Autor Thema: Animalpoesie  (Gelesen 140309 mal)

Teigbursche

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Re: Animalpoesie
« Antwort #465 am: 2016-03-05, 00:35:54 »
Lediglich ein kleiner Jokus, dessen ich gänzlich unverknoffen blieb. Gemienen sind diese beiden Schwerenöter:

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Teigbursche

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Re: Animalpoesie
« Antwort #466 am: 2016-03-05, 13:07:46 »
Wehe, wenn ich losgelassen und ersinn' der Reime Massen. Auch heut' wird's wieder tragisch: Möwe (Adler) Horst.

Horst, der doch ein Adler war,
fiöhl als Möwe sich geboren,
reichlich falsch und recht verloren
in dem Körper eines Aar.

Wien zum Schluß gar bitt're Zähren,
daß ihm Hilfe angedeihe,
man vom Sein als schlichte Weihe
ihn verfœhr' in höh're Sphären.

Ach! man erborm sich Horstens nicht,
Ihm zum stetigen Verdruß,
Er lob fort als Adlatus,
Erhusch nie Möwendaseins Licht.

Und wenn er's auch nie richtig schötz',
Er akzeptor zum Schluß sein Leben,
Wewoll nie mehr nach Möv'nem streben,
Mit Hilfe eines Freunds: des Geiers Götz.
« Letzte Änderung: 2016-03-05, 13:09:49 von Teigbursche »
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Teigbursche

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Re: Animalpoesie
« Antwort #467 am: 2016-03-06, 12:12:01 »
Ich kekunn mich des Gefühls nicht erwehren, es fähle etwas in Scholle Schorschens Moritat, wessenthalben selbige neulich folgt als editio longitudinis maioris:

Schorsch, die Scholle, schieh nun scheel:
netzens man ihn schiffswärts hob!
Jede Hoffnung jäh zerstob,
Hieraus miech er keinen Hehl.

Sah gewandt sich schon im Mehl,
In der Pfanne zuberitten,
Zack! in Scheiben dann geschnitten,
Zu den Gräten parallel.

Wenn doch nur die Rettung nühte!
Schorsch sandt' stumm ein Stoßgebet,
huff, es hœre ein Prophet,
stall anheim sich Fischgotts Güte.

Und Schorschens Seufzer ward erhoren,
Neptun selbst erborm sich seiner:
"Kleinstes aller Kinder meiner,
geh' des Lebens nicht verloren!"

Und sieh! das Netz zog allzu hart,
Schorsch glitt glatt von Todes Schippe,
Starb nicht in des Speckes Stippe
Als Scholle Finkenwerder Art.
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Teigbursche

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Re: Animalpoesie
« Antwort #468 am: 2016-03-07, 12:00:42 »
Es naht das vorläufige Ende von Teigburschens Duchtenkreis. Zum Abschluß ein sechshübiger Sechszeiler, sozusagen ein Hexaquadratmeter. Das ist dann die Quadratur des Kreises.

Der tasmanische Teufel Traugott tåb tagein und tagaus.
Er ross und worlb in den Wüsten, verub sich ganz und gar gaus,
verfulg den vermaledeiten Geococcyx mit großem Gebraus.

Am Ende eriel den Ärmsten herzens ein tödlicher Schlag,
er fiel in tasmanischer Sonne, starb jäh auf der Straßen Belag.
Erst in schattiger Gruft fand er Ruhe, bestattet im Sarkophag.
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Berthold

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Re: Animalpoesie
« Antwort #469 am: 2016-03-08, 13:36:39 »
Lieber Teigbursche!

Vom Verseschmieden, von der Metrik, da verstehst Du etwas. Hätte ich mein Baskenmützerl hier, ich zöge es. Bevor Du mir ein "Na und, Zensörle!" vor den Latz knallst, will ich Dich auf eine gewisse - und doch starke - väterliche Tradition hinweisen (-> Albert Janetschek, https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Janetschek*), (schon) derentwegen Du mein Lob ruhig akzeptieren kannst. Ich schreibe solcherlei selten her. Mir gefält auch nicht leichtlich etwas Erdochtenes.

*Dieser Artikel ist noch sehr unvollständig, vor allem, was die Pfappleiche betrifft.
« Letzte Änderung: 2016-03-08, 13:42:22 von Berthold »

Teigbursche

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Re: Animalpoesie
« Antwort #470 am: 2016-03-09, 11:49:14 »
Ach nein, so etwas knölle ich doch niemandem vor den Latz! Geschweige denn dir, ist doch der Zensor das ehrenvollste aller möglichen Ämter. (Darauf einen Leibniz-Butterkeks.)

Lieber Bert, daß du mir hold gesonnen bist, das ist mir ein rechtes Pläsier. Fast möcht' ich sagen: unter dem gezog'nen Baskenmützerl liüchte ein Strahl dieser Sonnen hervor, in dem ich basken wewölle, wie der angelnde Sachse so süge.
« Letzte Änderung: 2016-03-09, 14:11:35 von Teigbursche »
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Re: Animalpoesie
« Antwort #471 am: 2016-06-26, 12:59:53 »
Katze Katja
Katzenmusik in zwei Strophen.

Katze Katja spol gern Klarinette,
sich zum Pläsier, der Mitwelt zum Verdruß.
Frei von der Musen holdem Kuß
erperlten Fugen, Klezmer, Opern und Sonette.

