetonte Silbe ist am Wortanfang nur möglich, wenn direkt danach die Hauptbetonung kommt. Weil wir viel zusammensetzen, wird das Ganze noch etwas komplizierter. Das kann ich im Moment nicht alles überblicken.

Die Nebenbetonung auf "trans" in "transpiriert" erlaubt kein "ge-", wohl aber die Hauptbetonung auf "ar" in "ge-arbeitet". "gepunktiert" begänne mit zwei unbetonten Silben, ist daher kein gültiges Wort. Ebenso ist "gepiroren" bei abtrennbarem "trans" nicht möglich.

Die Regel noch einmal: Das Partizip ist gekennzeichnet durch das Präfix "ge-" direkt vor dem Verbalstamm, welches aber nur dann auch wirklich auftaucht, wenn es direkt vor der Hauptbetonung steht.

Man könnte jetzt über "transpigeroren" nachdenken, da das "ge-" ja vor die Hauptbetonung soll. Aber das mit dem "soll" stimmt so nicht. Es "soll" einzig und allein vor den Verbalstamm. Wenn danach nicht die Hauptbetonung käme, dann ist das nicht erfüllbar, und das "ge-" verzichtet. Es hat also eine sehr wichtige Funktion, ist aber erstens sehr unbeweglich und zweitens so schwach, dass es sich an eine Hauptbetonung anlehnen muss. Und die kriegt es nur sehr selten, meistens eben bei guten, einheimischen, einsilbigen Verbalstämmen wie "seh-". Und da wird auch verständlich, warum es im Englischen ganz abgetreten ist: Es war einfach zu schwach.

Ich denke, es sprengt den Rahmen des Verben Stärkens, wenn man die rhythmische Struktur des Deutschen verändern will. Man könnte nur dem "ge-" per Vollvokal zur Betonbarkeit verhelfen, dann könnte man "GIpunkTIERT" mit Nebenbetonung auf "gi" sagen. Aber wieso diese Silbe überstrapazieren, wenn sie von einem trennbaren Verbpartikel ohnehin "verdrängt" wird? Es bleibt bei "transpiroren", und "transgepiroren" müsste spätestens nach dem Lesen dieser Zeilen in eurer aller Ohren komisch klingen.
#15
Sprache / Zuchini
2005-02-10, 18:13:42
Der Betreff ist falsch geschrieben. Warum? Weil manch einer tatsaechlich "Zuch-i-ni" sagt, mit "ch" wie in "ach". Ganz eindeutig wurde hier eingedeutsch, aber was? Nicht die Aussprache, sondern mir unerklaerlicherweise die Aussprache nach der orthographische Form, als sei sie deutsch.

Normalerweise geht das so: Der italienische Gemuesehaendler kommt mit seinen "tartufi", die er seit wenigen Jahren anbaut, denn sie mussten ja erstmal aus Amerika importiert werden. Der Deutsche hoert genau hin und erzaehlt dann zu Hause, es gebe "Kartoffeln" (oder "Trueffel", beides geht auf den "Tartufo" zurueck, wenn ich mich nicht irre). Alternativ erfindet er (oder schaut es sich beim Franzmann ab) die Bezeichung "Erdapfel".

Heute geht es so: Der Urur...urenkel dieses Haendlers kommt in alter Tradition nach Deutschland, stellt ein Schild "zucchini" in die Kiste und verkauft die Dinger. Dass der Deutsche dies als Singular nimmt, moechte man ihm gar nicht so uebel nehmen, da auch der Italiener hier meistens im Plural spricht. Ein Pluraletantum im Italienischen kann gut ein Singular in einer anderen Sprache sein. Aber wie spricht es der Deutsche nun aus? "Zutschini" koennte man vermuten, denn alles, was nicht deutsch ist, wird nach englischen Regeln (bzw. dem, was der Deutsche dafuer haelt) ausgesprochen. So auch das "Babi Pangang" auf der asiatischen Speisekarte, wo dann sogar mein des Englischen unkundiger Grossvater "bebi" sagte. Aber nein, keine "Zutschini". Stattdessen gute deutsche Orthographie: Da steht doch ein "ch"! Also "ch" wie in "ich", denn das ist die Grundaussprache (war im AHD anders, ist aber heute so; man denke im Hochdeutschen an "China" und "Molch" etc. Hier wird deutlich, dass der "ich"-Laut an deutlich mehr Stellen stehen kann und dort nicht mit dem "ach"-Laut kontrastiert). Also "Zu-chini"? Mitneffen! (Mitnichten, wie waere es mit "neff" statt "nicht", so ganz allgemein?)

