unfähig

Begonnen von VerbOrg, 2005-07-11, 22:03:42

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gehabt gehabt

Je mehr ich ueber unsinkbar nachdenke, desto falscher kommt mir das Wort vor. Zerbrechbar heisst: man kann es zerbrechen aber zerbrechlich heisst: es kann zerbrechen. Also muesste es eigentlich heissen: "die Titanic galt als unsinklich". Und was soll eigentlich heissen: die Eltern sind haftbar wenn die Kids Unsinn machen. Man will offensichtlich damit ausdruecken: Die Eltern koennen haften gemacht werden. Haften machen ist aber der Kausativ von haften, und dieser ist gleich heften. Also sollte es wohl heissen: "die Eltern sind heftbar".  

VerbOrg

Soeben in der Zeitung gelesen:

"Eine zweiwöchige Internierung, wie etwa in England, ist ungedenkbar."

Ihr kann also nicht gedacht werden.
Ich werde dieser Zeilen allerdings gedenken.

Agricola

Ein Ereignis, dass nicht geschehen kann, ist unpassierbar.
The future lies in front of me,
but "lies" is all that I can see.

Agricola

Das passt in diesen Faden:

es geht ja darum, dass das Land regierungsfähig wird.

(über Hessen im MIAL.)

Wenn oder was soll das Land denn regieren?
The future lies in front of me,
but "lies" is all that I can see.

tla

Nicht nur unterscheidbar, sondern auch zu unterscheiden sind doch die festgestollenen aktiven Möglichleiten/Fähigkeiten und die passiven Möglichkeiten von den empfohlenen, befohlenen und optimalen, also

sinklich wie die Titanik, essbar wie ein Fliegenpilz
und auf der anderen Seite
nicht sinkenswert wie ein Schiff, nicht zu essen wie ein Fliegenpilz

Da die empfohlenen/befohlenen und optimalen Wendungen wie ich sie benotz nicht schön zu finden sind, nicht einmal schönfindbar, sind die beiden optativen Partizipien Futur Aktiv und Passiv daseinswert und einzuführen.

Homer

#35
Zitat von: VerbOrg am 2005-07-12, 18:34:49
Jetzt sind wir wohl wieder da, wo wir noch nie waren: bei der Logik (!) der Sprache.
Ist es nicht normalerweise so, dass "-bar" Adjektive aus solchen von dir angesprochenen Passivkonstukten gebolden werden?

undenkbar
steigerbar
stärkbar
unbar ( ;) )

Das von dir angeschriebene undankbar scheint da eine Sonderstellung einzunehmen, da jemand, der undankbar ist, ja nicht jemand ist, dem man nicht danken kann.
Sonderbar.


Wieder geht mir auf, was für eine Fundgrube dieses Forum doch ist! Wieso wußte ich bis vor einem halben Jahr nichts davon? :-[ Auch über -bar, das mich immer mal wieder beschäftigt, habt ihr also schon vor fünf Jahren sinnoren. Aber ich glaube, ihr schazt die Molge dieses Suffixes seinerzeit unter.

Zwei kluge Professoren meiner, deren Urteil in rebus linguisticis ich sonst blind zu folgen stets bereit war, behupten einst unabhängig voneinander, unverzichtbar sei kein korrektes deutsches Wort, da -bar-Adjektive nur von transitiven Verben gebolden werden dedürfen. Nun fallen einem aber sofort Gegenbeispiele in Hülle ein: kostbar (≠ "was man kosten kann"), haltbar (≠ "was man halten kann"), dankbar, urbar, unsinkbar (s.o. im Faden), streitbar, dienstbar, sonderbar, wunderbar, gangbar (nicht gehbar!), sangbar (nicht singbar!), sichtbar (nicht sehbar!), unleugbar, ruchbar, mittelbar, schandbar, fehlbar ... Eine Verlorng der Liste wäre jedem ein leichtes, denke ich. Was sagt uns das? Nun, die Bold von -bar-Adjektiven aus dem Präsensstamm transitiver Verben ist nicht die einzige, aber die einzig heute noch produktive Methode. Vordem kekunnen offenbar auch Substantive (dienstbar = Dienst mit sich bringend usw.), ja sogar Adjektive oder Adverbien ein -bar zu sich nehmen, und diese Art der Bold ist vielleicht sogar die ältere, nur eben leider nicht mehr ülb. Man schaue: http://lexika.digitale-sammlungen.de/adelung/gehezuseite/bsb00009131?page=723

Was ich damit sagen will: Bewillkommnen wir enthusiastisch alle scheinbar der Sprache Gewalt antuenden Bolde des Musters unkaputtbar, damit geschmeidig die gezolene Sprachprovokation der Plastikflaschenhersteller ins Leere laufen lassend. Den VfL Bochum erklären wir, wenn nicht für unabsteigbar, dann aber jedenfalls für unabstiegbar. Und auch sonst, schlage ich vor, lassen wir das altehrwürdige, aber unfruchtbar gewordene "Nomen + -bar" getrost fröhlste Urständ feiern und ins Kraut schießen wie ehedem! Unsinkbar sei Modell für "intransitives Verb + -bar". Und dann ist es egal, ob unverzichtbar von verzichten oder vom Verzicht abgelitten ist.

Grüße ins forale Sommerloch :(
Homer

amarillo

#36
Sommerloch? Wo? Eigentlich kennen wir sowas nicht, wir unterscheiden hier ledalg 'Präpesch' (präperverses Schweigen) und 'Popest' (keine Rektalseuche sondern: postperverse Stille). Manchmal - das muß ich allerdings eingestehen - scheinen die beiden nahtlos ineinander überzugehen.

Zur Sache:

Ich ginge gerne noch ein Schrittchen weiter und fürbeworte die Einfuhr von 'bar'-Verben.

Der Vfl kekünne sich bei kluger Trainerwahl und geschicktem Stürmer-Zukauf (ver)unabsteigbaren.

Sie haben eine Sauklaue, Herr Müller, (ver)lesbaren sie das hier mal.

Diese Los würde ja denn auch das alte Schlappverb 'machen' verzichtbaren.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Homer

Zitat von: amarillo am 2010-08-02, 18:15:33
Diese Los würde ja denn auch das alte Schlappverb 'machen' verzichtbaren.

Das versonderbart, aber auch verachtbart, ja verzierbart das Neutsche und vervielbart seine Molge. Und es vermachbart den Verzicht auf machen.

VerbOrg

Zitat von: amarillo am 2010-08-02, 18:15:33
Ich ginge gerne noch ein Schrittchen weiter und fürbeworte die Einfuhr von 'bar'-Verben.

Der Vfl kekünne sich bei kluger Trainerwahl und geschicktem Stürmer-Zukauf (ver)unabsteigbaren.

Sie haben eine Sauklaue, Herr Müller, (ver)lesbaren sie das hier mal.

Diese Los würde ja denn auch das alte Schlappverb 'machen' verzichtbaren.
Warum eigentlich nicht.

Da fällt mir ein:

Die GSV ist ja kein richtiger offizieller eingetragener Verein.
Aber bei der Verstru der Mitglieder wäre sie sicherlich auch schwer zu vereinbaren.