So mancher sah sich schon im Lazarette,
im ird'schen Katzenjammertal,
Wo nichts doch wär' als Plack und Qual --
ein Schrei erscholl: man flüchte, renne, rette.



Gleich gesteh' ich's: hier schlich sich eine Form ein, die freilich "erporlen" lauten sesölle. Aber "erperlten" hat einen gar zu schönen Klang!
« Letzte Änderung: 2016-06-26, 13:03:34 von Teigbursche »
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ku

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Re: Animalpoesie
« Antwort #472 am: 2020-08-27, 20:54:57 »
Ich schaue immer mal wieder rein. Aber hier ist ja das unendliche NICHTS.
Dabei habe ich mal wieder ein WAS für euch.
Das hat zwar auf den ersten Blick nur peripher mit Animalen zu tun. Aber ein Animal kommt darin vor.
Bitte schön:
 

Verheigeraten jahrelang!
Das war ein Grund fürs Festgericht.
Drum fohr er sie ins Restaurant,
bestall gleich Supp und Hauptes Gang,
auch auf den Wein verzacht man nicht.

Doch gleich verschott sie ihren Wein,
samt Suppe auf das Kleid gesorcken.
Ich seh, sug sie, aus wie ein Schwein.
Ja, stamm er mit ihr überein.
Jetzt hast du dich auch noch beklorcken!

Vorbeischauer

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Re: Animalpoesie
« Antwort #473 am: 2021-05-12, 17:09:04 »
Ich will mich jetzt auch mal an der Animalpoesie versuchen:

Otter Hildebrand

Ein Otter namens Hildebrand,
Der lab einst eine Otter.
Wenn er sich flink durchs Wasser wand,
Lag sie auf Terracotta.

Doch wahr das Glück sehr lange nicht,
Sie ließen bald sich scheiden.
Und Hildi, trauernd, dachte sich
Er müsse ewig leiden.

Um dieses Trauma zu bestehn
(Er war ja ein ganz Flotter),
Sug er: Ich will auf Reisen gehn,
Ich werd’ ein Globetrottotter!

Und traf in fernem Land sogleich
’ne attraktive Boa.
Doch zog sie nicht in seinen Teich,
Noch er zu ihr nach Goa.

Auch Chinens ging’s im Leibe fort
Wie Schmetterlingsgeflatter.
Man ahnt’s schon, er erblak alldort
’ne wunderschöne Natter.

Auch diesmal hat’s nicht sollen sein,
Sie trannen sich zu balde.
Und so blieb Hildi ganz allein
Im Bache, Teiche, Walde.

Und doch, es währt die Einsamkeit,
So sug er sich, nicht lange.
Ich suche einfach weit und breit,
Und find’ ’ne andre Schlange.

Nun weilt er meist auf der A10,
Liegt wonniglich im Wagen.
Er liebt es sehr, im Stau zu stehn
- Welch seltsames Betragen!


Schnake Karl-Florian

Der Schnäkerich Karl-Florian
Ist ziemlich humanistisch.
Er lebt gewaltlos, fair, vegan,
Dazu auch pazifistisch.

Er will nur menschenfreundlich sein,
Und ist ein ganz Gewitzter:
Steigt in die Impfkampagne ein,
Biontechdosen spritzt er.

Grinsekater

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Re: Animalpoesie
« Antwort #474 am: 2021-05-13, 15:27:59 »
Herzzerreißen, der liebende, suchende Hildebrand! Und die Vorstellung von impfstoffspritzenden Schnaken ist ganz brillanter Paranoia-Stoff. Die werde ich mal als Witz austesten (und hoffen, daß mich niemand ernst nimmt; hoffe ich sowieso immer).

Zusammen haben mich die Düchte irgendwie (wahrscheinlich wegen Wasser und vegan und animal) an Morgensterns „Der Hecht“ erornnen. Ist es möglich, daß der hier im Forum noch nie erwuhnen ward? Ich zitiere (irgendwo aus dem Internet herkoporen, also ohne jede Gewähr für quellengetreue Orthographie oder Zeichensetzung):

Zitat
Christian Morgenstern
Der Hecht

Ein Hecht, vom heiligen Antón
bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.

Er aß seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegrieß.
Doch Grieß, Gras, Rose floß, o Graus,
entsetzlich wieder hinten aus.

Der ganze Teich ward angesteckt.
Fünfhundert Fische sind verreckt.
Doch Sankt Antón, gerufen eilig,
sprach nichts als: »Heilig! heilig! heilig!«

(unerträglich schön auch in der Vertonung von Friedrich Gulda)

katakura

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Re: Animalpoesie
« Antwort #475 am: 2021-05-16, 10:59:45 »
Zusammen haben mich die Düchte irgendwie (wahrscheinlich wegen Wasser und vegan und animal) an Morgensterns „Der Hecht“ erornnen. Ist es möglich, daß der hier im Forum noch nie erwuhnen ward?

... wer? ... der hecht oder morgenstern?   ;)
« Letzte Änderung: 2021-05-16, 15:21:39 von katakura »
Toleranz ist vor allem die Erkenntnis, dass es keinen Sinn hat, sich aufzuregen. (Helmut Qualtinger)

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Re: Animalpoesie
« Antwort #476 am: 2021-05-18, 09:31:36 »
 Der Hecht naturl, der Stern ist ja ein Star.