Auch stoert sich niemand an dem doppelten "c". Dass der Haendler "Zukkini" sagte, hat der Deutsche ueberhoert. Ihm, als auf die Orthographie getrimmten, faellt es zunehmend schwerer ein Wort intuitiv zu behandeln. Der erste Nachsprechversuch ist meistens schon die beste annaeherung der eigenen Sprache an ein fremdes Wort. So kam es zur "Kartoffel" und vielen anderen. Doch treudoof dem Schriftbild folgend erfindet der Deutsche Woerter, die es gar nicht gibt.

Schlimmstes Beispiel ist der zweifache Aussprachefehler mit einfacher grammatischer Fragwuerdigkeit im Plural: "Gnocchis".
Ja, wie kann man das denn sprechen? g-n-o-tsch-i-s natuerlich, Laut fuer Laut zerteilt. Dabei koennten wir dem Italiener doch ein "Nocki" nachplappern (deutsche Orthographie, die uns die Aussprache ja vorgibt).

Zugegeben: Das Italienischer macht da etwas Ausgefallenes. Zuerst die Vorgeschichte: Das Graphem (Schriftzeichen) "H" steht seit roemischer Zeit in allen Sprachen, die sich des lateinischen ABCs (nicht "Alphabetes", das waere ja paradox!) bedienen, fuer Hauch oder Behauchung. "ph" fuer das behauchte "p" des Griechischen, das sich in hellenistischer Zeit zum "f" wandelte; ebenso chi und theta. Das "h" erscheint im Irischen bei allen Lauten, die sich zum Frikativ wandeln ("mh" fuer "w"). Und so weiter...

Ein kleiner Exkurs zum deutschen "sch". Nach meinem Dafuerhalten kodiert es den bezeichneten Laut auf mehrfache Weise. Das "s" steht fuer einen koronalen, stimmlosen Frikativ (und waere es nur das "s", dann waere der Laut alveolar als einfachste Instanz des Koronalen). Das "c" traegt die Information "palatal", legt also die Aussprachestelle fest, ebenso wie im "ch". (--> "palataler Frikativ". Der "ach"-Laut wird ja in der Latinisierung von Sprachen, die nur diesen haben, "kh" geschrieben --> "velarer Frikativ".) Das "h" steht fuer behaucht, also "Frikativ". Damit sollte die orthographische Rolle des "h" umrissen sein.

Nun aber das Italienische. Das "h" hat die Funktion, Wandlung zum Frikativ/Affrikat zu verhindern! Also das genaue Gegenteil. "gi" ist "dschi", "ghi" ist "gi" (ital. und dt. Orth. jeweils), und der Beispiele mehr.

Erklaeren kann man, wie der Deutsche zu seinen sonderbaren Aussprachen italienischer Woerter kommt, naemlich ueber die Orthographie. Warum er das macht? Keine Ahnung. Vielleicht weil er ein Federfuchser ist, oder jemand, dem man Obrigkeitshoerigkeit und Treue zum Geschriebenen eingebleut hat. Vielleicht waren wir deshalb vom Nationalsozialismus so leicht zu vereinnahmen. Wie auch immer die politische Dimension sei, das Massgebende ist letzten Endes immer noch das Sprachgefuehl und das gesprochene Wort. Analphabeten waeren nie auf "Zuch-ini" gekommen.